Der Aktuelle

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Das Buch der Klarheit und Stille


Es gibt in Wudangshan ein hübsches Armband zu kaufen, hölzerne Perlen mit eingravierten Schriftzeichen. Es ist dies der Text des Qing Jing Jing, dem Buch der Klarheit und Stille. Mein Armband habe ich schon einige Jahre und ich habe mich auch bald schon darum gekümmert, diesen Text im Internet zu finden, denn ehrlich gesagt kann ich das auf den Perlen kaum entziffern. Es fanden sich auch schon Übersetzungen ins Englische und mit deren Unterstützung wagte ich auch eine deutsche Version. Die findet man schon lange hier links unter Seiten.

Derweil gibt es eine wunderbare bibliophile Ausgabe des Textes, übersetzt und mit kraftvoller Kaligraphie niedergeschrieben von Hsing Chuen Schmuziger-Chen im Verlag Taotime. 

Dem ist nichts entgegen zu setzen. So wollte ich meinen Beitrag als kleines Büchlein in der Edition 3 Säulen vorstellen. Dann ist aber doch eine größere Sache daraus geworden. Das Qing Jing Jing verbindet auf geniale Weise in knapper und präziser Sprache die Lehren von Laozi und Buddha. Es ist eine klare Anweisung zur Meditation und Selbstkultivierung. Mit der ISBN 9783 749 407 729 in wenigen Tagen überall dort zu haben, wo es Bücher gibt und direkt hier.

Künstliche Intelligenz als Staatsziel

Bis 2030 möchte China zur Supermacht im Bereich der Künstlichen Intelligenz werden. Die chinesische Regierung hat dazu milliardenschwere Förderprogramme aufgelegt. KI gilt als Allheilmittel, um die Wirtschaft zukunftsfähig zu machen – und um die autoritäre Herrschaft effizienter zu gestalten.
Von Axel Dorloff
Roboter und KI-Technologien wachsen in China rasant – und prägen bereits den Alltag der Chinesen (picture alliance / Wang Gang)
Lesen oder hören im Deutschlandfunk

... Schon wer den Park betritt, kann autonom fahrenden Bussen besteigen. Die Kleinbusse rollen langsam die gepflasterten Wege entlang.... Entlang der Busstrecke steht ein riesiger Bildschirm: Wer hier aussteigt kann Tai Chi trainieren, in einem virtuellen Raum mit dem berühmten Tai Chi Professor Wu Dong von der Pekinger Sport-Universität.

„Das ist der Tai-Chi Meister in der virtuellen Realität. Du kannst hier in der Mitte stehen und mit dem Meister zusammen Tai-Chi üben, als ob er direkt vor dir stehen würde. Eine Anwendung aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz von Baidu. Der Meister erkennt Deine Körper-Bewegungen und analysiert, wie nah Du an der optimalen Bewegung dran bist. Am Ende kommt das Ergebnis.“

Messenger


Mit meinem Abschied von Facebook werde ich natürlich auch den damit verbundenen Messenger verlassen und früher oder später auch whatsapp. Bei instagram war ich nie aktiv. Als Alternative habe ich telegram gewählt. Meine Empfehlung. Ich benutze jetzt telegram, lieber als whatsapp

Telegram Messenger von Telegram LLC

Ein hübscher Papierflieger als Logo. Wir sehen uns.

Das freie Netz stirbt vor unseren Augen

Quelle SZ vom 7. Feb. 19

Wir sind gerade dabei, die letzte Chance zu verspielen, das Netz in demokratische Bahnen zu lenken. Wir, das sind Politiker, die jahrzehntelang die Augen vor der Digitalisierung verschlossen und es verpasst haben, den Unternehmen Grenzen aufzuzeigen.

Wir, das sind aber auch einzelne Nutzer. Die geschlossenen Ökosysteme sind bequem, aber niemand wird dort eingesperrt. Buchhandlungen sind kein Relikt aus dem vergangenen Jahrhundert und das Netz wimmelt von Online-Shops, die Amazon nahezu gleichwertig ersetzen. Jeder kann ein Blog schreiben statt Facebook zu füttern. Die meisten Freunde sind bei Whatsapp, aber vielleicht lassen sie sich überzeugen, zu Signal, Threema oder Wire umzuziehen. (Mich findet ihr auf Telegram) Chrome ist ein schneller und sicherer Browser - genau wie Firefox, hinter dem kein Milliardenkonzern, sondern die gemeinnützige Mozilla Foundation steckt.

Die Alternativen sind da, wir müssen sie nur nutzen.

