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Vergessen

Der Geist unterscheidet. Er kann gar nicht anders. Schon während ich diese Zeilen schreibe, treffe ich fortwährend Entscheidungen. Dieses Wort und nicht jenes. Dieser Satz und nicht ein anderer. Jeder Gedanke setzt eine Unterscheidung voraus. Der Geist sieht die Welt als ein Gewebe von Gegensätzen: richtig und falsch, schön und hässlich, Zustimmung und Ablehnung. So orientieren wir uns in der Welt. Doch der Geist begnügt sich selten damit, Unterschiede wahrzunehmen. Er möchte entscheiden. Er möchte den Zweifel beenden. Er möchte wissen, auf welcher Seite er steht. Kaum hört er eine Aussage, vergleicht er sie mit seinen Vorstellungen. Zustimmung. Ablehnung. Richtig. Falsch. Oft geschieht dies so schnell, dass wir es kaum bemerken. In dem Augenblick, in dem ich Stellung beziehe, stehe ich irgendwo.Und wo ich stehe, kann ich berührt werden. Das habe ich im Tuishou gelernt. Man wird nicht dort getroffen, wo der andere drückt. Man wird dort getroffen, wo man selbst stehen geblieben ist. Jem...

Das Gleiche

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 Mitunter gibt es Verwirrung, darüber, wie korrekt eine Form ausgeführt werden muss, was überhaupt korrekt ist und was nicht. Da wirst du von einem Lehrer auf ein Detail hingewiesen, z.B. wohin du den Fuß stellen sollst und das wird auch noch anhand einer Anwendung erklärt. So muss es sein, anders funktioniert es nicht. Und dann siehst du jemand anders, oder sogar den gleichen Lehrer, offenbar sehr gut diese Form spielen und du denkst:"Was ist mit dem Fuß? Wieso stellt er den ganz woanders hin?"       Dazu habe ich diese Bilder ausgesucht. Es könnten durchaus noch viel mehr sein, aber die Auswahl dürfte genügen. Wir sehen Sonnenblumen. Wir stimmen sicher alle überein, dass auf allen Bildern Sonnenblumen zu sehen sind. Auch wenn diese Blumen deutlich unterschiedlich sind. Wir habe drei Fotos von Sonnenblumen mit verschiedenen Blütenblättern, sowohl was die Anzahl angeht als auch deren Verhältnis zum Blütenstand. Das vierte Bild wurde von Vincent van Gogh gemalt, man e...

Kommt dir das irgendwie bekannt vor?

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Platon Politeia Buch VIII 562a - 564a. 562a–b: Das Verlangen nach Freiheit Sokrates sagt, dass die Demokratie entsteht, wenn die Armen die Herrschaft der Reichen stürzen. Das Kennzeichen dieser Staatsform ist die Freiheit. Platon erkennt durchaus etwas Positives darin. Menschen dürfen leben, wie sie wollen. Niemand wird gezwungen, einen bestimmten Lebensweg einzuschlagen. Sein Einwand beginnt dort, wo Freiheit nicht mehr als Möglichkeit verstanden wird, sondern als höchster Wert überhaupt. Platons Gedanke: Wenn Freiheit wichtiger wird als Wahrheit, Tugend, Bildung und Verantwortung, verliert die Gesellschaft ihren inneren Maßstab. ⸻ 562c–d: Die bunte Vielfalt Platon beschreibt die Demokratie als einen Markt oder Basar verschiedenster Lebensformen. Jeder lebt nach seinen eigenen Vorstellungen: * der Geschäftsmann, * der Philosoph, * der Sportler, * der Soldat, * der Müßiggänger. Niemand muss sich rechtfertigen. Heute würden viele Menschen darin etwas Positives sehen. Platon hingegen fra...

