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25.01.2014

Der zwölfteilige Brokat - und alles andere

Als ich mit dem Buch anfing, da befürchtete ich, ob ich überhaupt genug zusammentragen könnte, damit es ein ordentliches Buch würde. Aber dann flog es geradewegs auf mich zu und ich musste anfangen zu kürzen, wenn es nicht zu umfangreich werden sollte. ich will den Leser ja auch nicht zumüllen mit überflüssigem Text.

Wenn ich jetzt drin lese, habe ich mitunter das Gefühl, zu schnell gewesen zu sein, nicht ausführlich genug alles erörtert zu haben. Dann habe ich zwei Seiten gelesen und war schon in drei verschiedenen Aspekten unseres Universums. Und dann gab es die Option, ein Hardcover, gebunden, herzustellen. Am liebsten hätte ich noch einen Schutzumschlag gehabt. Aber es reichte damit auch an eine Preisgrenze. 49,90 € ist kein Pappenstil. Wenn ich jetzt reinblättere, dann weiß ich, das wäre locker Material für drei oder vier Wochenend-Seminare. Davon würde jedes 150 € kosten. Ihr hättet dabei zwar meine persönliche Anwesenheit, das Buch aber könnt ihr, vor allem in der soliden Ausstattung, jahrelang mit euch tragen.

Man muss das nicht alles wissen, was in dem Buch steht, um die Brokate ordentlich zu praktizieren. Ich habe mich bemüht, sie ausführlich zu beschreiben.

Aber man muss auch nicht die Brokate lernen wollen, um mit diesem Buch seine Freude zu haben.

Ich wünsche ihm viele, viele Leser und freue mich über jede Form des Feedback.


Was in diesem Buch außer dem zwölfteiligen Brokat vorkommt:

  • Womit alles anfing und warum es uns schwer fällt, Qi zu verstehen.
  • Was die Dan Tian sind und der Dreifache Erwärmer und was das mit der Bahnhofstraße zu tun hat.
  • Natürlich Yin und Yang, die Trigramme und die 8 Unsterblichen.
  • Die Wandlungsphasen, das mittlere Gefäß und Spiegelneuronen.
  • Der Unterarm, das Kniegelenk, die Wirbelsäule und was alles zu viel ist.
  • In welche Richtung die Zeit verläuft und ob das eine angebundene Katze ist.
  • Der Eisenochse und die Ruhe der Berge, warum manche Menschen gerne auf Tischen tanzen und andere Steinchen ins Wasser werfen.
  • Wie die TCM entstanden ist, wie weit schulterweit sein kann und wie man eine Ejakulation vermeidet.
  • Ein magisches Quadrat, die sieben Sterne und die sieben Po.
  • Gesundheit, wie man eine Faust macht und der Alleskönner-Dämon.
  • Das vorgeburtliche Qi, das nachgeburtliche Qi und ein Blick über den Tellerrand.
  • Eine Organuhr, ein naiver Missionar, die zwölf Irdischen Zweige und die zehn Himmlischen Stämme.
  • Daoistische Meditation, Alchemie und die Geschichte vom Affenkönig.
  • Und alles andere. 

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Nachtrag: Die für Ende Januar angekündigte Paperbackversion kommt leider etwas später. Ich denke, dass man schon in wenigen Tagen auch im Buchhandel bestellen kann, die Lieferung dauert dann voraussichtlich, ca. 10 Tage. Unter der angegebenen email-Adresse kann man auch direkt bei mir bestellen. Danke.

19.01.2014

Was oben drüber steht

Worüber ich schreibe und rede, was ich unterrichte, das ist echtes Zeugs. Ich meine damit, wir gehen wirklich ran an die Sache, die oben drüber steht. Ich bin nicht daran interessiert, so zu tun als ob. Man kann das nur machen oder nicht machen.
Es gibt Menschen, die betrachten die Künste der Selbstkultivierung als ein Hobby, als eine praktische Lebenshilfe bei Stress, Übergewicht und Beziehungsproblemen. Das ist Blödsinn. Wenn man auf dem Topf sitzt, dann wird geschissen. Nur rumsitzen und vielleicht mal pubsen ist vertane Zeit. Also dann runter vom Topf, Platz machen.
Gerade eben noch habe ich ein Video von der Thich Nha Tante gesehen. Wie die Zuhörer da sitzen, mit staunend offenem Mund, während der Märchenonkel laut vor sich hindenkt.
Was geht wohl in dessen Kopf vor, wenn er schöne heilige Sachen erzählt oder atmet und die Dummies hocken da mit glänzenden Äuglein. 





Was denkt der Mann dabei wirklich? Ist er zwölf Stunden geflogen, schläft in einem klimatisierten Hotelzimmer und guck sich die blöde Stadt an, nur um für fünfhundert oder tausend unerwachsene Erwachsene das Fleisch des Zen zu einem leicht verdaulichen Hipp-Brei klein zu kneten? Nur weil die zu faul sind, selber zu kauen? Ich bewundere seine Geduld. Der Mann hat so viel durchgemacht in seinem Leben. Ich hätte denen schon längst den Stinkefinger gezeigt und mich wieder auf das Kissen gesetzt. Oder den Taiji-Walk geübt. 

Also bitte, ich bin für solche Übungen nicht zu haben. Ich meine Geduldsprobe a la Dalai Lama. Kein Wunder, dass der nur noch wie blöd kichert. Da wird man doch gehirnsalbern, wenn man ständig auf solchen Touren sein muss. Was muss der in seinem früheren Leben verbrochen haben, dass der jetzt so leben muss.


Sitzen. Stehen. Seidenfaden, Taiji-Walk. Das sind Übungen, für die ich immer zu haben bin. Das ist die Hölle, in der ich mich wohl fühle. Das ist für mich echtes Zeugs. Wer also bei mir lernen will, der sollte sich darauf einstellen. Und sollte es ernst meinen. Kein Hobby, keine Lebenshilfe, nicht chic, trendy, style.
Arbeit.

05.11.2013

Aha

Es gibt die Geschichte von dem Zen-Mönch, der alles nur mit "aha" quittierte.
Als ein Mädchen im Dorf schwanger wird, will sie erst nicht sagen, von wem. Doch nach einer Weile behauptet sie, das Kind sei von dem Mönch im Tempel am Dorfrand. Nach der Geburt bringt man den Säugling zu unserem Mönch:"Hier, das ist dein Kind. Kümmer dich drum."
"Aha."

Nach einigen Jahren wird es der inzwischen jungen Frau doch etwas unbehaglich und sie geht zum Tempel:"Das Kind ist nicht von dir. Gib es mir zurück, ich kümmere mich jetzt selbst darum."
"Aha."

Wir denken vielleicht, der Mann ist ziemlich abgeklärt und cool. Aber vielleicht war er einfach nur blöd.


