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Es werden Posts vom Oktober, 2008 angezeigt.

Nachtrag

schöne Mail von Viktoria erhalten in der sie u.a. schreibt: " Ich habe etwas "neues" gesucht, und was "wahres" gefunden.... "

Yürgen, Wudang 22.10.08

Man versichert mir glaubhaft, so wie heute sei der September meistens gewesen. Trist, grau, nass, kalt. Gestern wollte ich auflisten, was ich alles umsonst mitgeschleppt habe, heute brauch ich es. Einen extra Respekt an Lilo, das auch noch im "Police-Hotel" durchgehalten zu haben. Heute ist mein letzter Tag hier , morgen geht's raus in die andere Welt. Mir gruselt. Zum Aufwärmen heute wieder Fußball gespielt. Die Kids können zwar nicht gut spielen, ich auch nicht, aber sie können laufen. Gegen Simon, unseren Ballkünstler aus Schweden, haben sie keine Chance. Danach Korrektur über alles. Heute Nachmittag ist noch mal eine Stunde Shierduanjin, 12 Brokate, angesagt. Das sind nicht die in Deutschland bekannten 12 Brokate für Alte, Schwache und Kranke sondern ein ziemlich kraftvoller Stoff. An die traditionellen acht hat der alte Meister Wang noch vier drangehängt. Wir haben die ersten acht schon im Frühjahr kennen gelernt, wovon ich nur die ersten vier in der Erinnerung beha...

Yürgen, Wudang 21.10.08

Vor zwei Tagen Grace gebeten, mir ein Zugticket zu buchen. Von Wudangshan nach Xiangfan. Fragt sie, ob ich dann weiter fahren will nach Shanghai. Shanghai? Wie kommt sie darauf? Heute morgen nachgefragt. "Oh sorry, I forget." Nochmal erklärt, ist ja eigentlich einfach. Ich hab ihr die Zugnummer gegeben, die Abfahrzeit, die Ankunftzeit .... nun gibt es keinen Platz mehr in dem Zug. fahre ich eben mit dem Bus. Neue Erfahrung. Fährt angeblich alle halbe Stunde, dauert zwei Stunden. Was wollt ich noch sagen? Sorry, I forget. Achja, das Wetter. Einen Wollpullover zum Training anzuziehen schien mir heute morgen dann doch etwas übertrieben. Entschied mich für das langärmlige Hemd, wenn ich es schon mit habe, über dem T-Shirt, unter der Kutte. Für den Fall, das es nicht reicht, noch den Kranich-Sweater im Rucksack. Nach drei Reihen Kicks war mir das zu warm und ich musste was ausziehen. Der Himmel zwar bedeckt, aber schwülwarm und die Sonne setzte sich mehr und mehr durch. Es ist noc...

Yürgen, Wudang 19.10.08

Meine Nase läuft! Entweder gestern Abend bei der Sitzerei auf den Treppenstufen vorm Tempel, oder heute morgen beim Kicken ordentlich geschwitzt und danach beim taiji abgekühlt und die Luft ist auch nicht mehr das, was sie vorgestern noch war -warm. Am Nachmittag ging's wieder spazieren. Wenn wir gut trainieren, hat der Meister gesagt, dann geht er auch mit uns spazieren. Was diese Spaziergänge von einem Geländemarsch unterscheidet, ist nur, dass wir kein schweres Gepäck mitschleppen brauchen. Ansonsten wär mancher BW-Schleifer glücklich, seine Frolleins über solche Bergpfade scheuchen zu können. Bin mir vorgekommen wie der Geisenpeter. Und dabei tropfende Nase. Musste mir später im Qu-Supermarkt noch ne Rolle Klopapier kaufen, hätte sonst bis zur Abreise gereicht. Als wir bei dem Walk so links oberhalb vom Zixioaogong rauskamen,tönten von dort die typischen laute einer Wushu Performance. Konnten aber nicht unsere Jungs sein und war auch nicht unser Sound. Also daher wehte der Wind...

