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Es werden Posts vom Oktober, 2010 angezeigt.

Frühling

Da ist wieder was los im Hof, vor meiner Tür. Aber anders, nicht wie bei den Pilgern, mit Geschrei und Gekeife. Etwas sehr lebendiges, frisches. Ich stecke meine Nase raus. Die Kids sind da. Die Kleinen, oder sagen wir mal das mittlere Alter, so um die 12 bis 15 Jahre. An die zwanzig junge Menschen im Hof. Mit Waffen und Reiseköfferchen. Da keiner in der Nähe ist den ich fragen könnte (bei den Kids brauch ich mein Chinesisch nicht erst ausprobieren) kann ich nuir vermuten. Sammeln, Training und dann Abreise auf Tournee. Oder zumindest einer kleinen Performance oder schon wieder irgendwo eine der vielen Nationalen Meisterschaften. Das war gestern. Und heute laufen noch mehr von den kleinen wuseligen Kerlchen ein. Auch die Kleinen. Und auch Yarou, die ich fragen kann. Weil die Bürschlein auch Bettdecken und sehr perönlich aussehende Dongxi mit sich schleppen, vermute ich doch einen längeren Aufenthalt. Wie lange sie denn bleiben, frage ich Yarou. So ca. 50. Tage? Nein Leute. Noch mal: wi...

Der Neue

Wir haben einen neuen Prospekt. Für die Akademie. Werbung. Auf Chinesisch und auf Englisch. Da steht drin, wir hätten einen erstklassigen Koch. Mit besonderen Spezialitäten, Geschmacksrichtung Szechuan. Das wär doch prima, sollte man glauben. Aber als ich den Prospekt durchgelesen habe, da waren wir schon zwei Wochen hier und hatten von dem Essen in der Kantine die Schnauze voll, wie man so schön sagt, was hier wörtlich zu nehmen ist. Meist sind wir ausgegangen in eine der kleinen Klitschen hier, wo unbekannte, von Sternen verschonte Kochkünstler ihr Wesen treiben und unseren Gaumen neue Kitzel zufügen können. Ganz einfach so mit einem Wok und einer handvoll Gewürzen. Also dieser Mann da in der Küche der Akademie, der sollte bitte sein Sterne wieder abgeben. Jetzt hieß es auf einmal: Wir haben einen neuen Koch. Der hat schon drei Monate lang auf der Expo für unsere Jungs und Mädel gekocht und die wären ganz begeistert von ihm. Hat mir Guan Shifu erzählt, als ich bei ihm zum Essen gelad...

Alle reden vom Wetter

wir haben's. Was uns in den vier Wochen schon alles präsentiert wurde, kann man als einen Querschnitt durch die Möglichkeiten der Wetterkarte sehen. Wüstenstürme ausgeschlossen. Als wir auf der letzten Reise im Frühjahr, Mitte April ankamen, lag noch mal Schnee. Der letzte für diesen Winter. Heute, als ich zum Nachmittagstraining in den Hof kam, roch es nach Schnee. Auch Koko nickte und meinte:'Snow!' Nach der ersten Runde Taijiwalk verkündete plötzlich unser Springbällchen freudig:'It's snowing! Yeah.' was Roxy noch nicht wahrnehmen konnte oder wollte und deshalb meinte, das Springbällchen würde spinnen. Aber es ließ sich nicht leugnen, es wurde deutlich mehr. Kein Schnee, Geschneisel. Kaum auf dem Boden, schon verronnen. Aber immerhin. Der erste für den kommenden Winter. Letztlich riss es Guan Shifu zu der Abschlussbemerkung hin, wir sollten die Treppen vorsichtig hochgehen. Er sorgt sich immer so rührend um uns. Also Klimawandel? Hier täglich.