31.08.2013

Die Existenzform des Meisters


Der Mensch strebt nach Sinn und ohne Sinn verkommt er. Dazu muß er sich die Frage nach den Zwecken stellen und sie selbst beantworten. Der Lebensentwurf des Handwerkers bietet die Perspektive eines Berufes, der sich zum Teil selbst als Zweck genügt. Diese Option ist sicher nicht für jedermann, aber womöglich eine interessante Alternative zum zwecklosen Jobben im Hamsterrad. Und zumindest ein gutes Referenzbeispiel, um heutige Lebensentwürfe kritisch zu vergleichen und zu analysieren. Dazu wollen wir eine Essenz des Handwerkers destillieren: Die Existenzform des Meisters. Die Meisterschaft oder Meisterlichkeit soll als Lebenseinstellung aufgefaßt werden, die am besten durch die von ihr umfaßten Aspekte beschrieben werden kann:

1. Lehre


Der Weg zum Meister beginnt mit dem Lernen – und hört nie damit auf. Lernen hat freilich rein gar nichts mit Schulgebäuden oder Lehrplänen zu tun, sondern bedeutet die Suche nach einem Lehrer, der in der Regel bereits Meister ist und als Mentor und Vorbild dabei helfen kann, selbst Meisterschaft zu erreichen. Dieses Lernverhältnis hat allerdings etwas Hierarchisches und wirkt dadurch besonders anachronistisch.


2. Übung


Um ein Meister zu werden, braucht es in der Regel ungefähr 10.000 Stunden Übung. Hört sich viel an, aber entspricht ungefähr einem Jahrzehnt mit bloß 3 Stunden Übung pro Tag, etwa so viel wie Sportler trainieren und Musiker auf ihrem Instrument üben. Das Üben selbst ist ein Ritual und will als solches zelebriert werden. Der Lehrling auf dem Weg zur Meisterschaft beginnt die Wiederholung zu lieben und in der Übung einen Zweck an sich zu sehen. Wer darin nur ein Mittel sieht und stets auf die bezweckte Verbesserung der Fertigkeiten schielt, wird kaum die nötige Geduld aufbringen. Denn die Verbesserung verläuft nicht gleichmäßig; über lange Zeiträume scheint kein Fortschritt spürbar, bis man dann plötzlich und unvermutet bemerkt, daß man eine neue Schwelle passiert hat.


3. Hingabe


Der Weg zur Meisterschaft hat eine transzendente Komponente und weist über den einzelnen hinaus. Es ist ein Weg der Sublimierung des Egos zugunsten der ganzen Persönlichkeit. Bequem ist dieser Weg selten, doch je größer der Widerstand, desto bedeutsamer der Schritt. Die größte Gefahr auf dem Weg ist der Stolz – jener Stolz des Lehrlings über das Überwinden einer Schwelle, der ihn darin schwelgen läßt und sich dabei genügen läßt, sodaß er keine weitere mehr zu nehmen vermag. Der wahre Meister setzt das Üben auch nach dem Erreichen der Meisterschaft fort, mit derselben Bescheidenheit und Hingabe wie am ersten Tag. Unbeirrt wandert er dem Gipfel entgegen und am Gipfel angekommen, wandert er weiter. Denn sein Blick gilt nicht dem Ziel an sich, sondern dem Pfad. Diese Pfadorientierung, die Konzentration auf das Wirken im Hier und Jetzt, bringt ihn weiter und läßt ihn größere Ziele erreichen als die verbissenste „Zielorientierung“. Sein Pfad ist ein ewiger, ihn zu Wandern ist des Meisters Lust.


4. Selbstverständnis


Die Meisterschaft liegt also im Weg selbst, nicht im Zeitpunkt deren Erreichens. Man wird nicht zum Meister, sondern ist es – lebt es als Einstellung. Heute tragen wir die Vorstellung in uns, ein Beruf „werden“ zu müssen und zu können, etwa in dem wir viele Jahre in einer Black Box verbringen und dann „geworden“ hinauskommen. Noch niemand ist im Medizinstudium Arzt „geworden“, niemand im Mathematikstudium Mathematiker. Wer angestrengt auf das Werden wartet, wird es nie sein. Wer sich auf das Sein konzentriert hingegen, wird werden – ein immer besserer Arzt oder Mathematiker. In der Motivationsforschung nennt diesen Zugang manchmal „Visualisierung“; man komme dem Erfolg näher, indem man sich vorstelle, wie und wer man nach diesem Erfolg ist und sich fühlt. Tatsächlich gibt es nur einen Weg, etwas oder jemand zu sein, das oder der man noch nicht ist: Es zu sein. Wer nicht sein kann, kann nie werden. Der Weg zum Meister ist nur zu bewältigen in der tiefen, inneren Überzeugung, es schon sein – in jedem Moment, bei jedem Schritt meisterlichkeit zu leben und ihr so ganz unbewußt näher zu kommen. Freilich, auch der größte Meister macht Fehler, und auf dem Weg sind die Fehler stets zahlreicher als die Erfolgserlebnisse. Der Meister jedoch führt auch nach Hunderten Fehler den nächsten Schritt im vollkommenen Selbstverständnis aus, sein Bestes zu geben; irgendwann wird es ausreichen, um das Hindernis zu überwinden. Dieses zuversichtliche Selbstverständnis unterscheidet den wahren Meister von dem, der bloß davon träumt.

Diese Haltung schildert keinen spezifischen Handwerker zu einer spezifischen Zeit oder an einem spezifischen Ort. Es handelt sich um den Versuch, einen Archetypus als Essenz zu destillieren – den Archetypus des mit eigener Hand Werkenden, dessen Arbeit unabhängig von anderen Zwecken sinnstiftend ist. „Mit eigener Hand“ ist nicht rein wörtlich zu nehmen, wenngleich es in der Regel wörtlich sein muß: Eine Tätigkeit, deren spezifisches Muster an Fertigkeiten uns „ins Blut“ übergehen kann und somit Teil von uns selbst wird. Diese Tätigkeit wird in der Regel Werkzeuge erfordern, in deren Einsatz wir Meisterschaft erlangen können. Das Werkzeug unterscheidet sich vom Automaten dadurch, daß es den Menschen nicht ersetzt, sondern ergänzt. An der Maschine ist nichts an sich Schlechtes, viele Maschinen können überaus nützliche Werkzeuge sein, andere sind Automaten. Auch der Automat ist nicht an sich schlecht, nur erlaubt er die Existenzform des Handwerkers nicht, außer dem Automaten-Konstrukteur. Wem die Arbeit Sinn stiftet, der verzichtet auf den Automaten – wie der Maler das Malen seiner Bilder nicht „auslagern“ wird. Welchen Anteil eines Werkes wir – angesichts der deutlichen Vorzüge der Arbeitsteilung – auslagern können, ohne daß es aufhört, unser Werk zu sein, ist eine schwierige Frage. Die Antwort darauf läßt sich wohl bloß spüren.

Auch der Eremit kann Meister sein; doch fehlt dem Eremiten ein ganz wesentlicher Aspekt des Werkes: anderen von Wert und dadurch von Bedeutung zu sein. Das Schöne ist auch schön, wenn es niemand sieht, doch niemals wird es Menschen etwas bedeuten. Das Werk, das nicht unter Menschen wirkt, soll man es überhaupt Werk nennen? Kann es Werken ohne Wirken überhaupt geben? Den tiefsten, am stärksten befriedigenden Sinn erhält das Werk jedenfalls erst dadurch, für andere Menschen wertvoll zu sein – erst dann hat der Handwerker einen Wert geschaffen, und kann zuversichtlich sein, auch ein Werk geschaffen zu haben, nicht bloß einer Täuschung erlegen zu sein.

Auszug aus dem Vortrag "Handwerk - die Seele des Unternehmertums?"von Rahim Taghizadegan am 10.03.2008 im Institut für Wertewirtschaft, Wien ©

Ich danke für seine freundliche Genehmigung zur Weiterverwendung.

31.01.2013

Xinxinming 32


一如体元,兀尔忘缘。
万法齐观,归复自然。

Wie dein ursprünglicher Körper,
Nackt und ohne Karma.