Glück und Freude im Jahr des Schweins


In der Nacht vom 04. auf den 05. Februar 2019 feiert China ins Jahr des Schweines. Für all diejenigen, die im Tierkreiszeichen des Schweines zur Welt gekommen sind (属猪 shǔzhū "zum Tierkreiszeichen Schwein gehören") und damit ihr 本命年 běnmìngnián, das eigene Tierkreiszeichenjahr, begehen, heißt es also nach chinesischem Brauch: ein Jahr lang möglichst immer etwas Rotes am Körper tragen, am besten rote Unterwäsche.

Da das Jahr 2019 für Schweine ihr Tierkreiszeichen-Jahr ist, werden sie generell reibungslose Aussichten haben. Ihr Glück für Karriere, Gesundheit und Liebesleben wird normal sein, ihr Wohlstand wird sogar zunehmen, da sie eine Belohnung bekommen werden.

Dieses Jahr kann ein Jahr der Freude und des Festes für uns werden. Teilen und Großzügigkeit wird großgeschrieben. Das Geld sitzt manchmal lockerer als es sollte, achten Sie also dieses Jahr gut auf Ihre Finanzen, auch wenn das Teilen und Ausgeben so viel Freude bereitet.

Thema dieses Jahres ist es dann auch, miteinander Freude zu haben und füreinander da zu sein. Anderen helfen ist eine wahre Freude für das Schwein, das sich am besten fühlt, wenn alle anderen lächelnd. Ein Schwein das alleine ist und niemanden hat, der seine großzügige Natur schätzt, ist ein trauriger Anblick. Im Jahr des Erd-Schweins geht es somit viel mehr um den seelischen als um den materiellen Reichtum.

The Star - Laure Shang

When we were young,
we lived in ourselves
Chasing dreams,
hiding in our universe
A bird in that lonely September
Finds it hard to remember
He surrendered all
To growing and desire

Ziegenpeter

Gestern am Bollullo Strand vorbei noch weiter gelaufen. Da war ich noch nie. Verwunschene Pfade. Auf dem Rückweg noch einer Ziegenherde begegnet. Schöne Tiere. Aber ein verrückt scheinender Hirte, der ohne Hunde seine Ziegen an einem steilen Hang zusammenhalten wollte. Mächtig viel Arbeit, ununterbrochenes Rufen und dann noch die blöden, fotografierenden Touristen, die den Tieren Angst machten.

 




Warum ich Facebook verlasse




Es geht nicht um blödsinnige Kettenbriefe: „Facebook hat seit heute seine Geschäftsbedingungen…blabla.“ Es geht um das tatsächliches Geschäftsgebaren unserer Lieblingsplattform.

Einem Bericht von Heise Online zufolge (http://tinyurl.com/yaqjqjsy) konnten Kinder ohne Wissen ihrer Eltern bei Spielen reales Geld ausgeben, was von deren gespeicherter Kreditkarte abgebucht wurde. Ich fasse zusammen:
"Mitunter sei den Kindern nicht einmal bewusst gewesen, dass sie gerade per verknüpfter Kreditkarte das Geld ihrer Eltern ausgaben. In einem Fall etwa habe ein 15jähriger 6500 US-Dollar in zwei Wochen ausgegeben. (...)
Aus einem anderen Dokument gehe hervor, dass viele Eltern nicht wüssten, dass Facebook ihre Kreditkartendaten gespeichert habe und für Abbuchungen benutze – und dass ihre Kinder diese ohne jede Authentifizierung zum Geldausgeben benutzen könnten. (...)
Das Durchschnittsalter der Spieler von "Angry Birds" soll laut Facebooks eigener Untersuchung zu dieser Zeit bei 5 Jahren gelegen haben."

Ein Memo gibt "maximalen Profit" als Unternehmensziel aus und weist die Mitarbeiter an, Spieleentwickler entsprechend "zu erziehen", damit Kinder weiterhin Geld ohne Wissen ihrer Eltern ausgeben.

Andere Baustelle:
Facebook bezahlte Teenager dafür, sich überwachen zu lassen. Der Konzern entlohnte iPhone-Nutzer mit bis zu 20 Dollar pro Monat, damit diese eine App installierten, die persönliche Daten an Facebook übermittelte. Das angebliche "Forschungsprogramm" zielte auch auf minderjährige Teenager ab. Die Teilnehmer erteilten dem Unternehmen weitreichende Zugriffsrechte und gaben einen Teil ihrer Privatsphäre preis. Facebook hat das Programm gestoppt, lässt jedoch viele Fragen unbeantwortet

Andere Baustelle:
eine Android app, die Daten an Facebook übermitteln sollte, z.B. wer mit wem kommuniziert.
Auf die Warnung:"Wir haben nicht begriffen, dass es derart riskant sein würde" kam als Antwort nur: Das "Growth-Team" (Facebooks Einheit, die für das Nutzerwachstum zuständig war) werde das Update durchziehen - und zwar ohne die Nutzer klar und deutlich zu informieren, wie weitreichend der Eingriff werde. Diese ernüchternde Antwort kam ausgerechnet vom "Privatsphäre-Beauftragten" des Konzerns, Yul Kwon, dem der Schutz von Nutzern eigentlich am Herzen liegen sollte.

