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16.03.2021

Westliches Orotava-Tal "Montaña del Guanche"


Bisher bin ich von der Busstation La Caldera immer nach links gegangen. Von dort stareten einige Wanderungen, alle habe ich noch nicht aufgeschrieben. Auf der Fahrt mit dem Bus durchquerten wir Wolken. Dieses Mal gings nach rechts. Nicht weit von der Haltestelle, jetzt schon über den Wolken, geht ein Weg rechts ab  "Camino de los Guanches". Wenn der Weg nach links abschwenkt, geht es geradeaus weiter, langsam bergan, später wird es steiler. Es ist ein schöner Weg, felsig und verwurzelt, man kann gut gehen, steigen. An einer Gabelung hält man sich halb links und steigt wenig später über eine alte Rohrleitung und weiter bergan. Es geht sowieso die nächste Zeit nur nach oben durch dichten Kiefernwald. Nach ca 20 Minuten kommt erneut eine Gabelung, wo man sich links hält und nach wenigen Minuten auf eine Forststraße stößt. Man folgt ihr 10 Meter nach rechts und biegt dann scharf links auf einen deutlich markierten Pfad "Montaña Limon", der in leichten Schwüngen oberhalb der Forststraße verläuft. Auf diesem Weg gab es wunderbae Blicke über die östliche Seite des Orotava-Tals, welches unter einer dichten Wolkendecke verborgen lag. Nach gut 5 Minuten, kurz hinter einem hohen Steinhaufen, gabelt sich der Weg erneut, führt links hinab zur Choza Chimoche, dem späteren Rückweg. Ich bin scharf rechts abgebogen auf einen Weg, der gleich sich verbreitert und im späteren Verlauf am Rand des Barranco de Pedro Gil ansteigt. Es ergeben sich immer wieder herrliche Ausblicke auf den Barranco. Der Weg war ziemlich vom Regen ausgewaschen, eine aufmerksame Kletterei. Nach ziemlich exakt zwei Stunden erreichte ich die Steinsäule "Cumbrita Fria" auf ca. 2100 m Höhe. Von hier führt ein Rundweg hinauf zu den Observatorien von Izaña, den ich aber nicht mehr genommen habe, dazu war ich zu spät aufgebrochen. 

Ich ignorierte nun den gekommenen Weg und nahm stattdessen eine markierten Pfad, der anfangs oberhalb des Weges verläuft, sich dann aber nach rechts weiter in den Wald verliert. Ich stand bald am Rand des Barranco, der steil abfällt und hier fand ich auch keinen Weg mehr. ich musste mich durch den Wald schlagen, etwas berga und nach links haltend, um wieder auf den Weg zu kommen. Ich fand dann auch den Abstieg zur Choza Chimoche, einem Unterstand an einer breiten Forststraße von wo ein Wegweiser zur La Caldera zeigt; 2,9 km. Hier kam ich schon nach wenigen Minuten in den Dunst der Wolken, die inzwischen weiter aufgestiegen waren. Der Wald zeigte sich gespenstig, aber der Weg ist breit und befahrbar. So begegnete ich auch ein paar Sonntagsausflügler, die sich nicht zu weit von ihren Autos entfernen wollten. Es genügte ihnen wohl zum "Waldbaden". Als ich auf den Rundweg um den Grillplatz, dem Centro de recreacion, stieß, ging vor mor der Busfahrer. Ich hatte Glück, brauchte nicht auf den Bus warten und schon ging es wieder runter auf wenige Meter über dem Meeresspiegel, zurück nach Puerto de la Cruz. Weitere Bilder in meiner Galerie.

23.08.2014

Genau jetzt

in diesem Augenblick, prallen zwei Systeme aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

Seit ca. 3000 Jahren entwickelt sich in der chinesischen Kultur ein weltanschaulicher Zweig, der Wert legt auf die Entwicklung des Selbst, sich auf die Natürlichkeit des So-Seins bezieht und sich von gesellschaftlichen Konventionen und Entwicklungen fern halten möchte. Die Rede ist vom Daoismus, sofern es überhaupt ein ismus ist.
Im vorletzten Kapitel der Ur-Schrift dieser Kultur, im Daodejing von Laozi, beschreibt der Autor seine Vorstellung vom idealen sozialen Zusammenhang:

ein kleines land mit wenig menschen
sollen sie zehn oder hundert einheiten haben aber nicht einsetzen


sollen die menschen stark sein

aber nicht weit ihrer heimat sterben
 

sie haben boote und wagen doch reisen sie nicht 
sie haben gerüstete krieger doch preisen sich nicht
sie kehren zurück zum knüpfen der schnüre 

und machen davon gebrauch
 

schmackhaft ihre speisen anmutig ihre kleidung 
ruhig ihre bleibe freudig ihre gebräuche
sie können ihre nachbarn sehen 

hunde bellen und hähne krähen hören 
doch bis sie im hohen alter sterben 
gibt es weder kommen noch gehen

Seit ca. 300 Jahren entwickelt sich ausgehend von der zentraleuropäischen Kultur eine Gesellschaftsordnung, die Wert legt auf das Streben nach materiellem Gewinn durch kontinuierlichen Wachstum. Die Beherrschung des Markts geschieht durch die Verdrängung von Konkurrenten einerseits und das Hervorbringen ständig neuer Ideen und Produkte andererseits. Die Rede ist vom Kapitalismus. Interessanterweise findet sich über den Kapitalismus mehr kritische Literatur als begründende, die es freilich auch gibt.