Betrachte die zehntausend Wege gleich
kehre zurück zum natürlichen Sein.

25.12.2012

Xinxinming 31


诸梦自除  心若不异  万法一如

Die zahllosen Träume verschwinden von selbst 
wenn das Herz nicht unterscheidet
sind die zehntausend Wege gleich




1234  心5若不67  万89一如10

1  zhū:  viele, verschiedene; Zhu; alle 
2  mèng:  Traum; Wunschtraum, Illusion; träumen; Meng 
3  zì:  aus, von, von...aus, seit; Radikal Nr. 132 = selbst, selber, selbstverständlich, aus, von, seit; von, selber, selbst, seit; selbst, selber, persönlich, in eigener Person; selbstverständlich, natürlich; Zi 
4  chú:  beseitigen, entfernen; dividieren, teilen 
5  xīn:  Radikal Nr. 61 = Herz
6 若不  ruòbù:  als ob nicht, wenn nicht
7  yì:  Verschiedenheit, Differenz; ungewöhnlich, außergewöhnlich, fremd, fremdartig; ungleich, verschieden, anders; iso, iso-
8  wàn:  sehr viel, zahllos, unzählig; zehntausend (10000); Wan
9  fǎ:  Gesetz, Recht; Methode
10 一如  yīrú:  genauso wie etw. 


Xinxinming 30


得失是非  一时放却  眼若不眠

richtig und falsch werden scheitern
in dem Augenblick zurückgewiesen
wo das Auge selbst wie schlaflos scheint.



12是非3  一时456  眼78不眠9 

1  de:  Suffix zur Beschreibung der Art und Weise, werden, müssen
2  shī:  ausfallen, scheitern; fehlen, fehlschlagen; verlieren 
3 是非  shìfēi:  Gerede, Geschwätz, Gerüchte; recht oder unrecht; richtig oder falsch; wahr oder falsch
4 一时  yīshí:  kurzzeitig, vorübergehend, spontan, momentan, im Augenblick
5  fàng:  freilassen, gehen lassen, platzieren, setzen 
6  què:  aber, jedoch, dennoch; zurückweisen, ablehnen, ausschlagen 
7  yǎn:  Auge 
8  ruò:  als ob...; ob, sofern; scheinen, deuchen; wie 
9 不眠  bùmián:  schlaflos 


Xinxinming 29

妄自斟酌  梦幻空华  何劳把捉

eingebildet zu bedenken
einen Traum, einen flüchtigen Glanz
wozu die Mühe, zu erfassen?

Das Leben ein Traum? Die Gedanken Schäume? Wozu sich mit alle dem abgeben, sich bemühen es zu verstehen, wenn es nicht sogar eingebildet ist,  arrogante Selbsttäuschung. Es leuchtet kurz ein Licht auf, ein Blitz, ein Gedanke und wir wollen gleich alles verstanden haben. Legen die Welt fest, legen sie in die Ketten unseres Glaubens. 


妄自1斟酌2  梦幻345  何67把捉8

妄自  wàngzì:  anmaßen; arrogant; eingebildet 
斟酌  zhēnzhuó:  abwägen; bedenken 
梦幻  mènghuàn:  Illusion, Sinnestäuschung; Traum; Traumbild; Traumland; Träumerei; traumhaft
 kòng:  freie Zeit, Muße, Lücke; Himmel, Luft; leer, leerstehend, hohl, nichtig, haltlos, nichtsagend;        vergebens, vergeblich, erfolglos, umsonst, für nichts 
 huá:  China; Glanz, Ruhm 
 hé:  das, der; das, was; warum, weshalb; übertrags; übertragen; He
 láo:  Arbeit, Mühe; damme ???; arbeiten, sich abmühen; Lao 
把捉  bǎzhuō festhalten, erfassen


21.11.2012

Qing Jing Jing 5 & 6


5.
老君曰:
上士無爭,下士好爭。
上德不德,下德執德。
執著之者,不名道德。
眾生所以 , 不得真道者,
為見妄心。
既見妄心,即矜其身。
既矜其身,即著萬物。
既著萬物,即生貪求。
既生貪求,即是煩惱。
煩惱妄想,  憂苦身心。
Lao Jun sagt:
Der Hohe meidet Streit, der Niedere leidet Streit.
Hohe Tugend berührt keine Tugend, niedere Tugend führt zu Tugend. 
Diejenigen die darauf bestehen, verstehen weder Weg noch Wandel.

Darum können nicht alle Wesen 
den wahren Weg erkennen
denn ihre Herzen sind verwirrt.
Ist das Herz verwirrt, 
sind die Gedanken verworren
sind die Gedanken verworren, 
suchen sie äußeren Halt.
Haften sie an äußeren Dingen, 
entstehen Verlangen und Anmaßung.
Haben sich Verlangen und Anmaßung eingenistet, 
breiten sich Ärger und Ängste aus.

6.
便遭濁辱,流浪生死。
常沉苦海,永失真道。
真常之道,悟者自得。
得悟道者,常清靜矣。
Sorgen und Gier vergiften Leib und Seele,
dennoch wälzen sie sich im Schlamm der Schande,
wandern von der Geburt zum Tod,
drohen ständig im Meer der Bitterkeit zu versinken,
auf ewig dem wahren Dao entzweit.

Der wahre und natürliche Weg 
offenbart sich ganz von selbst
denjenigen, die sich ihm widmen.
Wer auf diese Weise begreift, 
bewahrt sich natürlichen Frieden.

15.10.2012

Qing Jing Jing 4


4. 如此清靜,漸入真道。 既入真道,名為得道。 雖名得道,實無所得。 為化眾生,名為得道。 能悟之者,可傳聖道。


In Klarheit und Stille, erreiche das wahre Dao
erreichst du das wahre Dao, heißt es vollendetes Bewusstsein
Obwohl vollendetes Bewusstsein genannt, ist nichts zu vollenden.
Das vollendete Bewusstsein ist bestrebt, alle Lebewesen zu befreien.
Nur wer fähig ist dies zu begreifen,  kann den heiligen Weg auch vermitteln.



Fortsetzung

10.10.2012

Qing Jing Jing 2 & 3



2.

夫人神好清,而情撓之。 人心好靜,而慾牽之。 常能遣其慾,而心自靜。 澄其心,而神自清。 自然六慾不生,三毒消滅。 所以不能者,為心未澄者, 慾未遣也。 能遣之者﹕ 內觀於心,心無其心; 外觀於形,形無其形; 遠觀於物,物無其物。 三者既悟,唯見於空。

Des Menschen Geist mag Klarheit, aber Gedanken stören sie.
Des Menschen Herz sehnt Ruhe, aber die Wünsche verwirren es.
Wer sein Verlangen bändigt, dessen Herz findet Ruhe.
Wer seine Gedanken klärt, dessen Geist wird rein.
Ganz natürlich entstehen die sechs Begierden nicht mehr und die drei Gifte verschwinden.

Der Grund, warum dies so schwer zu erreichen ist, liegt darin, dass die Herzen nicht klar sind und das Verlangen nicht gebändigt.
Gelingt es das Verlangen zu bändigen:
Betrachte dein Herz, dann findet sich kein Herz,
betrachte deinen Körper, dann gibt es keinen Körper,
betrachte die Dinge, dann existieren keine Dinge.
Hat man diese drei Wahrheiten realisiert, dann sieht man nur Leere.

3.

