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27.12.2022

Zeitplan des Lehrgangs "18 Wege von Wudangshan"

Qigong - Die 18 Wege von Wudangshan

Videolehrgang mit mindestens 5 Lektionen je Bild
als Benefit für das Patreon Level Bewusstsein.
Zu buchen mit 40 € monatlich. 
In dem Lehrgang sind sowohl die Videos von Melanie als die Teile von Yürgens Meisterkurs enthalten. 

patreon.com/innerqi

Wir hatten ursprünglich gedacht, diesen Lehrgang in 4 Monaten durchzuführen. Die ersten Bewegungen sind ja auch recht einfach. Aber je weiter wir fortschreiten, desto schwieriger werden die Figuren. Es kommen Schritte und Drehungen hinzu, was nicht so leicht aufzugreifen ist. Auch dürfen wir ja nicht davon ausgehen, dass alle Teilnehmer täglich eine Stunde oder mehr aufwenden können, um die Form zu lernen und zu praktizieren. Deshalb haben wir nun einen Plan aufgestellt:

Beginn Januar, Ende Oktober/November = 10 Monate


1. Woche „Der Hahn kräht, der Tanz beginnt“
2. Woche „Die Wildgans spreizt ihr Flügel“
3. Woche „Der Löwe trägt einen Ball“
4. Woche „Yin und Yang kreisend sich wandeln“

1. bis 4. Woche
zusätzlich ein Video mit dem Durchlauf der ersten 4 Übungen.
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5. + 6. Woche „Der schwarze Drachen schlägt mit dem Schwanz“
7. + 8. Woche „Der Phönix dreht seinen Kopf“
9. + 10. Woche „Die Libelle berührt das Wasser“
11. + 12. Woche „Die weiße Schlange liegt im Gras“
13. + 14. Woche „Der Knabe betet zu Buddha“
15. + 16. Woche „Der Sperber schraubt sich in den Himmel“

5. bis 16. Woche
zusätzlich ein Video mit dem Durchlauf der 5. bis 10. Übungen
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17. Woche Durchlauf der ersten 10 Übungen
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18. - 20. Woche „Die Vögel wieder in den Wald schicken“
21. - 23. Woche „Der schwarze Drachen blickt zurück“
24. - 26. Woche „Den Mond in Händen tragen“
27. - 29. Woche “Das Schwert hinter dem Rücken ziehen“

18. bis 29. Woche
zusätzlich ein Video mit dem Durchlauf der Übungen 11 bis 14.
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30. Woche Durchlauf der bis dahin gelernten Übungen 1 bis 14.
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31. - 33. Woche „Den Fächer gegen den Wind schlagen“
34. - 36. Woche „Der Unsterbliche zeigt den Weg“
37. - 39. Woche „Das Nashorn blickt zum Mond“
40. - 42. Woche „Der goldene Hahn steht auf einem Bein“

31. bis 42. Woche
zusätzlich ein Video mit dem Durchlauf der letzten 4 Übungen.
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43. - 48. Woche gesamter Durchlauf
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Jetzt auch im Level "Harmonie" die 18 Wege im eigenen Tempo lernen und zusätzlich alle Inhalte der anderen Level mitbekommen.
patreon.com/innerqi

26.06.2021

Grundlegendes Wissen über die Praxis des Taiji Quan

veröffentlicht in Hu Haiyas Sammlung über die Kultivierung der Gesundheit.

行走手足板眼齐
Bei der Ausführung bewegter Figuren sind Hände und Füße gleich und der Blick ist ausgerichtet.

内外双修少人知
Innen und Außen sind wie ein Paar, was nur Wenige wissen.

一步三摇空化力
Ein Schritt bekommt drei Mal Kraft   (aus der Leere kommend)

得来不觉费功时
Wenn es kommt, kommt es unbewusst, ohne jede Anstrengung.

站桩试力基本功,
(Zhan Zhuang) Stehender Pfahl und (Shi Li) Spannungstest sind Grundlegende Übungen.

呼吸自然内外松
Der Atem ist ganz natürlich, innen und außen entstpannt.

运劲抽丝势开弓
Die Bewegung ist wie das Spinnen eines Seidenfadens und die Kraft wie einen Bogen zu spannen.

静中生机豁然通。
Aus der ruhenden Mitte entsteht die Vitalität in offener Klarheit.

坐时如钟全体空
Sitzend wie eine Glocke ist der ganze Körper leer.

坎离相交甘露生
Wenn Wasser und Feuer sich verbinden entsteht der süße Tau.

呼吸自然法轮转
Der Atem setzt das Rad des natürlichen Plans in Bewegung

益寿延年不老翁 
Erreiche ein langes Leben voll ausgefüllter Jahre, ohne das Alter zu spüren.

卧似龙虎身如弓
Liegend wie Drachen und Tiger (wie ein außergewöhnlicher Mensch) bleibt der Körper gespannt wie ein Bogen.

闭目养神腹内松
Schließe die Augen und nähre den Geist, der Bauch bleibt weich.

安然自在如睡眠
Frei von Sorgen und ruhigen Geistes, als würdest du schlafen.

气血畅通体还童
Wenn Qi und Blut ungehindert fließen, wird der Körper wieder wie der eines Kindes.

25.06.2021

Über die Sprachlosigkeit

Stell dir vor, du lernst ein Gedicht in einer dir völlig fremden Sprache. Selbst wenn dir ein Wort bekannt vorkommt, weil es einem deiner Sprache ähnelt, darfst du sicher sein, dass es reiner Zufall ist. Diese Sprache hat nichts mit deiner gemein. Du wirst dieses Gedicht nie verstehen können, auch wenn dir der Rhythmus, die Melodie gefällt. Du wirst es wahrscheinlich auch nie richtig aussprechen und selbst nach Jahren magst du dich noch verhaspeln. Es wird dir nie selbstverständlich über die Lippen kommen.

So ähnlich verhält es sich mit der Praxis des Qigong und Taiji Quan. Ohne jemals die Sprache, deren Grammatik gelernt zu haben, praktizieren tausende diese Kunst, in dem guten Glauben, zu wissen was sie da tun. Ohne zu ahnen, dass sie es nicht wissen.