Yürgen, Wudang 18.10.08

Was ne Uffreschung! heute morgen hatten sich zum dem aufgeblasenen Bogen noch einige rote Ballons in Form chinesischer Lampions gesellt und aus einem LKW wurden große Trommeln ausgeladen. Nach und nach wurde der Platz vor der Akademie mit Bussen und Lastwagen vollgeparkt. Inzwischen hatten wir auch erfahren, um was sich das Spektakel dreht. Ein berühmter chinesischer Regisseur (den Namen find ich noch raus) dreht einen Spielfilm über Wudang (oder in Wudang) und wird nun geehrt. Bei meinem morgendlichen Besuch im Tempel hatte ich schon bemerkenswert viele große Kisten vorgefunden, auf denen auch ein Roady schlief. Mitten im Hof steht ein großer Kamerakran, tonnenweise Scheinwerfer. Das Vormittagstraining fand im Tempel statt, während draussen der Zinnober abgehalten wurde. Jede Menge Schaulustige und jede Menge Journalisten. Die Trommlergruppe übrigens absolut Fastnachtstauglich. Sollte man einladen. Die ganze Akademie war im Tempel und belegte alle möglichen Plätze. Ich hatte den Eindr...

Yürgen, Wudang 17.10.08

Dritter Drehtag - Location: das Tal des sorglosen Lebens. War ich da nicht gestern schon? War ich. Diesmal aber wieder mit dem Kameramann. Zum Glück müssen wir nicht dauernd eine Szene wiederholen. Wir machen was, er filmt drauflos und inzwischen weiß ich auch, wofür das ganze. Soll ne Werbe-CD werden, zum Verteilen im Ausland. Na prima. So kann man auch in der Welt rumkommen. So bekommt man aber auch wenig Korrektur, weswegen ich doch hergekommen bin, den weiten Weg von Germany für eine viel zu kurze Zeit. Am Nachmittag, nachdem mir der Meister mit übertriebener Gestik klargemacht hat, dass meine Bewegungen zu eng sind, noch immer, darf ich dann Taihe zeigen und bekomme darin Verbesserungen. Auch hier verlangt Shifu Guan mehr rund, mehr Kreis, mehr Raum. Fühlt sich ja dann auch besser an. Zur abendlichen Meditation gehen wir diesmal vor den Zixiaogong, unseren Haustempel. Nur steht davor, seit wann eigentlich?, ein aufblasbares, aufgeblasenes rotes Bogentor, zu dessen Aufrechterhaltu...

Yürgen, Wudang 16.10.08

Gestern, als wir auf dem Tianzhu waren, zogen langsam Wolken auf, die Täler waren in Dunst gehüllt. Himmel und Erde vermischten sich. Am späten Abend hörte ich das befürchtete Rauschen - Regen. Aber nur für wenige Minuten. Heute Morgen ist der Himmel wieder klar und wolkenlos. Donnerstags ist trainingsfrei. Ich werde im Tal des sorglosen Lebens wandern. War das ein Tag! Kurz nach neun hab ich mich aufgemacht und bin mit dem Bus runtergefahren zum Tal des sorglosen Lebens (xiaoyao = frei sein, locker), mit mir steigen Cheng Qiang (Frank) und Jiang Fu Rong aus. Müssen schon vorher am Nanyan eingestiegen sein. Sie wollen auch das Tal durchwandern, weil ich mir aber Zeit lassen will, schicke ich sie vor. Ich mache das dann auch erst mal alles ganz gemächlich, fotografiere vieles und steige wieder rauf zum Yu Xu Tempelchen, einem meiner Lieblingsplätze. (suche Sponsor, um dort die Klause wieder zu errichten und mindestens 6 Monate im Jahr dort leben zu können) Das Tal ist wirklich wundersc...

Yürgen, Wudang 15.10.08

Was ich gestern Abend nicht verstanden habe wohin es geht, war golden top. Meint den höchsten Berg hier, den Tianzhu , auf dessen Gipfel ein kleiner Tempel aus massivem Messing steht, das ursprünglich mal vergoldet war. Dorthin gehen bedeutet vom Nanyan aus, wohin wir mit dem Bus gefahren sind, vier Kilometer weit Treppen rauf und runter, aber vor allem rauf und zwar rund 1000 Meter Höhenunterschied dabei überwinden. Das dauert nicht lange, nur so zweieinhalb Stunden. Zuerst gabs mal lecker Essen bei den Mönchen, dann Videoaufnahmen, mmh. Dazu kletterte Meister Guan auf einen kleinen Nebengipfel, wo er in luftiger Einsamkeit Meditieren, Taijiquan und Flöte spielte. Nacheinander. Dann wurden wir mitgebrachten Ausländer auf Felsen und Vorsprünge drapiert und durften auch Meditation spielen. Nächste Location, wir machten zusammen mit dem ehrenwerten Shifu eine Qigong-Abfolge, die außer Dennis noch niemand von uns nie gemacht hatte. Muss wirklich eine Produktion für Pleiten, Pech und Panne...