觀空以空,空無所空。 所空既無,無無亦無。 無無既無,湛然常寂。 寂無所寂,慾豈能生。 慾既不生,即是真靜。 真靜應物,真常得性。 常應常靜﹕常清靜矣。

Selbst das „Sehen der Leere“ wird leer.
die Leere kann nicht geleert werden.
kann sie nicht geleert werden,
existiert auch das Nichts nicht.
existiert das Nichts nicht mehr,
wird der Zustand der Klarheit beständig still.
Kann Stille nicht gestillt werden,
kann kein Verlangen entstehen.
Kann kein Verlangen entstehen,
erreicht man den Zustand wahrer Ruhe.
Wahre Ruhe reagiert auf die Dinge.
Wahre Ruhe eröffnet deine wahre Natur.
Also wenn man reagiert und dabei in Ruhe verweilt,
befindet man sich im Zustand von Klarheit und Ruhe.



 Fortsetzung

24.05.2012

Philosophie und Volksreligion Daoismus in China


Die beiden Hauptformen des Daoismus sind der philosophische und der religiöse Daoismus. Beide sind in der Praxis jedoch eng miteinander verbunden. 


Philosophischer Daoismus

Der Daoismus ist neben dem Konfuzianismus die bedeutendste Strömung in der chinesischen Philosophie. Er geht im wesentlichen auf die rund 2500 Jahre alten Texte des legendären Laotse (und Dschuangtse) zurück. Ob Laotse als historische Person überhaupt gelebt hat, ist allerdings umstritten. Trotzdem gelten seine Schriften bis heute als Leitfaden für ein richtiges Leben.
Eine der wichtigsten Verhaltensregeln des Daoismus ist nach Laotse das Gebot des "Wu Wei", des "Nicht-Handelns". Der vollkommenste und natürlichste Zustand aller Dinge sei durch Leerheit und Stille gekennzeichnet: kein Karrierestreben, keine Ausbeutung, keine Aggressionen.
Laotse verglich den nach heiligen Prinzipien lebenden Menschen dazu mit dem Wasser. Es nützte allen Wesen, ringe aber mit niemandem. Die Folgerung: Wenn niemand mit dem anderen ringt, können alle ein friedliches Leben führen. Laotse tritt damit ein für eine Verwandlung des individuellen Charakters von innen heraus. Sein Ziel: eine gute und friedliche Gesellschaft. Spontanes Handeln, das sich frei von Absichten der jeweiligen Situation anpasst, ist die Haltung eines daoistischen Heiligen. Für die meisten Chinesen bedeutet Laotses Weisheit heute vor allem eine gelassene Einstellung zum Leben.
Der philosophische Daoismus lehrt, beide Seiten der Dinge, positive wie negative, zu erkennen, um so ihr Gesamtbild und inneres Wesen zu erfassen. Er ist einerseits praktische Lebens- hilfe bei der Bewältigung von Krisen und Krankheiten. Andererseits ist der Daoismus aber auch eine Religion, ein "Weg" zur individuellen Heilsfindung. Kaiser Xiaozong sagte vor ca. 800 Jahren: "Der Buddhismus ist für den Geist, der Konfuzianismus für die Gesellschaft und der Daoismus für den Körper zuständig". Im Volkskörper und in der chinesischen Kultur ist der Daoismus daher fest verwurzelt.



Religiöser Daoismus


Der religiöse Daoismus hat eine lange und wechselvolle Geschichte mit zahlreichen Schulen und Lehren. Im Laufe der Zeit integrierte er viele bestehende und neue Elemente aus dem alten Volksglauben, schamanis- tischen Praktiken, dem Konfuzianismus und dem Buddhismus. Historisch wird die Entstehung des religiösen Daoismus mit der Gründung der "Sekte der Himmelsmeister" gegen Ende der Han-Dynastie (207 v.Chr. - 220 n.Chr.) gleichgesetzt.
Grundlage sind die Weisheiten und Lehren des Laotse. In der auf ihn zurückgehenden Spruchsammlung "Daode jing", den Kanon des Wegs und seiner Kraft, wird der Weg zum kosmischen Leitmotiv erhoben, dem obersten und ewigen Aspekt des Universums, dem alle Schöpfung zu Grunde liegt.

Dao, "der Weg" oder der Ursprung ist das "Urprinzip des Kosmos". Alles beginnt mit ihm und kehrt wieder zu ihm zurück. Qi (Chi) ist die Energie, der Atem, der allen Dingen innewohnt. Qi wird durch fünf Elemente symbolisiert, die jeweils unterschiedlichen Zuständen entsprechen: Wasser, Holz, Feuer, Erde und Metall. Der Gesundheitszustand des Menschen ist abhängig vom harmonischen Fluss des Qi. Durch meditative, geistige und körperliche Übungen zur Lebenspflege suchten schon früh daoistische Einsiedler die vitale Energie des Qi zu bewahren und in ihrem Geist zu verfeinern. Bis heute suchen sie nach dem Weg des Großen Gleichgewichts, um so Unsterblichkeit zu erlangen. Unsterblichkeit ist das ersehnte Ziel und Ideal aller Daoisten.

Das Qi zeigt sich auch in der Veränderung und im Zusammenspiel der beiden Kräfte Yin und Yang. Sie bilden ebenfalls zwei wichtige Prinzipien der daoistischen Lehre. Es sind entgegengesetzte Kräfte, die durch ihr Wechselspiel und durch ihr Zusammenwirken das gesamte Universum am Leben erhalten. Beiden Kräften werden bestimmte Eigenschaften zugeordnet. Yin ist das Weibliche, Passive, Weiche, das u.a. durch den Mond, das Wasser, die Wolken, die Schildkröte und die Farbe Schwarz symbolisiert wird. Yang dagegen entspricht dem Männlichen, Aktiven und Harten und wird u.a. verkörpert durch die Sonne, das Feuer, den Drachen und die Farbe Rot.
Das Symbol für Yin und Yang ist der Kreis. Die beiden Punkte weisen darauf hin, dass jede der beiden Kräfte auch ihr Gegenteil in sich trägt. Nichts ist Absolut, sondern enthält immer ein Stück des Anderen. Yin und Yang verkörpern damit den Dualismus zweier entgegengesetzter und doch einander ergänzender Kräfte.
Auch in der traditionellen chinesischen Medizin sind die beiden Kräfte von zentraler Bedeutung. Nur wenn sich Yin und Yang im Gleichgewicht befinden, ist der Körper gesund.

Das Verhältnis der Chinesen zur Religion und zu ihren Gottheiten lässt sich durchaus als pragmatisch und lebensnah beschreiben. Eine Religion als praktische Lebenshilfe bei Problemen im Alltag. Der Daosimus kennt eine Vielzahl von Göttern und Gottheiten, die jederzeit erweitert werden können. Ähnlich den Heiligen in der katholischen Kirche nehmen die jeweiligen Gottheiten Einfluss auf ganz bestimmte Lebensbereiche (z.B. für Prüfungen, Liebesbeziehungen, Geldsorgen usw.). Mit Wünschen und Bedürfnissen wird sich an Instanzen gewandt, die sich als wirksam erwiesen haben. Werden die Bitten nicht erhört oder haben die Opfer nicht die gewünschte Wirkung, wird die Gottheit gewechselt.