little, little movement

Heute regnets. Ob man da richtig trainieren kann, zweifelt St. beim Frühstück. Li Shifu zeigt uns, dass man kann. Alle rundum aufgestellt im Daoyuan, auf dem überdachten Rundgang und dann was haste was kannste: Dehnen, Kicks, Dehnen, Kicks, Sprünge, Kicks, Dehnen, Spünge, Kicks, Dehnen, Sprünge, Dehnen, Kicks. Nicko, der schon über ein halbes Jahr hier ist, meint beim Mittagessen, das sei die härteste Session gewesen, die er bisher erlebt hat. Womit ich mir mein zwischenzeitliches Schwächeln verziehen hab. Guan Shifu schaut, nachdem für alle schon 'class over' ist, noch mal über meine Schwertform und ist bis auf zwei Details zufrieden. Als ich an diesen beim Nachmittagstraining feilen will, finde ich keinen Platz. Ich gehe in den Meditationsraum, wo die Amerikaner die 28er Form quälen und tue das meinige mit der 13er. Guan schaut vorbei, korrigiert bei den Amerikanern und dann soll ich mal zeigen. Klar, deshalb mach ich doch den weiten Weg.Er entdeckt eine little, little moveme...

Wimmern und Stöhnen

Chuck, ich nenn ihn so, weil er eine gewisse Ähnlichkeit hat mit Chuck Norris, aber bartlos, ist von der Competition übrig geblieben, hat dran teilgenommen und bleibt noch eine Weile, um zu lernen. Ich weiß nicht genau, was er lernen will, am regulären Unterricht nimmt er nur partiell teil, unter anderem mit eben jenem Gerassel, das im keiner unserer Lehrer beigebracht hat, nur Zhong, der alte Haudegen hat ihm heute mal gezeigt, wie das eigentlich geht. Was kann der Kerl eigentlich nicht? Einer von Chucks Schülern ist auch hier. War schon vorher hier und hat bei den sensibleren Übungen deutliche Wahrnehmungs- und Ausführungsdefizite offenbart. Nun seit Chuck hier ist, machen die beiden bei so einem Killefitt natürlich nicht mit. Kinderkram, Weicheiergongfu, so würde ich Chucks Mimik deuten. Statt dessen geben sich die beiden höchst interessanten homoerotischen Sadomasospielen hin. Der Schüler zum Beispiel sitzt, mit ausgestreckten Beinen, den Oberkörper vorgebeugt, auf dem Boden. Der M...

Ruhe

gestern war es wieder aufdringlich im Tempel, außerdem wird das Dach renoviert, deshalb sind wir jetzt im Daoyuan, fern ab aller Touristenströme, trainieren in Ruhe. Als ich seinerzeit zum ersten Mal nach Stillpoint reiste, gab mir Moni eine Ausgabe der Transatlantik mit. Ich meine, es war Enzensberger, der darin seine erste Reise nach China beschrieb. Das fing schon im Flieger an. Sein Nachbar, Chinese, schlief sofort ein, wie es sich für seine Art gehört. Gab Enzensberger die Armlehne auch nur einen Millimeter frei, rückte der schlafende Ellbogen nach, übte er dagegen leichten Druck aus, zog sich der chinesische Arm gerade genug zurück. Er blieb immer auf Kontakt. So musst du dir das auch im Tempel mit den Touris vorstellen. Sie stehen mit ihren Fotos in breiter Wand vor uns, während wir auf sie zuwandern, gemächlich, im Taiji-Schritt. Erst wenn mein Fuß fast auf ihren tritt, kurz davor, machen sie einen kleine Ausweichbewegung. Nicht mehr als nötig, gerade genug, um noch den feixend...

Umkehr

Heute morgen, im Tempel, ist anscheinend Klassenfahrt der Weiterbildenden Fachoberschule aus Wuhan. Einem der Mädels muss man gestern Extasie in den Tee getan haben oder sie hat zumindest einen Tripple-Esspresso intus. Wir sind, wie berichtet, schon einiges gewöhnt. Sie war die Krönung. Vielleicht bekommt ihr auch der Vollmond nicht, jedenfalls die junge Frau war gänzlich außer sich. Bis man ihr erklärt hatte, dass sie verletzt werden könnte, hampelte sie kreischend zwischen unseren Kicks rum. Nach dem YinYang Prinzip müsste es nun umkippen. Es ist schon ruhiger geworden, aber es könnte noch. Vom Training zurück, hocken vor meiner Tür eine Gruppe buddhistischer Nonnen. Kahlgeschorene Schädel, graue Kittel, freundliches Lächeln und Beiseiterücken. Ist das der Auftakt der Umkehr? Heute reist eine Teilnehmerin meiner Gruppe ab. Demgemäß haben wir gestern abend ausgiebig gespiesen. Der kleine Mann hat sich geradezu selbst übertroffen. Langsam denke auch ich an die Heimkehr, n u r noch eine...

