Vergessen
Der Geist unterscheidet. Er kann gar nicht anders. Schon während ich diese Zeilen schreibe, treffe ich fortwährend Entscheidungen. Dieses Wort und nicht jenes. Dieser Satz und nicht ein anderer. Jeder Gedanke setzt eine Unterscheidung voraus. Der Geist sieht die Welt als ein Gewebe von Gegensätzen: richtig und falsch, schön und hässlich, Zustimmung und Ablehnung. So orientieren wir uns in der Welt. Doch der Geist begnügt sich selten damit, Unterschiede wahrzunehmen. Er möchte entscheiden. Er möchte den Zweifel beenden. Er möchte wissen, auf welcher Seite er steht. Kaum hört er eine Aussage, vergleicht er sie mit seinen Vorstellungen. Zustimmung. Ablehnung. Richtig. Falsch. Oft geschieht dies so schnell, dass wir es kaum bemerken. In dem Augenblick, in dem ich Stellung beziehe, stehe ich irgendwo.Und wo ich stehe, kann ich berührt werden. Das habe ich im Tuishou gelernt. Man wird nicht dort getroffen, wo der andere drückt. Man wird dort getroffen, wo man selbst stehen geblieben ist. Jem...