Der religiöse Daoismus prägt bis heute die Wertvorstellungen, das Handeln und das Brauchtum des chinesischen Volkes. Im Mittelpunkt stehen die Verfeinerung des menschlichen Körpers und das Streben nach Unsterblichkeit. Dies zeigt sich in der Verehrung der Ahnen und bestimmter Gottheiten, in Wahrsagerei, Traumdeutung und Meditation. Daneben verhelfen die richtige Ernährung, Atemübungen und Gymnastik zu anhaltender Gesundheit. Die Wert- und Zielvorstellungen des Daoismus beruhen auf der Gleichberechtigung aller Menschen und Dinge, auf Friedfertigkeit, Natürlichkeit und Bescheidenheit. Das bedeutet, Rücksicht zu nehmen auf die Interessen der Gegenpartei, sie zu achten und behutsam zu behandeln, außerdem Zugeständnisse zu machen und Toleranz zu zeigen.

Die alte chinesische Volksreligion war lange verboten und erwacht heute wie im Wudang-Gebirge wieder zu neuer Blüte. Trotz der jahrelangen Unterdrückung, v.a. während der Kultur- revolution, blieb der Daoismus sowohl als Philosophie, wie auch als Volksreligion überaus lebendig. Nachdem die Machthaber in Beijing (Peking) den Druck gelockert haben, erlebt der religiöse Daoismus beim chinesischen Volk heute seine Renaissance.



13.03.2012

Quo vadis Wudang?

Interview mit zwei prominenten Daoisten

Anläßlich der 4. Deutschen Qigong-Tage 2000 waren der Abt des Wudang-Tempels (Tempel des Purpurnen Feuerhimmels) und Präsident der daoistischen Gesellschaft Chinas, Wang Guangde (WGD) und der ehemalige Leiter der Zhanfeng-Wudangschule Tian Liyang (TLY)  erstmals zu Gast in Deutschland. Paul Shoju Schwerdt als Vertreter des Wushan nahm die seltene Gelegenheit wahr mehr über den Wudang und seine Künste zu erfahren und interviewte für die Leser des WUSHAN-Magazins und des Taijiquan- und Qigong-Journals die beiden Wudang-Meister.

Wushan: Hierzulande kennt man - wenn überhaupt - allenfalls den Begriff Daoismus. Vom Buddhismus wissen wir mittlerweile dass es mehrere Schulen/Richtungen gibt. Wie ist es im Daojia?
WGD: Es gibt zwei große Schulen. Die eine besteht seit 800 Jahren und heißt "Die Schule der Vollkommenen Wahrheit". Ihr Ziel ist die gleichzeitige Kultivierung der inneren Wesensnatur und Lebenskraft. Ihre Tradition ist streng. Angehörige gründen keine Familien, heiraten nicht.
Dann gibt es die "Schule des wahren Einen", die dem ursprünglichen Daoismus entspricht. In dieser Schule arbeitet man neben der Kultivierung des Lebens z.B. auch mit Talismanen, welche zum Zwecke der Heilung einer Krankheit aufgemalt werden, verbrannt und in Wasser gelöst als Medizin getrunken werden. Das Schaffen eines solchen Talismanes erfordert eine große Konzentrationstiefe.

Wushan: Zu welcher Linie gehören Sie?
WGD: Wir gehören beide der "Schule des wahren Einen", dem "zheng yi pai" an. Diese Schule ist die älteste daoistische Schule Chinas.

Wushan: "Im Laufe der Zeiten hat die Tradition des Wudang sicherlich viele Entwicklungen durchlaufen. Können Sie uns etwas über diese Entwicklung und den heutigen Stand der daoistischen Tempel auf dem Wudang berichten?"
WGD: "Die daoistische Tradition findet heutzutage großen Zuspruch aufgrund ihres Strebens nach Einheit mit der Natur und aufgrund der Tatsache, dass mit dieser Tradition die Kultivierung und Erhaltung des Lebens im Einklang mit der Natur angestrebt wird. Gesundheitsvorsorge und ebenso die Erhaltung der Umwelt sind gerade auch heutzutage in der ganzen Welt wichtige Themen.
In seiner Blütezeit lebten auf dem Wudang 20.000 daoistische Mönche und Nonnen, es gab 480 Klöster und Tempel. Die Tempel machten viele Wandlungsphasen durch, hervorgerufen durch Kriege, politische und gesellschaftliche Veränderungen, durch natürliche Prozesse wie auch durch den Bau eines großen Stausees (des größten Stausees in Asien). Die Wudang-Berge sind heute der Ort mit den meisten Daoisten in ganz China, ca. 150.
Die Tempel auf dem Wudang haben verschiedene Ziele. Es geht zum einen um die eigene Übung in der daoistischen Praxis, dann steht Wudang auch im Dienst als Pilgerort für zahlreiche Pilger.
Die meisten Mönche dürfen nicht heiraten, sie ernähren sich vorwiegend vegetarisch. Fleisch wird meistens nur während der Übungsphasen gegessen, aber auch dann nur höchstens einmal wöchentlich.
Die daoistischen Mönche und Nonnen leben bescheiden und verfügen kaum über eigenen Besitz. Der Wudang ist der Ursprungsort des Taijiquan und der anderen Inneren Künste, daher ist der Wudang auch Ziel vieler Taiji-Interessierter, die hier lernen wollen. Vielen ist der Zusammenhang zwischen Qigong und Taijiquan noch nicht klar: Vor rd. 600 Jahren entdeckte Zhang Sanfeng, dass das Stille Qigong alleine den Körper schwächte und eine Kombination von Qigong mit Bewegung (Donggong) und Qigong ohne Bewegung von Vorteil sei (Jinggong). So entstand das Taijiquan.
Taijiquan, Baguazhang und Xingyiquan sind drei von rund 100 Wudangstilen. Auf dem Wudang leben derzeit rd. 50 Nonnen. Wir sind gerade bemüht den Bildungsstandard auf dem Wudang zu verbessern und dabei ein entsprechendes daoistisches Institut aufzubauen. Vor allem auch sind uns medizinische Kenntnisse wichtig.
Am 28. Mai besuchte der chinesische Staatspräsident Jiang Zemin den Wudang. Er befand, dass die Praktiken des Wudang gut sind, vor allem das Taiji, deswegen wird es jetzt auch in den Schulen eingeführt. Der Staatspräsident stufte den Daoismus als eines der höchsten Kulturgüter Chinas ein.
Der Kern der Religion ist für jedermann erfahrbar, selbst auch für nichtreligiöse Menschen. Jeder kann diese Übungen praktizieren und hierdurch entsprechende Veränderungen bewirken. Es mag sein dass Körper und Geist als getrennt wahrgenommen werden, doch durch das Praktizieren werden sie als eins erfahren. Hierbei werden Kräfte wirksam, die teils wahrnehmbar sind, teil nicht wahrnehmbar sind.
Das ungeborene Kind weiß nichts von Nahrung und wird doch genährt. Nach der Geburt entdeckt es erst die Nahrungs-aufnahme. Ziel des Daojia ist es, in Einheit mit der Natur zu sein. Qi, Jing und Shen sind die Geheimnisse und Schätze unseres Lebens. Auch der Westen erforscht zunehmend die Erkenntnisse des Daoismus. Selbst auch die Computer-wissenschaften entdecken Paralellen zum Daoismus. Das Binäre System, auf dem alle Computer aufbauen, ist letztendlich das Wissen von yin und yang.
So kann man sagen dass der Daoismus vielen Bereichen des Lebens große Dienste erwiesen hat. Der Daoismus wird heutzutage in China unterstützt und gefördert, solange keine Gesetze übertreten werden.

