Stell dir vor, du lernst ein Gedicht in einer dir völlig fremden Sprache. Selbst wenn dir ein Wort bekannt vorkommt, weil es einem deiner Sprache ähnelt, darfst du sicher sein, dass es reiner Zufall ist. Diese Sprache hat nichts mit deiner gemein. Du wirst dieses Gedicht nie verstehen können, auch wenn dir der Rhythmus, die Melodie gefällt. Du wirst es wahrscheinlich auch nie richtig aussprechen und selbst nach Jahren magst du dich noch verhaspeln. Es wird dir nie selbstverständlich über die Lippen kommen.
So ähnlich verhält es sich mit der Praxis des Qigong und Taiji Quan. Ohne jemals die Sprache, deren Grammatik gelernt zu haben, praktizieren tausende diese Kunst, in dem guten Glauben, zu wissen was sie da tun. Ohne zu ahnen, dass sie es nicht wissen.
Du musst die Sprache lernen, du musst die Grammatik lernen. Du musst wissen, was die einzelnen Bewegungen bedeuten, warum und wie du einen Schritt machst, warum und wie eine Armgeste. Nur dann kannst du Qigong und Taiji Quan ausüben, so selbstverständlich, wie du in deiner Sprache sprichst. Ohne zu stammeln, ohne zu stottern, ohne nach den richtigen Worten suchen zu müssen.
Die meisten Menschen, die sich für Qigong und Taiji Quan interessieren, möchten eine Form lernen, ohne vorher die Basis zu kennen. Selbst wenn sie schon lange Zeit mit einer Form arbeiten, drücken sie sich um die Mühe der Grundlagen. Sie „sprechen“ Taiji Quan schwer verständlich, selbst kaum verstehend.
Schon vor Jahren habe ich in meinem Buch „Dao der Bewegung“ versucht, einen Grundwortschatz und die Grammatik zu vermitteln. Ich kann es noch immer wärmstens empfehlen. Dieses Jahr ist auch das Programm der Sommerakademie diesem Thema gewidmet und ich werde mich auch in Zukunft in meinen Unterricht mehr mit dieser Arbeit befassen. Selbstverständlich werden auch „Formen“ gelehrt, Gedichte. Sie sind dann Mittel zum Zweck, kein Selbstzweck.
Ein Gedicht transportiert die eigentliche Botschaft zwischen den Zeilen. Der kunstvolle Umgang mit der Sprache möchte etwas in uns ansprechen, anklingen lassen, was sich nicht einfach mit Worten sagen lässt. Wie eine Melodie Freude, Sehnsucht oder Trauer zum Ausdruck bringen, Mut machen oder die Seele zu höheren Gefilden schweben lassen kann, so helfen die Formen des Qigong und Taiji Quan bei der inneren Entwicklung, der Selbstkultivierung des Menschen. Dazu muss man sie verstehen.
Ich lade dich herzlich ein, diese Sprache zu lernen.
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25.06.2021
23.08.2014
Genau jetzt
in diesem Augenblick, prallen zwei Systeme aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.
Seit ca. 3000 Jahren entwickelt sich in der chinesischen Kultur ein weltanschaulicher Zweig, der Wert legt auf die Entwicklung des Selbst, sich auf die Natürlichkeit des So-Seins bezieht und sich von gesellschaftlichen Konventionen und Entwicklungen fern halten möchte. Die Rede ist vom Daoismus, sofern es überhaupt ein ismus ist.
Im vorletzten Kapitel der Ur-Schrift dieser Kultur, im Daodejing von Laozi, beschreibt der Autor seine Vorstellung vom idealen sozialen Zusammenhang:
ein kleines land mit wenig menschen
sollen sie zehn oder hundert einheiten haben aber nicht einsetzen
sollen die menschen stark sein
aber nicht weit ihrer heimat sterben
sie haben boote und wagen doch reisen sie nicht
sie haben gerüstete krieger doch preisen sich nicht
sie kehren zurück zum knüpfen der schnüre
und machen davon gebrauch
schmackhaft ihre speisen anmutig ihre kleidung
ruhig ihre bleibe freudig ihre gebräuche
sie können ihre nachbarn sehen
hunde bellen und hähne krähen hören
doch bis sie im hohen alter sterben
gibt es weder kommen noch gehen
Seit ca. 300 Jahren entwickelt sich ausgehend von der zentraleuropäischen Kultur eine Gesellschaftsordnung, die Wert legt auf das Streben nach materiellem Gewinn durch kontinuierlichen Wachstum. Die Beherrschung des Markts geschieht durch die Verdrängung von Konkurrenten einerseits und das Hervorbringen ständig neuer Ideen und Produkte andererseits. Die Rede ist vom Kapitalismus. Interessanterweise findet sich über den Kapitalismus mehr kritische Literatur als begründende, die es freilich auch gibt.
Als ein Teil der daoistischen Kultur finden seit ca. 40 Jahren im Westen, in den vom Kapitalismus beherrschten Ländern, die Gesundheitsübungen des Qigong und diverse Formen der Kampfkünste, vor allem das Taijiquan große Verbreitung. Obwohl diese Künste vorwiegend erlernt werden sollten, um für sich selbst eine innere Entwicklung in Gang zu setzen, haben sie sich zu einem Markt entwickelt, auf dem es inzwischen mehr darum geht, darin ausgebildet zu werden, wie man es vermittelt, statt wie man es ordentlich praktiziert. Um den Gesetzen des Marktes zu folgen, findet ein Verdrängungswettbewerb statt, in dem mit Attributen wie „traditionell“ „original“ „authentisch“ oder eben „neu“ „effektiv“ „leicht zu erlernen“ etc. versucht wird, sich von anderen Anbietern abzusetzen.
Es ist auch für jede Klientel etwas dabei, vom houchycouchytouchy feeling* bis zum harten, bewaffneten Straßenkampf wird alles geboten. Aber wie kann in dieser auf materiellen Gewinn orientierten Szene noch Daoismus überleben? Er kann es nicht. Er muss sich zurück ziehen, was ihm aber ein Leichtes ist, da es seiner Natur entspricht:
der wissende sucht nicht gewinn
wer gewinn will ist nicht wissend
der weise sammelt nicht
indem er anderen hilft
geht es ihm selbst besser
indem er anderen gibt
wird er selbst reicher
Laozi, letztes Kapitel
*Zitat Gia Fu Feng
Seit ca. 3000 Jahren entwickelt sich in der chinesischen Kultur ein weltanschaulicher Zweig, der Wert legt auf die Entwicklung des Selbst, sich auf die Natürlichkeit des So-Seins bezieht und sich von gesellschaftlichen Konventionen und Entwicklungen fern halten möchte. Die Rede ist vom Daoismus, sofern es überhaupt ein ismus ist.
Im vorletzten Kapitel der Ur-Schrift dieser Kultur, im Daodejing von Laozi, beschreibt der Autor seine Vorstellung vom idealen sozialen Zusammenhang:
ein kleines land mit wenig menschen
sollen sie zehn oder hundert einheiten haben aber nicht einsetzen
sollen die menschen stark sein
aber nicht weit ihrer heimat sterben
sie haben boote und wagen doch reisen sie nicht
sie haben gerüstete krieger doch preisen sich nicht
sie kehren zurück zum knüpfen der schnüre
und machen davon gebrauch
schmackhaft ihre speisen anmutig ihre kleidung
ruhig ihre bleibe freudig ihre gebräuche
sie können ihre nachbarn sehen
hunde bellen und hähne krähen hören
doch bis sie im hohen alter sterben
gibt es weder kommen noch gehen
Seit ca. 300 Jahren entwickelt sich ausgehend von der zentraleuropäischen Kultur eine Gesellschaftsordnung, die Wert legt auf das Streben nach materiellem Gewinn durch kontinuierlichen Wachstum. Die Beherrschung des Markts geschieht durch die Verdrängung von Konkurrenten einerseits und das Hervorbringen ständig neuer Ideen und Produkte andererseits. Die Rede ist vom Kapitalismus. Interessanterweise findet sich über den Kapitalismus mehr kritische Literatur als begründende, die es freilich auch gibt.
Als ein Teil der daoistischen Kultur finden seit ca. 40 Jahren im Westen, in den vom Kapitalismus beherrschten Ländern, die Gesundheitsübungen des Qigong und diverse Formen der Kampfkünste, vor allem das Taijiquan große Verbreitung. Obwohl diese Künste vorwiegend erlernt werden sollten, um für sich selbst eine innere Entwicklung in Gang zu setzen, haben sie sich zu einem Markt entwickelt, auf dem es inzwischen mehr darum geht, darin ausgebildet zu werden, wie man es vermittelt, statt wie man es ordentlich praktiziert. Um den Gesetzen des Marktes zu folgen, findet ein Verdrängungswettbewerb statt, in dem mit Attributen wie „traditionell“ „original“ „authentisch“ oder eben „neu“ „effektiv“ „leicht zu erlernen“ etc. versucht wird, sich von anderen Anbietern abzusetzen.
Es ist auch für jede Klientel etwas dabei, vom houchycouchytouchy feeling* bis zum harten, bewaffneten Straßenkampf wird alles geboten. Aber wie kann in dieser auf materiellen Gewinn orientierten Szene noch Daoismus überleben? Er kann es nicht. Er muss sich zurück ziehen, was ihm aber ein Leichtes ist, da es seiner Natur entspricht:
der wissende sucht nicht gewinn
wer gewinn will ist nicht wissend
der weise sammelt nicht
indem er anderen hilft
geht es ihm selbst besser
indem er anderen gibt
wird er selbst reicher
Laozi, letztes Kapitel
*Zitat Gia Fu Feng
29.04.2014
Die Menschheit verblödet
Christopher Williams : Endstation Gehirn - Die Bedrohung der menschlichen Intelligenz durch die Vergiftung der Umwelt, ISBN: 3-608-91015-8
Der Verfall der menschlichen Intelligenz - eine Weltkarte menschlichen Leids
Als Folge der Umweltvergiftung bahnt sich eine lautlose Katastrophe an: die Degeneration des Gehirns. Weltweit sind die heranwachsenden Kinder und Jugendlichen die Leidtragenden. Die sozialen Folgen sind noch nicht abzusehen. Folgt auf das »Jahrzehnt des Gehirns« nun eine »Epoche des geistigen Verfalls« durch Umweltgifte?