Du musst die Sprache lernen, du musst die Grammatik lernen. Du musst wissen, was die einzelnen Bewegungen bedeuten, warum und wie du einen Schritt machst, warum und wie eine Armgeste. Nur dann kannst du Qigong und Taiji Quan ausüben, so selbstverständlich, wie du in deiner Sprache sprichst. Ohne zu stammeln, ohne zu stottern, ohne nach den richtigen Worten suchen zu müssen.

Die meisten Menschen, die sich für Qigong und Taiji Quan interessieren, möchten eine Form lernen, ohne vorher die Basis zu kennen. Selbst wenn sie schon lange Zeit mit einer Form arbeiten, drücken sie sich um die Mühe der Grundlagen. Sie „sprechen“ Taiji Quan schwer verständlich, selbst kaum verstehend.

Schon vor Jahren habe ich in meinem Buch „Dao der Bewegung“ versucht, einen Grundwortschatz und die Grammatik zu vermitteln. Ich kann es noch immer wärmstens empfehlen. Dieses Jahr ist auch das Programm der Sommerakademie diesem Thema gewidmet und ich werde mich auch in Zukunft in meinen Unterricht mehr mit dieser Arbeit befassen. Selbstverständlich werden auch „Formen“ gelehrt, Gedichte. Sie sind dann Mittel zum Zweck, kein Selbstzweck.

Ein Gedicht transportiert die eigentliche Botschaft zwischen den Zeilen. Der kunstvolle Umgang mit der Sprache möchte etwas in uns ansprechen, anklingen lassen, was sich nicht einfach mit Worten sagen lässt. Wie eine Melodie Freude, Sehnsucht oder Trauer zum Ausdruck bringen, Mut machen oder die Seele zu höheren Gefilden schweben lassen kann, so helfen die Formen des Qigong und Taiji Quan bei der inneren Entwicklung, der Selbstkultivierung des Menschen. Dazu muss man sie verstehen.

Ich lade dich herzlich ein, diese Sprache zu lernen.

02.04.2021

Die Fünf Höchsten

Zwischen der grenzenlosen Leere und dem Auftauchen von Himmel und Erde durchläuft das Werdende die fünf Zustände des Höchsten, die Zeit von Xian Tian. Es sind dies:

Der Höchste Wandel, der Höchste Ursprung, der Höchste Anfang, die Höchste Einfachheit und das Höchste Letzte.

Der Höchste Wandel ist jener Zustand, bevor der Lebenshauch Qi entsteht.

Der Höchste Ursprung ist jener Zustand, unmittelbar nachdem der Lebenshauch Qi entstanden ist, aber noch keine Wesen.

Der Höchste Anfang zeichnet sich aus durch das Erscheinen von Wesenheit, die Wesenheit jedoch ist noch nicht wahrnehmbar. Der Höchste Anfang ist der Anfang der Wesenheit, der durch das Vorhandensein und Vereinigen von Yin und Yang entsteht. Es gibt Wesen, doch keine Substanz. Wenn die Form sich in Substanz äußert, wird der Zustand Höchster Einfachheit durchschritten.

Im Zustand der Höchsten Einfachheit bekommt das Wesen Substanz, aber noch keinen Körper. Qi, Wesen und Substanz sind bereits vorhanden, doch sie befinden sich noch in Ruhe. Wenn sie in Bewegung geraten und sich vereinen, entsteht das Höchste Letzte, das Ungeformte oder das Chaos. Es ist Substanz in Bewegung.

Das Höchste Letzte ist die Quelle von Himmel und Erde. Wenn Himmel und Erde entstehen, ist dies das Höchste Eine. 

Wenn das Höchste Eine auftaucht, ist die Zeit von Xian Tian vorüber.

Nachtrag zu meinem Video "Ohne Himmel" 



11.02.2021

養生 Yǎng Shēng Lebenspflege

Überall findet man sie, die do und don’t: im Internet, im Kalender, oder in der Bibel. Auch daoistische Selbstkultivierung kommt nicht ohne solch gute Ratschläge aus. Hier eine Liste der Listen:

3 Gebote von Liǔ Zōngyuán (773-819)

三戒:
不妄出入
不妄言語
不妄憂慮

Die drei Gebote:
Laufe nicht grundlos Hin und Her
Spreche nicht grundlos.
Sorge dich nicht grundlos.


5 Schädigungen laut dem Huángdì Nèijīng Sùwèn

勞所傷:久視傷血,久臥傷氣,久坐傷肉,久立傷 骨,久行傷筋,是謂五勞所傷。

Die fünf Schädigungen, die durch die Tätigkeiten verursacht werden, sind:
längeres Sehen schadet dem Blut,
längeres Liegen schadet dem Qi,
längeres Sitzen schadet dem Fleisch,
längeres Stehen schadet den Knochen
längeres Gehen schadet den Sehnen.


7 Cháo Yuánfāng (550 - 630) "Abhandlung über den Ursprung aller Krankheiten"

七傷:大飽傷脾,大怒氣逆傷肝,強力舉重久坐濕地傷 腎,形寒飲冷傷肺,憂愁思慮傷心,風雨寒暑傷形,大 恐懼不節傷志。巢元方《諸病源候論》隋

Die sieben Verletzungen: 
große Sättigung verletzt die Milz, 
großer Zorn verletzt die Leber, 
starkes Heben und langes Sitzen auf nassem Boden verletzt die Nieren, 
Kält und kaltes Trinken verletzt die Lungen, 
Kummer und Gedanken verletzt das Herz, 
Wind und Regen verletzt den Körper, 
Kälte und Hitze verletzt den Geist,  
große Angst und Unordnung verletzt den Willen.


12 Sūn Sīmiǎo (581 - 682)

故善攝生者,常少思少念,少欲少事,少語少笑,少愁 少樂,少喜少怒,少好少惡,行此十二少者,養性之都 契也。

Wer sein Leben erhalten will, der
verringert ständig Gedanken und Erinnerungen,
verringert Wünsche und Taten,
verringert Rede und Lachen,
verringert Trauer und Fröhlichkeit,
verringert Freude und Ärger,
verringert Vorlieben und Abneigungen.