Unternehmen wie die Dating-App Tinder oder die Unterkunfts-Plattform Airbnb, die Facebook nicht als Konkurrenten sah, bekamen den Mails zufolge… privilegierten Zugang zu den Daten über "Freunde"

Aber vor allen Dingen:
Mit der Fusion der Whatsapp-, Instagram- und Messenger-Technik beendet der Facebook-Chef die Unabhängigkeit der Apps endgültig. Das macht den Weg frei für eine gigantische Datenbank über Milliarden Menschen.
Der Inhalt der Nachrichten wird zwar bald gegen Angriffe von außen gesichert, doch die Metadaten - wer kommunizierte wann mit wem? - aus den bislang getrennten Systemen dürften zusammenfließen. Das ermöglicht den Bau einer gigantischen Datenbank, in der das private Verhalten aller Nutzer gespeichert wird.
Zuckerberg bricht die Versprechen, die er Nutzern wie Mitarbeitern von Instagram und Whatsapp gab, als er die Firmen kaufte. Sie würden unabhängig bleiben, hieß es, und, im Fall von Whatsapp: Die Daten der Nutzer sollten sicher bleiben, wie es den Gründern des Messengers immer am Herzen lag.
Es lässt sich nun nicht mehr leugnen: Hier entsteht ein Monopolist. Er baut ein Ökosystem der Kommunikation, in dem der Preis für Verzicht immer höher wird. Aussteigern droht bald der Verlust ihres sozialen Netzwerks über drei Apps hinweg.

Ich werde es in Kauf nehmen.

Wir wollen nur spielen


Praktizieren wir Taijiquan oder Qigong, heißt das auf Chinesisch „打 da“ - spielen. Wie man Handball spielt oder Schach. Um spielen zu können, muss man frei sein, das Metier beherrschen. Das heißt, zuerst muss man lernen, üben, verbessern. Erst wenn du deine Form laufen kannst, wie du willst und nicht nur, wie du kannst, dann beginnt das Spielen. Gia Fu Feng, mein Lehrer in den frühen Achtziger Jahren und ein Meister der Bumperstickers, beschrieb den Prozess folgendermaßen:

1) kopieren

2) imitieren

3) interpretieren.

Zuerst kopierst du deinen Lehrer, dein Vorbild, eins zu eins. Mach ihn oder sie einfach nach. Versuch nicht zu verstehen, zu begreifen, zu merken. Aktiviere deine Spiegelneuronen und sei wie ein kleines Kind. Lauf hinterher. Frag nicht, lass das Gehirn raus. Entspann dich. Die Fähigkeit deines Körpers, auf eine Bewegung zu reagieren ist 1000 Mal schneller als dein analytisches Denken sie erfassen, verstehen und wiederholen kann.

Nach einiger Zeit des Kopierens kannst du zum Imitieren über gehen. Du machst die Bewegungen nach. Jetzt setzt dein Denken ein, versuch, zu verstehen was du machst. Aber nicht gleich zu Anfang. Beginn mit der Kopie. Wenn du imitierst beobachtest du genau, wie dein Lehrer die Bewegungen macht, wo er ansetzt, wo sie hinführen. Langsam aber sicher werden deine Bewegungen nicht mehr aussehen wie Qigong oder Taijiquan, sondern sie werden zu Qigong oder Taijiquan. Das ist ein großer Unterschied. Es ist wichtig, diesen Schritt zu vollziehen. Denn du musst deine Form allein praktizieren können. Läufst du jahrelang hinter deinem Lehrer her, wirst du nie erwachsen.

Als letztes wirst du anfangen zu spielen, von innen heraus, von deinem Herzen. Deine freie Interpretation der Form. Sie wird persönlich. Ohne diese Befreiung bleibst du Gefangener der Form. Die Entwicklung kommt mit der Zeit. Du kannst es nicht forcieren. Du kannst nicht spielen, solange du noch nicht verstanden hast. Es gibt immer wieder Versuche aus Taijiquan oder Qigong etwas anderes zu machen. Bei allem was ich bisher gesehen habe, war es immer weniger, es war geringer, nie eine Bereicherung. Warum verzichten?