Als ein Teil der daoistischen Kultur finden seit ca. 40 Jahren im Westen, in den vom Kapitalismus beherrschten Ländern, die Gesundheitsübungen des Qigong und diverse Formen der Kampfkünste, vor allem das Taijiquan große Verbreitung. Obwohl diese Künste vorwiegend erlernt werden sollten, um für sich selbst eine innere Entwicklung in Gang zu setzen, haben sie sich zu einem Markt entwickelt, auf dem es inzwischen mehr darum geht, darin ausgebildet zu werden, wie man es vermittelt, statt wie man es ordentlich praktiziert. Um den Gesetzen des Marktes zu folgen, findet ein Verdrängungswettbewerb statt, in dem mit Attributen wie „traditionell“ „original“ „authentisch“ oder eben „neu“ „effektiv“ „leicht zu erlernen“ etc. versucht wird, sich von anderen Anbietern abzusetzen.

Es ist auch für jede Klientel etwas dabei, vom houchycouchytouchy feeling* bis zum harten, bewaffneten Straßenkampf wird alles geboten. Aber wie kann in dieser auf materiellen Gewinn orientierten Szene noch Daoismus überleben? Er kann es nicht. Er muss sich zurück ziehen, was ihm aber ein Leichtes ist, da es seiner Natur entspricht:

der wissende sucht nicht gewinn 
wer gewinn will ist nicht wissend
 

der weise sammelt nicht
 

indem er anderen hilft 
geht es ihm selbst besser 

indem er anderen gibt 
wird er selbst reicher

Laozi, letztes Kapitel





*Zitat Gia Fu Feng

07.02.2014

Es gibt keine Mehrheit

Sie wird gerne beschworen, die schweigende Mehrheit, die große Gruppe jener Menschen, die aus denen, die nicht dazu gehören, eine Minderheit machen. Jeder von uns gehört zu einer Minderheit. Zu irgendeiner,  auf Grund des Berufs oder Hobbies, der Körpergröße, der sexuellen Neigung, der Haarfarbe, der religiösen oder politischen Ansichten oder einer Krankheit. Jeder gehört auf Grund seiner Nationalität zu einer Minderheit gegenüber dem Rest der Welt. Auch als Chinese. Manche Minderheiten werden bewundert, andere werden belächelt, bemitleidet oder diskriminiert. Eigentlich ist das sonderbar. Wieso schließen sich Minderheiten zusammen gegen eine andere Gruppierung, um diese in irgendeiner Form auszugrenzen?


OK. Ich möchte das hier an dieser Stelle nicht untersuchen, nicht vertiefen, Auch wenn es ganz interessant wäre,  die positiven Ausgrenzungen zu betrachten, zum Beispiel von Helden, Filmstars, Musikern, Sportlern, die sich nicht mehr normal in der Welt bewegen können. Aber mich beschäftigt derzeit etwas anderes, ein Trend der Reaktion. Weil heute immer mehr Minderheiten auf Grund ihres Minderheitendaseins glauben, das Recht zu haben, alle möglichen Forderungen an den Rest der Gesellschaft zu stellen. Weil zwei Prozent von Irgendwas nun glauben, alles andere müsse sich zu ihren Gunsten hin verändern.
Niemand soll wegen seines sexuellen Verhaltens, so lange es niemandem sonst Schaden zufügt, verfolgt, verachtet oder ausgeschlossen werden. Aber ich möchte mich auch nicht mit ihnen solidarisieren müssen und ein Regenbogenfähnlein schwenken. Wenn ich das nicht tue, mache ich mich verdächtig, homophob zu sein.
Niemand soll wegen seiner religiösen Ansichten verfolgt, verachtet oder ausgeschlossen werden. Aber ich möchte mich auch nicht mit ihnen identifizieren  und einen islamischen, buddhistischen, hinduistischen oder jüdischen Feiertag in meinen Kalender aufnehmen müssen. Niemand soll wegen seines Berufs verfolgt, verachtet oder ausgeschlossen werden, aber ich möchte auch nicht das Rad der technologischen Entwicklung anhalten und wegen eines Buchgestalters das eBook verdammen oder wegen einiger Klimatologen mein Verhalten verändern.
Wenn eine Minderheit die Entwicklung zu ihren Gunsten beeinflussen möchte, dann braucht sie nur den Eindruck des Leidens zu erwecken und sofort findet sich eine weitere Minderheit von ständig Schuldbewussten, die sich sofort auf die Seite der Leidenden und Unterdrückten schlägt und so lange den Rest der Menschheit penetriert, bis eine ansehnliche Minderheit zusammengekommen ist, die lautstark den Eindruck einer Mehrheit erweckt. Das läuft darauf hinaus, dass in der kommenden Eiszeit oder Hitzeperiode an einem muslimischen Feiertag in Deutschland während des geschlechtsneutralen Eiskunstpaarlaufs keine eBooks gelesen werden dürfen.
Ansonsten haben wir keine Probleme.

25.01.2014

Der zwölfteilige Brokat - und alles andere

Als ich mit dem Buch anfing, da befürchtete ich, ob ich überhaupt genug zusammentragen könnte, damit es ein ordentliches Buch würde. Aber dann flog es geradewegs auf mich zu und ich musste anfangen zu kürzen, wenn es nicht zu umfangreich werden sollte. ich will den Leser ja auch nicht zumüllen mit überflüssigem Text.

Wenn ich jetzt drin lese, habe ich mitunter das Gefühl, zu schnell gewesen zu sein, nicht ausführlich genug alles erörtert zu haben. Dann habe ich zwei Seiten gelesen und war schon in drei verschiedenen Aspekten unseres Universums. Und dann gab es die Option, ein Hardcover, gebunden, herzustellen. Am liebsten hätte ich noch einen Schutzumschlag gehabt. Aber es reichte damit auch an eine Preisgrenze. 49,90 € ist kein Pappenstil. Wenn ich jetzt reinblättere, dann weiß ich, das wäre locker Material für drei oder vier Wochenend-Seminare. Davon würde jedes 150 € kosten. Ihr hättet dabei zwar meine persönliche Anwesenheit, das Buch aber könnt ihr, vor allem in der soliden Ausstattung, jahrelang mit euch tragen.