Herr Hu, Frau Merkel und das leichte Schwert

Heute waren Hu Jintao und Angela Merkel bei uns zu Gast im Zixiaogong. Deshalb war das Training eine halbe Stunde vorverlegt worden. Die Burschen und Mädel aus der Akademie waren auch raufgekommen, um den hohen Gästen etwas vorzuführen. Dann meinte Guan, ich solle die kurze 18er Form vorführen. Naja, wenns sein muss hab ich gesagt und mich bereitgestellt. Guan hat noch mal nachgeforscht, ob ich übermäßiges Herzklopfen habe. Nein hatte ich nicht. Warum auch. 18er Form ist einfach und kann ich vorwärts wie rückwärts und wenn es sein musss auch auf links gewendet. Auf dem roten Teppich machten die Jungs den wilden Mann. Dann standen sie alle still und begannen ... mit der 18er Form. Na hab ich gedacht, dann bin ich ja raus. Die kann ich doch nicht anschließend noch einmal vorführen. Guan war auch etwas perplex, dann entschied er spontan, ich solle die Schwertform laufen, nur ein Stück, ich könne irgendwo aufhören. Die Schwertform, nein also, ehe ich mich versah hatte ich aber schon eine s...

Was mach ich hier eigentlich

Stimmt, ich habe noch kein Wort darüber verloren, was ich derzeit hier treibe. Während das letzte jahr voll war von zökeln (kreisen) beim Erlernen des Baguazhang, laufe ich jetzt strikt auf einer Linie. Nein, nicht Xingyi, wie der Kenner meinen könnte. Ich erlerne die Taijiquan Sanfeng Shi San Shi (太极拳三丰十三式). Die dreizehnerform des Sanfengpai. Es heißt, dies sei die Ursprungsform des Taijiquan, zumindest jene, die traditionell hier überliefert sei und zurück geführt wird auf Zhang Sanfeng. Wir waren heute beim Alten oben in der Höhle des Prinzen, der auch als Bienendaoist bekannt ist, und er freute sich riesig, mich wieder zu sehen und drückte uns neben einigem an Gebäck auch scheckkartengroße Bildchen in die Hand. "Zhang Sanfeng, Zhang Sanfeng." klärte er uns auf. Es ist ein pfiffig dreinschauender Kerl in prächtigem Gewand abgebildet. Ganz anders als ich sonst die Bilder und Statuen von Zhang Sanfeng kenne, dem die Erfindung des Taijiquan zugeschrieben wird. In einigen Schr...

Puertorico

ist ein kleines, unbedeutendes Land in meiner Weltkarte. Gewesen, bis ich hier in Wudangshan letztes Jahr Eduardo kennen lernen durfte. Seitdem erklärt er mir auf Facebook täglich, wie schön, wichtig, gut etc. dieses Land sei. Das grenzt schon an Belästigung. Das weiß er auch. Er belästigt mich gerne. Aber das ist auch alles, was ich über Puertorico weiß. Heute vormittag verabschiedeten sich die Taiwanesen feierlich, also mit Krach, Feuerwerk und "Musik". Guan Shifu kam mit einem Bündel Winkefähnchen, ich dachte die sind jetzt beim Aufräumen übrig geblieben. Dann erklärte er uns, gleich käme irgendwer Wichtiges. Hohes Tier vom Wushu Verband. Dem sollten wir winken. Ich doch nicht. Konnte mich auch lange davor drücken. Stand immer brav mit meinen beiden Fuchen rum. Es gab chinesische und eine andere Fahne. Nach einer Weile erkannte wer, das sei die puertorikanische. Was machen wir hier mit der puertorikanischen Fahne. Ein Irrtum? Kurz bevor es richtig langweilig wurde, alle Wi...