Wushan: Gibt es eine Verbindung zwischen daoistischen und buddhistischen Tempeln, z.B. zwischen Shaolin und Wudang?
WGD: Der Buddhismus kam von Indien. Zu dieser Zeit gab es in China nur den Daoismus, in dem man die Natur verehrte.
Im Buddhismus tut man in diesem Leben vieles für das nächste Leben, für eine bessere Wiedergeburt. Im Daoismus bemüht man sich um das Hier und Jetzt, um dieses Leben und sorgt dafür, das es recht lange währt.
Ja, es gibt enge Verbindungen, Austausch, man besucht sich wechselseitig. Auch die Verbindung zwischen Shaolin und Wudang hat sich gebessert, z.B. gab es 1998 eine gemeinsame Kampfkunstveranstaltung.
Die Ziele beider Kampfkunstschulen sind gleich - es geht um die Gesundheit des menschlichen Körpers.

Wushan: Welche Bedeutung hat der Tod und ggf. ein Leben nach dem Tod im Daoismus?
WGD: Tod und Leben ist eins. In unseren Methoden gibt es drei Wege:
a) Der Körper kommt in den Himmel
b) Der Körper stirbt, aber der Geist lebt weiter und schwebt im Kosmos umher.
c) Ein möglichst langes Leben erlangen

Wushan: Sie sprachen eben von den über 100 Wudang-Kampfkünsten. Welche genau meinen Sie damit?
WGD: Es gibt Säbel, Schwert, Speer, Stock etc., insgesamt 18 verschiedene Waffen. Zu den Wudangstilen zählen alle Inneren Stile und hierin auch ihre Unterstile, d.h. z.B. im Taijiquan Chen-Stil, Wu-Stil, Yang, Sun etc., das Gleiche gilt für Xingyi und Bagua und ihre Untergruppierungen.
Darüber hinaus gibt es noch innerhalb der Bevölkerung einige Stile, die zu den Wudangstilen zählen.

Wushan: Sie benennen häufig die Inneren Stile. Was ist für Sie der Unterschied zwischen neijia und waijia?
TLY: Es ist ein Riesenunterschied. Waijia arbeitet mit den Muskeln, Knochen und Sehnen, waijia-Anhänger machen hartes Qigong, man bedenke die Demonstrationen mit Stahlstangen u.ä., das ist waijia. Neijia ist das Gegenteil. Betont waijia den yang-Aspekt, so betont neijia den yin-Aspekt, es geht im Kampf darum yin zu werden, nicht primär anzugreifen wie im waijia.
Das Innere qi wird hier betont und der Gesundheitsaspekt steht im Vordergrund. Zhang Sanfeng betonte die Lebenspflege, während die Shaolin-Tradition aktiver ist, mehr yang ist.

Wushan: Sie sprachen in Ihrem Vortrag über die Erhaltung und Verlängerung des Lebens, davon, dass es keinerlei Dokumente über ein Ableben von Zhang Sanfeng gibt. Gibt es denn Dokumente über seine damalige Existenz, Nachweise, dass er überhaupt gelebt hat?
WGD: Ja. Es gibt in den Wudang-Archiven entsprechende Aufzeichnungen, dass er dort gelebt hat. Es gibt einen kaiserlichen Erlass, dass für Zhang Sangfeng ein Tempel gebaut werden sollte mit dem Namen "Yu Xu Gong" (Tempel der Begegnung des Wahren Menschen). Zhang Sanfeng und Zhang Shou Qing begründeten den Daoismus auf dem Wudang.
Der Daoist Zhang Sanfeng entdeckte, dass es verschiedene Kräfte gibt, weich und hart, kommen und gehen, leer und voll etc.. Durch die Prinzipien des Taijiquan fasste er sie in eine Form. Er vereinte beide Kräfte und konzipierte auf dieser Grundlage das Taijiquan.
Leer und voll sind äußerlich nicht zu sehen, der Wechsel der Gegensätze vollzieht sich oft unsichtbar. Es gibt Dinge die man sieht und Dinge, die man nicht sieht, es gibt Formhaftes und Nichtformhaftes und dies wirkt auch im Taijiquan. Der Hauptaspekt des Taijiquan ist die Lebenspflege, doch auch als Kampfkunst ist es sehr effektiv.
Das Formhafte im Formlosen ist die Essenz.

Wushan: Wir möchten es noch genauer wissen: Gab es vor beispielsweise 100 Jahren Bagua, Xingyi und Taijiquan auf dem Wudang und gibt es eine fortlaufende Wudang-Taijiquan Tradition seit Zhang Sanfeng?
WGD: Zhang Sanfeng begründete die erste Form der 13 Bewegungsformen des Taijiquan, danach wurden diese weiter verändert.

Wushan: Auch auf dem Wudang?
WGD: Ja, auch auf dem Wudang. Daraus entwickelte sich später der Chen-Stil, die Stile der Yang, Wu, etc..

Wushan: Gibt es auch eine Zhang Sanfeng-Linie?
WGD: Es sind alles innere Stile, doch auch auf dem Wudang wurde die Tradition Zhang Sanfengs in der Klostertradition fortgesetzt.

Wushan: Es gibt die Legende, dass Zhang Sanfengs Lehre weitergegeben wurde über Personen wie Wang Tsungyue und Jiang Fa. Erkennen Sie diese Linie an?
WGD: Zhang Sanfeng verlies im 23. Jahr der Ming-Dynastie den Wudang und ging nach Henan auf den Wangwu-Berg, der in direkter Nähe von Chenjiagou liegt. Von daher ist es keine Frage wie das Wudang-Taijiquan zum Chen-Taijiquan wurde, wenngleich man sich heute in Chenjiagou dagegen sträubt dass Taijiquan eine Wudangkunst sei.

Wushan: Wie schätzen sie die Gefahr ein dass durch eine Vermarktung der traditionellen chinesischen Künste die eigentliche Kultur verloren geht, sprich - wird man z.B. neben den überall auftretenden Shaolin-Mönchen auch demnächst Wudang-Mönche on tour sehen?
WGD: Es sollte um den Austausch zwischen Ost und West gehen. Wenn man die Kampfkünste aber nur vermarktet ohne die eigentliche Tradition zu vermitteln, d.h. im Grunde nur Geld damit verdienen will ist das eher gefährlich.
Es ist aber gut, die chinesischen Traditionen als solche zu verbreiten. Es geht schließlich um die Erforschung des menschlichen Körpers, des Lebens, damit letztendlich um gute und zu fördernde Sachen.

Wushan: Wir danken Ihnen für dieses Interview und die Zeit, die Sie sich für uns trotz der anstrengenden Seminare für uns genommen haben.
Das Interview wurde geführt von Paul Shoju Schwerdt, dem Vorsitzenden der Wushan International Association. Als Dolmetscherin bewährte sich hervorragend Marianne Herzog, die auch den Kontakt zu beiden Wudang-Meistern herstellte.