Umweltgifte wie Schwermetalle, insbesondere Blei, aber auch radioaktive Stoffe lagern sich im Gehirn an. Das Gehirn zerfällt unter dieser Belastung, und niemand weiß, ob, wann und wie dieser Verfall aufzuhalten ist. Diese Entwicklung ist in der Dritten und Vierten Welt weit fortgeschritten. In erster Linie leiden Kinder und Jugendliche unter den Folgen. Mediziner gehen von einem Verfall der Intelligenzentwicklung aus. Viele der geschädigten Kinder müßten wie geistig Behinderte versorgt werden, doch dafür fehlen finanzielle Mittel und Infrastruktur. Die Gesundheit der hochindustrialisierten Länder ist durch Fast food-Fehlernährung oder Belastung mit vielen krebserregenden Stoffen bedroht, und das in allen Bevölkerungsschichten. Die Umrisse einer Weltkarte menschlichen Leids werden sichtbar. Erstmals in der Geschichte der Menschheit kündigt sich eine Rückentwicklung der menschlichen Intelligenz an. Und diese Entwicklung ist nicht umkehrbar.
Weltweite Bedrohung
Mangel- und Fehlernährung, die Umweltverschmutzung lösen einen allmählichen Niedergang intellektueller und damit zusammenhängender Funktionen aus. Die zunehmende Umweltbedrohung ist weniger eine Frage von Leben oder Tod, sondern vielmehr eine von Leben oder Halb-Leben für Millionen Menschen. Schon mal drüber nachgedacht? Achso, geht ja nicht mehr.
Leseprobe :
1. Kapitel
Das menschliche Gehirn wird mittlerweile durch sich selbst gefährdet. Wie eine Endstation ist es ein Endpunkt unserer Fehler und Irrtümer in der Umweltpolitik, aber auch der Ausgangspunkt dieser Fehler und ihrer Korrektur. Es ist Opfer, Täter und Heiler zugleich bei fehlerhaften Veränderungen der Umwelt, die, wie wir heute wissen, unsere intellektuellen Fähigkeiten beeinträchtigen können.
Unsere Intelligenz - wie wir wissen, wie wir argumentieren, wie wir lernen - ist unsere Art zu überleben. Bei Individuen sind die meisten Schädigungen der Gehirnfunktion unumkehrbar, so daß der Preis, den der einzelne zu zahlen hat, offenkundig und oft drastisch ist. Die Natur der Beeinträchtigung bringt es notwendig mit sich, daß die Fähigkeit derer, die unter den Ursachen leiden, sich verringert, diesen entgegenzuwirken. Für Gemeinschaften lassen sich die Konsequenzen eines weitverbreiteten intellektuellen Niedergangs zwar leicht vorstellen, aber nur schwer aufspüren, so daß unsere kollektive Reaktion auf diese besondere Umweltbedrohung ebenfalls minimal ist.
Im Verlauf von Millionen Jahren hat sich unser Gehirn einer positiven Interaktion mit seiner Umwelt erfreut, was zu einer günstigen Entwicklung des Gehirns geführt hat. Jetzt könnte sich dies ändern. In der langen Geschichte der menschlichen Evolution ist die gegenwärtige Bedrohung des Gehirns durch sich selbst eine völlig neuartige Situation, was die Möglichkeiten einer regressiven Gehirnentwicklung in bestimmten Gemeinschaften vorstellbar werden läßt. Unser Gehirn ist der einzige Bestandteil des Ökosystems, der sein eigenes Wohlergehen direkt gefährdet, was eine einzigartige Form von ökologischer Verwundbarkeit ahnen läßt.
Logischerweise sollte dem menschlichen Gehirn bei der Sorge um die Umwelt Vorrang eingeräumt werden, doch so ist es nicht. Wie droht der Endstation Gehirn jetzt durch ihr eigenes Verhalten Gefahr, und was bedeutet dies für das Überleben des einzelnen und der Menschheit insgesamt?
Weltweit gelten bis zu drei Prozent jeder Gemeinschaft als geistig behindert, wenn man klinische Begriffe des Westens wie etwa "geistige Behinderung" zugrunde legt. Aber selbst traditionellere Begriffe wie etwa das dununu der afrikanischen Shona besagen das gleiche. In manchen Weltregionen sind inzwischen schon fast 20 Prozent aller Menschen von solchen Störungen und Fehlentwicklungen betroffen. Parallel dazu ist ein weit häufigeres Vorkommen leichterer Fehlfunktionen des Gehirns ohne klinische Erscheinungen festzustellen. In manchen afrikanischen Städten haben inzwischen 90 Prozent der Kinder Bleikonzentrationen im Blut, die zu Problemen der geistigen Entwicklung führen können.
Der Grund dafür ist das Vorhandensein von Stoffen in der Umwelt, die das intellektuelle Potential zerstören, etwa Schwermetalle oder radioaktive Strahlung, sowie das Fehlen von Makro- und Mikro-Nährstoffen in der Umwelt, die für die korrekte Entwicklung und Funktionsweise des Gehirns notwendig sind, etwa Jod oder Eisen. Es gibt auch schädliche Synergien der beiden, die bedeutsam zu sein scheinen, bei herkömmlichen Analysen aber meist übersehen werden. So kann beispielsweise Eisenmangel die Aufnahme von Blei im Körper beschleunigen.
Eine Einschätzung der Umweltbedrohungen der menschlichen Intelligenz ist einzigartig schwierig, nicht zuletzt deshalb, weil es keinen einzelnen Begriff gibt, um sie zu beschreiben. Ausgangspunkt sollte daher die Benutzung eines kollektiven Begriffs sein: geistiger Verfall infolge von Umwelteinflüssen, GVU. Trotz einer unzulänglichen begrifflichen Erfassung gibt es heute genügend Belege dafür, wie man bedeutsame Probleme in einem kleinen Maßstab zeigen kann. Die Frage, die das vorliegende Buch stellt, lautet folglich einfach: Sind die vorhandenen Fälle dieses geistigen Verfalls infolge von Umwelteinflüssen ein Hinweis auf etwas Größeres?
Auswirkungen auf das Gehirn werden mit Hilfe vieler verschiedener und sich überschneidender Begriffe beschrieben - keiner von ihnen weist ausdrücklich auf umweltbedingte Ursachen hin. Im vorliegenden Buch wird durchgehend so verfahren: Wenn die Diskussion sich aus bestimmten Quellen herleitet, ist die Terminologie der Quelle bewahrt worden. Allgemein gilt:
Geistige Behinderung meint die ernsteren, permanenten Störungen, die man mit Begriffen belegt wie "geistige Behinderung", "geistige Retardation", "Lernbehinderung" - oft auch klinische Resultate genannt;
Geistige Fehlfunktionen: Damit sind die zahlreichen weniger schwerwiegenden permanenten oder vorübergehenden Zustände wie etwa verringerte Auffassungsgabe und Lernfähigkeit, Gedächtnisschwäche oder verringerte kognitive Funktionen gemeint - oft auch Resultate genannt, die keine klinischen Erscheinungen zeigen;
Der Begriff geistiger Verfall bezeichnet beide Erscheinungsformen.
Der Oberbegriff ist "geistiger Verfall" infolge von Umwelteinflüssen:
"Infolge von Umwelteinflüssen" heißt aber nicht, daß "die Umwelt an sich" die eigentliche Ursache des Problems ist, sondern bedeutet, daß menschliches Handeln oder Unterlassen dem Verfall zugrunde liegt; "Verfall" bezeichnet die Auswirkung auf das intellektuelle Potential von Einzelpersonen und Populationen.
Der geistige Verfall infolge von Umwelteinflüssen wird im folgenden mit der Abkürzung GVU bezeichnet.
Die Auswirkungen unserer Fehler und Irrtümer beim Umgang mit der natürlichen Umwelt treten in zahlreichen Formen auf. Viele werden durch biologische Öko-Mechanismen unschädlich gemacht. Einige machen sich in der menschlichen Nahrungskette bemerkbar, andere wiederum wirken direkt auf den menschlichen Körper ein, etwa indem sie inhaliert werden, aber auch durch sensorische Penetration oder das Eindringen in die Haut. Auswirkungen sind dann im Blut festzustellen, im Körpergewebe oder in den Genen. Die Wege in den menschlichen Körper sind komplex und ungezählt, und das menschliche Gehirn ist einer der Endpunkte.
Mehr dazu und darüber bei http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/15704/1.html
Der Verfall der menschlichen Intelligenz - eine Weltkarte menschlichen Leids
Als Folge der Umweltvergiftung bahnt sich eine lautlose Katastrophe an: die Degeneration des Gehirns. Weltweit sind die heranwachsenden Kinder und Jugendlichen die Leidtragenden. Die sozialen Folgen sind noch nicht abzusehen. Folgt auf das »Jahrzehnt des Gehirns« nun eine »Epoche des geistigen Verfalls« durch Umweltgifte?
Umweltgifte wie Schwermetalle, insbesondere Blei, aber auch radioaktive Stoffe lagern sich im Gehirn an. Das Gehirn zerfällt unter dieser Belastung, und niemand weiß, ob, wann und wie dieser Verfall aufzuhalten ist. Diese Entwicklung ist in der Dritten und Vierten Welt weit fortgeschritten. In erster Linie leiden Kinder und Jugendliche unter den Folgen. Mediziner gehen von einem Verfall der Intelligenzentwicklung aus. Viele der geschädigten Kinder müßten wie geistig Behinderte versorgt werden, doch dafür fehlen finanzielle Mittel und Infrastruktur. Die Gesundheit der hochindustrialisierten Länder ist durch Fast food-Fehlernährung oder Belastung mit vielen krebserregenden Stoffen bedroht, und das in allen Bevölkerungsschichten. Die Umrisse einer Weltkarte menschlichen Leids werden sichtbar. Erstmals in der Geschichte der Menschheit kündigt sich eine Rückentwicklung der menschlichen Intelligenz an. Und diese Entwicklung ist nicht umkehrbar.
Weltweite Bedrohung
Mangel- und Fehlernährung, die Umweltverschmutzung lösen einen allmählichen Niedergang intellektueller und damit zusammenhängender Funktionen aus. Die zunehmende Umweltbedrohung ist weniger eine Frage von Leben oder Tod, sondern vielmehr eine von Leben oder Halb-Leben für Millionen Menschen. Schon mal drüber nachgedacht? Achso, geht ja nicht mehr.