Diese zwölf Einschränkungen sind bereits ein Wendepunkt, um die wahre Natur zu nähren.

多思則神殆,多念則志散,多欲則志昏,多事則形勞, 多語則氣乏,多笑則臟傷,多愁則心懾,多樂則意溢, 多喜則忘錯昏亂,多怒則百脈不定,多好則專迷不理, 多惡則憔悴無歡。

Wenn du zu viel denkst, gefährdest du den Herz-Geist;
wenn du zu viel in Erinnerungen schwelgst, wird dein Wille zerstreut sein;
wenn du zu viel begehrst, wird dein Wille verwirrt sein;
wenn du zu viel tust, wird dein Körper ermüdet sein;
wenn du zu viel redest, wird dir dein Atem fehlen;
wenn du zu viel lachst, werden deine Organe geschwächt sein;
wenn du dich zu sehr sorgst, wird dein Herz veränstigt sein;
wenn du dich zu sehr vergnügst, werden deine Gedanken überbordend sein;
wenn du dich zu sehr freust, wirst du vergesslich, unordentlich und verwirrt sein;
wenn du dich zu sehr ärgerst, werden die 100 Gefäße ihre Verbindung verlieren;
wenn du zu viele Vorlieben hast, wirst du unaufmerksam sein;
wenn du zu viele Abneigungen hast, wirst du entmutigt und freudlos sein.


此十二多不除,則營衛失度,血氣妄行,喪生之本也。 唯無多無少者,得幾於道矣。孫思邈《千金要方 卷二十 七 養性》唐

Wenn diese zwölf "Exzesse" nicht beseitigt werden, überschreiten Yíng und Wèi ihre Grenzen, wodurch Qì und Blut sich willkürlich bewegen. Dann hat man das Leben aufgegeben. Doch wer die Exzesse meidet und ohne Unzulänglichkeiten lebt, hat Dao fast erreicht.

ABER es gibt auch positive Unterstützung

Die sieben Bestätigungen stammen aus dem Buch  
Cháng Shēng Mì Jué (Das Geheimnis des langen Lebens) von Shí Tiānjī. 
Die Ergänzungen in Klammern sind von der Autorin Lorraine Wilcox.

1. 常存良善想 Bewahre ständig gute Gefühle (und kümmere dich nicht um das Gerede anderer).
2. 常存和悦想 Bewahre stets freundliche Gefühle (sei hilfsbereit und vermeide Ärger)
3. 常存安樂想 Bewahre ständig zufriedene Gefühle (meide Neid und Missgunst)
4. 常存康健想 Bewahre dir stets gesunde Gefühle (schätze deine Gesundheit)
5. 常存安静心 Bewahre dir stets ein friedvolles Herz (der Geist ist von Natur aus friedvoll)
6. 常存正覺心 Bewahre beständig ein erwachtes Herz (im buddhistischen Sinne)
7. 常存歡喜心 Bewahre beständig ein glückliches Herz ( dies fördert die Langlebigkeit)


寿亲养老新书 Shòu Qīn Yang Lǎo Xīn Shū (Neues Buch der Langlebigkeit für die Eltern und der Versorgung der Alten). Sie werden die Fünf Tätigkeiten und Zehn Vergnügungen genannt.

倪正父《經鋤堂雜志》述五事云:靜坐第一,觀書第 二,看山水花木第三,與良朋講論第四,教子弟第五。 Jīng Chú Táng Zá Zhì (Verschiedene Notizen aus der Halle zum Pflügen der Klassiker) von Ní Zhèngfù beschreibt die Fünf Tätigkeiten:

Stilles Sitzen [Meditation] ist das Erste.
Kontemplieren von Büchern ist das Zweite.
Das Betrachten von Bergen und Wasser, Blumen und Bäumen ist das Dritte.
Dinge mit einem guten Freund zu besprechen ist die Vierte.
Die nachfolgende Generation zu unterrichten ist das Fünfte.'

述齊齋十樂云:讀義理書,學法帖字,澄心靜坐,益友 清談,小酌半醺,澆花種竹,聴琴玩鶴,焚香煎茶,登 城觀山,寓意奕棋。

Er beschrieb auch Qí Zhāi's Zehn Vergnügen:

1) Das Studium der Bedeutung (des Dao) und Prinzipien (der Lebenspflege) in Büchern;
2) Das Erlernen der Kalligraphie;
3) Das Beruhigen des Herz-Geistes durch stilles Sitzen;
4) Müßiggang mit hilfsbereiten Freunden;
5) Ein wenig trinken, bis man halb berauscht ist;
6) Blumen pflegen und Bambus pflanzen;
7) Der Qín zuhören und sich an Kranichen erfreuen;
8) Weihrauch verbrennen und Tee aufbrühen;
9) die Stadtmauern erklimmen, um die Berge zu beobachten;
10) Gleichnisse erzählen und Schachkenntnisse entwickeln.


Quelle: Lorraine Wilcox Journal of Chinese Medicine • Number 113 • February 2017

04.02.2021

Die Entstehung der Bezeichnung "Qigong"

Als die Praktiken der Körperkultivierung in China in den 1950er Jahren als medizinische Behandlung anerkannt wurden, suchte man nach einer für alle gültige Bezeichnung. Je nach Herkunft wurden sie bis dahin sehr verschieden benannt und auch verstanden. 

Liu Guizhen, ein lokaler Regierungsbeamter im Kreis Nangong 南宮 in der Provinz Hebei, spielte eine wichtige Rolle bei der Einführung der beim einfachen Volk beliebten Körperkultivierungspraktiken in die staatlichen Organisationen. Im Jahr 1948 wurden bei ihm nach seinen Angaben Magengeschwüre, Lungentuberkulose und Neurasthenie diagnostiziert, aber trotz verschiedener Behandlungen wurde er nicht gesund. Als er in der Hoffnung auf Genesung in seine ländliche Heimat zurückkehrte, hörte er zufällig von einem alten Bauern von einer Körperkultivierungspraxis namens Neiyanggong. Nach nur drei Monaten Praxis behauptete er, er sei vollständig geheilt. Im folgenden Jahr wurde er dem örtlichen Kader-Sanatorium als Sekretär zugeteilt und begann, die Patienten in Neiyanggong zu unterrichten. Deren schnelle Genesungen bestätigten die hohe therapeutische Wirksamkeit und erregten die Aufmerksamkeit anderer Beamter und der örtlichen Gesundheitsverwaltung.