Nachtrag
Fakt ist: Wer Taijiquan, Xingyiquan und Baguazhang als traditionelle Wudangkünste darstellt, verwässert und ignoriert die eigentlichen Künste der Wudangregion und wer simples Taiji-Kniestreifen als Wudang-Qigong darstellt, wie anläßlich der Qigongtage Herr Tian, tut den Wudangkünsten keinen Gefallen.
Ich schätze Herrn Tian durchaus als guten Wushu-Könner mit klassischer Ausbildung und gönne ihm, dass er mit seinem Image "Meister vom Wudanggebirge" gutes Geld verdient.
Paul Shoju Schwerdt

Dieses Interview ist nunmehr einige Jahre her und seitdem wird fleissig das Gerücht verbreitet, ich "hätte offensichtlich etwas gegen" Meister Tian Liyang. Dem ist nicht so. Als Liebhaber der traditionellen chinesischen Künste, vor allem auch der Wudangkünste, liegt mir die Bewahrung der Künste und Traditionen am Herzen. Und es gibt tatsächlich etliche wirkliche Wudang-Stile wie z.B. das Huang Ni Zhang, das Chun Yang Quan, das Wudang Wuqinxi, u.v.a..

09.03.2012

Vor dem Himmel, nach dem Himmel....

Suche weder Ruhm noch fülle dich mit Plänen. 
Hafte nicht an Dingen und nicht an Wissen.
Wandle im höchsten Unendlichen, im unbeschriebenen Raum. 

Angeborenes und Erworbenes, nichts davon bist du.
Vollkommene Leere. 
Wie ein Spiegel - ohne Zuneigung, ohne Ablehnung. 
Reflektiere unvoreingenommen. 
Das heißt, handeln ohne Schaden zu nehmen.

Zhuangzi(?)

28.06.2011

xinxinming 28

迷生寂亂  悟無好惡  一切二邊 

Fanatismus erzeugt

Einsamkeit und Verwirrung;

Erleuchtung ist ohne

Zuneigung und Abneigung.
Alles hat zwei Seiten.




迷 生1寂2乱3  悟4无5好恶6  一切7二边8 

1 生 shēng: gebären; geboren werden; leben
2 寂 jì: einsam, verlassen; still, ruhig
3 乱 luàn: verwirrt, durcheinander, Unordnung, Chaos
4 悟 wù: begreifen, nachvollziehen
5 无 wú: Nichts; es hat nicht; fehlen, un-; keiner,keine; nein,nicht, ohne
6 好恶 hàowù: neuen Eintrag anlegen
7 一切 yīqiè: alles, gemeinsam, zusammen
8 二边 èrbiān: zwei Seiten

15.03.2011

Xinxinming 27

妄自爱着  将心用心  岂非大错

eingebildete Liebe
das Herz mit dem Herz suchen
wäre das nicht der größte Fehler?



Wenn man diese Zeile auch auf die Beziehung zwischen Menschen anwenden kann, so ist hier doch die Lehre des Dao gemeint. Die Lehre ist die Lehre. Sie ist wahr ohne unserer Gefühle zu bedürfen. Die Lehre beschreibt das natürliche Sosein. Es ist die Natur aller Dinge, das Universum von Anbeginn bis Ende. In jedem Augenblick. Als wenn da das Gefühl eines kleinen Erdenlebens von Bedeutung wäre. Was du fühlst ist dein Gefühl, was du denkst, sind dein Gedanken. Das ist alles richtig und gut. Aber es ist weit davon entfernt, den Geist zu durchdringen. Du glaubst das Dao zu lieben und zu schätzen? Vergiss es. Wie willst du Dao lieben können, wenn du es nicht erfassen kannst. Wie willst du überhaupt etwas lieben können. Selbst dein Selbst kannst du nicht erfassen in seiner ganzen Tiefe und Breite. Selbst dich selbst kannst du nicht lieben. Wie denn einen anderen Menschen oder gar das ganze Universum. Das ist nur eingebildete Liebe.
Sei ehrlich, sei aufrichtig.In ruhiger Betrachtung. Muss ich dir das wirklich sagen? Du weißt es, wie ein jeder das weiß. Selbst die Narren wissen es.
Im Herzen findet der Geist seinen Sitz. Sowohl der himmlische Geist als auch der menschliche Geist. Also können wir mit dem Herz nicht nach dem Herz suchen. Wir können nicht klatschen mit einer Hand. Sich also da hin zu setzen mit der Liebe zum Dao im Herzen, das wäre nur eitel. Es wäre der größte Fehler überhaupt.


妄自1爱2着3  将4心5用6心  岂7非8大错9

1 妄自  wàngzì:  anmaßen; arrogant; eingebildet
2 爱 ài: Liebe; etwas gerne tun, etwas gerne haben; lieben
3 着 zhuo, zhao, zhe: berühren, Feuer fangen, in Kontakt kommen; bildet nach einem Verb die Verlaufsform

4 将  jiāng:  werden, wollen, zu …her; Zukunftspartikel; Jiang;
5 心  xīn:  Radikal Nr. 61 = Herz
6 用  yòng:  mit, brauchen

7 岂 qǐ: wie? was? (Partikel drückt Erstaunen bei abweichender Meinung aus)
8 非 fēi: nicht, nein
9 大错  dàcuò:  einen Bock schießen; " Fauxpas " grober Fehler (u.E.)

11.02.2011

Xinxinming 26

智者無為  愚人自縛  法無異法 

der Weise lässt sein
der Narr beharrt
das Gesetz ist das Gleiche



Der Weise verweilt in Untätigkeit, in Tatenlosigkeit, er vermeidet Aktionismus, blinden Eifer, greift nicht ein, lässt den Dingen, den Ereignissen seinen Lauf. Er mischt sich nicht ein, das ist sein Seinlassen. Weiß ich, was gut ist für die Welt? Kann ich das Universum in die Hand nehmen und es besser machen? Bedeutet das nicht, denen die Geschicke zu überlassen, die handeln, sich einmischen oder einfach die Dinge in die Hand nehmen, anpacken und verändern?
Der Narr kreist um sich selbst, seine Gedanken, seine Überzeugungen, seine Ideen. So muss es sein, so muss es geschehen. Diese will ich tun, jenes soll aus der Welt. Er betrachtet, er urteilt, bejaht und verneint. Nichts ist in seinen Augen, was es ist. Alles ist nur so, wie er es sieht. Was er glaubt, was er denkt, was er für richtig hält, das ist das Maß aller Dinge, allen Seins für ihn. Er ist es, der glaubt, die Geschicke der Welt regeln zu müssen, zu handeln, sich einzumischen, die Dinge in die Hand zu nehmen, anzupacken und zu verändern.
Und? Wollen wir jetzt hingehen und sagen, wer es richtig macht? Wollen wir jetzt klug sein? Das Gesetz ist das gleiche. Es gilt für beide, es macht keinen Unterschied. Das Gesetz, das eine Gesetz, das Höchste, Taiji, steht über den Unterscheidungen.
Warum gilt dann der Weise als Weise und der Narr als Narr? Weil der Weise auf seine Art glücklich ist, der Narr aber leidet.

智者1无为2  愚人3自缚4  法5无异6法 

1智者  zhìzhě:  Weise; Weiser
2 无为  wúwéi:  den Dingen ihren Lauf lassen
3 愚人  yúrén: Narr, Idiot
4 自缚  zìfú:  sich selbst
5 法  fǎ:  Gesetz, Recht; Methode
6 无异  wúyì:  so gut wie

27.01.2011

Xinxinming 25

勿惡六塵  六塵不惡  還同正覺 

schmähe nicht die sechs Stäube.
die sechs Stäube nicht zu schmähen
auch das ist plötzliches Erwachen.