Man muss das nicht alles wissen, was in dem Buch steht, um die Brokate ordentlich zu praktizieren. Ich habe mich bemüht, sie ausführlich zu beschreiben.

Aber man muss auch nicht die Brokate lernen wollen, um mit diesem Buch seine Freude zu haben.

Ich wünsche ihm viele, viele Leser und freue mich über jede Form des Feedback.


Was in diesem Buch außer dem zwölfteiligen Brokat vorkommt:

  • Womit alles anfing und warum es uns schwer fällt, Qi zu verstehen.
  • Was die Dan Tian sind und der Dreifache Erwärmer und was das mit der Bahnhofstraße zu tun hat.
  • Natürlich Yin und Yang, die Trigramme und die 8 Unsterblichen.
  • Die Wandlungsphasen, das mittlere Gefäß und Spiegelneuronen.
  • Der Unterarm, das Kniegelenk, die Wirbelsäule und was alles zu viel ist.
  • In welche Richtung die Zeit verläuft und ob das eine angebundene Katze ist.
  • Der Eisenochse und die Ruhe der Berge, warum manche Menschen gerne auf Tischen tanzen und andere Steinchen ins Wasser werfen.
  • Wie die TCM entstanden ist, wie weit schulterweit sein kann und wie man eine Ejakulation vermeidet.
  • Ein magisches Quadrat, die sieben Sterne und die sieben Po.
  • Gesundheit, wie man eine Faust macht und der Alleskönner-Dämon.
  • Das vorgeburtliche Qi, das nachgeburtliche Qi und ein Blick über den Tellerrand.
  • Eine Organuhr, ein naiver Missionar, die zwölf Irdischen Zweige und die zehn Himmlischen Stämme.
  • Daoistische Meditation, Alchemie und die Geschichte vom Affenkönig.
  • Und alles andere. 

 BESTELLEN
Nachtrag: Die für Ende Januar angekündigte Paperbackversion kommt leider etwas später. Ich denke, dass man schon in wenigen Tagen auch im Buchhandel bestellen kann, die Lieferung dauert dann voraussichtlich, ca. 10 Tage. Unter der angegebenen email-Adresse kann man auch direkt bei mir bestellen. Danke.

06.11.2013

Während wir die Brokate üben

Als wäre ein Schleier weggezogen liegt der neue Tag vor uns, frisch und sonnig. Gestern war der Himmel voll mit Schäfchen und Riffelung, wie ein ungebügeltes Laken. Heute legt sich nur eine Mütze auf den Teide. Vor uns alles voller Blüten, blau in grün, dahinter Rosen, ein kleiner Zitronenbaum der immer neue Früchte hervorbringt. Ein einsamer Schmetterling, die kleinen Echsen kommen schon aus den Mauerritzen, ein Tausendfüssler räkelt sich. Nicht weit entfernt hämmert einer, vorne auf der Straße kommt der Kehrwagen vorbei. Die Pfarrersfrau spielt mit der Katze, jagd sie in den Baum und wieder heraus.
Langsam kommen auch die großen Echsen, ihr Blut braucht wohl länger, flüssig zu werden. Eine Horde Papageien krächzst über uns hinweg. Zwei oder drei Arten sind wohl dem Loro-Park entwischt und bilden wachsende Populationen. Bisher halten sie sich vorwiegend hier im Orotavatal. Es wird sehr warm unter meinem schwarzen Kittel.
In Gongbu wie auf Wolken durch die neun Himmel schreiten.



12.10.2013

Finca La Hacienda

Wir waren wieder auf der Finca, in Tierra del Trigo, jenem aussergewöhnlichen Platz in den Bergen oberhalb von Los Silos. Die Lage ist ideal. In einem weiten Halbkreis schützen die Berge vor der Hitze des Südens, öffnen sich zum Meer, welches sich steil unterhalb vor der Daute in den Norden dehnt. Klassisches Fengshui. Das Klima soll besonders gut sein für das Herz, welches sich gerne dort öffnet. Der große runde Platz oberhalb der Gebäude, früher zum Dreschen des Getreides *Trigo* genutzt) eignet sich hervorragend zur Gruppenarbeit. Vielleicht sollte man auf dem, zweiten, kleineren Platz ein großes Zelt errichten, wenn Schatten von Nöten ist.

Es war einfach ein Besuch, der mit einem delikaten Essen gedankt wurde. Carne Fiesta, eine tenerfische Spezialität, Gofio (laut Wikipedia das älteste überlieferte Getreidegericht der Kanarischen Inseln) Kartoffeln, auf die Teneriffa auch stolz ist und Kaninchen. Dazu den kräftigen, vollmundigen Rotwein der Region, von dem mir ein Glas reicht.

Währenddessen zogen Wolken auf und in den Bergen hat es sicher geregnet, den Wasservorrat gesichert. Bei uns kamen nur unmerkliche Tropfen an.
In drei Wochen geht es wieder dort hin, zur einwöchigen Qigong-Meditation.
Zurückkehren zum Ursprung.



Die Finca eignet sich hervorragend für Seminare oder als Ausgangsort für Wanderungen. Mit dem Auto ist man in 15 Minuten am Meer, entweder in Garachico oder Los Silos, in einer Stunde oben in den Cañadas del Teide oder an der Küste von Los Gigantes. 
Wer sich privat oder mit einer Gruppe dort einmieten möchte, kann direkt über das Kontaktformular mit uns Verbindung aufnehmen.

