Lilos 13. Tag - Das Training

Ich bin gefragt worden, wie es kommt, dass ich nach nun fast 2 Wochen immer noch über Muskelkater jammere. Deshalb möchte ich kurz vorstellen, wie hier so das Training abläuft: gegen 6.00 h beginnt der Tag mit stehender Meditation und/oder Taiji-Training. Noch ohne Unterricht, man kann hingehen oder auch nicht, das bleibt jedem selbst überlassen. Von 8.30 h - 10.30 h ist das erste Training mit Lehrern. Da man um die Uhrzeit ja noch frisch und aufnahmefähig ist, beginnen nach kurzem Lauf die Kräftigungs- und Koordinationsübungen. Das bedeutet zunächst Kicks in allen möglichen Variationen, danach Liegestütz, dann können noch spezielle Kraftübungen folgen. Nach einer kurzen Pause wird dann die Gruppe getrennt und jeder übt - einzeln oder in Kleingruppen - an seiner gewählten “Baustelle”. Es werden neue Bewegungen gezeigt und selbständig eingeübt, dann später vom Lehrer korrigiert. Am Nachmittag findet wegen der Hitze kein “echtes” Training statt, es wird etwas gedehnt und dann meditiert. Diese Einheit dauert etwa 1,5 Stunden. Erst am Abend kommt dann die nächste Trainingseinheit, häufig wieder Konditions- und Krafttraining, aber auch Qigong und Taiji. Zum Abschluß - etwa eine Stunde lang - wird das am morgen Gelernte wiederholt und geübt.

Dieser Ablauf mag eintönig klingen, tatsächlich sind die Übungen selbst sehr abwechselungsreich und konzentrieren sich auf unterschiedliche Körperteile. Und so kommt es, dass die Muskulatur nie einseitig gefordert wird, sondern stets ein neuer Bereich gefordert wird. Und das spürt man auch am nächsten Tag. Wenn man dann noch den freien Tag dazu nutzt, kilometerweise Treppen zu laufen, dann braucht man sich nicht darüber zu wundern, dass man wirklich an jedem Tag Spaß an einem neuen schmerzenden Glied hat.

Die Mittagshitze auf dem Berg ist mittlerweile so groß, dass schon der Gedanke an eine sitzende Meditation im muffigen “Ballsaal” den Schweiß auf die Stirn treibt. Guan überrascht uns deshalb mit einem - wie er meint - kühlenden “Kranich-Qigong”. Der Weg bis zur einigermaßen brauchbaren Umsetzung der wirklich sehr schönen Bewegungen ist allerdings steinig und wie immer schweißtreibend, aber alles ist besser als im Sitzen im eigenen Saft zu schmoren. Als wir den Ablauf gerade mehr oder weniger begriffen haben, ordert uns Guan schnell auf den Hof: es sind Gäste vom Hotel angekommen, der rote Teppich wurde auf den Hof aufgerollt und eine kleine Vorführung wurde arrangiert. Und wir dürfen - oder besser: sollen - zuschauen. Hie und da entdecken wir bei der Vorführung Formen, die wir auch gerade lernen. Sehen halt ein bisschen anders aus. Eine Spur geschmeidiger vielleicht. Aber der Weg ist ja bekanntlich das Ziel.

Nach der Vorführung lädt Guan Ramona, die Japaner Yunko und Tomo und mich zum Tee ein. Dann folgt eine längere Einführung in seines Sicht des Lebens und des Daoismus. Sehr interessant, aber wie so oft ist die Fülle der Informationen so groß, dass ich später noch mal mit Ramona zum Brainstorming ansetzen muss, um die Gedanken noch mal zu ordnen. Außer der Erkenntnis “Geld macht nicht glücklich” ist leider nicht viel hängen geblieben. Ob Guans Arbeitgeber wohl all’ seine Ansichten teilen?

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