Na prima, jetzt müssen wir erst mal klären, was denn die sechs Stäube sind und warum man die nicht schmähen soll.
Staub, Erde, Dreck, Unreines, das sind die sechs Stäube. Den Geist verunreinigen die sechs Sinne, die fünf Sinnesorgane und die Welt der Gedanken und Ideen.
Nein, das ist nicht unsere Meinung, aber sie wird vielfach vertreten. Denn alles was sich uns durch die Sinne mitteilt, das beschäftigt den Geist. Er schaut und lauscht, schmeckt, schnuppert und fühlt. Er genießt oder verabscheut. Es duftet oder stinkt. Alles, was uns mittels der Sinne durch den Kopf geht, veranlasst zur Bewertung. Deshalb möchte sich manch einer, der sich auf den Weg gemacht hat, die Erleuchtung zu erlangen, seiner Sinne entledigen. Dummkopf.

Auch Laozi stellt die Sinne in Frage:
fünf farben den blick blenden
fünf töne das ohr betören
fünf würzen den gaumen trüben


Aber was soll das heißen? Die Sinne sind die Sinne. Sie sind da und lassen sich nicht wegleugnen. Hätten wir die Sinne nicht, wüssten wir wohl auch nicht um uns. Wahres Erwachen bedeutet nicht, die Welt zu leugnen, sondern im Gegenteil, sie anzunehmen wie sie ist. Oder zumindest, wie sie sich uns darstellt.
Deshalb sagt der Meister: "schmähe nicht die sechs Stäube"

勿1恶2六尘3  六尘 不4恶   还5同6正7觉8 

1 勿  wù:  nicht tun
2 恶  wù:  hassen, nicht mögen; verabscheuen
3 六尘  liùchén: sechs Stäube, die Sinnesorgane und das Denken
4 不  bù:  nein; nicht
5 还  hái:  auch
6 同  tóng:  ähnlich; gleich, wie; zusammen mit
7 正  zhèng:  (jetzt) gerade, hauptsächlich, echt; aufrecht
8 觉  jué:  Sinn, Empfindung; fühlen, spüren, empfinden; erwachen, aufwachen, sich bewusst werden, zur Einsicht kommen

09.12.2010

xinxinming 24

不好勞神  何用疎親  欲趣一乘 

unnütz den Geist zu bemühen
sein Nutz ist gering, aber geliebt
besser fährt man fort damit das Eine zu gebrauchen



Der Geist ist ein gutes Werkzeug dem Menschen. Wir brauchen ihn um zu lernen, zu verstehen, uns etwas zu merken, zu erinnern. Wir können Pläne schmieden und Phantasien nachhängen. Alles das kann der Geist. Aber kann er uns der Wahrheit näher bringen? Vermittelt der Geist uns Einsicht in die Zusammenhänge des Daseins?
Ich glaube nicht. Seit Generationen erforschen wir die Welt. Wir wissen sehr viel inzwischen und wir wissen inzwischen auch, dass uns das alles nicht weiter gebracht hat. Haben wir Ruhe und Frieden gefunden? In uns selbst, in unseren Familien, unserem Gemeinwesen, in der Welt?
Auf der anderen Seite erzählen uns Heilig und Mystiker seit Generationen so wie der Meister Sengcan mit seiner Schrift über das Vertrauen in den Geist, wir sollen zur inneren Ruhe finden, den Geist, den suchenden, besänftigen, das Urteilen und Bewerten sein lassen.
Hier stellt er den Geist, den menschlichen ruhelosen, dem Einen gegenüber. Wir dürfen dennoch nicht unterscheiden zwischen dem menschlichen Geist und dem himmlischen Geist. Auch der suchende rastlose menschliche Geist ist ein Aspekt des himmlischen Geistes. Auch die Wünsche und Pläne sind Teil des Einen. Treten wir einen Schritt zurück und wandeln wir uns vom Akteur zum Zuschauer, ohne das Agieren zu unterbrechen.

不好1劳2神3  何4用5疎6亲7  欲8趣9一10乘11 

1 不好  bùhǎo:  nicht gut; schlecht; böse; schlechter; ungünstig; unvorteilhaft; kontraproduktiv
2 劳 láo Arbeit Mühe arbeiten, sich abmühen
3 神  shén:  Geist, Gottheit, übernatürlich, göttlich, Gesichtsausdruck
4 何  hé das, der; das, was; warum, weshalb; übertrags; übertragen;
5 用 yòng: Nutzen, Nützlichkeit, Brauchbarkeit; verwenden, anwenden, gebrauchen, benutzen
6 疎  shū:  kark, spröde, spärlich, gleichgültig,
7 亲  qīn:  lieb, teuer; nah, verwandt
8 欲  yù:  mögen, wollen, wünschen; Begierde, Lust, Wunsch, Verlangen; werden, im Begriff sein etw. zu tun
9 趣  qù:  interessieren; interessant, Anteil
10 一  yī:  eins (1); Radikal Nr. 1 = eins (1); sobald
11 乘  chéng:  ausnutzen, benutzen, sich jemandes bedienen, von etwas Gebrauch machen; fahren ( mit etw. fahren ); multiplizieren, malnehmen

19.11.2010

xinxinming 23

逍遥绝恼  系念乖真  沈惛不好


ein sorgloses Leben ungestört
gedanken gebunden, wahrheit verborgen
alles ist dunkel und unklar


Xiaoyao, das bedeutet unbeschwert seinen Weg gehen, sorgenfrei mit festem Vertrauen in Dao. Die Dinge sind wie sie sind, die Menschen ebenso. Ob du dir darüber Gedanken machst oder nicht. Die Welt ist voller Erscheinungen, von denen du nichts weißt, von den du nichts hörst, die du nie zu Gesicht bekommst.
Über all das wirst du dir auch nie Gedanken machen, wirst nie urteilen oder entscheiden ob sie richtig oder falsch sind, schön oder hässlich. Sie bekümmern dich nicht.
Bindest du aber deine Gedanken an etwas auf deinem Weg, schlingt sich dein Geist wie eine Liane um das Objekt, um es zu analysieren, zu bewerten. Wenn du beginnst abzuwägen und zu beurteilen, dann sind die Erscheinungen und Ereignisse nicht mehr was sie sind, sondern was du aus ihnen machst.
Meine Worte sind meine Worte. Du entscheidest, ob sie wahr sind oder dumm, klar oder trüb. So lange du darüber spekulierst bleibt die Wahrheit verborgen. So lange dein Geist anhaftet, so lange du versuchst Licht in die Angelegenheit zu bringen, so lange du Klarheit gewinnen willst, so lange ist alles trüb.



逍遥1绝2恼3  系念4乖5真6  沈7惛8不好9

1 逍遥  xiāoyáo:  frei sein; verlassen, locker, ungebunden, (u.E.)
2 绝  jué:  vierzeiliges Gedicht; abbrechen, abschneiden, unterbrechen; aufgebracht, verbraucht; auswegslos, hoffnunglos; einzigartig, einmalig, ohnegleichen, unvergleichlich; absolut, unbedingt, bestimmt; äußerst, extrem (u.E.)
3 恼  nǎo:  verärgert, irritiert, hasserfüllt, Ärger, Hass (u.E.)
4 系 念  xiniàn:  sich sorgen, sich ärgern,
5 乖  guāi:  brav; fügsam, folgsam; klug, geschickt (u.E.)
6 真  zhen:  wirklich (u.E.)
7 沈  chén:  leise, ruhig, still (u.E.)
8 惛  hūn:  bestürzt, irritiert (u.E.)
9 不好  bùhǎo:  nicht gut; schlecht; böse; schlechter; ungünstig; unvorteilhaft; kontraproduktiv (u.E.)