Leseprobe :
1. Kapitel
Das menschliche Gehirn wird mittlerweile durch sich selbst gefährdet. Wie eine Endstation ist es ein Endpunkt unserer Fehler und Irrtümer in der Umweltpolitik, aber auch der Ausgangspunkt dieser Fehler und ihrer Korrektur. Es ist Opfer, Täter und Heiler zugleich bei fehlerhaften Veränderungen der Umwelt, die, wie wir heute wissen, unsere intellektuellen Fähigkeiten beeinträchtigen können.
Unsere Intelligenz - wie wir wissen, wie wir argumentieren, wie wir lernen - ist unsere Art zu überleben. Bei Individuen sind die meisten Schädigungen der Gehirnfunktion unumkehrbar, so daß der Preis, den der einzelne zu zahlen hat, offenkundig und oft drastisch ist. Die Natur der Beeinträchtigung bringt es notwendig mit sich, daß die Fähigkeit derer, die unter den Ursachen leiden, sich verringert, diesen entgegenzuwirken. Für Gemeinschaften lassen sich die Konsequenzen eines weitverbreiteten intellektuellen Niedergangs zwar leicht vorstellen, aber nur schwer aufspüren, so daß unsere kollektive Reaktion auf diese besondere Umweltbedrohung ebenfalls minimal ist.
Im Verlauf von Millionen Jahren hat sich unser Gehirn einer positiven Interaktion mit seiner Umwelt erfreut, was zu einer günstigen Entwicklung des Gehirns geführt hat. Jetzt könnte sich dies ändern. In der langen Geschichte der menschlichen Evolution ist die gegenwärtige Bedrohung des Gehirns durch sich selbst eine völlig neuartige Situation, was die Möglichkeiten einer regressiven Gehirnentwicklung in bestimmten Gemeinschaften vorstellbar werden läßt. Unser Gehirn ist der einzige Bestandteil des Ökosystems, der sein eigenes Wohlergehen direkt gefährdet, was eine einzigartige Form von ökologischer Verwundbarkeit ahnen läßt.
Logischerweise sollte dem menschlichen Gehirn bei der Sorge um die Umwelt Vorrang eingeräumt werden, doch so ist es nicht. Wie droht der Endstation Gehirn jetzt durch ihr eigenes Verhalten Gefahr, und was bedeutet dies für das Überleben des einzelnen und der Menschheit insgesamt?
Weltweit gelten bis zu drei Prozent jeder Gemeinschaft als geistig behindert, wenn man klinische Begriffe des Westens wie etwa "geistige Behinderung" zugrunde legt. Aber selbst traditionellere Begriffe wie etwa das dununu der afrikanischen Shona besagen das gleiche. In manchen Weltregionen sind inzwischen schon fast 20 Prozent aller Menschen von solchen Störungen und Fehlentwicklungen betroffen. Parallel dazu ist ein weit häufigeres Vorkommen leichterer Fehlfunktionen des Gehirns ohne klinische Erscheinungen festzustellen. In manchen afrikanischen Städten haben inzwischen 90 Prozent der Kinder Bleikonzentrationen im Blut, die zu Problemen der geistigen Entwicklung führen können.
Der Grund dafür ist das Vorhandensein von Stoffen in der Umwelt, die das intellektuelle Potential zerstören, etwa Schwermetalle oder radioaktive Strahlung, sowie das Fehlen von Makro- und Mikro-Nährstoffen in der Umwelt, die für die korrekte Entwicklung und Funktionsweise des Gehirns notwendig sind, etwa Jod oder Eisen. Es gibt auch schädliche Synergien der beiden, die bedeutsam zu sein scheinen, bei herkömmlichen Analysen aber meist übersehen werden. So kann beispielsweise Eisenmangel die Aufnahme von Blei im Körper beschleunigen.
Eine Einschätzung der Umweltbedrohungen der menschlichen Intelligenz ist einzigartig schwierig, nicht zuletzt deshalb, weil es keinen einzelnen Begriff gibt, um sie zu beschreiben. Ausgangspunkt sollte daher die Benutzung eines kollektiven Begriffs sein: geistiger Verfall infolge von Umwelteinflüssen, GVU. Trotz einer unzulänglichen begrifflichen Erfassung gibt es heute genügend Belege dafür, wie man bedeutsame Probleme in einem kleinen Maßstab zeigen kann. Die Frage, die das vorliegende Buch stellt, lautet folglich einfach: Sind die vorhandenen Fälle dieses geistigen Verfalls infolge von Umwelteinflüssen ein Hinweis auf etwas Größeres?
Auswirkungen auf das Gehirn werden mit Hilfe vieler verschiedener und sich überschneidender Begriffe beschrieben - keiner von ihnen weist ausdrücklich auf umweltbedingte Ursachen hin. Im vorliegenden Buch wird durchgehend so verfahren: Wenn die Diskussion sich aus bestimmten Quellen herleitet, ist die Terminologie der Quelle bewahrt worden. Allgemein gilt:
Geistige Behinderung meint die ernsteren, permanenten Störungen, die man mit Begriffen belegt wie "geistige Behinderung", "geistige Retardation", "Lernbehinderung" - oft auch klinische Resultate genannt;
Geistige Fehlfunktionen: Damit sind die zahlreichen weniger schwerwiegenden permanenten oder vorübergehenden Zustände wie etwa verringerte Auffassungsgabe und Lernfähigkeit, Gedächtnisschwäche oder verringerte kognitive Funktionen gemeint - oft auch Resultate genannt, die keine klinischen Erscheinungen zeigen;
Der Begriff geistiger Verfall bezeichnet beide Erscheinungsformen.
Der Oberbegriff ist "geistiger Verfall" infolge von Umwelteinflüssen:
"Infolge von Umwelteinflüssen" heißt aber nicht, daß "die Umwelt an sich" die eigentliche Ursache des Problems ist, sondern bedeutet, daß menschliches Handeln oder Unterlassen dem Verfall zugrunde liegt; "Verfall" bezeichnet die Auswirkung auf das intellektuelle Potential von Einzelpersonen und Populationen.
Der geistige Verfall infolge von Umwelteinflüssen wird im folgenden mit der Abkürzung GVU bezeichnet.
Die Auswirkungen unserer Fehler und Irrtümer beim Umgang mit der natürlichen Umwelt treten in zahlreichen Formen auf. Viele werden durch biologische Öko-Mechanismen unschädlich gemacht. Einige machen sich in der menschlichen Nahrungskette bemerkbar, andere wiederum wirken direkt auf den menschlichen Körper ein, etwa indem sie inhaliert werden, aber auch durch sensorische Penetration oder das Eindringen in die Haut. Auswirkungen sind dann im Blut festzustellen, im Körpergewebe oder in den Genen. Die Wege in den menschlichen Körper sind komplex und ungezählt, und das menschliche Gehirn ist einer der Endpunkte.
Mehr dazu und darüber bei http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/15704/1.html
24.04.2014
Körpermechanik verstehen
Unten ist eine zentrische Schubkurbel zu sehen, bei der die
Kurbel mit konstanter Winkelgeschwindigkeit über das Pleuel
den Gleitstein antreibt, dessen sich ändernde Geschwindigkeit
durch den gelben Pfeil angedeutet wird.
Ein schönes Beispiel dafür, wie sich hinter einer geraden Bewegung eine Kreisbewegung verbirgt.
Quelle: http://www.tm-aktuell.de/TM5/Animationen/animationen.html
Nachtrag: auch sehr schön und etwas umfangreicher wird es auf diesem Video gezeigt.
Ein schönes Beispiel dafür, wie sich hinter einer geraden Bewegung eine Kreisbewegung verbirgt.
Quelle: http://www.tm-aktuell.de/TM5/Animationen/animationen.html
Nachtrag: auch sehr schön und etwas umfangreicher wird es auf diesem Video gezeigt.
10.04.2014
is good

is.gd/yoster
Leider kann man dort noch nicht DVDs anbieten, aber es gibt ja auch noch keine neuen.
01.03.2014
E.T.
Sie sind sehr populär, tauchen in vielerlei Gestalt in Filmen auf und haben angeblich schon einige Mitmenschen in ihren Raumschiffen entführt, dort misshandelt oder einer ausgiebigen Analyse unterzogen. Einige kamen wieder zurück, aber wer weiß, wie viele der verschwundenen Menschen in entfernte Galaxien entführt wurden. Ist eine Begegnung mit Außerirdischen möglich? Nun ja, möglich ist fast alles. Aber ist es realistisch? Meiner Meinung nach nicht.
Argumente.
Ich halte es durchaus für realistisch, dass auf anderen Planeten Leben entstehen kann. Aber betrachten wir unseren Planeten, der zur Zeit ungefähr 8,7 Millionen Arten von Lebensformen trägt. 8 700 000 verschiedene Arten und soviel ich weiß, sind die Mikroben dabei noch nicht mitgezählt. Ungefähr die gleiche Zahl ist in den verschiedenen Epochen die Frühzeit ausgestorben. Eine einzige Lebensform hat sich inzwischen so weit entwickelt, dass es ihr eventuell eines fernen Tages möglich sein könnte, diesen Planeten zu verlassen um andere, sehr weit entfernte Planeten zu erreichen, auf denen eventuell auch Leben vorkommt.
Wenn wir das Zeitalter der Erde von ca. 4,5 Milliarden Jahre auf den Maßstab von einem Jahr setzen, dann begann das Leben vor ungefähr 3,5 Milliarden Jahren, also Anfang März. Die ersten Tiere tauchen dagegen erst Anfang Oktober auf und es ist der 31. Dezember, nachmittags, als sich in der afrikanischen Steppe die ersten Homoniden zum aufrechten Gang erhoben. Gegen 23:45 Uhr wird langsam Europa bevölkert, aber erst um 23:59 tauen die Gletscher in der norddeutschen Tiefebene und die eigentliche Kulturgeschichte der Menschheit beginnt. Unter 10.000 verschiedenen Kulturen der Gattung homo sapiens hat sich eine (1) entwickelt, die Oberhand gewann auf dem Planeten und sich technologisch weiter entwickelte. Wir befinden uns gerade genau eine Sekunde vor Mitternacht. Wie lange die Menschheit noch existieren wird, ist fraglich und erst recht fraglich ist, ob sie es tatsächlich schaffen könnte, intergalaktische Reisen zu ermöglichen.