Yürgen, Wudang 14.10.08

Heute war es einfach zu heiß für besondere Vorkommnisse. Gestern hat mich ein Tier ins Auge gestochen - in den Augapfel. Hab ich was von, Tränen. Der Meister sagt mir brav immer das, was ich auch meinen Schülern sage. Mehr rund, alles ist kreisförmig (ja was mach ich denn, wenn nicht Kreise? Zu kleine!) Knie nach außen halten usw. Morgen darf ich dann der versammelten Mannschaft - die beachtlich geschrumpft ist seit unserer Ankunft - zeigen, was ich in der Woche gelernt habe. Zusammenfassung: Meine Form wird besser, deutlich besser. Trotz der Hitze durften wir am Nachmittag Fußball spielen. Langnasen gegen Schlitzaugen. Wir haben natürlich ungezählt hoch gewonnen, aber die Jungs haben gut gekämpft und gelegentlich auch mal Wushu eingesetzt. Danach habe ich darauf bestanden, im Schatten weiter üben zu können. Bin doch kein Brathendl. Assis hatte die Idee, zur Meditation raus zu gehen und in der Kurve zum Zixioa uns auf die Betonblöcke zu setzen. Blick übers Tal auf den vollen Mond. Ich ...

Yürgen, Wudang 13.10.08

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Gestern abend, vor der Meditation gabs erst einen Spaziergang zum Zixiaogong, bisschen Mond gucken. Sofort ging eine riesige Diskussion los, die mit Tai Yang anfing und dann sehr rasch in ein Vokabular abrauschte, dem ich nur meine Phantasie entgegensetzen konnte. Dennis lauschte jedenfalls ganz aufmerksam und ich werde ihn mir noch mal zur Seite nehmen müssen, um wenigsten einen kleine Zusammenfassung zu bekommen. Nach der Meditation stellte ich dann überraschend fest, aus der Leitung kommt heißes Wasser. So schnell war ich noch nie aus den Kleidern und dann konnte ich richtig ausgiebig und richtig heiß duschen. Zum Glück hatte ich schon vor zwei Tagen das Geheimnis des Abflusses gelöst. Man hat hier, wie es modern ist, keine Duschwanne, sondern einen zur Mitte hin abschüssigen Boden, wo sich dann ein Abfluss befindet. Dennoch steht im Nu das Bad kniehoch unter Wasser. Ich werde nun versuchen in gewählten Worten dem geneigten Leser die Konstruktion zu erklären: Zuoberst haben wir jene...

Yürgen, Wudang 12.10.08

Die Sonne scheint! Viktoria ist natürlich etwas sauer, da sie morgen abreist, aber natürlich kann sie sich auch für heute freuen und immerhin wird das ihr letzter Eindruck von Wudangshan sein. Es gibt noch eine Episode nachzutragen: Wir hatten verabredet, am Dienstag um 10 Uhr in Xiangfan abgeholt zu werden. Also saßen wir erwartungsvoll nach dem ersten richtig chinesischen Frühstück in der Hotelhalle rum und warteten. Als um 11:00 Uhr noch niemand aufgetaucht war, schaltete ich dann doch mal mein Handy ein und siehe da, eine sms von Lilo. Oha! wir sollten unbedingt bei ihr anrufen sobald wir in Xiangfan angekommen seien. Das war gestern. Sofort die Nummer gewählt, sogar Anschluß und Lilo anscheinend erleichtert:"Ja wo steckt ihr denn?" Na was hatte sie denn erwartet? Jetzt klärte sich, verständlicherweise wollte man in Wudang erst abfahren zur Abholung, wenn sicher sei, die abzuholenden Personen seine auch dort. "Ja, wir sind hier, wir warten, bis bald." Wir hatte...