Als das örtliche Gesundheitsamt in Hebei ein medizinisches Team organisierte, um Neiyanggong zu studieren, bestätigten dessen Mitglieder die therapeutische Wirksamkeit der Praxis, lieferten aber unterschiedliche Ansichten darüber, wie sie funktionierte.
Einige Ärzte der westlichen Medizin betrachteten es als Diättherapie, weil Neiyanggong eine gesunde Ernährung voraussetzte, während andere es als eine Form der psychologischen Therapie betrachteten.
Ärzte der chinesischen Medizin zogen es vor, es naqi daoyin (納氣導引 wörtlich "Qi einnehmen und um den Körper führen") zu nennen, da ein wichtiges Merkmal von Neiyanggong die Atemtechniken waren.

Huang Yueting 黃月庭, der Leiter des Teams, schlug jedoch "Qigong" 氣功 vor. Diese Bezeichnung wurde in Kampfkunstkreisen synonym zu lianqi (練氣, wörtlich "Qi verfeinern") benutzt, aber auch bei Anhängern des Daoismus, wo es für yangqi (養氣,wörtlich "Qi nähren") verwendet wurde.

Da sich Qi in der westlichen Medizin auf Sauerstoff (yangqi 氧 氣) und in der chinesischen Medizin auf "Ur-Qi" (yuanqi 元氣) bezieht, spiegelte der Begriff sowohl die westliche als auch die chinesische medizinische Sichtweise wider. Deshalb wurde Huangs Vorschlag vom Direktor des lokalen medizinischen Büros unterstützt.[16]

Der Name 'Qigong' ist also das Ergebnis eines bewussten Kompromisses zwischen westlicher und chinesischer Medizin.

Die chinesischen Schriftzeichen, mit denen das Wort "Qigong" geschrieben wird, wurden erst 1954 vereinheitlicht. So wurde zum Beispiel auf dem offiziellen Stempel des Tangshan Qigong Sanitoriums 氣工 statt 氣功 verwendet.

23.08.2014

Genau jetzt

in diesem Augenblick, prallen zwei Systeme aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

Seit ca. 3000 Jahren entwickelt sich in der chinesischen Kultur ein weltanschaulicher Zweig, der Wert legt auf die Entwicklung des Selbst, sich auf die Natürlichkeit des So-Seins bezieht und sich von gesellschaftlichen Konventionen und Entwicklungen fern halten möchte. Die Rede ist vom Daoismus, sofern es überhaupt ein ismus ist.
Im vorletzten Kapitel der Ur-Schrift dieser Kultur, im Daodejing von Laozi, beschreibt der Autor seine Vorstellung vom idealen sozialen Zusammenhang:

ein kleines land mit wenig menschen
sollen sie zehn oder hundert einheiten haben aber nicht einsetzen


sollen die menschen stark sein

aber nicht weit ihrer heimat sterben
 

sie haben boote und wagen doch reisen sie nicht 
sie haben gerüstete krieger doch preisen sich nicht
sie kehren zurück zum knüpfen der schnüre 

und machen davon gebrauch
 

schmackhaft ihre speisen anmutig ihre kleidung 
ruhig ihre bleibe freudig ihre gebräuche
sie können ihre nachbarn sehen 

hunde bellen und hähne krähen hören 
doch bis sie im hohen alter sterben 
gibt es weder kommen noch gehen

Seit ca. 300 Jahren entwickelt sich ausgehend von der zentraleuropäischen Kultur eine Gesellschaftsordnung, die Wert legt auf das Streben nach materiellem Gewinn durch kontinuierlichen Wachstum. Die Beherrschung des Markts geschieht durch die Verdrängung von Konkurrenten einerseits und das Hervorbringen ständig neuer Ideen und Produkte andererseits. Die Rede ist vom Kapitalismus. Interessanterweise findet sich über den Kapitalismus mehr kritische Literatur als begründende, die es freilich auch gibt.

Als ein Teil der daoistischen Kultur finden seit ca. 40 Jahren im Westen, in den vom Kapitalismus beherrschten Ländern, die Gesundheitsübungen des Qigong und diverse Formen der Kampfkünste, vor allem das Taijiquan große Verbreitung. Obwohl diese Künste vorwiegend erlernt werden sollten, um für sich selbst eine innere Entwicklung in Gang zu setzen, haben sie sich zu einem Markt entwickelt, auf dem es inzwischen mehr darum geht, darin ausgebildet zu werden, wie man es vermittelt, statt wie man es ordentlich praktiziert. Um den Gesetzen des Marktes zu folgen, findet ein Verdrängungswettbewerb statt, in dem mit Attributen wie „traditionell“ „original“ „authentisch“ oder eben „neu“ „effektiv“ „leicht zu erlernen“ etc. versucht wird, sich von anderen Anbietern abzusetzen.

Es ist auch für jede Klientel etwas dabei, vom houchycouchytouchy feeling* bis zum harten, bewaffneten Straßenkampf wird alles geboten. Aber wie kann in dieser auf materiellen Gewinn orientierten Szene noch Daoismus überleben? Er kann es nicht. Er muss sich zurück ziehen, was ihm aber ein Leichtes ist, da es seiner Natur entspricht:

der wissende sucht nicht gewinn 
wer gewinn will ist nicht wissend
 

der weise sammelt nicht
 

indem er anderen hilft 
geht es ihm selbst besser 

indem er anderen gibt 
wird er selbst reicher

Laozi, letztes Kapitel





*Zitat Gia Fu Feng

20.03.2014

Chunfen - Frühlings - Tag und Nachtgleiche

ca. 21. März bis 4. April

Sie sitzen aufrecht im Schneidersitz, atmen gleichmäßig und lassen den Geist zur Ruhe kommen.
Winkeln Sie das linke Bein an und strecken das rechte Bein aus. Strecken Sie die Arme horizontal nach vorne aus. Drehen Sie den Kopf nach links und blicken Sie nach hinten, ohne dabei den Oberkörper zu bewegen.
Drehen Sie den Kopf wieder nach vorne.
Führen Sie die gleiche Bewegung nach rechts aus.
Atmen Sie ein, wenn Sie den Kopf zur Seite drehen, atmen Sie aus, wenn Sie den Kopf wieder nach vorne drehen. Wiederholen Sie die Übung drei Mal. Dann wechseln Sie die Beinstellung und wiederholen die Übung drei weitere Male. Wiederholen Sie den Vorgang fünf Mal.
Danach schlagen Sie mehrmals die Zähne leicht aufeinander, bis sich reichlich Speichel im Mund gesammelt hat. Diesen schlucken Sie in drei kleinen Portionen.
Richten Sie ihren Blick nach innen, lächeln Sie und atmen ruhig.

