08.04.2020

Herkunft von Qigong und Taiji Quan

Qigong
ist eine sehr alte Methode der Gesunderhaltung und Heilung und hat seine Wurzeln wohl in schamanischen Tänzen und Tierimitationen, mit deren Hilfe Krankheiten und Unheil abgewendet werden sollten.
Daraus entwickelte sich eine Kultur und Wissenschaft der Körperbewegungen, die im Laufe der Jahrtausende durch die daoistische Philosophie, den Buddhismus und die Chinesische Medizin maßgeblich beeinflusst wurden.
Die ältesten Zeugnisse sind die Seidenbilder aus dem Fürstengrab bei Mawangdui (ca. 300 vor 0) und im Huang Ti Nei Jing Su Wen, dem Medizinbuch des Gelben Kaisers, auch um diese Zeit entstanden. Das Huang Ti wird gerne weiter zurück datiert, aber dazu gibt es keine Belege. In beiden Fällen werden Übungen gegen bestimmte Krankheitsbilder beschrieben bzw erwähnt oder dargestellt. Aus den Mawangdui Bildern lassen sich keine Übungsabläufe rekonstruieren.

Qigong ist ein moderner Begriff, unter dem verschiedene Richtungen zusammengefasst werden, die früher mal eigenständig nebeneinander existierten, mit verschiedener Herkunft und verschiedener Zielsetzung. "Gong" steht dabei für das beharrliche Arbeiten oder Üben. Qi hat im Chinesi­schen vielerlei Bedeutungen, wir wollen uns hier mit der Übersetzung "Lebenskraft" begnügen.

Wir gehen davon aus, dass diese Energie durch Nahrung und Atmung gewonnen und über ein Netz von Leitbahnen im Körper verteilt wird. Daneben wird angenommen, dass der Körper über Qi-Zentren verfügt, in denen die Energie gesammelt wird. An einigen Punkten erfolgt ein Austausch mit der Umwelt und mit dem Kosmos.

Wenn auch die vielfältigen Methoden, die unter dem Begriff Qigong vereint werden, sehr unterschiedliche Ziele haben können, so sind ihnen gemein, die Gesundheit zu verbessern und ein langes, glückliches Leben zu ermöglichen.


Gong Fu und TaiJi Quan
kommen von der Kampfkunst. Gongfu ist eine moderne westliche Bezeichnung für chinesische Kampfkunst. Bei Taiji Quan weist Quan schon darauf hin: es bedeutet Faust(kampf).

Gerne wird der Kampfkunst eine Entwicklungsgeschichte von 2500 bis 4000 Jahren angedichtet. Damals haben die Menschen ganz sicher auch gekämpft, ernsthaft. Wenn man will, hat sich aus der ersten Klopperei die ganze Kampfkunst entwickelt.
Die Menschen lieben es nun mal, den Ereignissen einen Hauch von Mysterium anzuhängen. Die Chinesen sind Meister der Nachdichtung. Zeitliche Reihenfolgen purzeln da gerne mal durcheinander.
„Über die Kriegskunst“ von Sunzi (544 v. 0 bis 496 v. 0 ) gilt als frühestes Buch über Strategie und ist bis zum heutigen Tage eines der bedeutendsten Werke zu diesem Thema. Es behandelt die Kriegskunst, nicht den Einzelkampf, wird aber gerne auch zu dessen Theorien hinzugezogen. Das gleiche gilt für die 36 Strategeme des Tan Daoji aus ungefähr der gleichen Zeit.

Als große Quelle chinesischer Kampfkünste wird das
Shaolin Kloster angeführt.

Da Mo (Boddhidharma, 440 bis 528) soll dort Übungen eingeführt haben zur Verbesserung der Gesundheit seiner Mönche nach den langen Sitzperioden. Im allgemeinen werden die überlieferten Yi Jin Jing Übungen dafür angesehen. Das ist, wenn man so will, Qigong, aber keine Kampftechnik. Kämpfen lernten die Shaoilin Mönche erst ca 200 Jahre nach Da Mo. Natürlich eignen sich einige Qigong Methoden sehr gut als begleitendes Training.


Als Gegenpol zu Shaolin werden die Klöster der
Wudang Berge genannt. 
Es heißt in China: „Im Norden Shaolin, im Süden Wudangshan.“

Auch dort wurden wohl schon über eine längere Zeit Kampfkünste, vor allem die Schwertkunst, gepflegt. Als besonderes Ereignis gilt die Einführung einer Fausttechnik durch den Gelehrten Zhang San Feng, der diese, inspiriert vom Kampf zwischen einem Kranich und einer Schlange, entwickelt haben soll. Mit der später Taiji Quan genannten Methode entstand ein Weg der Selbstverteidigung, Heilung und Meditation; eine einzigartige Kombination.

Schreibweisen
Eigentlich sollte das kein Problem sein. Es gibt zwei "offizielle" Umschreibevorschläge für die chinesische Schrift; die ältere Wade-Giles, die von der Republik China auf Taiwan favorisiert wird und die von der VRC entwickelte Pinyin. Natürlich leben wir in einem freien Land und jeder kann schreiben wie's gefällt. Es sollte nur beim Empfänger keine zu große Verwirrung auslösen.
Pinyin = Qìgōng,
Wade-Giles = Ch'i-kung.
Alles andere ist Phantasie. In der Wade-Giles gibt es nun mal die häufigen Apostrophe, die sich niemand merken kann, weswegen meist Chi Kung geschrieben wird.

Noch verwirrender ist es mit der Schreibe für Taiji Quan. Das war jetzt Pinyin. In der Wade-Giles (mit den Apostrophen) T’ai Chi Ch’üan, gekürzt auf Tai Chi Chuan, das ü wird meistens weggelassen. Auch das Chuan oder Quan wird von sehr vielen Praktikern eliminiert, aber es ist ein wesentlicher Bestandteil des Begriffs, wie ich oben schon mal gesagt habe.

Wer gar keine Ahnung hat schreibt Thai Chi.