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Der zwölfteilige Brokat - und alles andere

Als ich mit dem Buch anfing, da befürchtete ich, ob ich überhaupt genug zusammentragen könnte, damit es ein ordentliches Buch würde. Aber dann flog es geradewegs auf mich zu und ich musste anfangen zu kürzen, wenn es nicht zu umfangreich werden sollte. ich will den Leser ja auch nicht zumüllen mit überflüssigem Text. Wenn ich jetzt drin lese, habe ich mitunter das Gefühl, zu schnell gewesen zu sein, nicht ausführlich genug alles erörtert zu haben. Dann habe ich zwei Seiten gelesen und war schon in drei verschiedenen Aspekten unseres Universums. Und dann gab es die Option, ein Hardcover, gebunden, herzustellen. Am liebsten hätte ich noch einen Schutzumschlag gehabt. Aber es reichte damit auch an eine Preisgrenze. 49,90 € ist kein Pappenstil. Wenn ich jetzt reinblättere, dann weiß ich, das wäre locker Material für drei oder vier Wochenend-Seminare. Davon würde jedes 150 € kosten. Ihr hättet dabei zwar meine persönliche Anwesenheit, das Buch aber könnt ihr, vor allem in der soliden Aussta...

Die Existenzform des Meisters

Der Mensch strebt nach Sinn und ohne Sinn verkommt er. Dazu muß er sich die Frage nach den Zwecken stellen und sie selbst beantworten. Der Lebensentwurf des Handwerkers bietet die Perspektive eines Berufes, der sich zum Teil selbst als Zweck genügt. Diese Option ist sicher nicht für jedermann, aber womöglich eine interessante Alternative zum zwecklosen Jobben im Hamsterrad. Und zumindest ein gutes Referenzbeispiel, um heutige Lebensentwürfe kritisch zu vergleichen und zu analysieren. Dazu wollen wir eine Essenz des Handwerkers destillieren: Die Existenzform des Meisters. Die Meisterschaft oder Meisterlichkeit soll als Lebenseinstellung aufgefaßt werden, die am besten durch die von ihr umfaßten Aspekte beschrieben werden kann: 1. Lehre Der Weg zum Meister beginnt mit dem Lernen – und hört nie damit auf. Lernen hat freilich rein gar nichts mit Schulgebäuden oder Lehrplänen zu tun, sondern bedeutet die Suche nach einem Lehrer, der in der Regel bereits Meister ist und als Mentor und...

Sendung zum Frühling 2013

Liebe Freunde Anfang der siebziger Jahre arbeitete ich für einen kleinen Laden in Köln, der auch so etwas wie ein Treffpunkt war. Hier hörte ich zum ersten Mal von Taijiquan, von einem daoistischen Tanz, bei dem exakte Regeln der Bewegung einzuhalten seien, was meiner damaligen Auffassung von Daoismus wirklich nicht entsprach. Obwohl ich eigentlich nur die Reclam Ausgabe des Daodejing in der Übersetzung von Günter Debon kannte, hielt ich den Daoismus für eine Art pantheistischen Anarchismus. Strikt festgelegt Bewegungen hatten in diesem Bild keinen Platz.  Eines Tages unterhielt ich mich mit einem jungen Physiker, den ich schon des öfteren dort getroffen hatte, über Themen aus der Science Fiction Literatur. Wir kamen auch auf Multidimensionale Welten zu sprechen und ich gestand, mir diese schwerlich vorstellen zu können. Er gab mir eine sehr anschauliche und, wie man sieht,  nachhaltige Erklärung des euklidischen Raumes, um darüber hinaus dann vielleicht auch einmal hö...

Loreley

Vor 30 Jahren, im August 1980, fand auf der Loreley im Turner und Jugendheim des Deutschen Sportbundes, ein großes Taijiquan Seminar mit Gia Fu Feng statt. Ich hatte den kleinen Chinesen im Jahr davor bei den Internationalen Tanztagen in Köln kennen gelernt und anschließend ein Seminar mit ihm in Margarethenried bei München auf einem sogenannten Sanyassinhof der Baghwan Anhänger besucht. Um sicher zu gehen, weiter mit ihm arbeiten zu können, hatte ich gleich angeboten, eine Veranstaltung zu organisieren. Ich war darin völlig unerfahren, aber erfolgreich. Es fanden sich über 60 Teilnehmer ein. Als Rahmenprogramm gab es afrikanisches Trommeln mit Rolf Exler , natürliche Heilverfahren mit Willi Trienen, der soweit ich weiß inzwischen zum tibetischen Lama wurde, und einige Stunden Kalligrafie mit einer Japanerin, deren Namen ich nicht erinnere, und Shiatsu. Nach mühsamen Verhandlungen konnte ich durchsetzen, eine eigene Küchenleiterin mitzubringen, die dem vorhandenen Personal die makrobi...