Die Übung lindert energetische Störungen in der Brust, den Schultern, den Armen und in den Ohren, sowie Störungen der kleinen Blutgefäße. Auch ist die Übung hilfreich bei erhöhter Körpertemperatur und macht den Blick klar.

Aus: Dao Shi - die Übungen des Chen Tuan, Qigong im Wechsel der Jahreszeiten





18.03.2014

Motten und so

Qigong, so glauben die meisten, die es nicht machen, ist vielleicht langweilig, vielleicht anstrengend. Man weiß es nicht. Außerdem gibt es da sonst nichts außer der Bewegungen und dann machen sie lieber Pilates im Bodyshop, wo sie sowieso die Jahreskarte haben. Deshalb hatte ich mir gedacht, müsse man ein Buch schreiben, in dem so viel Interessantes drin steht, dass es den meisten egal ist, ob es von Qigong oder dem Sand in der Wüste handelt. Hauptsache, interessant. So begann ich mit dem Buch über den zwölfteiligen Brokat und allem anderen*.
Dann hab ich erfahren, ein gewisser Bill Bryson schreibe solche Bücher - und tatsächlich tut er das, wenn auch nicht über Qigong. Zumindest habe ich sehr beunruhigt sein Buch "At Home" gelesen, nach dessen Lektüre ich verwundert war, dass die menschliche Rasse überlebt hat, nach allem, womit wir uns schon vom Mittelalter an oder noch früher vergiftet haben. Denn darauf laufen alle Kapitel seines Streifzugs durch das eigene Haus hinaus. Ein alten Pfarrhaus von 1851, welches er zum Vorwand nimmt, uns mit den einzelnen Räumen bekannt zu machen und mit dem, was er über diese Räume, nicht nur die des Pfarrhauses, sondern generell in der Historie Englands, recherchieren konnte. Ob es der nicht abziehende Rauch oder die bleihaltige Farbe in den Tapeten sind, die Chemikalen zum Färben des "Frischfleischs" oder die Bleichmittel in der Wäscherei, sie haben sich vergiftet, ganz gleich, in welchem Zimmer sie sich aufhielten. Dazwischen erzählt Mr Bryson sehr viel anderes interessantes Zeugs, was man zwar gleich wieder vergisst, aber unterwegs ist es unterhaltsam.
Nachdem ich At Home gelesen hatte, wusste ich, dass der zwölfteilige Brokat nicht so unterhaltsam würde, weil ich nicht nur unterhalten wollte, sondern den interessierten Lesern tatsächlich Informationen liefern wollte, die einen gewissen Nutzen haben könnten. Vielleicht empfinden die Menschen es nicht so unterhaltsam, wenn es um ihre Gesundheit geht, wie wenn es sich um die Erkrankungen, Vergiftungen, Todesfälle dreht.


Nun muss ich erfahren, dass es anscheinend ein Hugh Raffles noch besser über Insekten hinbekommen hat. Für mich sind Insekten zwar bezaubernde Wesen, auch bewundere ich deren Vielfalt, Aber ein Buch über Insekten zu lesen, das wäre doch so wie über den Sand in der Wüste. Aber Herr Raffles hat Preise und Auszeichnungen bekommen für sein Werk. Zum Glück brauch ich es jetzt nicht lesen, um darüber zu schreiben, das hat ein Herr Patzer sehr ausführlich getan.

Ob es mein Buch über den zwölfteiligen Brokat auch schafft zu einer Auszeichnung? Fraglich. Aber sicher findet es  den einen oder anderen geneigten Leser. Demnächst an dieser Stelle ein paar Lesermeinungen darüber.

*Es gibt das Buch Der Zwölfteilige Brokat und alles andere jetzt auch als Paperback.

18.02.2014

Yushui - Regenwasser

ca. 19. Februar bis 5. März





Sie sitzen aufrecht im Schneidersitz, atmen gleichmäßig und lassen den Geist zur Ruhe kommen.
Legen Sie die rechte Hand über die linke auf den linken Oberschenkel nahe des Knies.

Beugen Sie sich leicht vor, drehen den Oberkörper nach links und drehen den Kopf nach oben, als wollten Sie zu den Wolken blicken. Dabei üben Sie leichten Druck auf die Hände aus und atmen ein. Atmen Sie aus, wenn Sie sich wieder nach vorne wenden.

Beim nächsten Einatmen drehen Sie sich nach rechts. Dabei wird der rechte Oberarm leicht gegen den Brustkorb gedrückt und etwas Druck auf die Hände gelegt. Ausatmend wenden Sie sich wieder nach vorne.

Wiederholen Sie dies drei Mal.
Dann legen Sie die Hände auf den rechten Oberschenkel, links über rechts, und beginnen die Drehung nach rechts. Wiederholen Sie den ganzen Vorgang fünf Mal.
Danach schlagen Sie mehrmals die Zähne leicht aufeinander, bis sich reichlich Speichel im Mund gesammelt hat. Diesen schlucken Sie in drei kleinen Portionen.

Richten Sie ihren Blick nach innen, lächeln Sie und atmen ruhig.

aus:DAO SHI - die Übungen des Chen Tuan
       Qigong im Wechsel der Jahreszeiten

03.02.2014

Li Chun - Frühlingsbeginn (04. - 18. Februar)



 

Sie sitzen aufrecht im Schneidersitz, atmen gleichmäßig und lassen den Geist zur Ruhe kommen.