Aber angenommen es funktioniert, dann ist die Chance, auf einen Planeten zu stoßen, der vergleichbare Lebensformen in einer kulturellen Entwicklung gerade in diesem Moment der Entdeckung durch die Menschen vorweisen kann, sehr gering. Ich denke, hier greift das Bild der Buddhisten von einem unendlichen Ozean, auf dessen Oberfläche ein Ring schwimmt. In diesem Ozean schwimmt eine Schildkröte, die alle tausend Jahre einmal auftaucht. Mit anderen intelligenten Lebensformen in Kontakt zu treten gleicht wohl der Chance dieser Schildkröte, mit ihrem Kopf genau in dem schwimmenden Ring aufzutauchen.
Bisher war nur die Rede von Lebensformen, so wie wir sie kennen. Es könnte aber durchaus völlig andere geben. Der theoretische Physiker Gerald Feinberg und der Chemiker Robert Shapiro begründeten in ihrem bereits 1980 erschienenen Buch Life Beyond Earth die folgende alle Lebensformen im Kosmos erfassende Definition: Leben entsteht durch Wechselwirkungen zwischen freier Energie und Materie, die imstande ist, auf diese Weise eine größere Ordnung innerhalb des gemeinsamen Systems zu erreichen.
Demnach wäre Leben in eisigen Ammoniakseen ebenso denkbar wie in Ölmeeren, es könnte auf der Basis elektromagnetischer oder Gravitationsfelder existieren. Es gibt vielleicht Siliziumwesen in geschmolzenem Gestein, Plasmaleben im Inneren von Sternen oder Strahlungsorganismen in interstellaren Staubwolken. (Wikipedia)
Vor etwa vier Milliarden Jahren, als das Leben begann, war der Darwinsche "warme, kleine Teich" an sich kein guter und in seiner Form auch wahrscheinlich nicht der einzige Ort für die Herausbildung von Leben.
Wir bewegen uns durch den leeren Raum, genau genommen durch die freie Luft, Fische bewegen sich im Wasser. So wie die Wassertiere sich nicht lange an der Luft aufhalten können und wir ohne technische Hilfsmittel nicht lange im Wasser überleben, könnte es durchaus Lebensformen geben, die sich nur innerhalb von Materie aufhalten. Wir würden sie vielleicht als substanzlos bezeichnen, aber was bedeutet das schon.
Was wir als Substanz betrachten, besteht zu 99,999% aus leerem Raum. Aber selbst der leere Raum ist nicht leer, er vibriert geradezu auf hoher Frequenz als Äther, Quantenschaum oder wie auch immer wir es nennen wollen. Es ist diese Leere, die allem Sein zugrunde liegt. Was wir mit unseren Sinnen oder deren technischen Verlängerungen wahrnehmen können ist nicht die Wahrheit, sondern nur ein Flimmern, ein Chaos bunter Flecken, welches wir zu uns sinnvollen Bildern zusammen setzen.
Vielleicht sind die Ausserirdischen schon lange unter uns. Sie müssen nicht unbedingt unserem Bild entsprechen, aussehen wie die Kreuzung zwischen einem Insekt, einem Reptil und einer deutschen Dogge. Vielleicht nehmen sie uns nicht wahr als Lebewesen, die eine Form von Intelligenz entwickelt haben, zumindest so intelligent, dass wir sie für möglich halten können. Vielleicht sind wir ganz allein. Vielleicht.
Nachtrag: Weil wir uns größe Zahlen, leere Räume so schwer vorstellen können, hier eine Webseite zum scrollen, wenn der Mond nur 1 Pixel groß wäre. Danke Paula
Argumente.
Ich halte es durchaus für realistisch, dass auf anderen Planeten Leben entstehen kann. Aber betrachten wir unseren Planeten, der zur Zeit ungefähr 8,7 Millionen Arten von Lebensformen trägt. 8 700 000 verschiedene Arten und soviel ich weiß, sind die Mikroben dabei noch nicht mitgezählt. Ungefähr die gleiche Zahl ist in den verschiedenen Epochen die Frühzeit ausgestorben. Eine einzige Lebensform hat sich inzwischen so weit entwickelt, dass es ihr eventuell eines fernen Tages möglich sein könnte, diesen Planeten zu verlassen um andere, sehr weit entfernte Planeten zu erreichen, auf denen eventuell auch Leben vorkommt.
Wenn wir das Zeitalter der Erde von ca. 4,5 Milliarden Jahre auf den Maßstab von einem Jahr setzen, dann begann das Leben vor ungefähr 3,5 Milliarden Jahren, also Anfang März. Die ersten Tiere tauchen dagegen erst Anfang Oktober auf und es ist der 31. Dezember, nachmittags, als sich in der afrikanischen Steppe die ersten Homoniden zum aufrechten Gang erhoben. Gegen 23:45 Uhr wird langsam Europa bevölkert, aber erst um 23:59 tauen die Gletscher in der norddeutschen Tiefebene und die eigentliche Kulturgeschichte der Menschheit beginnt. Unter 10.000 verschiedenen Kulturen der Gattung homo sapiens hat sich eine (1) entwickelt, die Oberhand gewann auf dem Planeten und sich technologisch weiter entwickelte. Wir befinden uns gerade genau eine Sekunde vor Mitternacht. Wie lange die Menschheit noch existieren wird, ist fraglich und erst recht fraglich ist, ob sie es tatsächlich schaffen könnte, intergalaktische Reisen zu ermöglichen.
Aber angenommen es funktioniert, dann ist die Chance, auf einen Planeten zu stoßen, der vergleichbare Lebensformen in einer kulturellen Entwicklung gerade in diesem Moment der Entdeckung durch die Menschen vorweisen kann, sehr gering. Ich denke, hier greift das Bild der Buddhisten von einem unendlichen Ozean, auf dessen Oberfläche ein Ring schwimmt. In diesem Ozean schwimmt eine Schildkröte, die alle tausend Jahre einmal auftaucht. Mit anderen intelligenten Lebensformen in Kontakt zu treten gleicht wohl der Chance dieser Schildkröte, mit ihrem Kopf genau in dem schwimmenden Ring aufzutauchen.
Bisher war nur die Rede von Lebensformen, so wie wir sie kennen. Es könnte aber durchaus völlig andere geben. Der theoretische Physiker Gerald Feinberg und der Chemiker Robert Shapiro begründeten in ihrem bereits 1980 erschienenen Buch Life Beyond Earth die folgende alle Lebensformen im Kosmos erfassende Definition: Leben entsteht durch Wechselwirkungen zwischen freier Energie und Materie, die imstande ist, auf diese Weise eine größere Ordnung innerhalb des gemeinsamen Systems zu erreichen.
Demnach wäre Leben in eisigen Ammoniakseen ebenso denkbar wie in Ölmeeren, es könnte auf der Basis elektromagnetischer oder Gravitationsfelder existieren. Es gibt vielleicht Siliziumwesen in geschmolzenem Gestein, Plasmaleben im Inneren von Sternen oder Strahlungsorganismen in interstellaren Staubwolken. (Wikipedia)
Vor etwa vier Milliarden Jahren, als das Leben begann, war der Darwinsche "warme, kleine Teich" an sich kein guter und in seiner Form auch wahrscheinlich nicht der einzige Ort für die Herausbildung von Leben.
Wir bewegen uns durch den leeren Raum, genau genommen durch die freie Luft, Fische bewegen sich im Wasser. So wie die Wassertiere sich nicht lange an der Luft aufhalten können und wir ohne technische Hilfsmittel nicht lange im Wasser überleben, könnte es durchaus Lebensformen geben, die sich nur innerhalb von Materie aufhalten. Wir würden sie vielleicht als substanzlos bezeichnen, aber was bedeutet das schon.
Was wir als Substanz betrachten, besteht zu 99,999% aus leerem Raum. Aber selbst der leere Raum ist nicht leer, er vibriert geradezu auf hoher Frequenz als Äther, Quantenschaum oder wie auch immer wir es nennen wollen. Es ist diese Leere, die allem Sein zugrunde liegt. Was wir mit unseren Sinnen oder deren technischen Verlängerungen wahrnehmen können ist nicht die Wahrheit, sondern nur ein Flimmern, ein Chaos bunter Flecken, welches wir zu uns sinnvollen Bildern zusammen setzen.
Vielleicht sind die Ausserirdischen schon lange unter uns. Sie müssen nicht unbedingt unserem Bild entsprechen, aussehen wie die Kreuzung zwischen einem Insekt, einem Reptil und einer deutschen Dogge. Vielleicht nehmen sie uns nicht wahr als Lebewesen, die eine Form von Intelligenz entwickelt haben, zumindest so intelligent, dass wir sie für möglich halten können. Vielleicht sind wir ganz allein. Vielleicht.
Nachtrag: Weil wir uns größe Zahlen, leere Räume so schwer vorstellen können, hier eine Webseite zum scrollen, wenn der Mond nur 1 Pixel groß wäre. Danke Paula
07.02.2014
Es gibt keine Mehrheit
Sie wird gerne beschworen, die schweigende Mehrheit, die große Gruppe jener Menschen, die aus denen, die nicht dazu gehören, eine Minderheit machen. Jeder von uns gehört zu einer Minderheit. Zu irgendeiner, auf Grund des Berufs oder Hobbies, der Körpergröße, der sexuellen Neigung, der Haarfarbe, der religiösen oder politischen Ansichten oder einer Krankheit. Jeder gehört auf Grund seiner Nationalität zu einer Minderheit gegenüber dem Rest der Welt. Auch als Chinese. Manche Minderheiten werden bewundert, andere werden belächelt, bemitleidet oder diskriminiert. Eigentlich ist das sonderbar. Wieso schließen sich Minderheiten zusammen gegen eine andere Gruppierung, um diese in irgendeiner Form auszugrenzen?
OK. Ich möchte das hier an dieser Stelle nicht untersuchen, nicht vertiefen, Auch wenn es ganz interessant wäre, die positiven Ausgrenzungen zu betrachten, zum Beispiel von Helden, Filmstars, Musikern, Sportlern, die sich nicht mehr normal in der Welt bewegen können. Aber mich beschäftigt derzeit etwas anderes, ein Trend der Reaktion. Weil heute immer mehr Minderheiten auf Grund ihres Minderheitendaseins glauben, das Recht zu haben, alle möglichen Forderungen an den Rest der Gesellschaft zu stellen. Weil zwei Prozent von Irgendwas nun glauben, alles andere müsse sich zu ihren Gunsten hin verändern.