15.09.2013

Die Fäuste ballen und mit den Augen funkeln

um die Kraft zu mehren 


Es gibt Menschen, die an dieser Stelle mit den Brokatübungen ein Problem bekommen. Die Fäuste werden geballt, die Augen sollen funkeln, die zu mehrende Kraft hat anscheinend mit Aggression zu tun. Und das wollen sie nicht. Sie wollen etwas für ihre Gesundheit tun, nicht kämpfen. 
Die Vorstellung von Gesundheit hat sich in den letzten 150 Jahren mehrfach gewandelt. Galt bis vor ca. 100 Jahren jemand als gesund der leistungsfähig war, so wurde ungefähr ab dieser Zeit der Begriff Gesundheit eher als die Abwesenheit von Krankheit verstanden. In den letzten 30 Jahren hat sich ein erneuter Wandel des Gesundheitsbegriffs vollzogen, der den Maßstab über das persönliche Befinden definiert. So kann jemand durchaus eine Krankheit haben, sich aber dennoch als gesund bezeichnen, weil er sich so fühlt. Das aktuelle Verständnis von Gesundheit als ein Maß an Wohlbefinden wird nicht mehr nur durch den körperlichen Zustand definiert, sondern bezieht die persönliche Lebenseinstellung, die innere Widerstandsfähigkeit und die Einbindung in eine soziale Gemeinschaft mit ein. 
Um Gesundheit zu erhalten braucht es von Natur aus keine besondere Anstrengung, denn der Organismus besitzt eine selbstregulierende und selbstreproduzierende Fähigkeit, Autopoiesis genannt. Wir sagen für gewöhnlich Selbsterhaltung oder Selbstheilungskräfte dazu. Ein lebender Körper regeneriert und repariert sich ein Leben lang selbst. Schon Voltaire wusste: "Die Kunst der Medizin besteht darin, den Patienten zu unterhalten, während die Natur seine Krankheit heilt." Diese permanenten Vorgänge von Erhaltung und Heilung sind allerdings keine Kuschelstunden sondern ein hochorganisierter Kampf gegen Invasoren und Rebellen. Wir verstehen uns als eine Einheit, die sich von der Umwelt abgrenzt. Doch während wir durch die Welt gehen, geht die Welt auch durch uns. Ihre Spuren prägen sich in Körper, Geist und Seele, so wie wir unsere Spuren in der Welt hinterlassen. Nicht alles, was wir mit der Umwelt austauschen, kommt uns auch zu Gute. Entweder gelingt es dem Organismus, seine Struktur aufrechtzuerhalten, dann lebt er weiter, oder es gelingt ihm nicht, dann ist er tot.

Wir reagieren auf interne Veränderungen oder Interaktionen mit der Umwelt. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob es sich um Bakterien, Schadstoffe oder ein soziales Ereignis handelt. Das soziale Ereignis kann auch die Faust eines Mitmenschen sein, die mir das Nasenbein zertrümmert hat. Obwohl solche sozialen Ereignisse heutzutage nur in bestimmten Gegenden der zivilisierten Welt vorkommen, sollte doch die Fähigkeit und Bereitschaft zu kämpfen trainiert werden. Es geht bei einem solchen Training nicht darum, sich nun frohen Herzens in den Straßenkampf zu begeben. Im Gegenteil. Es geht um das Gefühl, sich seiner Haut wehren zu können und mit dieser inneren Haltung unangreifbar zu werden. 

aus: Yürgen Oster, Der zwölffache Brokat und alles andere.
Erscheint Herbst/Winter 2013

14.03.2013

Sendung zum Frühling 2013


Liebe Freunde

Anfang der siebziger Jahre arbeitete ich für einen kleinen Laden in Köln, der auch so etwas wie ein Treffpunkt war. Hier hörte ich zum ersten Mal von Taijiquan, von einem daoistischen Tanz, bei dem exakte Regeln der Bewegung einzuhalten seien, was meiner damaligen Auffassung von Daoismus wirklich nicht entsprach. Obwohl ich eigentlich nur die Reclam Ausgabe des Daodejing in der Übersetzung von Günter Debon kannte, hielt ich den Daoismus für eine Art pantheistischen Anarchismus. Strikt festgelegt Bewegungen hatten in diesem Bild keinen Platz. 
Eines Tages unterhielt ich mich mit einem jungen Physiker, den ich schon des öfteren dort getroffen hatte, über Themen aus der Science Fiction Literatur. Wir kamen auch auf Multidimensionale Welten zu sprechen und ich gestand, mir diese schwerlich vorstellen zu können. Er gab mir eine sehr anschauliche und, wie man sieht,  nachhaltige Erklärung des euklidischen Raumes, um darüber hinaus dann vielleicht auch einmal höhere Dimensionen zu verstehen. Der euklidische Raum (ich vereinfache hier und die Mathematiker mögen mir verzeihen) basiert auf dem Punkt, der 0 Dimension besitzt. Die Gerade, bestehend aus unendlichen Punkten bildet die Dimension 1, unendlich 1 hat die Dimension 2, genannt Fläche und unendlich 2 erzeugt den Raum, Dimension 3. Nun brauchen wir uns nur unendlich viele Räume  vorstellen, um in die vierte Dimension vorzustoßen. Was mich daran fasziniert, ist ein Raum, der aus unendlich mal unendlich mal unendlich mal Null besteht. 
Und nun reden wir davon, uns darin zu bewegen. 

Mit den besten Empfehlungen
Yürgen Oster



In dieser Sendung:

15.10.2012

Qing Jing Jing 4


4. 如此清靜,漸入真道。 既入真道,名為得道。 雖名得道,實無所得。 為化眾生,名為得道。 能悟之者,可傳聖道。


In Klarheit und Stille, erreiche das wahre Dao
erreichst du das wahre Dao, heißt es vollendetes Bewusstsein
Obwohl vollendetes Bewusstsein genannt, ist nichts zu vollenden.
Das vollendete Bewusstsein ist bestrebt, alle Lebewesen zu befreien.
Nur wer fähig ist dies zu begreifen,  kann den heiligen Weg auch vermitteln.