Legen Sie die Hände übereinander oberhalb des linken Knöchels oder innen auf das Ende der Kniebeugefalte.


Drehen Sie Rumpf und Kopf nach links, blicken Sie zurück und zucken Sie mit der linken Schulter. Dabei atmen Sie ein. Atmen Sie aus, wenn Sie sich wieder nach vorne drehen. Machen Sie die gleiche Bewegung entsprechend nach rechts.
Wiederholen Sie dies drei Mal, dann wechseln Sie die Hände in die rechte Oberschenkelbeuge bzw. an den rechten Knöchel und machen die gleichen Bewegungen, zuerst nach links, dann nach rechts.

Wiederholen Sie diesen Vorgang fünf Mal.


Danach schlagen Sie mehrmals die Zähne leicht aufeinander, als würden Sie kauen, bis sich reichlich Speichel im Mund gesammelt hat. Diesen schlucken Sie in drei kleinen Portionen.
Richten Sie ihren Blick nach innen, lächeln Sie und atmen ruhig.





aus: Dao Shi - Qigong im Wechsel der Jahreszeiten
hier reinschauen und hier bestellen

25.01.2014

Der zwölfteilige Brokat - und alles andere

Als ich mit dem Buch anfing, da befürchtete ich, ob ich überhaupt genug zusammentragen könnte, damit es ein ordentliches Buch würde. Aber dann flog es geradewegs auf mich zu und ich musste anfangen zu kürzen, wenn es nicht zu umfangreich werden sollte. ich will den Leser ja auch nicht zumüllen mit überflüssigem Text.

Wenn ich jetzt drin lese, habe ich mitunter das Gefühl, zu schnell gewesen zu sein, nicht ausführlich genug alles erörtert zu haben. Dann habe ich zwei Seiten gelesen und war schon in drei verschiedenen Aspekten unseres Universums. Und dann gab es die Option, ein Hardcover, gebunden, herzustellen. Am liebsten hätte ich noch einen Schutzumschlag gehabt. Aber es reichte damit auch an eine Preisgrenze. 49,90 € ist kein Pappenstil. Wenn ich jetzt reinblättere, dann weiß ich, das wäre locker Material für drei oder vier Wochenend-Seminare. Davon würde jedes 150 € kosten. Ihr hättet dabei zwar meine persönliche Anwesenheit, das Buch aber könnt ihr, vor allem in der soliden Ausstattung, jahrelang mit euch tragen.

Man muss das nicht alles wissen, was in dem Buch steht, um die Brokate ordentlich zu praktizieren. Ich habe mich bemüht, sie ausführlich zu beschreiben.

Aber man muss auch nicht die Brokate lernen wollen, um mit diesem Buch seine Freude zu haben.

Ich wünsche ihm viele, viele Leser und freue mich über jede Form des Feedback.


Was in diesem Buch außer dem zwölfteiligen Brokat vorkommt:

  • Womit alles anfing und warum es uns schwer fällt, Qi zu verstehen.
  • Was die Dan Tian sind und der Dreifache Erwärmer und was das mit der Bahnhofstraße zu tun hat.
  • Natürlich Yin und Yang, die Trigramme und die 8 Unsterblichen.
  • Die Wandlungsphasen, das mittlere Gefäß und Spiegelneuronen.
  • Der Unterarm, das Kniegelenk, die Wirbelsäule und was alles zu viel ist.
  • In welche Richtung die Zeit verläuft und ob das eine angebundene Katze ist.
  • Der Eisenochse und die Ruhe der Berge, warum manche Menschen gerne auf Tischen tanzen und andere Steinchen ins Wasser werfen.
  • Wie die TCM entstanden ist, wie weit schulterweit sein kann und wie man eine Ejakulation vermeidet.
  • Ein magisches Quadrat, die sieben Sterne und die sieben Po.
  • Gesundheit, wie man eine Faust macht und der Alleskönner-Dämon.
  • Das vorgeburtliche Qi, das nachgeburtliche Qi und ein Blick über den Tellerrand.
  • Eine Organuhr, ein naiver Missionar, die zwölf Irdischen Zweige und die zehn Himmlischen Stämme.
  • Daoistische Meditation, Alchemie und die Geschichte vom Affenkönig.
  • Und alles andere. 

 BESTELLEN
Nachtrag: Die für Ende Januar angekündigte Paperbackversion kommt leider etwas später. Ich denke, dass man schon in wenigen Tagen auch im Buchhandel bestellen kann, die Lieferung dauert dann voraussichtlich, ca. 10 Tage. Unter der angegebenen email-Adresse kann man auch direkt bei mir bestellen. Danke.

19.01.2014

Was oben drüber steht

Worüber ich schreibe und rede, was ich unterrichte, das ist echtes Zeugs. Ich meine damit, wir gehen wirklich ran an die Sache, die oben drüber steht. Ich bin nicht daran interessiert, so zu tun als ob. Man kann das nur machen oder nicht machen.
Es gibt Menschen, die betrachten die Künste der Selbstkultivierung als ein Hobby, als eine praktische Lebenshilfe bei Stress, Übergewicht und Beziehungsproblemen. Das ist Blödsinn. Wenn man auf dem Topf sitzt, dann wird geschissen. Nur rumsitzen und vielleicht mal pubsen ist vertane Zeit. Also dann runter vom Topf, Platz machen.
Gerade eben noch habe ich ein Video von der Thich Nha Tante gesehen. Wie die Zuhörer da sitzen, mit staunend offenem Mund, während der Märchenonkel laut vor sich hindenkt.
Was geht wohl in dessen Kopf vor, wenn er schöne heilige Sachen erzählt oder atmet und die Dummies hocken da mit glänzenden Äuglein. 





Was denkt der Mann dabei wirklich? Ist er zwölf Stunden geflogen, schläft in einem klimatisierten Hotelzimmer und guck sich die blöde Stadt an, nur um für fünfhundert oder tausend unerwachsene Erwachsene das Fleisch des Zen zu einem leicht verdaulichen Hipp-Brei klein zu kneten? Nur weil die zu faul sind, selber zu kauen? Ich bewundere seine Geduld. Der Mann hat so viel durchgemacht in seinem Leben. Ich hätte denen schon längst den Stinkefinger gezeigt und mich wieder auf das Kissen gesetzt. Oder den Taiji-Walk geübt. 