Wuxia – ein Schlüssel zur chinesischen Welt / Von Nan Haifen

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Ein Schlüssel zur inneren chinesischen Welt ist die Wuxia-Literatur – ein Genre, das im gesamten chinesischsprachigen Raum enorme Popularität genießt und weit mehr ist als bloße Unterhaltung. „Wuxia“ setzt sich aus zwei Begriffen zusammen: 武 (wu), Kampfkunst – das im Westen bekannte Kung Fu ist nur eine Form davon – und 侠 (xia), ein schwer übersetzbares Ideal von Ritterlichkeit. Doch diese „Ritter“ unterscheiden sich grundlegend von ihren westlichen Pendants: Sie sind keine Gefolgsleute von Adel oder Krone. Stattdessen bewegen sie sich im sogenannten Jianghu (江湖, wörtlich „Flüsse und Seen“) – einer halbautonomen, informellen Gesellschaft jenseits der offiziellen Ordnung staatlicher Reiche. Dieses Jianghu ist keine geografische, sondern eine soziale und kulturelle Sphäre – eine Art Parallelgesellschaft mit eigenen Regeln, eigenen Hierarchien und einem eigenen Ehrenkodex. Mehr: https://www.chinahirn.de/2026/05/04/china-abseits-i-wuxia-ein-schluessel-zur-chinesischen-welt-von-nan-haifen/

Walk for Peace – Eine stille Pilgerreise für Frieden & Mitgefühl

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Im Herbst 2025 begann in Fort Worth (Texas) eine außergewöhnliche Friedensaktion, die Menschen quer durch die Vereinigten Staaten bewegte – nicht in Reden oder Demonstrationen, sondern in ruhigen, achtsamen Schritten. Eine Gruppe buddhistischer Mönche machte sich zu Fuß auf den Weg nach Washington, D.C., um eine Botschaft der Achtsamkeit, des Mitgefühls und der inneren Ruhe zu verbreiten. Der Weg selbst – mehr als nur eine Strecke Der „Walk for Peace“ – begann am 26. Oktober 2025. Rund zwei Dutzend Theravāda-Mönche vom Hương Đạo Vipassana Bhavana Center in Fort Worth setzten sich zu einer Pilgerreise von etwa 2.300 Meilen (ca. 3.700 km) in Bewegung, die sie durch Texas, Louisiana, Mississippi, Alabama, Georgia, South Carolina, North Carolina, Virginia, Maryland und schließlich zur US-Hauptstadt führte. Während 108 Tagen – eine Zahl mit spiritueller Bedeutung im Buddhismus – schritten sie bewusst voran: langsam, achtsam, oft in Stille. Sie trugen einfache Gewänder und wenig mehr als ihr...

Meditation zum Jahreswechsel

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Warum Tai Chi sich vom Kampf entfernt hat: Geschichte, Kultur und die Spaltung der Kampfkunstidentität

Das Folgende ist eine Zusammenfassung des Artikels " Why Tai Chi Drifted from Combat: History, Culture, and the Martial Identity Divide " von dem Blog daoofthewarrior.blogspot.com/ Einleitung – Eine Kampfkunst, die ihren Schlag vergaß Der Name Taijiquan (太极拳) bedeutet wörtlich „ Supreme Ultimate Fist “ („Faust der höchsten Vollendung“). Das Wort „Quan“ (拳) steht eindeutig für Kampfkunst. Trotzdem sehen sich viele Tai-Chi-Praktizierende heute nicht mehr als Kämpfer.  In Parks von Shanghai bis San Francisco üben viele Tai-Chi, beschreiben es als „ bewegte Meditation “, „Energiearbeit“ oder sanfte Übung für Ältere. Für sie hat das Wort „martial“ wenig Bedeutung.  Diese Distanz zum Kämpfer-Dasein ist nicht bloß ein Wortproblem, sondern eine Folge von über 100 Jahren sozialer, kultureller und politischer Umgestaltung.  Ursprünglich war Taijiquan eine pragmatische Kampfkunst, entwickelt in dörflichen Clans, verwendet bei Schutzaufgaben, Milizen oder in privaten Duellen....