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Es werden Posts vom Mai, 2011 angezeigt.

Nachtrag: Die Heimreise

wie sehr hatte ich gehofft, das mir dieser Post erspart bleibt. Eine einfache, glatte unkomplizierte Heimreise hatte ich mir gewünscht. Nichts, worüber es zu berichten lohnt. Und dann das. Angefangen hatte es eigentlich schon vor der Hinfahrt. Ich hatte einen Flug für uns gebucht, abends ab Xiangfan nach Beijing und von dort direkt weiter nach Frankfurt. Wir wären dann am Donnerstag so um 16:00 vom Berg runter und am nächsten Morgen 6:00 In Frankfurt. Für mich bedeutet das, innerhalb von 24 Stunden von Tür zu Tür. Die Flugzeit am Morgen wurde dann zweimal nach weiter vorne, also früher verlegt, bis sie so früh war, dass wir erstens es nicht geschafft hätten, mit dem ersten Bus rechtzeitig anzukommen. Sorry, aber Ortsfremden muss ich das erst genauer erklären. Im Wudanggebiet sind nur Linienbusse und Fahrzeuge mit einer Sondergenehmigung zugelassen. Die Akademie hat zwar einen Station Wagon, aber damit bekommt man keine 10 Leute transportiert. Deshalb mussten wir schon am Mittwoch Spät...

Abschied

Die Sonne scheint wieder. Die Luft schwirrt von einer Million weißer Schmetterlinge. Im Tempel haben sich die höchsten Gottheiten des Daoismus inkarniert, um uns eine gute Heimreise zu wünschen. Es ist alles wunderschön.

Tische und Tees

Einer ist vom Hocker gefallen. Nein, ich muss das anders erzählen. Zunächst die Einrichtung unseres Speisesaals, was auf Chinesisch zufällig Can Ting heißt, und so sieht es auch aus. Bei dem schönen Wetter haben natürlich alle draußen gesessen gegessen. Aber bei der Feuchtigkeit gestern und heute. Also das sind helle Tischplatten, fast weiß und orangene Sitzschalen, beides aus Plaste auf zusammengeschweißten Vierkantrohren montiert. Immer vier Sitze zusammen mit einer Tischplatte. Der chinesische Gelehrte Gu Hong Ming (1857 -1928) hat damit seine Vielweiberei begründet, dass auch vier Stühle um einen Tisch ständen. Er hat natürlich nicht die Konstruktion unserer Kantine gemeint. Nun sind die Sitzschalen an ein Blech geschraubt, welches auf ein senkrechtes Rohr geschweißt ist und das ist die Schwachstelle. Gestern brach wieder ein solches Blech ab, dem vormals Sitzenden ist aber nichts passiert außer dem Schreck in den Gliedern. Deshalb hat heute der Hausmeister, der vor allem an seinem...

Geräusche

Diese Nacht hab ich es gehört. Das Rauschen. Lilo hat vor zwei Jahren davon geschrieben. Nicht so ein behagliches, dauerhaftes Plätschern, was jetzt zu hören ist, auch nicht dieses fast fröhliche Plästern eines kurzen, heftigen Regens. Es war ein Rauschen, wie wir es vielleicht von einem Wasserfall erinnern, kontinuierlich, ohne Rhythmus, ohne die kleinen Zwischentöne. Vor dem Einschlafen war mir noch die absolute Stille aufgefallen, die so absolut nicht war, denn sie ließ zu, ein leises Brummen wahrzunehmen. Wahrscheinlich der Kühlschrank in der Küche. Ganz leise, aber auffällig wider die Natur der Stille. Ich habe mich erinnert an ein Video mit John Cage, worin er berichtet, in einem vollkommen schallisolierten Raum ein Rauschen und Pfeifen gehört zu haben. Man hatte ihm erklärt, das sei sein Blutstrom und sein Nervensystem gewesen. Die Stille hier ist anders. Ich höre weder Blut noch Nerven, denn die Stille hat Weite. Sie isoliert mich nicht, sie nimmt mich auf. Deshalb glaubte ich...