Niemand soll wegen seines sexuellen Verhaltens, so lange es niemandem sonst Schaden zufügt, verfolgt, verachtet oder ausgeschlossen werden. Aber ich möchte mich auch nicht mit ihnen solidarisieren müssen und ein Regenbogenfähnlein schwenken. Wenn ich das nicht tue, mache ich mich verdächtig, homophob zu sein.
Niemand soll wegen seiner religiösen Ansichten verfolgt, verachtet oder ausgeschlossen werden. Aber ich möchte mich auch nicht mit ihnen identifizieren und einen islamischen, buddhistischen, hinduistischen oder jüdischen Feiertag in meinen Kalender aufnehmen müssen. Niemand soll wegen seines Berufs verfolgt, verachtet oder ausgeschlossen werden, aber ich möchte auch nicht das Rad der technologischen Entwicklung anhalten und wegen eines Buchgestalters das eBook verdammen oder wegen einiger Klimatologen mein Verhalten verändern.
Wenn eine Minderheit die Entwicklung zu ihren Gunsten beeinflussen möchte, dann braucht sie nur den Eindruck des Leidens zu erwecken und sofort findet sich eine weitere Minderheit von ständig Schuldbewussten, die sich sofort auf die Seite der Leidenden und Unterdrückten schlägt und so lange den Rest der Menschheit penetriert, bis eine ansehnliche Minderheit zusammengekommen ist, die lautstark den Eindruck einer Mehrheit erweckt. Das läuft darauf hinaus, dass in der kommenden Eiszeit oder Hitzeperiode an einem muslimischen Feiertag in Deutschland während des geschlechtsneutralen Eiskunstpaarlaufs keine eBooks gelesen werden dürfen.
Ansonsten haben wir keine Probleme.
OK. Ich möchte das hier an dieser Stelle nicht untersuchen, nicht vertiefen, Auch wenn es ganz interessant wäre, die positiven Ausgrenzungen zu betrachten, zum Beispiel von Helden, Filmstars, Musikern, Sportlern, die sich nicht mehr normal in der Welt bewegen können. Aber mich beschäftigt derzeit etwas anderes, ein Trend der Reaktion. Weil heute immer mehr Minderheiten auf Grund ihres Minderheitendaseins glauben, das Recht zu haben, alle möglichen Forderungen an den Rest der Gesellschaft zu stellen. Weil zwei Prozent von Irgendwas nun glauben, alles andere müsse sich zu ihren Gunsten hin verändern.
Niemand soll wegen seines sexuellen Verhaltens, so lange es niemandem sonst Schaden zufügt, verfolgt, verachtet oder ausgeschlossen werden. Aber ich möchte mich auch nicht mit ihnen solidarisieren müssen und ein Regenbogenfähnlein schwenken. Wenn ich das nicht tue, mache ich mich verdächtig, homophob zu sein.
Niemand soll wegen seiner religiösen Ansichten verfolgt, verachtet oder ausgeschlossen werden. Aber ich möchte mich auch nicht mit ihnen identifizieren und einen islamischen, buddhistischen, hinduistischen oder jüdischen Feiertag in meinen Kalender aufnehmen müssen. Niemand soll wegen seines Berufs verfolgt, verachtet oder ausgeschlossen werden, aber ich möchte auch nicht das Rad der technologischen Entwicklung anhalten und wegen eines Buchgestalters das eBook verdammen oder wegen einiger Klimatologen mein Verhalten verändern.
Wenn eine Minderheit die Entwicklung zu ihren Gunsten beeinflussen möchte, dann braucht sie nur den Eindruck des Leidens zu erwecken und sofort findet sich eine weitere Minderheit von ständig Schuldbewussten, die sich sofort auf die Seite der Leidenden und Unterdrückten schlägt und so lange den Rest der Menschheit penetriert, bis eine ansehnliche Minderheit zusammengekommen ist, die lautstark den Eindruck einer Mehrheit erweckt. Das läuft darauf hinaus, dass in der kommenden Eiszeit oder Hitzeperiode an einem muslimischen Feiertag in Deutschland während des geschlechtsneutralen Eiskunstpaarlaufs keine eBooks gelesen werden dürfen.
Ansonsten haben wir keine Probleme.
25.01.2014
Der zwölfteilige Brokat - und alles andere
Als ich mit dem Buch anfing, da befürchtete ich, ob ich überhaupt genug zusammentragen könnte, damit es ein ordentliches Buch würde. Aber dann flog es geradewegs auf mich zu und ich musste anfangen zu kürzen, wenn es nicht zu umfangreich werden sollte. ich will den Leser ja auch nicht zumüllen mit überflüssigem Text.
Wenn ich jetzt drin lese, habe ich mitunter das Gefühl, zu schnell gewesen zu sein, nicht ausführlich genug alles erörtert zu haben. Dann habe ich zwei Seiten gelesen und war schon in drei verschiedenen Aspekten unseres Universums. Und dann gab es die Option, ein Hardcover, gebunden, herzustellen. Am liebsten hätte ich noch einen Schutzumschlag gehabt. Aber es reichte damit auch an eine Preisgrenze. 49,90 € ist kein Pappenstil. Wenn ich jetzt reinblättere, dann weiß ich, das wäre locker Material für drei oder vier Wochenend-Seminare. Davon würde jedes 150 € kosten. Ihr hättet dabei zwar meine persönliche Anwesenheit, das Buch aber könnt ihr, vor allem in der soliden Ausstattung, jahrelang mit euch tragen.
Man muss das nicht alles wissen, was in dem Buch steht, um die Brokate ordentlich zu praktizieren. Ich habe mich bemüht, sie ausführlich zu beschreiben.
Aber man muss auch nicht die Brokate lernen wollen, um mit diesem Buch seine Freude zu haben.
Ich wünsche ihm viele, viele Leser und freue mich über jede Form des Feedback.
Was in diesem Buch außer dem zwölfteiligen Brokat vorkommt:
BESTELLEN
Wenn ich jetzt drin lese, habe ich mitunter das Gefühl, zu schnell gewesen zu sein, nicht ausführlich genug alles erörtert zu haben. Dann habe ich zwei Seiten gelesen und war schon in drei verschiedenen Aspekten unseres Universums. Und dann gab es die Option, ein Hardcover, gebunden, herzustellen. Am liebsten hätte ich noch einen Schutzumschlag gehabt. Aber es reichte damit auch an eine Preisgrenze. 49,90 € ist kein Pappenstil. Wenn ich jetzt reinblättere, dann weiß ich, das wäre locker Material für drei oder vier Wochenend-Seminare. Davon würde jedes 150 € kosten. Ihr hättet dabei zwar meine persönliche Anwesenheit, das Buch aber könnt ihr, vor allem in der soliden Ausstattung, jahrelang mit euch tragen.
Man muss das nicht alles wissen, was in dem Buch steht, um die Brokate ordentlich zu praktizieren. Ich habe mich bemüht, sie ausführlich zu beschreiben.
Aber man muss auch nicht die Brokate lernen wollen, um mit diesem Buch seine Freude zu haben.
Ich wünsche ihm viele, viele Leser und freue mich über jede Form des Feedback.
Was in diesem Buch außer dem zwölfteiligen Brokat vorkommt:
- Womit alles anfing und warum es uns schwer fällt, Qi zu verstehen.
- Was die Dan Tian sind und der Dreifache Erwärmer und was das mit der Bahnhofstraße zu tun hat.
- Natürlich Yin und Yang, die Trigramme und die 8 Unsterblichen.
- Die Wandlungsphasen, das mittlere Gefäß und Spiegelneuronen.
- Der Unterarm, das Kniegelenk, die Wirbelsäule und was alles zu viel ist.
- In welche Richtung die Zeit verläuft und ob das eine angebundene Katze ist.
- Der Eisenochse und die Ruhe der Berge, warum manche Menschen gerne auf Tischen tanzen und andere Steinchen ins Wasser werfen.
- Wie die TCM entstanden ist, wie weit schulterweit sein kann und wie man eine Ejakulation vermeidet.
- Ein magisches Quadrat, die sieben Sterne und die sieben Po.
- Gesundheit, wie man eine Faust macht und der Alleskönner-Dämon.
- Das vorgeburtliche Qi, das nachgeburtliche Qi und ein Blick über den Tellerrand.
- Eine Organuhr, ein naiver Missionar, die zwölf Irdischen Zweige und die zehn Himmlischen Stämme.
- Daoistische Meditation, Alchemie und die Geschichte vom Affenkönig.
- Und alles andere.
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19.01.2014
Was oben drüber steht
Worüber ich schreibe und rede, was ich unterrichte, das ist echtes Zeugs. Ich meine damit, wir gehen wirklich ran an die Sache, die oben drüber steht. Ich bin nicht daran interessiert, so zu tun als ob. Man kann das nur machen oder nicht machen.
Es gibt Menschen, die betrachten die Künste der Selbstkultivierung als ein Hobby, als eine praktische Lebenshilfe bei Stress, Übergewicht und Beziehungsproblemen. Das ist Blödsinn. Wenn man auf dem Topf sitzt, dann wird geschissen. Nur rumsitzen und vielleicht mal pubsen ist vertane Zeit. Also dann runter vom Topf, Platz machen.
Gerade eben noch habe ich ein Video von der Thich Nha Tante gesehen. Wie die Zuhörer da sitzen, mit staunend offenem Mund, während der Märchenonkel laut vor sich hindenkt.
Was geht wohl in dessen Kopf vor, wenn er schöne heilige Sachen erzählt oder atmet und die Dummies hocken da mit glänzenden Äuglein.
Was denkt der Mann dabei wirklich? Ist er zwölf Stunden geflogen, schläft in einem klimatisierten Hotelzimmer und guck sich die blöde Stadt an, nur um für fünfhundert oder tausend unerwachsene Erwachsene das Fleisch des Zen zu einem leicht verdaulichen Hipp-Brei klein zu kneten? Nur weil die zu faul sind, selber zu kauen? Ich bewundere seine Geduld. Der Mann hat so viel durchgemacht in seinem Leben. Ich hätte denen schon längst den Stinkefinger gezeigt und mich wieder auf das Kissen gesetzt. Oder den Taiji-Walk geübt.