Rettet die Zierfische

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Ob Leuchtschriften schön sind? Wenn es sehr gehäuft kommt, ist die Furcht vor Augenkrebs sicher begründet. Shanghai bei Nacht ist dem Besucher faszinierend beim ersten Blick. aber ganze Hochhausfassaden als animierte Werbeflächen bekommen schnell etwas überwältigendes im negativen Sinn. Im Einzelnen kanns schön sein, oft auch durch die Retrobrille verklärt. Dann lobt man gerne die Prager Innenstadt, neonfrei wie der münstersche Prinzipalmarkt. Soll man deshalb froh sein über jeden Schriftzug, der verschwindet? Zwei Berliner Künstlerinnen retten, was geht. Sie lagern in einem Depot, was von den Wänden genommen wird. Meist sind die Vorbesitzer froh, wenn sie erfahren, dass ihre ehemalige Werbung noch einen Gnadenhof finden soll und geben gerne her, was sonst im Schrott gelandet wäre. Am Frankfurter Tor in Berlin hat nun der legendäre Zierfische - Laden Insolvenz anmelden müssen. Die Schrift und die Bildmotive müssen weg. Meiner Meinung nach gehören sie denkmalgeschützt. Das Buchstabenmu...

nur was für Kinder

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vor den Toren der alten Stadt liegt der Windmühlenhügel. Auf alten Stichen ist mitunter die Mühle zu sehen. Sie steht dann sehr einsam neben der Zitadelle, die ja erst 1660 errichtet wurde. Zur Franzosenzeit (1792 - 1814) wollte der Beamte Monsieur André aus reiner Liebhaberei eine Windmühle bauen und ließ dafür Geld sammeln. So kam Mainz zu der Mühle nahe der Zitadelle. Heute hat man dort einen hölzernen Turm errichtet. Auf quadratischem Grundmaß konisch nach oben zusammenlaufend, von Windmühlenflügeln gekrönt. Zwischen den senkrechten Bohlen ist ausreichend Platz zur Durchsicht. Innen sind versetzt zueinander halbe Etagen, mit einer senkrechten Leiter verbunden. Darauf kann man fast bis zur Spitze hochklettern. Von dort führt eine geschwungene Röhre als Rutsche wieder nach unten. An einem schönen der letzten Abende bin ich dort hochgestiegen, in der Hoffnung auf eine berauschende Sicht über die Stadt. Aber die umstehenden Bäume sind gleich hoch und versperren den Blick. Auf die enge ...

Da lag ein Buch

auf meinem Schreibtisch, nichts besonderes, "Der Schatten des Schwans". Irgendwann in letzter Zeit gekauft und gelesen. Ich kann mich an nichts mehr erinnern. Liegt jetzt draussen auf der Bank. Vielleicht nimmt es sich jemand mit. Auf Bild.de kann man Mike Tyson sein Mitgefühl über den Tod seiner Tochter aussprechen. Seine Bibel hat einem Priester in Argentinien das Leben gerettet. Das Buch fing eine Kugel ab, die Mauricio Zanes Condori in seinem Tempel in der Ortschaft Rodea de Medio sonst vermutlich ins Herz getroffen hätte. Einer der bekanntesten katholischen US-Geistlichen hat sich nach der Veröffentlichung pikanter Fotos, die ihn eng umschlungen mit einer Bikini-Schönheit zeigen, zum Übertritt in eine andere Kirche entschlossen. Aber Kirche muss sein. Wie die Schweizer die Welt sehen.

Frühling

Frühling läßt sein blaues Band Wieder flattern durch die Lüfte Süße, wohlbekannte Düfte Streifen ahnungsvoll das Land Veilchen träumen schon, Wollen balde kommen Horch, von fern ein leiser Harfenton! Frühling, ja du bist's! Dich hab ich vernommen! Eduard Mörike