Yürgen in Wudangshan

11.10.08 also gut, dann übernehme ich ab heute und ich werde einen Deibel tun und versuchen, Lilos genialen Schreibstil zu kopieren. Da verweise ich doch lieber an Bettina, die als "Warrior Woman" derzeit einen Park in Shanghai unsicher macht und sauber darüber berichtet, gelegentlich ablästert. Meine Hoffnung, nach Lilos Abreise würde sich das Wetter bessern, wurde enttäuscht. Dass es aber schon Mitte Oktober Schnee geben könnte... nicht in diesem Jahr, es ist viel zu warm - draußen - wenn man trainiert! Drinnen, in diesen wunderschön hergerichteten Zimmern, wirklich, es sieht edel aus (ist es aber nicht, denn an jeder Ecke sieht man den Pfusch und in Deutschland bekämen die Handwerker nicht einen Cent- aber bin ich hier von der Bauaufsicht? Nein!) drinnen ist es immer kühl bis kalt. So wie das Wasser. Eben war ich wieder einmal dieser haptischen Täuschung erlegen. Finger unters kalte, fließende Wasser gehalten und als es zwei Grad wärmer wurde, geglaubt, es wäre schon heiß ...

Lilo in Wudangshan, die Letzte

06.10.08 Obwohl wir im Moment wunderbares ruhiges Herbstwetter haben und ich morgens mit einem fantastischen Blick in die Berge erfreut werde, ist doch nicht zu leugnen, dass der Winter nicht mehr weit ist. Hier kann es bereits Mitte Oktober den ersten Schnee geben. Hoffentlich erst, wenn ich weg bin, denn darauf bin ich nun wirklich nicht eingestellt und Youkis Winterkleidung dürften mir beim besten Willen nicht passen (die Kekse...). Morgens ist es so empfindlich frisch, dass ich meine Tracht gerne noch mit einer Weste und einer Jacke versehe, was der strenge Meister nicht gern sieht. Gefällt ihm gar nicht. Wir sollen alle schön einheitlich rumlaufen und er läuft ja auch bei jedem Wetter immer nur im weißen Kostüm mit T-Shirt drunter herum. Ich habe ihn tatsächlich noch nie mit Jacke gesehen. Seine Mitspieler tragen wenigstens hin und wieder mal eine schwarze Jacke - auch das Einheitskluft der Schule - legen die aber sofort ab, wenn es richtig losgeht. In einem unbeobachteten Moment ...

Lilo in Wudangshan, die 8.

02.10.08 Nach einem ausgedehnten Pokerabend, an dem auch das eine oder andere Tröpfchen Bier geflossen ist, wuchte ich mich mühsam um 7.00 h aus dem Bett, dankbar dafür, dass ich um 8.30 h zum Training antreten darf. Ich stelle mir das relativ locker vor, eigentlich habe ich ja frei und Guan weiß das ja auch. Bestimmt weiß er das... 8.20 h. Ich kann Guan schon unten hören. Und sehen. Wedelt schon voller Tatendrang mit der Rosshaar-Peitsche. Arme Viktoria. Aber ich werde auch ein wenig üben, die Geschichte von gestern sitzt noch gar nicht, also nehme ich mein Schwert mit. Wir kommen an und Guan schickt uns erst einmal warmlaufen. Kann nicht schaden, also trabe ich locker los. Mache ich ja auch sonst am Sonntag. Aber dann: Kicks! Das volle Programm! Och nee, ich habe Wochenende - Muskelregenerationstag! Guan hat zwar kein Schwert dabei, ich fürchte, das wird ihn aber nicht daran hindern, mich gnadenlos zu knechten und zu korrigieren. Und so kommt es dann auch. Ich habe in der Nacht fast...

Lilo in Wudangshan, die 7.

30.09.08 Gestern beim Nachmittagstraining die ganz große Überraschung: Grace huscht auf den Spielplatz: bitte nach dem Unterricht ohne schuldhaftes Zögern Gepäck zusammenraffen und umziehen! Ich fasse es nicht - nach 3 Wochen Dasein als Grotten-Olm in einem feuchten, klammen Zimmer (aber immerhin mit Dusche!) mit Felsenblick und nicht funktionierendem elektronischen Türschließer (was zu einem sehr innigen Verhältnis zu den Elfen geführt hat) darf ich wieder an's Tageslicht! So schnell habe ich noch nie gepackt, in 15 Minuten bin ich abmarschbereit, Viktoria und Grace helfen mir, mein Geraffel rüber in die Akademie zu schleppen und ich darf mein neues, noch jungfräuliches Zimmer beziehen. Ich bin die erste Gästin. Alles ganz neu. Zimmer 410 in der Daoistischen Wushu-Akademie zu Wudang Shan - von mir persönlich eingeweiht! Irgendwo werde ich an einer unauffälligen Stelle meinen Namen hineinritzen. Auf ewig mein. Ich bin so dankbar, endlich in ein trockenes Nest zu steigen und die Aus...