21.06.2009

Lilos 21. Tag – Alles in bester Ordnung

Der Morgen beginnt wie üblich mit entspanntem Individualtraining gegen 6 Uhr, für die Kleinen natürlich ganz normal Härte. Die Prüfungen, die gestern begonnen haben, werden wohl weitergeführt. Ist wohl bald Zeugnisausgabe..Muss mich mal erkundigen, was es damit so auf sich hat. Am frühen Morgen ist auf jeden Fall sprinten angesagt. Ich übe lieber Taiji-Schritte. So kann ich sehr schön beobachten, wie Meister Zhong und sein neues Ziehkind eine Lehrstunde abhalten.
Damit der Kleine besser vom Born seines Wissens schlürfen kann, muss Zhong sich ziemlich zusammenfalten, so dass die beiden auf Augenhöhe sind. Sehr putzig. Wieder macht sich der Junge mit ernster Miene eifrig daran, umzusetzen was der Meister ihm beibringt. Die Szene trifft auf mein größtes Interesse, was natürlich auch Zhong mitkriegt. Ich soll gefälligst auf meine Hände schauen, damit die ordentlich kreisen. Ich finde, das tun sie auch ohne dass ich hingucke, aber wenn er meint...aber aus den Augenwinkeln den beiden zuschauen – das geht schon.

Beim Morgentraining ist Guan wieder aufgetaucht. Er hat uns immer noch nicht verziehen, dass wir uns über die Umstände beklagt haben. Zur Strafe, dass wir erst um 8.30 h erschienen sind und nicht um 8.20 h, gehen wir heute nicht in den Tempel. Und wer künftig nicht pünktlich erscheint, wird nicht mitgenommen. Da heute wieder Touristentag ist, kann ich den Verbleib in der Schule gut verschmerzen. Allerding ist auch das ständige Posen immer eine willkommene kleine Pause, bei der Guan ausnahmsweise mal nicht nörgelt, weil es ja dem Ruhm der Schule dient. Schwamm drüber. In der Schule ermogele ich mir meine Pausen nun immer damit, dass ich mit wichtiger Miene zu meinem Notizbuch gehe unter dem Vorwand, die Anmerkungen meines Lehrers akribisch zu notieren. Und das mache ich mittlerweile wirklich, langsam ist der Input nämlich ganz gewaltig. Kaum zu glauben, was es zu dem bisschen Rumhüpfen alles zu sagen gibt.


Für kleine Gehässigkeiten wird man ja gerne mal von einer höheren Macht bestraft, manchmal hat man aber einfach Glück. Als ich mich nach dem Training vor der sengenden Mittagshitze gerade in mein Zimmer geflüchtet hatte, klopft es. Lyssa und die Pflaume stehen vor der Tür. Stubenkontrolle. Ob alles auch schön ordentlich und sauber ist. Lyssa kommt herein, auch die Pflaume würde gerne, was Lyssa aber erfolgreich unterbindet, schließlich ist das ein Frauenzimmer! Ein kurzer Blick – alles in Ordnung – Weitermachen. Obwohl das eigentlich ein starkes Stück ist, bin ich erleichtert, dass ich gestern kurz durchgewischt und die ganzen Insektenleichen in meinem Zimmer entfernt habe. Das Fliegengitter dient wohl nur einem besseren Gefühl, ich habe ständig irgendwelche Brummer und Falter hier, die ihr kurzes aber enervierendes Leben in meinen vier Wänden aushauchen. Ekelhaft, wenn man ständig mit nackten Füßen auf Panzer tritt. Schon deshalb sorge ich hier für ein Minimum an Sauberkeit. Was wohl passiert wäre, wenn mein Raum nicht vor den gestrengen Blicken stand gehalten hätten?

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