Also bitte, ich bin für solche Übungen nicht zu haben. Ich meine Geduldsprobe a la Dalai Lama. Kein Wunder, dass der nur noch wie blöd kichert. Da wird man doch gehirnsalbern, wenn man ständig auf solchen Touren sein muss. Was muss der in seinem früheren Leben verbrochen haben, dass der jetzt so leben muss.
Sitzen. Stehen. Seidenfaden, Taiji-Walk. Das sind Übungen, für die ich immer zu haben bin. Das ist die Hölle, in der ich mich wohl fühle. Das ist für mich echtes Zeugs. Wer also bei mir lernen will, der sollte sich darauf einstellen. Und sollte es ernst meinen. Kein Hobby, keine Lebenshilfe, nicht chic, trendy, style.
Arbeit.
Es gibt Menschen, die betrachten die Künste der Selbstkultivierung als ein Hobby, als eine praktische Lebenshilfe bei Stress, Übergewicht und Beziehungsproblemen. Das ist Blödsinn. Wenn man auf dem Topf sitzt, dann wird geschissen. Nur rumsitzen und vielleicht mal pubsen ist vertane Zeit. Also dann runter vom Topf, Platz machen.
Gerade eben noch habe ich ein Video von der Thich Nha Tante gesehen. Wie die Zuhörer da sitzen, mit staunend offenem Mund, während der Märchenonkel laut vor sich hindenkt.
Was geht wohl in dessen Kopf vor, wenn er schöne heilige Sachen erzählt oder atmet und die Dummies hocken da mit glänzenden Äuglein.
Was denkt der Mann dabei wirklich? Ist er zwölf Stunden geflogen, schläft in einem klimatisierten Hotelzimmer und guck sich die blöde Stadt an, nur um für fünfhundert oder tausend unerwachsene Erwachsene das Fleisch des Zen zu einem leicht verdaulichen Hipp-Brei klein zu kneten? Nur weil die zu faul sind, selber zu kauen? Ich bewundere seine Geduld. Der Mann hat so viel durchgemacht in seinem Leben. Ich hätte denen schon längst den Stinkefinger gezeigt und mich wieder auf das Kissen gesetzt. Oder den Taiji-Walk geübt.
Also bitte, ich bin für solche Übungen nicht zu haben. Ich meine Geduldsprobe a la Dalai Lama. Kein Wunder, dass der nur noch wie blöd kichert. Da wird man doch gehirnsalbern, wenn man ständig auf solchen Touren sein muss. Was muss der in seinem früheren Leben verbrochen haben, dass der jetzt so leben muss.
Sitzen. Stehen. Seidenfaden, Taiji-Walk. Das sind Übungen, für die ich immer zu haben bin. Das ist die Hölle, in der ich mich wohl fühle. Das ist für mich echtes Zeugs. Wer also bei mir lernen will, der sollte sich darauf einstellen. Und sollte es ernst meinen. Kein Hobby, keine Lebenshilfe, nicht chic, trendy, style.
Arbeit.
16.12.2013
Was trägst du?
Über den Schattenboxer kam ich erneut auf das Thema Kleidung beim Taijiquan und Qigong. Es gibt dort einen Link zum talking Teapotmonk, der sich wohl darüber amüsiert, wenn Menschen zum Taijiquan eine entsprechende Kleidung tragen.
Zu Recht räumt er ein, bei Judo oder Karate weiß man gleich, wo man ist, man erkennt es an der Uniform. Soll man deshalb zum Taijiquan einen seidenen Pyjama tragen?
Geht es nicht auch in Jeans und Flipflops?
Zunächst möchte ich sagen, dass es einen Kommentar disqualifiziert, wenn man sich darin über Menschen, die eine andere Meinung oder Haltung haben, lustig macht. Ich gestehe, selbst so geredet und geschrieben zu haben, angesteckt von einer Kultur der Comedy-Shows, Lachparaden und Blödel-TV, die jene höher halten, die tiefer unter die Gürtellinie schlagen. Es tut mir leid. Es ist keine Ehre.
Zurück zur Kleidung.
Sie stellt auf keinen Fall ein Kriterium der Qualität dar. Man kann sich besser bewegen in einer weiten Hose, als in Jeans, bessere Kicks, bessere gehockte Peitschen oder kriechende Schlangen praktizieren. Wenn man's kann. Wer nicht locker ist, ist es auch nicht in einem Taijiquan-Anzug.
Die Kleidung ist ein Ausdruck deiner Haltung der Sache gegenüber. Deine Kleidung sagt etwas über dich. Gehst du zum Training wie anschließend an die Theke? Trägst du den Anzug, den Overall die Uniform, die du bei deiner Arbeit tragen musst? Oder einen Jogging-Anzug, obwohl du nicht joggst. Und wie steht dein Lehrer dazu? Was trägt er beim Training?
Früher habe ich es als ein Plus des Taijiquan gepriesen, nicht auf besondere Kleidung angewiesen zu sein. Andererseits gibt es Menschen die das Besondere brauchen, die mit einer dicken Sporttasche durch die Stadt laufen wollen, damit jeder sehen kann, sie gehen trainieren. Dann muss die Tasche schon zeigen, was du trainierst, dann muss Kwon drauf stehen, damit niemand glaubt, du gingest zum Gewichteheben oder zum Pilates. Was kann man sich das Leben schwer machen.
Wer unbedingt in einem eleganten Seidenanzug Taijiquan machen möchte, der sollte seine Eitelkeit überprüfen. Wer sich vehement gegen eine Uniform stellt, der sollte seinen Stolz prüfen. Deine Kleidung sagt etwas über dich aus. Auch wenn du keine besondere Kleidung trägst.
Wer inzwischen zu mir zum Taijiquan kommt, der soll alles draußen lassen, was nach draussen gehört. Ich will nichts wissen über den Beruf, den jemand ausübt, seine soziale Stellung, seine sexuelle Ausrichtung, seine Religion oder Partei. Einfach da sein als ein Mensch und sich äußerlich wie innerlich der Form, dem Inhalt und der Erscheinung des Dao hingeben. Ohne sich hervor zu tun und ohne sich zurück zu stellen. Aufrecht und gelöst.
Da wir die Richtung der Wudangshan-Kultivierung vertreten, tragen wir traditionelle Kleidung von dort. Einen diagonal geschlossenen Kittel, wie man sie schon in den Gräbern von Mawangdui gefunden hat. Dazu eine weite Hose und wer mag die klassischen Gamaschen der Daoisten. Das Material ist ein Hanf/Poly-Gewebe, sehr angenehm zu tragen und bei allen Temperaturen. Es sind schlichte, robuste Kittel, die auch einen Kampf aushalten.
Zu Recht räumt er ein, bei Judo oder Karate weiß man gleich, wo man ist, man erkennt es an der Uniform. Soll man deshalb zum Taijiquan einen seidenen Pyjama tragen?
Geht es nicht auch in Jeans und Flipflops?
Zunächst möchte ich sagen, dass es einen Kommentar disqualifiziert, wenn man sich darin über Menschen, die eine andere Meinung oder Haltung haben, lustig macht. Ich gestehe, selbst so geredet und geschrieben zu haben, angesteckt von einer Kultur der Comedy-Shows, Lachparaden und Blödel-TV, die jene höher halten, die tiefer unter die Gürtellinie schlagen. Es tut mir leid. Es ist keine Ehre.
Zurück zur Kleidung.
Sie stellt auf keinen Fall ein Kriterium der Qualität dar. Man kann sich besser bewegen in einer weiten Hose, als in Jeans, bessere Kicks, bessere gehockte Peitschen oder kriechende Schlangen praktizieren. Wenn man's kann. Wer nicht locker ist, ist es auch nicht in einem Taijiquan-Anzug.
Die Kleidung ist ein Ausdruck deiner Haltung der Sache gegenüber. Deine Kleidung sagt etwas über dich. Gehst du zum Training wie anschließend an die Theke? Trägst du den Anzug, den Overall die Uniform, die du bei deiner Arbeit tragen musst? Oder einen Jogging-Anzug, obwohl du nicht joggst. Und wie steht dein Lehrer dazu? Was trägt er beim Training?
Früher habe ich es als ein Plus des Taijiquan gepriesen, nicht auf besondere Kleidung angewiesen zu sein. Andererseits gibt es Menschen die das Besondere brauchen, die mit einer dicken Sporttasche durch die Stadt laufen wollen, damit jeder sehen kann, sie gehen trainieren. Dann muss die Tasche schon zeigen, was du trainierst, dann muss Kwon drauf stehen, damit niemand glaubt, du gingest zum Gewichteheben oder zum Pilates. Was kann man sich das Leben schwer machen.
Wer unbedingt in einem eleganten Seidenanzug Taijiquan machen möchte, der sollte seine Eitelkeit überprüfen. Wer sich vehement gegen eine Uniform stellt, der sollte seinen Stolz prüfen. Deine Kleidung sagt etwas über dich aus. Auch wenn du keine besondere Kleidung trägst.
Wer inzwischen zu mir zum Taijiquan kommt, der soll alles draußen lassen, was nach draussen gehört. Ich will nichts wissen über den Beruf, den jemand ausübt, seine soziale Stellung, seine sexuelle Ausrichtung, seine Religion oder Partei. Einfach da sein als ein Mensch und sich äußerlich wie innerlich der Form, dem Inhalt und der Erscheinung des Dao hingeben. Ohne sich hervor zu tun und ohne sich zurück zu stellen. Aufrecht und gelöst.
Da wir die Richtung der Wudangshan-Kultivierung vertreten, tragen wir traditionelle Kleidung von dort. Einen diagonal geschlossenen Kittel, wie man sie schon in den Gräbern von Mawangdui gefunden hat. Dazu eine weite Hose und wer mag die klassischen Gamaschen der Daoisten. Das Material ist ein Hanf/Poly-Gewebe, sehr angenehm zu tragen und bei allen Temperaturen. Es sind schlichte, robuste Kittel, die auch einen Kampf aushalten.
30.11.2013
Heute machen wir ein Türchen auf ...
SUBSKRIPTION
Der zwölfteilige Brokat
und alles andere
Das neue Buch von Yürgen Oster
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05.11.2013
Aha
Es gibt die Geschichte von dem Zen-Mönch, der alles nur mit "aha" quittierte.
Als ein Mädchen im Dorf schwanger wird, will sie erst nicht sagen, von wem. Doch nach einer Weile behauptet sie, das Kind sei von dem Mönch im Tempel am Dorfrand. Nach der Geburt bringt man den Säugling zu unserem Mönch:"Hier, das ist dein Kind. Kümmer dich drum."