Sonntag

Ob nun ein inhaftierter Bürgerrechtler oder ein seelenloser Ziegelstein den Friedensnobelpreis erhält, ob nun 23 ehemals hohe Parteimitglieder weniger Zensur fordern, das geht den Leuten hier so ziemlich am Allerwertesten vorbei. Man muss das auch mal so sehen und vor allem erleben. Natürlich wird das Auswirkungen haben auf das Leben dieser Menschen hier, aber sie kümmert es nicht. Sie nehmen das Leben so, wie es kommt. Vor 20 Jahren oder vielleicht auch 25 wäre es undenkbar gewesen, dass eine Gruppe Amerikaner hier im Gebirge, im Daoyuan des Zixiaogong, übernachtet, dass diese Leute hier her kommen, um eine Wushu World Competition zu erleben. Wushu World Competition Ich war ja dazu angemeldet. Nicht als Teilnehmer im Sinne von"führt vor" sondern um bei der Eröffnung dabei zu sein. Das hab ich aber weggenickt und an S. abgetreten. Alle die dort waren, erzählen erst mal nur vom 5***** Hotel mit all for free, sogar die Drinks und tolles Buffet etc. Aber was war denn nun bei d...
Das war natürlich ein ereignisreicher Tag. Da gäb es allerhand zu erzählen, aber ich hab keine richtige Lust. Ich könnte wieder über dieses Volk reden, das sich anscheinend nur schreiend unterhalten kann, auch, wenn sie nachts um zwei Uhr zu hunderten durch ein Haus laufen, in dem zehn andere gerne noch schlafen würden. Auch noch nicht erwähnt habe ich den Coach des japanischen Teams, ein paar Mädels, die wahrscheinlich in der Püppi-Klasse antreten. Nun, der Coach kam an und erregte viel Aufsehen, obwohl die einhellige Meinung dahin ging, dass er nicht viel drauf hat. Naja, Franzosen. Sind ja auch inzwischen alle abgereist, runter und rüber zur Kompetischen. Sind nur noch wenige hier. Am Nachmittag traf ich im Hof zum Training unser Springbällchen und einen jungen Russen, der fuchtelt mit zwei sehr gefährlich aussehenden Geräten, zu riesigen Schlittschuhkufen gebogene Schwerter rum, Shuanggou genannt (Kuckst du hier) Und dass auch im Tempel geklaut wird wissen wir jetzt, wenn man eine...

Chinas schwarze Hände

man sollte die übrige Entwicklung nicht vernachlässigen. Parteiveteranen fordern ein Ende des Zensursystems. Dreiundzwanzig (in Zahlen 23) ehemals hochrangige Funktionäre protestieren in einem Offenen Brief gegen die „Zentrale Abteilung für Propaganda“ und verlangen mehr Pressefreiheit. 500 weitere Unterzeichner haben sich angeschlossen. Hier erfährt man nicht davon .

9.9.

Heute ist der große Tag. Doppelte Neun nach dem chinesischen Mondkalender. Als Festtag reicht er weit zurück, überliefert aus der Han Dynastie, aber vermutlich noch älter. Die 9 ist die große Yang - Zahl (s. Yi Jing), die doppelte 9 bedeutet deshalb ein zu großes Yang, welches nun übergeht in Yin. Mit dem Tag der Doppelten Neun ist das höchste Yang erreicht. Der Tag wird auch als Ehrentag für die älteren Menschen gefeiert. Man trinkt Chysanthemen- Tee oder Chrysanthemen Wein. In Wudangshan wird der Tag auch als Datum der Erleuchtung Zhen Wus gefeiert. Im Tempel erhalten alle Pilger kostenlose Speisung, großartige Zeremonien werden abgehalten, Unmengen an Räucherwerk abgebrannt. Der ganze Berg riecht nach diesem Wasauchimmer. Gleichzeitig eignet sich der Termin hervorragend als Auftakt für die Wushu Worldchampionship, die alle zwei Jahre in Shiyan abgehalten wird. Heute herrscht das beste Wetter seit unserer Ankunft. Zhen Wu gibt es sich richtig. Sonne, keine einzige Wolke am Himmel, ke...