Nix los

Heute war nix los. Das fing schon morgens an. Im Tempel war nur eine Reihe Kniebänkchen aufgestellt und davor standen mal gerade fünf Leute. Mit mir wären's sechs gewesen, aber ich bin gleich wieder raus. Draussen war so schwül warm und von meinen morgendlichen Mitmachern bei den Brokaten war auch keiner da. Kamen dann zwar später, aber da hatte ich da schon mit einem anderen Qigong angefangen. Beim Frühstück war auch nix los, weil fast alle Kids für ne Woche weg sind, auf Performance Tour. Unser Lautsprecher A., der sonst schon dafür sorgt, dass nicht versehentlich Ruhe aufkommt, war auch nicht da. Beim Training war auch nix los. Ich kam schon fünf Minuten zu spät und war der Neunte. Aber alle anderen kamen dann doch mit der Zeit. A. war inzwischen auch dabei. Es wurde dann so richtig schwül warm. Es hätte schon gereicht, nur an Draußen zu denken, da wär schon der Schweiß gelaufen. Aber bei den Kicks... Wohl weil nix los war hat sich Übungsleiter Li lustige Sprünge einfallen lasse...

Vertreibung aus dem Paradies

Manche Tage sind einfach so. Die haben's in sich. Da kannst du machen was du willst. Unsere Truppe ist beachtlich zusammengeschmolzen. In den letzten Tage sind einige sang und klanglos verschwunden. Es gab Tage, da standen wir uns beim Training regelrecht auf den Füßen. Es erforderte schon einiges an Disziplin, nicht andauernd jemandem im die Form zu laufen. Nun sind wir wenige, da solte es diese Probleme nicht mehr geben. Aber es ist wieder ziemlich heiß und schattige Plätze sind begehrt. Ich hatte einen heute morgen. Einen, der versprach, auch noch eine Stunde lang schattig zu bleiben. "Brauchst du den ganzen Platz für deine Form oder können wir dahin zu zweit?" Ja ich brauch nicht so viel, ich komme mit dem aus, den ihr euch teilt. Mach ich nicht Schwert sondern die Dreizehner, die ist kleiner. Rechts neben mir übt nur L. ihren neuen Schritt. Aber dann kommt U. dazu und noch der kleine Chinese mit der Zahnspange und mit mal hab ich nur noch einsfuffzig. Geh ich in den...

Made in

Die Kleider sind angekommen. Ich hatte geglaubt, meine kleine chinesische Schneiderin (kennst du den Film bzw das Buch: Balzac und die kleine...) würde die Brocken in einen Karton packen dem Busfahrer reinreichen und der würd's dann im Vorbeifahren bei Qu Taitai aus dem Wagen kicken. Nachdem ich mich ausgeruht habe vom Bergbesteigen geh ich kurz nach fünf mal hoch, wieder mit meinem Trolli in der Hand. Sitzt sie da, höchstpersönlich und winkt mir schon von weitem zu. Hat über eine Stunde gewartet, will sicher sein, dass alles in Ordnung ist usw. Treue Seele. Wir gehen alles durch und stellen fest, ein Anzug wurde vergessen. Nicht zu nähen, sondern zu Bestellen. Michael, du bekommst nur zwei Anzüge, den dritten beim nächsten Mal. Skeptisch hatte ich mir schon den dicken Sack angesehen, mit dem sie gekommen war. Nach Prüfung der Ware auf Vollzähligkeit und richtiger Ausführung beginne ich, Teil für Teil in meinen Trolli zu packen. Das wollen nun alle sehen. Stehen in dichtem Kreis um...

Am Haken

Wir waren heute auf dem Tianzhu. Achim und ich sind die 3000 Stufen zu Fuß (rauf und runter), der Rest hat geschwächelt und die Seilbahn genommen (rauf - zu Fuß runter). War schön. Aber rappelsvoll. Vor Jahren ... ach was jammere ich über die gute alte Zeit. Es ist doch immer noch schön hier. Wir, die Immerwiederkommenden, lagern gerne einiges an Utensil auf dem Dachboden. Es sammeln sich dort inzwischen einige Taschen und Koffer. Ungewiss, ob wirklich alle Eigentümer auch wieder her finden. Zu den Dingen, die es überflüssig wären, immer hin und her geschleppt zu werden, gehört auch ein Föhn. Zur Zeit brauch ich den nicht, eher mal im Herbst. Er befand sich in meiner Tasche und der Ordnung halber hab ich ihn in dem Hotel am Nanyan, in dem ich zwischengelagert wurde, im Bad an einen Haken gehängt. Und dort hängen gelassen. Da ich ihn derzeit nicht brauche, ist mir sein Fehlen auch nicht bewusst geworden. Gestern kam mir da so was in Erinnerung. Wo ist denn eigentlich der Föhn? Muss ich...