Also bitte, ich bin für solche Übungen nicht zu haben. Ich meine Geduldsprobe a la Dalai Lama. Kein Wunder, dass der nur noch wie blöd kichert. Da wird man doch gehirnsalbern, wenn man ständig auf solchen Touren sein muss. Was muss der in seinem früheren Leben verbrochen haben, dass der jetzt so leben muss.


Sitzen. Stehen. Seidenfaden, Taiji-Walk. Das sind Übungen, für die ich immer zu haben bin. Das ist die Hölle, in der ich mich wohl fühle. Das ist für mich echtes Zeugs. Wer also bei mir lernen will, der sollte sich darauf einstellen. Und sollte es ernst meinen. Kein Hobby, keine Lebenshilfe, nicht chic, trendy, style.
Arbeit.

30.11.2013

Heute machen wir ein Türchen auf ...

SUBSKRIPTION


Der zwölfteilige Brokat
und alles andere

Das neue Buch von Yürgen Oster
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06.11.2013

Während wir die Brokate üben

Als wäre ein Schleier weggezogen liegt der neue Tag vor uns, frisch und sonnig. Gestern war der Himmel voll mit Schäfchen und Riffelung, wie ein ungebügeltes Laken. Heute legt sich nur eine Mütze auf den Teide. Vor uns alles voller Blüten, blau in grün, dahinter Rosen, ein kleiner Zitronenbaum der immer neue Früchte hervorbringt. Ein einsamer Schmetterling, die kleinen Echsen kommen schon aus den Mauerritzen, ein Tausendfüssler räkelt sich. Nicht weit entfernt hämmert einer, vorne auf der Straße kommt der Kehrwagen vorbei. Die Pfarrersfrau spielt mit der Katze, jagd sie in den Baum und wieder heraus.
Langsam kommen auch die großen Echsen, ihr Blut braucht wohl länger, flüssig zu werden. Eine Horde Papageien krächzst über uns hinweg. Zwei oder drei Arten sind wohl dem Loro-Park entwischt und bilden wachsende Populationen. Bisher halten sie sich vorwiegend hier im Orotavatal. Es wird sehr warm unter meinem schwarzen Kittel.
In Gongbu wie auf Wolken durch die neun Himmel schreiten.



12.10.2013

Finca La Hacienda

Wir waren wieder auf der Finca, in Tierra del Trigo, jenem aussergewöhnlichen Platz in den Bergen oberhalb von Los Silos. Die Lage ist ideal. In einem weiten Halbkreis schützen die Berge vor der Hitze des Südens, öffnen sich zum Meer, welches sich steil unterhalb vor der Daute in den Norden dehnt. Klassisches Fengshui. Das Klima soll besonders gut sein für das Herz, welches sich gerne dort öffnet. Der große runde Platz oberhalb der Gebäude, früher zum Dreschen des Getreides *Trigo* genutzt) eignet sich hervorragend zur Gruppenarbeit. Vielleicht sollte man auf dem, zweiten, kleineren Platz ein großes Zelt errichten, wenn Schatten von Nöten ist.

Es war einfach ein Besuch, der mit einem delikaten Essen gedankt wurde. Carne Fiesta, eine tenerfische Spezialität, Gofio (laut Wikipedia das älteste überlieferte Getreidegericht der Kanarischen Inseln) Kartoffeln, auf die Teneriffa auch stolz ist und Kaninchen. Dazu den kräftigen, vollmundigen Rotwein der Region, von dem mir ein Glas reicht.

Währenddessen zogen Wolken auf und in den Bergen hat es sicher geregnet, den Wasservorrat gesichert. Bei uns kamen nur unmerkliche Tropfen an.
In drei Wochen geht es wieder dort hin, zur einwöchigen Qigong-Meditation.
Zurückkehren zum Ursprung.



Die Finca eignet sich hervorragend für Seminare oder als Ausgangsort für Wanderungen. Mit dem Auto ist man in 15 Minuten am Meer, entweder in Garachico oder Los Silos, in einer Stunde oben in den Cañadas del Teide oder an der Küste von Los Gigantes. 
Wer sich privat oder mit einer Gruppe dort einmieten möchte, kann direkt über das Kontaktformular mit uns Verbindung aufnehmen.

08.10.2013

Bücher, Wiederauflage, überarbeitet.

Aus den Aufzeichnungen der zwölf Brokatübungen, wie ich sie in Wudangshan vor einigen Jahren gelernt habe, wurde zunächst eine mehrseitige, als pdf-Datei zu ladende Hilfe für jene, die die Übungen bei mir gelernt hatten. Dann hielt ich es für nötig, einige Kommentare dazu zu schreiben und zu den Kommentaren kamen Erklärungen und so langsam wurde mir klar: Das wird ein neues Buch. Mit den Erfahrungen der letzten Bücher, die zwar in guten Verlagen, aber schlechter Distribution gelandet waren, beschloss ich, es mit Selbstverlag zu versuchen. Dabei stieß ich auf BoD (Books on Demand) und das Konzept gefiel mir von Anfang an. Darein sah ich auch eine Gelegenheit, die alten, nicht mehr im Handel erhältlichen Bücher, selbst neu aufzulegen. Das Ta Ji Quan Buch erhielt eine komplette Überarbeitung, viel neues Material und Bilder. Wäre auch traurig, wenn ich in den Jahren nichts dazu gelernt hätte. Ich bin sehr glücklich mit dieser neuen Ausgabe. Das Buch des Jahreszeiten-Qigong nach Chen Tuan habe ich im Grunde belassen. Es ist ja eine Überlieferung, wenig eigenes Material und konnte so bleiben. Aber wegen der Arbeiten, bin ich im Buch über die Brokate natürlich hinter den Zeitplan gerutscht. Ich befürchte, ich schaffe es nicht mehr dieses Jahr. Aber ich bin dran. Die beiden fertigen Bücher können direkt bei mir bestellt werden, bei jedem Internet-Versender und natürlich auch bei deinem Lieblingsbuchhändler.