Fortsetzung

28.09.2012

Qing Jing Jing 1

von Guan Shifu ein Holzperlenarmband geschenkt bekommen mit kleinen eingravierten Schriftzeichen. Ziemlich zum Ende seines Aufenthalts war er dann bereit, uns die ersten Zeilen zu erklären. Ungeduldig wie ich bin, habe ich im Netz gesucht und die komplette Fassung gefunden. Es handelt sich um das Qing Jing Jing 清靜經, dem Klassiker der Reinheit und Stille, wahrscheinlich um das 2 Jahrhundert geschrieben. Der erste überlieferte Kommentar dazu stammt von Du Guanting ( 850 - 933).

Hier der erste Teil im Original und meiner Übersetzung:

老君曰 ﹕

大道無形,生育天地。
大道無情,運行日月。
大道無名,長養萬物。
吾不知其名,強名曰道。
夫道者 ﹕
有清有濁,有動有靜。
天清地濁,天動地靜。
男清女濁,男動女靜。
降本流末,而生萬物。
清者濁之源,靜者動之基。
人能常清靜,天地悉皆歸。


Laojun sagte:
Das große Dao ohne Form gebärt und nährt Himmel und Erde.
Das große Dao ohne Gefühle bewegt Sonne und Mond.
Das große Dao ohne Namen erstellt die Welt.
Ich kenne seinen Namen nicht, so nenne ich es ‚Dao‘.
Das große Dao zeigt sich
in Klarheit und Trübnis, in Bewegung und Ruhe
Der Himmel ist klar, die Erde ist trüb.
Der Himmel bewegt und die Erde ruht.
Das Männliche klar, das Weibliche trüb.
Das Männliche bewegt, das Weibliche ruhend. 
Aus der Quelle entspringend zum Ende hin strömend 
wird alles geboren.
Klarheit ist Ursprung des Trüben
Ruhe ist Ursprung der Bewegung
Wer ständig in Ruhe und Klarheit verweilt
wird sich im Ursprung mit Himmel und Erde vereinen.



Fortsetzung

24.07.2010

Xinxinming 21

大道體寬  無易無難  小見狐疑 


der große Weg (die wahre Lehre) ist breit,
weder leicht noch schwer,
in kleinlicher Betrachtung wachsen die Zweifel.



Wir haben uns schon lange nicht mehr mit dem Meister beschäftigt. Es gab da einiges zu verdauen. Nun, er hat ja recht. Der große Weg ist breit, hat für alle Platz. Schon Laozi hat uns Ähnliches gesagt. Aber die Menschen lieben es, auf Umwegen und Abwegen zu wandeln. Sie lieben die Schwierigkeiten in ihrem Leben, denn warum sonst gehen sie nicht den breiten Weg, folgen sie nicht dem Dao? Dem Dao folgen erfordert keine besondere Fähigkeit. Nicht, dass es leicht wäre, leichtsinnig ihm zu folgen. Es ist auch nicht schwer. Keine besondere Anstrengung nötig. Lass einfach los, gib deine kleinlichen Abwägungen, deine Zweifel auf. Lass los. Jesus hat schon gesagt, wie natürlich alles sein kann, wie einfach, in dem er auf die Vögel des Himmels, die Lilien auf dem Felde hingewiesen hat. Das ist die wahre Lehre, es ist die wahre Natur des Seins. Wie kann man daran nur Zweifeln.



大道1体宽2  无3易4无 难5  小6见7狐疑8 


1大道  dàdào:  Hauptstraße; der große Weg: die wahre Lehre
2体宽  tǐkuān: ein breiter Körper, Breite
3无  wú:  Nichts; es hat nicht; fehlen, un-; keiner,keine; nein,nicht, ohne
4易  yì:  leicht verändern; verändern; einfach; wechseln, wandeln
5难  nán:  schwer, schwierig; Nan
6小 Xiao: klein
7见  jiàn: sehen, betrachten
7狐疑  húyí:  Zweifel hegen

08.04.2010

Nachrichten aus der Goldgrube April 2010

vor einigen Tagen musste ich ein Gespräch am Nebentisch im Restaurant mit anhören. Eine Geschichte, die zunächst merkwürdig klang, dann aber immer mehr offenbarte, dass die Erzählerin wohl etwas verrückt war. Der Ausdruck ist nicht unbedingt sozial korrekt, aber treffend. Sie war aus unserer Realität herausgerückt, ihre Beschreibung entsprach nicht dem common sense.
Wir haben eine stillschweigende Übereinkunft, wie weit eine Beschreibung der Wirklichkeit von der eigenen Wahrnehmung abweichen darf. Wer aber davon spricht, dass in einem Polizeifahrzeug der Funkverkehr mittels eines Schlauchsystems aufrecht erhalten wurde, dem testieren wir einen mangelnden Tassenvorrat. Dabei können weit abstrusere Geschichten geglaubt und ernst genommen werden.
Um herauszufinden, was wirklich wirklich ist, dafür ziehen sich Menschen in die Einsamkeit zurück oder bauen für viele Millarden Euro einen Teilchenbeschleuniger. Manche finden das eine oder andere Extrem verrückt.
Um in dem ganzen Trubel des Geschehens für sich selbst den Boden unter den Füßen oder den Verstand nicht zu verlieren, haben wir verschiedene Methoden. Einen Augenblick Abstand nehmen durch Innehalten, sich nicht im Äußeren verlieren durch Ein-Sicht.
Manchmal muss man einen weiten Weg gehen, um dort hin zu kommen, was am nächsten liegt. In diesen Nachrichten wieder ein paar Hinweise auf Möglichkeiten. Ich verschicke sie an Euch mittels einer Technologie, welche ich ehrlich gesagt nicht verstehe. Es ist komplizierter als ein Schlauchsystem, aber ich halte es für realistisch.
in wenigen Tagen mache ich mich wieder auf den weiten Weg nach Wudangshan. Für sechs Wochen . Mein Tagebuch könnt ihr wieder mitlesen.
Ich wünsche euch allen einen erfrischenden Frühling