"Aha."
Nach einigen Jahren wird es der inzwischen jungen Frau doch etwas unbehaglich und sie geht zum Tempel:"Das Kind ist nicht von dir. Gib es mir zurück, ich kümmere mich jetzt selbst darum."
"Aha."
Wir denken vielleicht, der Mann ist ziemlich abgeklärt und cool. Aber vielleicht war er einfach nur blöd.
Als ein Mädchen im Dorf schwanger wird, will sie erst nicht sagen, von wem. Doch nach einer Weile behauptet sie, das Kind sei von dem Mönch im Tempel am Dorfrand. Nach der Geburt bringt man den Säugling zu unserem Mönch:"Hier, das ist dein Kind. Kümmer dich drum."
"Aha."
Nach einigen Jahren wird es der inzwischen jungen Frau doch etwas unbehaglich und sie geht zum Tempel:"Das Kind ist nicht von dir. Gib es mir zurück, ich kümmere mich jetzt selbst darum."
"Aha."
Wir denken vielleicht, der Mann ist ziemlich abgeklärt und cool. Aber vielleicht war er einfach nur blöd.
14.10.2013
Pflicht zu Cultur, Immanuel Kant
Das Vermögen, sich überhaupt irgend einen Zweck zu setzen, ist das Charakteristische der Menschheit (zum Unterschiede von der Tierheit). Mit dem Zwecke der Menschheit in unserer eigenen Person ist also auch der Vernunftwille, mithin die Pflicht verbunden, sich um die Menschheit durch Kultur überhaupt verdient zu machen, sich das Vermögen zu Ausführung allerlei möglichen Zwecke, so fern dieses in dem Menschen selbst anzutreffen ist, zu verschaffen oder es zu fördern, d.i. eine Pflicht zur Kultur der rohen Anlagen seiner Natur, als wodurch das Tier sich allererst zum Menschen erhebt: mithin Pflicht an sich selbst.
Allein diese Pflicht ist bloß ethisch, d.i. von weiter Verbindlichkeit. Wie weit man in Bearbeitung (Erweiterung oder Berichtigung seines Verstandesvermögens, d.i. in Kenntnissen oder in Kunstfähigkeit) gehen solle, schreibt kein Vernunftprinzip bestimmt vor, auch macht die Verschiedenheit der Lagen, worein Menschen kommen können, die Wahl der Art der Beschäftigung, dazu er sein Talent anbauen soll, sehr willkürlich. – Es ist also hier kein Gesetz der Vernunft für die Handlungen, sondern bloß für die Maxime der Handlungen, welche so lautet: »baue deine Gemüts- und Leibeskräfte zur Tauglichkeit für alle Zwecke an, die dir aufstoßen können«, ungewiß, welche davon einmal die deinigen werden könnten.
Allein diese Pflicht ist bloß ethisch, d.i. von weiter Verbindlichkeit. Wie weit man in Bearbeitung (Erweiterung oder Berichtigung seines Verstandesvermögens, d.i. in Kenntnissen oder in Kunstfähigkeit) gehen solle, schreibt kein Vernunftprinzip bestimmt vor, auch macht die Verschiedenheit der Lagen, worein Menschen kommen können, die Wahl der Art der Beschäftigung, dazu er sein Talent anbauen soll, sehr willkürlich. – Es ist also hier kein Gesetz der Vernunft für die Handlungen, sondern bloß für die Maxime der Handlungen, welche so lautet: »baue deine Gemüts- und Leibeskräfte zur Tauglichkeit für alle Zwecke an, die dir aufstoßen können«, ungewiß, welche davon einmal die deinigen werden könnten.
08.10.2013
Bücher, Wiederauflage, überarbeitet.
Aus den Aufzeichnungen der zwölf Brokatübungen, wie ich sie in Wudangshan vor einigen Jahren gelernt habe, wurde zunächst eine mehrseitige, als pdf-Datei zu ladende Hilfe für jene, die die Übungen bei mir gelernt hatten. Dann hielt ich es für nötig, einige Kommentare dazu zu schreiben und zu den Kommentaren kamen Erklärungen und so langsam wurde mir klar: Das wird ein neues Buch.
Mit den Erfahrungen der letzten Bücher, die zwar in guten Verlagen, aber schlechter Distribution gelandet waren, beschloss ich, es mit Selbstverlag zu versuchen. Dabei stieß ich auf BoD (Books on Demand) und das Konzept gefiel mir von Anfang an. Darein sah ich auch eine Gelegenheit, die alten, nicht mehr im Handel erhältlichen Bücher, selbst neu aufzulegen.
Das Ta Ji Quan Buch erhielt eine komplette Überarbeitung, viel neues Material und Bilder. Wäre auch traurig, wenn ich in den Jahren nichts dazu gelernt hätte. Ich bin sehr glücklich mit dieser neuen Ausgabe.
Das Buch des Jahreszeiten-Qigong nach Chen Tuan habe ich im Grunde belassen. Es ist ja eine Überlieferung, wenig eigenes Material und konnte so bleiben.
Aber wegen der Arbeiten, bin ich im Buch über die Brokate natürlich hinter den Zeitplan gerutscht. Ich befürchte, ich schaffe es nicht mehr dieses Jahr. Aber ich bin dran.
Die beiden fertigen Bücher können direkt bei mir bestellt werden, bei jedem Internet-Versender und natürlich auch bei deinem Lieblingsbuchhändler.
Tai Ji Quan - das Dao der Bewegung 14,90€
ISBN-13: 978-3732252732 (auch als eBook erhältlich)
Dao Shi - Qigong im Wechsel der Jahreszeiten 15,90€
ISBN-13: 978-3732252756 (auch als eBook erhältlich)
Tai Ji Quan - das Dao der Bewegung 14,90€
ISBN-13: 978-3732252732 (auch als eBook erhältlich)
Dao Shi - Qigong im Wechsel der Jahreszeiten 15,90€
ISBN-13: 978-3732252756 (auch als eBook erhältlich)
05.10.2013
Kampfkunst, Esoterik oder gute Laune?
Auf der Suche nach Tajiquan
Als man das Automobil entwickelte, ging es darum, eine Reisegefährt zu schaffen, eine Kutsche ohne Pferde. Man dachte nicht daran, so schnell wie möglich im Kreis fahren zu können, schwere Spezialfahrzeuge oder Reisebusse zu bauen. Aber die Entwicklung ging rasch in die verschiedenen Richtungen. Wir wissen nicht, ob Taijiquan seinen Anfang als Kampfkunst nahm, die dann verfeinert wurde zu einer Methode des Qigong und der inneren Alchemie, oder ob es sich aus Selbstkultivierungspraktiken zu einer Kampfkunst mauserte. Wir wissen es nicht und wir werden es wahrscheinlich auch nie wissen. Was uns heute begegnet, wird in den meisten Fällen einem Reisegefährt gleichen, um morgens zur Arbeit und am Wochenende mit der Familie ins Grüne zu kommen. Nur wenige wollen Rennen fahren, als Show-Wettkampf, als Performance-Meister oder im Zweikampf. Nur wenige wollen ein Spezialfahrzeug, einen Schwertransporter mit mannshoher Bereifung an 12 Achsen, innere Verfeinerung bis zur Unsterblichkeit. Das alles wollen nur wenige. Die meisten wollen den Führerschein und dann endlich mal über die Autobahn. Das ist das höchste der Gefühle. Aber jeder der Auto fahren kann, könnte zur Not auch einen 7,5 Tonner oder ein Fahrzeug mit sehr hoher Geschwindigkeit lenken. Denn für alle gelten die gleichen Regeln, es wird gelenkt, gekuppelt, beschleunigt und gebremst. Das muss man können, wenn man Auto fahren will.
15.09.2013
Die Fäuste ballen und mit den Augen funkeln
um die Kraft zu mehren
Es gibt Menschen, die an dieser Stelle mit den Brokatübungen ein Problem bekommen. Die Fäuste werden geballt, die Augen sollen funkeln, die zu mehrende Kraft hat anscheinend mit Aggression zu tun. Und das wollen sie nicht. Sie wollen etwas für ihre Gesundheit tun, nicht kämpfen.
Die Vorstellung von Gesundheit hat sich in den letzten 150 Jahren mehrfach gewandelt. Galt bis vor ca. 100 Jahren jemand als gesund der leistungsfähig war, so wurde ungefähr ab dieser Zeit der Begriff Gesundheit eher als die Abwesenheit von Krankheit verstanden. In den letzten 30 Jahren hat sich ein erneuter Wandel des Gesundheitsbegriffs vollzogen, der den Maßstab über das persönliche Befinden definiert. So kann jemand durchaus eine Krankheit haben, sich aber dennoch als gesund bezeichnen, weil er sich so fühlt. Das aktuelle Verständnis von Gesundheit als ein Maß an Wohlbefinden wird nicht mehr nur durch den körperlichen Zustand definiert, sondern bezieht die persönliche Lebenseinstellung, die innere Widerstandsfähigkeit und die Einbindung in eine soziale Gemeinschaft mit ein.
Um Gesundheit zu erhalten braucht es von Natur aus keine besondere Anstrengung, denn der Organismus besitzt eine selbstregulierende und selbstreproduzierende Fähigkeit, Autopoiesis genannt. Wir sagen für gewöhnlich Selbsterhaltung oder Selbstheilungskräfte dazu. Ein lebender Körper regeneriert und repariert sich ein Leben lang selbst. Schon Voltaire wusste: "Die Kunst der Medizin besteht darin, den Patienten zu unterhalten, während die Natur seine Krankheit heilt." Diese permanenten Vorgänge von Erhaltung und Heilung sind allerdings keine Kuschelstunden sondern ein hochorganisierter Kampf gegen Invasoren und Rebellen. Wir verstehen uns als eine Einheit, die sich von der Umwelt abgrenzt. Doch während wir durch die Welt gehen, geht die Welt auch durch uns. Ihre Spuren prägen sich in Körper, Geist und Seele, so wie wir unsere Spuren in der Welt hinterlassen. Nicht alles, was wir mit der Umwelt austauschen, kommt uns auch zu Gute. Entweder gelingt es dem Organismus, seine Struktur aufrechtzuerhalten, dann lebt er weiter, oder es gelingt ihm nicht, dann ist er tot.