Ursache und Wirkung

Lilo ist weg - ich konnte nicht schnell genug ihren schweren Koffer die zweihundert Stufen hochschleppen, dass sie ja auch fährt. Kaum ist sie weg, wird auch das Wetter wieder besser. Heute, bei unserem Besuch auf dem Tianzhu, öffnete sich der Himmel, als wir auf dem Gipfel ankamen und überschüttete uns mit Sonnenschauern. Ich müsste das eigentlich in ganz kleiner Schrift schreiben, quasi leise, denn sonst fühlt sie sich gleich allmächtig. Wahrscheinlich würde das aber bedeuten Ursache und Wirkung zu verwechseln. Bei einem Wetterhäuschen ist es doch auch nicht so, dass es regnet, weil das Männlein mit dem Schirm raus kommt, sondern das Männlein mit dem Schirm kommt, weil es Regen gibt. Themenwechsel wegen aktueller Situation vor meiner Tür. Was bei uns die Türken, das sind hier die Chinesen. Absolut nicht integriert, halten sie an ihren alten, überkommenen Lebensgewohnheiten fest. Dabei ist überall rumrotzen, ob in Bus, Restaurant oder Tempel, das geringste Übel. Ich kann auch darüber ...

gong gong qi che (öffentlicher Busverkehr)

Roxy ist meines Wissens 67 und war im letzten Jar zwei Mal hier in den Bergen. Sie ist ganz verliebt in diese Landschaft, die Energie und schätzt die Übungen sehr. Kurz nach ihrem letzten Aufenthalt hatte sie einen schweren Autounfall. Sie lag einige Wochen im Koma und danach musste sie alles neu lernen: Sprechen, laufen, greifen. All die tausend kleinen Dinge, die wir wie selbstverständlich in unserem Alltag verrichten, waren für sie neu. Die eigene Wohnung war ihr fremd. Sie hat gelernt, geübt, gelernt und geübt. Hat sich selbst mit dem wenigen Qigong, zu dem sie fähig war, unterstützt und konnte nun die Reise mitmachen. Am Trainingsprogramm kann sie sich nur bedingt beteiligen, aber sie ist unermüdlich. Die motorischen Abläufe müssen gelernt werden, weil Teile des Gehirns beschädigt wurden. Das macht sich auch bei geistigen Abläufen bemerkbar. Ausserdem muss sie ein Auge schonen, bei dem ein Muskel verletzt ist, weshalb sie eine Augenklappe trägt. Das heißt, sie sieht nur zweidimens...

Lost my mind

Gleich am ersten Tag in Beijing hab ich mein iPhone verloren, vor ein paar Tagen mein Schwert im Tempel vergessen, weg. Gestern bei Guan Shifu lecker gegessen und meine Tasche mit Portemonnaie und Fotoapparat vergessen. Na gut, die sind wieder da, aber irgendwann, befürchte ich, verliere ich hier noch den Verstand. Auf der Hinreise habe ich immerhin Sebastian Fitzeks Roman "Splitter" gelesen, in dem auch jemand befürchtet den Verstand zu verlieren. Jemand, der Teilnehmer eines Amnesieexperiments ist. Man sollte die Kraft und Macht des Unbewussten nicht unterschätzen. Heute, bei meinem morgendlichen Besuch des Tempels, während die Nonnen ihre rhythmisch-monotonen Gesänge in mich hineinzwängten, dein Geist abtöteten, zumindest stilllegten und ich vor der Tür gleichfalls in rhythmisch-monotonen Bewegungen mich zurück zum Ursprung qigongte, da kroch es in mir hoch oder wehte mir mit dem Wind in die ruhige Psyche: Das ist alles nicht wirklich, das ist alles nur eine perfekte Illu...

ci, zhi, shi, jie, chi, qi, xi ...