Yürgen Oster

in diesem Brief

• Für Mainzer
• Sommerakademie
• Das Baguazhang Projekt
• Ausbildungen zum Kursleiter
• Literatur
• Film
• Kunst
• Zum Schluss


Für Mainzer

In der Woche nach Ostern ist noch normales Training
Der erste Trainingstag nach meiner Reise ist der 31. Mai, ab da wieder alles ganz normal weiter bis zur Sommerpause Ende Juni.
In der Zwischenzeit wollen sich einige Gruppen weiter treffen.
Montag vormittags 11:00 Uhr in Gonsenheim, abends 18:30 Uhr Qigong mit Wolfgang Frömelt in der Schillerschule.
Mittwochs um 18:00 in Bretzenheim

Neue Kurse wieder ab 16. August 2010


Elbsandstein
3. - 6. Juni 2010
18 Wege vom Berg Wudang
ausgebucht



Sommerakademie

Das umfangreiche Programm der Sommerakademie findest du als PDF Datei.
Es gibt Qigong an den Vormittagen, 18 Wege Qigong abends während der ersten beiden Wochen, Taijiquan für Anfänger und Geübte, sowie Baguazhang


Das Baguazhang Projekt

In der DAO akademie wird von mir ein einmaliges Bagua - Projekt angeboten. Es ist nicht vorgesehen, dieses Projekt in absehbarer Zeit zu wiederholen. Baguazhang ist bisher noch sehr selten vertreten in Deutschland, findet aber derzeit ein gesteigertes Interesse.
Die Ursprünge des Baguazhang sind nicht genau zu klären. Als eine der inneren Kampfkünste soll es sich aus einer im Kreis gehenden Meditation um Weihrauchbrenner in den daoistischen Klöstern der Wudang-Berge entwickelt haben. Auch heutzutage wird in Wudangshan Baguazhang praktiziert. Gesichert ist das Auftreten von Baguazhang und die Verwendung des Namens seit der Mitte des 19. Jahrhunderts von Dong Hai Chuan in Beijing.
Eine ausführliche Beschreibung und alle Termine



Ausbildungen der DAO akademie

die DAO akademie ist Mitglied des DDQT (Deutscher Dachverband Qigong und Taijiquan). Alle angebotenen Ausbildungen entsprechen im Inhalt und Umfang dessen Leitlininien und sind anerkannt.

Im Herbst beginnt die neue 3 jährige Ausbildung zum Kursleiter Qigong in Münster. Eine umfangreiche Beschreibung der Ausbildung kann als pdf Datei geladen werden unter
http://www.dao-akademie.de/img/Qigong_Ausb.pdf

In Planung ist eine weiterführende Ausbildung zum Lehrer, die 2011 beginnen soll. Interessenten melden sich bitte bei SOBI Münster, Frau Ulla Peeters
Tel.: 0251-40328
Email: sobi@muenster.de

Ende des Jahres beginnt eine ebenfalls 3jährige Ausbildung zum Kursleiter Taijiquan in Mainz
Eine umfangreiche Beschreibung der Ausbildung kann als pdf Datei geladen werden.

Literatur

vielleicht habe ich auch früher schon mal auf dieses beachtliche Werk hingewiesen. Es ist genauso beachtlich teuer, aber es ist ein echtes Arbeitsbuch. Sicher nur etwas für Leute, die es ganz genau wissen wollen. Die Rede ist vom Cantong Qi, aus dem Chinesischen übersetzt und kommentiert von Richard Bertschinger (deutsch von Ingrid Fischer-Schreiber) erschienen 1994 bei Wofgang Krüger Verlag.

Das Original, dessen Titel noch nicht einmal eindeutig übersetzt werden kann, stammt von einem Wei Boyang, der im zweiten Jahrhundert unserer Zeitrechnung gelebt hat. Es ist ein durchweg esoterischer Text im Sinne der verschlüsselten Sprache. Bertschinger nimmt sich zwei historische Kommentatoren zur Hilfe, den siebenten Patriarchen der nördlichen Schule des Daoismus, Meister Shangyan und Yuyan, einen Autor der Yuan Dynastie.
Das Cantongqi ist ein wichtiges Buch des daoistischen Kanons, einer Schriftsammlung von rund eintausend Texten, von denen die meisten noch nicht übersetzt wurden. Es behandelt das philosophische Konzept der Unsterblichkeit. Sie existiert, weil es keinen Tod gibt. Wenn es aber keinen Tod gibt, kann es auch kein Leben geben! Es existiert nichts außer einer alles durchdringenden Energie (Qi), die alle Erscheinungen und Ereignisse entstehen und vergehen lässt. Diese Energie ist letztlich die grenzenlose Leere und in der grenzenlosen Leere ist alles enthalten. Um diese Wahrheit zu vermitteln bedient sich das Cantong Qi der Konzepte von Yin und Yang sowie der 64 Hexagramme des Yijing. Die Auflösung und Verfestigung der mit diesen Symbolen bezeichneten Zustände bilden jenen alchimistischen Prozess, der das Elexier des ewigen Lebens wirkt.

Cantong Qi
Das Dao der Unsterblichkeit
direkt erwerben in der Bibliothek der DAO akademie




Film

The Karatekid 2

an die Erfolgsreihe Karate Kid I - IV aus den 80er Jahren knüpft ein neuer Film an, der nur teilweise als Remake bezeichnet werden kann.
Der junge Dre Parker (Jaden Smith) zieht mit seiner Mutter von Detroit nach Peking. Die kulturellen Unterschiede und die Missgunst eines Mitschülers, der ein geübter Kungfu-Kämpfer ist, machen es ihm schwer, Freunde zu finden. Der Hausmeister Mr. Han (Jackie Chan), der insgeheim ein berühmter Kungfu Meister ist, wird zu seinem Mentor. Von ihm lernt Dre, dass es nicht nur um das Austeilen von Schlägen geht, sondern um Reife und innere Ruhe.