Wir reagieren auf interne Veränderungen oder Interaktionen mit der Umwelt. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob es sich um Bakterien, Schadstoffe oder ein soziales Ereignis handelt. Das soziale Ereignis kann auch die Faust eines Mitmenschen sein, die mir das Nasenbein zertrümmert hat. Obwohl solche sozialen Ereignisse heutzutage nur in bestimmten Gegenden der zivilisierten Welt vorkommen, sollte doch die Fähigkeit und Bereitschaft zu kämpfen trainiert werden. Es geht bei einem solchen Training nicht darum, sich nun frohen Herzens in den Straßenkampf zu begeben. Im Gegenteil. Es geht um das Gefühl, sich seiner Haut wehren zu können und mit dieser inneren Haltung unangreifbar zu werden.
aus: Yürgen Oster, Der zwölffache Brokat und alles andere.
Erscheint Herbst/Winter 2013
25.08.2013
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Im Jahre 2000 entschieden die deutschen Krankenkassen, Taijiquan und Qigong in den Katalog der zu fördernden Präventionsmaßnahmen aufzunehmen. Voraussetzung war ein von den Kassen anerkannter Grundberuf des Lehrenden und dessen nachgewiesene Ausbildung in Taijiquan oder Qigong über mindestens 250 Stunden.
Das bedeutete, Teilnehmer an einem Kurs, der von einem kassenanerkannten Kursleiter durchgeführt wurde, konnten sich 80% der Kosten von ihrer Kasse erstatten lassen.
Damit wurde der „Beruf“ des Taijiquan/Qigong Kursleiters geboren.
Ich habe schon damals in einem Leserbrief im Taijiquan und Qigong Journal davor gewarnt, sich auf diesen Deal mit den Kassen einzulassen.
Trotzdem habe ich selber dann zusammen mit dem Sobi in Münster das Ausbildungskonzept der DAO akademie entwickelt. Ich glaubte, nur auf diesem Wege noch als Lehrer arbeiten zu können, denn natürlich wuchsen aus allen Ecken und Nischen plötzlich die Ausbildungsinstitute.
Damit machte ich einen entscheidenden Fehler. Ich handelte gegen meine Überzeugung.
Wir erweckten den Eindruck, die Kassen hätten mit ihrem Konzept recht und man könnte mit 250 Unterrichtsstunden die Qualifikation eines Kursleiters erwerben. Das ist falsch. Man kann es nicht. Man kann es vielleicht mit dem 10fachen. Vielleicht.
Aber in erster Linie sollte man Taijiquan und Qigong für sich selber machen und nicht, um es zu unterrichten.
Nun ist in Deutschland eine Generation von Kursleitern entstanden, die alle glauben, etwas zu können, weil ihnen in den meisten Fällen der Vergleich fehlt. Es ist eine ungeheure Arroganz, wenn wir uns anmaßen, etwas innerhalb kurzer Zeit beherrschen zu können, was tatsächlich eine lange Ausbildung erfordert und nur wenigen überhaupt möglich ist. Es ist ein kolonialistisches Denken.
Wir haben nicht zur Verbreitung des Taijiquan und Qigong beigetragen, sondern zu seiner Verflachung. Wir haben es fast bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt und laufen herum und reden dummes Zeugs, als wüssten wir tatsächlich etwas. Wir wissen aber nichts.
Natürlich habe ich mit meinem Angebot jene Menschen angezogen, die mir glaubten. Das darf ich ihnen nicht zum Vorwurf machen und ich darf nicht von ihnen enttäuscht sein. Ich muss mich entschuldigen.
11.07.2013
Die Nachhimmlische Leere - Hou Tian Wu Ji
Anfang und Ende der Dinge haben keine genauen Grenzen. Die Ursprünge könnten zu den Enden werden, und die Enden werden zum Ursprung. Wie könnte man eine genaue Trennungslinie ziehen zwischen diesen Zyklen? Was jenseits aller Dinge liegt und vor allen Ereignissen, können wir nicht wissen.
14.06.2013
Qi
Wir finden für den Begriff Qi zwei verschiedene Schriftzeichen, genau genommen sind es drei.
Da wäre zunächst das gebräuchliche 氣, welches sich zusammensetzt aus dem oberen Teil 气 Qi, was sich aus der Darstellung geschichteter Wolken entwickelt hat und dem unteren Teil 米 Mi, was für ungekochten Reis steht. Daraus lässt sich ableiten, das Binomen meine Dunst über Reisfeldern oder der Dampf, der aus dem Reiskochtopf aufsteigt. Einfallsreicher finde ich die Deutung, Qi entstehe aus Atem und Nahrung, was tatsächlich der Fall ist. Auch lässt sich verstehen, das Qi sich sowohl als feinsten Hauch oder festes Samenkorn manifestieren kann. Leider wird in der nun gebräuchlichen modernen Kurzschrift nur noch der obere Teil geschrieben. Das ist Atem oder Dunst, die feste Nahrung fällt weg. Wenige gebräuchlich ist eine andere Variante, die auch vorwiegend in philosophischen Texten zu finden ist. 炁
Dieses Zeichen besteht ebenfalls aus zwei Teilen: 旡 ji mit der Bedeutung „Nahrung hinunter zu würgen“ und darunter das Radikal für Feuer 火, was in Verbindung mit einem anderen Zeichen in vier kurzen Strichen geschrieben wird. Wenn uns das auch ziemlich fremd vorkommen mag, so ist es doch in der Bedeutung nicht viel anders, wenn wir es verstehen als das Feuer, welches entfacht wird von dem, was wir „hinunterschlucken“, sei es nun feste Nahrung oder Atemluft.

09.06.2013
Loslassen
放之自然 體無去住 任性合道
Sich lösen, Selbst vertrauen
das Wesen weder geht noch bleibt
die eigene Natur dem Dao folgt
Das Wesen mag die Form verändern, kann sich auf die unterschiedlichsten Weisen offenbaren. Heute bist du glücklich, morgen traurig, heute bildest du dich, morgen hängst du rum, was ist dann dein Wesen. Das Wesen hat keine feste Erscheinung. Warum solltest du dann an etwas festhalten, was du für dein Eigen hältst?
Wer dem Dao folgen will, muss freundlich, aufrecht und ernsthaft sein in seinem Streben. Ein weißer Kranich (ein Schüler des Dao) muss seine Sinne klären und zur Natur zurückkehren.
Nur mit einem ausdauernden. gewissenhaften und duldsamen Herzen, voller Respekt und tiefem Glauben, kann man die höchsten Fähigkeiten erlernen.
Wer die Ruhe im Herzen erreicht, kann dem Dao folgen.
(Zhang San Feng ca. 1200)
Das Dao ist niemals weit entfernt, gleichwohl es schwer zu erreichen sein mag. Es ist in jedem von uns, gleichwohl es schwer zu ergreifen sein mag. Wenn wir frei von Wünschen bleiben, wird der Geist sein Heim (das Herz) betreten. Wenn wir alle Unreinheiten weg fegen, wird der Geist bei uns bleiben. Die Menschen sehnen sich alle nach Intelligenz und Weisheit, doch nur selten suchen sie zu verstehen, was die Quelle ihrer Existenz ist.
(Guanzi, ca. 200 v. Chr.)
Loslassen ist ganz einfach. Man öffnet die Faust. So wie man die Faust öffnet, kann man auch den ganzen Körper öffnen. Den Körper als Ganzes, als Einheit und in seinen Teilen. Alle Gelenke, die Muskeln, die Schwere.
Eine Faust öffnet sich von Innen, aus ihrer Mitte und so öffnet sich auch der gesamte Körper aus seiner Mitte. Du lässt los, was du in deinem Innersten festhältst. Du lässt es los und in die Welt treten.
Ist der Körper nicht in gelöstem Zustand, dann stagniert das Qi. Gelöst bedeutet entschlossen. Entschlossenes ist offen, aufnahmebereit und lebendig. Wie eine geöffnete Hand bereit ist, etwas anzunehmen. Wer festhält, nimmt sich selbst gefangen.
Die meisten kommen mit ihren Vorstellungen, die ihnen den Blick auf die Wirklichkeit versperren. Das ist die schwierige Arbeit, diese Vorstellung beiseite zu schieben. Sie wissen zwar nicht, was Dao ist, aber sie glauben, es zu wissen. Mit jeder neuen Information, die sie bekommen, glauben sie, es besser zu wissen. Mit all diesem Glauben und Wissen stehen die Übenden der Erfahrung des Dao im Weg.
In der richtigen Körperhaltung kannst du alle Gedanken und Gefühle loslassen. Im natürlichen Gleichgewicht werden Körper und Geist eins, und wir verwirklichen die schlichte Wirklichkeit so wie sie ist - ohne Färbungen und Verzerrungen durch unsere Gedanken, Gefühle, Hoffnungen, Ängste etc. ohne irgendetwas zu erwarten. Es handelt sich dabei nicht um einen speziellen, entrückten, "spirituellen" Geisteszustand. Es ist nicht notwendig, Mantras aufzusagen, Räucherwerk zu verbrennen, Zeremonien auszuführen oder irgendwelche Heiligen zu verehren.
Es ist der Zustand vor allen Zuständen.
Wir können Dao weder erlangen noch herstellen. Es ist immer und überall vorhanden, reichlich. Wir können es erfahren, spüren, erlauschen, erkennen. Nach und nach entwickelt sich ein Sinn dafür. Der Weg dorthin heißt Üben. Immer und immer wieder.
Wiederholen,
Rezitieren.
Man kann den Prozess nicht beschleunigen, nur verlangsamen, indem man zu wenig tut.
Durch Rezitation dringt die Übung in dich ein. Sie öffnet sich für dich, wenn du offen bist für sie. Wenn du gewartet hast. Loslassen kannst du nicht durch Nachdenken, durch Grübeln erreichen.
Je mehr du deinen Körper lockerst, löst und entspannst, desto gelöster wird dein Geist, desto mehr befreist du dich von deinen Vorstellungen, deinen Sorgen und Ängsten. Dann gerätst du langsam in den Zustand von Wu Wei, dann wird dein Handeln frei. Du fragst nicht mehr danach, ob dein Qi fließt. Es fließt. Du machst deine Übungen und du kehrst zurück zu deinem ursprünglichen Wesen, deinem Antlitz vor der Geburt. Deinem wahren So-Sein, zu dem, was sich in dir und durch dich verwirklichen will.
Dies ist ein langer und schwieriger Weg. Es braucht eine Menge Geduld.
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