Wenn sich etwas verabschiedet
Bei mir herrscht gerade jener Augenblick, in dem der Tag sich verabschiedet. Das Licht wird weich, die Schatten werden länger, und während auf dieser Seite die Welt langsam zur Ruhe kommt, kündigt sich anderswo bereits ein neuer Morgen an. Das eine geht, das andere kommt. Nichts bleibt, wie es ist. Und doch geht nichts einfach nur verloren. Was zu Ende geht, macht Platz für etwas, das beginnen kann. Und was sich erhebt, wird eines Tages wieder sinken. Im Taijiquan begegnen wir diesem Wechsel auf Schritt und Tritt. Yin und Yang gehören zusammen wie Einatmen und Ausatmen, wie Fülle und Leere, wie Bewegung und Ruhe. Das eine trägt bereits das andere in sich. Im Augenblick der größten Aktivität beginnt die Ruhe sich anzukündigen. Und in der tiefsten Ruhe liegt schon der Keim einer neuen Bewegung. Wir können es erfahren. Am eigenen Leib, in jeder Gewichtsverlagerung, in jedem Schritt, in jedem Wechsel zwischen Spannung und Entspannung. Wir lernen, nicht an einem Zustand festzuhalten, sonder...