Tai Ji Quan - das Dao der Bewegung 14,90€ 
ISBN-13: 978-3732252732 (auch als eBook erhältlich)

Dao Shi - Qigong im Wechsel der Jahreszeiten 15,90€ 
ISBN-13: 978-3732252756 (auch als eBook erhältlich)



15.09.2013

Die Fäuste ballen und mit den Augen funkeln

um die Kraft zu mehren 


Es gibt Menschen, die an dieser Stelle mit den Brokatübungen ein Problem bekommen. Die Fäuste werden geballt, die Augen sollen funkeln, die zu mehrende Kraft hat anscheinend mit Aggression zu tun. Und das wollen sie nicht. Sie wollen etwas für ihre Gesundheit tun, nicht kämpfen. 
Die Vorstellung von Gesundheit hat sich in den letzten 150 Jahren mehrfach gewandelt. Galt bis vor ca. 100 Jahren jemand als gesund der leistungsfähig war, so wurde ungefähr ab dieser Zeit der Begriff Gesundheit eher als die Abwesenheit von Krankheit verstanden. In den letzten 30 Jahren hat sich ein erneuter Wandel des Gesundheitsbegriffs vollzogen, der den Maßstab über das persönliche Befinden definiert. So kann jemand durchaus eine Krankheit haben, sich aber dennoch als gesund bezeichnen, weil er sich so fühlt. Das aktuelle Verständnis von Gesundheit als ein Maß an Wohlbefinden wird nicht mehr nur durch den körperlichen Zustand definiert, sondern bezieht die persönliche Lebenseinstellung, die innere Widerstandsfähigkeit und die Einbindung in eine soziale Gemeinschaft mit ein. 
Um Gesundheit zu erhalten braucht es von Natur aus keine besondere Anstrengung, denn der Organismus besitzt eine selbstregulierende und selbstreproduzierende Fähigkeit, Autopoiesis genannt. Wir sagen für gewöhnlich Selbsterhaltung oder Selbstheilungskräfte dazu. Ein lebender Körper regeneriert und repariert sich ein Leben lang selbst. Schon Voltaire wusste: "Die Kunst der Medizin besteht darin, den Patienten zu unterhalten, während die Natur seine Krankheit heilt." Diese permanenten Vorgänge von Erhaltung und Heilung sind allerdings keine Kuschelstunden sondern ein hochorganisierter Kampf gegen Invasoren und Rebellen. Wir verstehen uns als eine Einheit, die sich von der Umwelt abgrenzt. Doch während wir durch die Welt gehen, geht die Welt auch durch uns. Ihre Spuren prägen sich in Körper, Geist und Seele, so wie wir unsere Spuren in der Welt hinterlassen. Nicht alles, was wir mit der Umwelt austauschen, kommt uns auch zu Gute. Entweder gelingt es dem Organismus, seine Struktur aufrechtzuerhalten, dann lebt er weiter, oder es gelingt ihm nicht, dann ist er tot.

Wir reagieren auf interne Veränderungen oder Interaktionen mit der Umwelt. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob es sich um Bakterien, Schadstoffe oder ein soziales Ereignis handelt. Das soziale Ereignis kann auch die Faust eines Mitmenschen sein, die mir das Nasenbein zertrümmert hat. Obwohl solche sozialen Ereignisse heutzutage nur in bestimmten Gegenden der zivilisierten Welt vorkommen, sollte doch die Fähigkeit und Bereitschaft zu kämpfen trainiert werden. Es geht bei einem solchen Training nicht darum, sich nun frohen Herzens in den Straßenkampf zu begeben. Im Gegenteil. Es geht um das Gefühl, sich seiner Haut wehren zu können und mit dieser inneren Haltung unangreifbar zu werden. 

aus: Yürgen Oster, Der zwölffache Brokat und alles andere.
Erscheint Herbst/Winter 2013

05.09.2013

Chen Tuan


oder Chen Xiyi (871 - 989) war ein bekannter Daoist seiner Zeit.

Er entwickelte die Übungen der 24 Qi, um das menschliche Qi, die Lebenskraft, in Einklang zu bringen mit den wechselnden athmosphärischen Einflüssen.

In jungen Jahren schon rühmte man seine Fähigkeiten in Mathematik, Lyrik und der Interpretation des Yi Jing, dem Buch der Wandlungen. Dennoch verfehlte er die staatlichen Examen, die ihm eine Karriere am Hof ermöglicht hätten. So zog er sich zurück in die Wudangberge und lebte dort einige Jahre in der Höhle der neun Kammern. Ein ihm im Traum erschienener Unsterblicher erklärte, er sei am falschen Platz, woraufhin Chen Tuan zum Huashan, einem der fünf heiligen Berge zog.

Obwohl er als Einsiedler lebte, wurde er weit bekannt. Es heißt, er konnte für lange Zeit (Wochen) im Schlaf verweilen, ohne Nahrungsaufnahme, während sein Qi im Körper zirkulierte. Auch war er berühmt für die Kunst der Physiognomik, der Schicksalsdeutung anhand der Gesichts- und Körperbeschaffenheit.

Er wird beschrieben als eine Person mit profundem Wissen, außerordentlichen Fähigkeiten und hoher Intelligenz. Er war bewandert in den Philosophischen Schulen, Prinzipien der Medizin, Astronomie, Geographie und der Dichtkunst.

Seine Ideen der Integration der drei klassischen Lehren von Daoismus, Konfuzianismus und Buddhismus war richtungsweisend für die philosophisch-religiöse Entwicklung der Song-Periode. Seine daoistische Alchemie berücksichtigt sowohl die Kultivierung der Essenzen, die Innere Verfeinerung, Reinigung und Beruhigung des Geistes, Atemkontrolle und das Eintreten in die Stille.

Einer seiner Schüler wurde bekannt unter dem Namen Huo Long Zhen Ren, von dem ein umfangreicher Text über das Kreisen des Lichts überliefert ist und der wiederum Lehrer des Zhang Sanfeng war, jenem legendären Begründer des Taijiquan.




Dao Shi - Die 24 Übungen des Chen Tuan - Qigong im Wechsel der Jahreszeiten

herausgegeben von Yürgen Oster als Print oder eBook
In jeder Buchhandlung und im Internet oder direkt bei mir