Wandeln und Handeln (Dao De ...)

Die nette Schneiderin, mit der ich mich eigentlich verstehe, guckte ganz groß und erstaunt, als ich heute vormittag mit meinem Schrankkoffer in ihren Laden polterte. Nein, die Anzüge seien noch nicht fertig. Morgen, jaja, morgen seien sie fertig. Ich hätte doch gesagt... Nein nein, ich habe dir extra gesagt am Mittwoch komme ich. Morgen kann ich nicht kommen. Es tut ihr leid und sie telefoniert und es hat was mit einem Fahrrad zu tun, dass auch nicht da ist. Ich hab echt keine Böcke, morgen oder an irgendeinem anderen der verbleibenden Tage noch mal runter zu fahren in die verdammte, laute und dreckige Stadt. Laoying hat seinen Charme, durchaus, aber es nimmt mir gut und gerne drei Stunden Zeit und ein ganzes Gros Nerven, den Weg zu machen. Ausserdem kostet es mich mindestens 35 Kuai, fast 4 Euro Fahrgeld, denn der Local Bus nimmt unsereins nicht mehr mit und den Weg am Fluss entlang, über die Trittsteine und dann zu Fuß 15 Minuten den Berg rauf bis zur Straße, um die Fahrkarte zu spar...

Stehen

Gestern gab's Regen und Kälte. Das hat mich gefreut. Zum Einen braucht die Natur dringend Wasser, zum Anderen konnte ich wieder meine warme Jacke anziehen. Wär doch ärgerlich, wenn ich sie umsonst mitgenommen hätte. Heute ist wieder blauer Himmel und es wird wieder warm. Da kann man sich so hübsche Schweißränder in die Wäsche arbeiten. Batik könnte eigentlich mal wieder in Mode kommen. War in den Siebzigern schwer angesagt und seit dem nicht mehr so richtig. Doch ja, kordelgebatilkte T-Shirts. Ich glaub, wer da jetzt mit anfängt, der kann gut in's Geschäft kommen. Was einem so alles durch den Kopf gehen kann. Wo kommt das eigentlich her? Sind Gedanken nichts weiter als der Verdauungsprozess der durch die Sinne aufgenommenen Eindrücke? Wir sind ja oft mächtig stolz auf auf das, was uns alles so einfällt. Aber womöglich ist das sehr einfältig.  Beim Stehen fällt mir immer weniger ein. da bin ich inzwischen mächtig stolz drauf. Wir stehen hier so zwischen zwanzig und dreissig Min...

's geht weiter

irgendwie hab ich gestern Abend wohl den Faden verloren. Mit anderen Worten: mich hat die Müdigkeit übermannt und ich hab nicht mehr das geschrieben, was ich eigentlich schreiben wollte. Nun denn, versuchen wir, den Faden wieder aufzunehmen. Heute haben wir einen kleinen Geschmack davon bekommen, wie das Training aussehen könnte, wenn wir nicht so alte Säcke sondern so junge Hüpfer wären wie die Kids hier. Die echten "Karate Kids". Damit der unbedarfte Leser, der sich aus purer Langeweile oder Neugier hierhin auf diesen Blog verlaufen hat, die nachfolgende Beschreibung in etwa nachvollziehen kann, hier zunächst ein paar Grundbegriffe. Ma Bu : heißt wörtlich Pferde Schritt, meint aber keinen Galopp oder Trab sondern einen Stand als ob man auf einem Pferd sitzt. Also etwas breitbeinig, die Füße nach vorne ausgerichtet und die Oberschenkel möglichst horizontal. Gong Bu : Bogenschritt - das Gewicht lastet zu ca. 70% auf dem vorderen Bein, welches ge bogen ist, in unserem Fall so...