Ohne diesen Hintergrund wäre das dümmliche Muster, die Chinesen sind die Bösen und die guten amerikanische Jungs sind nach ein paar Wochen die besseren Kungfu Kämpfer, sicher nicht auszuhalten. Als besonderes Bonbon findet ein gut Teil von Dres Ausbildung in den Wudangbergen statt. Hoffentlich wird es nach dem Filmstart (in Deutschland ab 22. Juli) dort noch auszuhalten sein.

Trailer



Kunst

Meditieren ist immer noch besser als rumsitzen und nichts tun

Seit Mitte März kann man im New Yorker MoMA der Performance-Künstlerin Marina Abramović stumm in die Augen schauen. Sie wird die nächsten drei Monate jeden Tag während der Öffnungszeiten des Museums an diesem Tisch sitzen, regungslos und schweigend.
Guardian-Autor James Wescott berichtet von einem unheimlichen Augenblick.



Zum Schluss

Wenn der Mond bei klarer Nacht nahe am Horizont so groß erscheint, ist das eigentlich ein neurologisches Phänomen. Betrachtet man ihn dann kopfüber durch die Beine, sieht alles wieder ganz normal aus.


Anhang

weil versprochen noch ein Anhang. Es geht um eine Petition zum Erhalt des Nachtflugverbots in der gesetzlichen Nacht, weil, irgendwann muss ja auch mal Ruh sein.

13.08.2009

Elektronik - Esoterik

"endlich komme ich dazu, auf Deine Mail zu antworten. Ich hab sie mit fast einem Monat Verspätung auf meinem BlackBerry cellphone erhalten, als ich in San Francisco mit der Straßenbahn (N-line) über die Judah Street in Richtung Innenstadt fuhr, und gerade in dem Moment kamen wir an einem TAO-Zentrum vorbei... "

08.08.2009

Rettet die Zierfische


Ob Leuchtschriften schön sind? Wenn es sehr gehäuft kommt, ist die Furcht vor Augenkrebs sicher begründet. Shanghai bei Nacht ist dem Besucher faszinierend beim ersten Blick. aber ganze Hochhausfassaden als animierte Werbeflächen bekommen schnell etwas überwältigendes im negativen Sinn.
Im Einzelnen kanns schön sein, oft auch durch die Retrobrille verklärt.
Dann lobt man gerne die Prager Innenstadt, neonfrei wie der münstersche Prinzipalmarkt. Soll man deshalb froh sein über jeden Schriftzug, der verschwindet?
Zwei Berliner Künstlerinnen retten, was geht. Sie lagern in einem Depot, was von den Wänden genommen wird. Meist sind die Vorbesitzer froh, wenn sie erfahren, dass ihre ehemalige Werbung noch einen Gnadenhof finden soll und geben gerne her, was sonst im Schrott gelandet wäre.
Am Frankfurter Tor in Berlin hat nun der legendäre Zierfische - Laden Insolvenz anmelden müssen. Die Schrift und die Bildmotive müssen weg. Meiner Meinung nach gehören sie denkmalgeschützt. Das Buchstabenmuseum will sie retten. Zum ersten Mal wird ihnen die Werbung nicht kostenlos überlassen. Deshalb rufen sie auf zu Spenden. Rettet die Zierfische.

Etwas kleiner, einfacher und für den täglichen Gebrauch kann man die Zierfische auch erhalten. Bei den Berliner Töchtern gibt es schon lange das Motiv nicht nur als Postkarte, sondern auch als Frühstücksbrettchen.

06.08.2009

Das Dao

Georg möchte all zu gerne erklärt bekommen, was das Dao ist. Um es gleich vorweg zu nehmen. Ich weiß es, Georg weiß es, jeder weiß es, selbst jene, die nicht wissen, dass sie es wissen, wissen es, aber bislang hat's noch niemand erklären können. Es ist der Lauf der Welt, möchte man sagen. Das klingt zwar sehr banal, kommt der Sache aber ziemlich nahe. Der Begriffs Dao wurde anscheinend zuerst für die wiederkehrenden Konstellationen der Gestirne benutzt. Da hat man gesehen, das geht da so seiner Wege und das hat eine Ordnung. Oben am Himmel sieht es auf den ersten Blick sehr chaotisch aus. Man muss schon eine ganze Weile sehr aufmerksam hinschauen, um darin die Ordnung zu erkennen. Anscheinend gab es auch in frühen Zeiten, in denen das Leben sehr schwer gewesen sein soll, dafür genug Muße. Wohl auch, weil sich damit ein geordneteres Leben organisieren ließe. Ich vermute, die ersten Astronomen waren Frauen. Nun kannten die Menschen in früheren Zeiten in denen das Leben sehr schwer gewesen sein soll, sicher auch schon sehr unordentliche Gefühle. Dann haben wahrscheinlich einige Männer den Frauen gesagt, dass die Gefühle gar nicht so unordentlich seien, es sähe nur so aus, es wäre genauso wie mit Sonne, Mond und Sternen. Wenn das Leben auch recht durcheinander aussähe, letztlich stecke doch System dahinter. Damit haben die Männer die Forschung an sich gerissen, können nun beobachten und betrachten, Fliegen die Beine ausreissen oder einen Kumpel zum Mond schicken. Alles nur, um rauszufinden, wie das Dao funktioniert. Werden die Frauen unruhig, dann erfinden die Männer flott mal eine Waschmaschine oder den Haarföhn und für eine Weile ist Ruhe.
Ja, lieber Georg, so hat sich das entwickelt. Die Daoisten aber, die machen das genaue Gegenteil. Naja, auch nicht immer, aber meistens. Ziehen sich in die Berge zurück, sammeln Kräuter und möchten gerne, dass es doch allen Menschen gut gehe. Wenn welche vorbei kommen und Fragen stellen, dann erzählen sie ihnen, was die gerne hören wollen. Weil sie wissen, es ist egal was sie erzählen, die Leute verstehen sowieso immer nur das, was sie hören wollen. Dann sind die Menschen froh.
So, und jetzt lass mich wieder meditieren.
Achja, wenn du mal Zeit hast, dann kannst du mir doch helfen, die englischsprachige Website zu übersetzen, alles über Dao.