Vor gefühlten 350 Jahren, vor einem halben Leben, auf einem Konzert chinesischer Musik im WDR, da musste ich erleben, wie ein junger Mann sich fließend mit einem älteren chinesischen Herrn unterhielt - in Chinesisch. Es könnte also möglich sein. Ich unternehm meinen ersten Versuch, diese Sprache zu erlernen. In einer kleinen Gruppe mit privater Lehrerin, die schon bald den Unterricht mit Fragen begann. Während alle anderen fleißig antworteten, rätselte ich noch, was wohl das erste Wort gemeint haben könnte und wenn das Wort an mich gerichtet wurde, dann stammelte ich nur ein Kopfschütteln zusammen. Mehr war nicht drin. Vor zweieinhalb Jahren habe ich nun den zweiten Versuch unternommen und auch jetzt ist noch nicht viel mehr drin. Ich kann theoretisch Chinesisch, aber nicht in der Praxis. Zumindest verstehe ich selten, was die Chinesen hier reden und die verstehen mich auch nicht, zumindest nicht dann, wenn ich ihre Muttersprache anwende. Da komme ich hier auf Deutsch beachtlich weite...

Nachtaktive

Wir sind im Daoyuan, dem Daoistenhof. Ehemals eine Herberge für die Pilger und Gäste des Zixiaogong, sind nun auch die Gaststudenten der Wushuakademie hier und im "Policehotel" untergebracht. Aber auch weiterhin ist ein halbes Stockwerk für Pilger reserviert. Lilo berichtete bereits über deren Unterkünfte. Ich habe so meine Vorstellungen über den gemeinen Pilger. Zunächst vermute ich eine gewisse Frömmigkeit, was sonst sollte ihn auf Pilgerschaft schicken. Ich erwarte hier keine Jakobswegwanderer. Ansonsten wähne ich vom Pilger Tagesaktivitäten. Beten, Niederwerfen, Räucherwerk und Knallfrösche abfackeln, das verrichtet er tagsüber, wenn die Tempel geöffnet sind. Was aber macht er nächtens. Du meinst, er würde schlafen. Was aber radaut da draußen rum? Schwatzt, kichert, schluft, rotzt, hustet bis auch ich es nicht mehr im Bett aushalte, im festen Glauben, es müsse doch kurz vor Aufstehen sein. Wenn vom Geräuschpegel her eine halbe Busladung Menschen im Stockfinstern vor meine...

Du musst den Wurm scharf machen, nicht das Blatt.

ihr habt da in Deutschland wohl auch einen schönen Herbst, wir hier in Wudangshan eher einen sehr schönen Spätsommer. Grund genug, in der Freizeit etwas Schatten zu suchen. Ausflug ins Tal des sorglosen Lebens. Ich hatte ja damit geendet gestern, dass wir dort waren. Ja es ist sicher kein sorgloses Leben, was die Makaken dort teilweise führen. Man hat, um eine Touristenattraktion zu schaffen, die in den Bergen wild lebenden Affen mit Futter ins Tal gelockt und einige gefangen und dressiert. Die anderen, ganze Sippen, leben frei, die dressierten sind arme Säue, wenn man das so sagen darf, zumindest so arm wie die Säue, die gestern in der Stadt auf einem Fahrrad transportiert wurden. Sah verdächtig nach ihrem letzten Ausflug aus.  Also die Affen werden natürlich auch von den Touristen gefüttert und das  klingt schon nach sorglosem Leben, aber, naja, ich könnt mich jetzt prima auf Karma rausreden, wenn wir hier Buddhisten wären. Sind wir aber nicht, wir haben mit dem Konzept eine...

Angekommen

noch nicht so richtig, denn die drei vorinstallierten Proxys tun's nicht, weshalb ich den Post per Email schicken muss. Deshalb ist eventuell die Schritt verändert ud eure Kommentare kann ich nicht lesen. Jedenfalls passt das zum Beginn der Reise. Nachdem der Sitzmonitor nicht fähig war, ein Programm zur Auswahl zu stellen - ich unterbreche mal den nachdem Satz - damit war ich nicht der einzige, aber andere konnten ungehindert Filme mit Jackie Shan, unbekannten chinesischen Wushu Stars oder auch Alice im Wunderland sehen - jetzt geht der nachdem Satz weiter - und sich das Klebeband von der Notausgangsanzeige löste, da lehnte ich mich dann doch etwas weiter aus dem Fenster und betrachtete den Zustand des Fliegers etwas genauer. Letztlich hat er uns doch fast pünktlich und unbeschadet nach Beijing (Peking) gebracht. Von dort haben wir uns per Taxi zur Innenstadt bringen lassen, um den Kaiserpalast zu besichtigen. Keine gute Idee während der golden...