29.07.2009

Was ist eigentlich Karma?

(für Henrike)
Der Karmabegriff, der sich in unsere Alltagskultur einnistet, ist eine grässliche Mischpoke.
In ihm verquasten sich Elemente seiner Herkunftsreligionen mit christlichen Konzepten und Wertvorstellungen. Das Sanskritwort bedeutet "wirken" oder "Tat" also eher ein Aktivum als im gegenwärtige Verständnis, welches eher zu den Folgen einer Tat, ihrem Bewirken oder gar ihrer Rückwirkung tendiert. Vor allem drängt sich der Gedanke einer Bestrafung oder Belohnung jeder Handlung auf, der dem ursprünglichen Konzept nicht inne wohnt.
Im Hinduismus meint man schlicht, dass alles was man tut seine Wirkung hat und dass dieses Wirken sich kontinuierlich fortsetzt. Es klingt die Wirkung nicht aus, so wie ein Wasser, in welches ich einen Stein werfe, wieder ruhig wird, sondern setzt sich über das Ufer hinaus fort und wirkt in alle Zeiten weiter. So wird dieses Wirken, diese Tat auch in irgendeiner Form zu irgendeiner Zeit auch wieder auf mich treffen, sofern ich denn ebenfalls über alle Zeiten dauere.
An dieser Stelle muss man nun auf das Konzept der Wiedergeburt eingehen. Auch diese aus den indischen Religionen stammende Idee findet inzwischen entgegen aller christlichen Lehre zunehmend Akzeptanz im Abendland.
Diese Aufgabe, die Betrachtung des Inkarnationskonzeptes, übernimmt hervorragend der Buddhismus.
Mehr dazu demnächst in diesem Theater.

26.07.2009

Die Entstehung Chinas und der Fall der Mauer

`Capt. Zhang spekuliert, das China mal ein anderer Planet gewesen sein mag - der sich durch eine sehr langsame Kollision in die Erde eingelagert hat.
Vor langer Zeit, vollständig, mit eigener Sprache und eigenen Sitten, aus Ost-Nordost gekommen und auf den Pazifik gezielt -, schießt er über denselben hinaus, pflügt sich in Asien hinein, schiebt das Himalaya-Gebirge auf - kommt unversehrt zum Stehen und bleibt so, bis die ersten christlichen Reisenden ihn finden -`.


Aus Mason&Dixon von Thomas Pynchon, S. 797
Hinweis von Ralph Butler

Da sich meine Vermutungen über die Wiedervereinigung Deutschlands nun auch langsam als Wahrheit herausstellen (Dank an Holger Schulze), könnte diese Spekulation über die Entstehung Chinas, die meinem Verdacht, es handele sich bei den Chinesen um Aliens sehr nahe kommt, durchaus auch eines Tages bewiesen werden.

04.06.2009

Mit Jesus

Jeans und Pinguinen in ein besseres Europa? Die Plakate zur Europawahl nüchtern analysiert.

Verordnetes Schweigen zum Jahrestag - Tiananmen vor 20 Jahren ist im öffentlichen Leben Chinas kein Thema, Dissidenten müssen Beijing verlassen, Journalisten erfahren Einschränkungen, Internetforen werden geschlossen bzw. scheitern an der großen chinesischen Firewall. So sind schon seit Wochen Youtube und diverse Bloggerangebote für China gesperrt. Für junge Leute ist es heute ein Tag wie jeder andere. Die technischen Möglichkeiten, die Firewall zu umgehen, hier zu veröffentlichen macht nur den Sinn, sie auf anderem Wege dann weiter zu geben. Denn dieser Beitrag kann in China auch nicht gelesen werden.

Auch vor zwanzig Jahren fiel die Mauer in Berlin (dauert noch was bis zum Jahrestag) da war der Legende nach eitel Freude in deutschen Landen. Die Bilder der Fotografen Peter Irmai und Volker Daum sehen ganz anders aus.

Am 16.Juni 2009 um 19:00 Uhr spielt das Diethelm Duo Kammermusikalischen Jazz
Im Foyer der Landesbausparkasse Rheinland Pfalz Vordere Synagogenstrasse 2 in Mainz

David Carradine ist tot

08.04.2009

An den Frühling

Willkommen, schöner Jüngling! - Du Wonne der Natur! - Mit deinem Blumenkörbchen - Willkommen auf der Flur! - Ei! ei! da bist ja wieder! - Und bist so lieb und schön! - Und freun wir uns so herzlich, - Entgegen dir zu gehn. - Denkst auch noch an mein Mädchen? - Ei, Lieber, denke doch! - Dort liebte mich das Mädchen, - Und 's Mädchen liebt mich noch! ... usw.

wer sowas schreibt, der hat doch nicht mehr alle Tassen im Schrank, den haben se mit dem Klammerbeutel gepudert, der hätte heute wahrscheinlich Hello Kitty Sitzbezüge im Auto. Das ist von Schiller, den hat man mal unseren "Nationaldichter" geschimpft und ich war auf einer Schule die nach ihm benannt war. Hätte man mir damals dieses Gedicht gezeigt, ich wär auch als 10jähriger schreiend davon gerannt und hätte meine Eltern gebeten, mich lieber auf eine Montessori Schule zu schicken.
Ei, ei, da bist ja wieder ...