Posts

Es werden Posts vom Oktober, 2009 angezeigt.

DVD - Die Reise des chinesischen Trommlers ...

... erzählt die Geschichte einer Verwandlung – die des jungen, rebellischen Sid, Sohn einer mächtigen Unterwelt-Legende in Hong Kong. In den Bergen Taiwans wird er vom skrupellosen Einzelgänger zu einem außergewöhnlichen jungen Mann. Die weltrenommierte chinesische Zen-Trommel-Truppe, U Theatre, war nicht nur für Kenneth Bi eine große Inspiration, sondern auch eine große Attraktion für die Besetzung. In ihrer kreativen Zentrale auf dem Laochuan Shan, umgeben von der lebendigen Metropole Taipeh, widmen sich die Angehörigen des U Theatre der Bereicherung des Geistes und der Meisterung immer komplexerer Schlagtechniken. DVD und Soundtrack hier bestellen.

Xinxinming 7

一種平懷  泯然自盡  止動歸止  Wahrst du die Ruhe schwindet das Erschöpfende halte dich daran ohne Blick zurück Diese eine Ruhe ist in der Mitte der Mitte, du brauchst sie nicht zu suchen, denn sie ist schon da. Wie man sagt: "In der Mitte steht das Rad still" Nichts rührt sich, kein Windhauch. Dazu braucht man nur zu sitzen. Es kommt von ganz alleine, absolut mühelos. Will man, dass das trübe Wasser sich klärt, muss man nur abwarten, bis sich der Schlamm von selbst gesetzt hat. Wer mit Ungeduld darin rührt, wird nie die Klarheit erfahren. Unser ganzes Hetzen und Jagen erschöpft die Lebenskraft und führt geradewegs zum Sterben. Darum solltest du dich an die Ruhe halten und keinen Gedanken verschwenden an dieses und jenes, an Wünschen und Wollen. 一种1平2怀3  泯然4自尽5  止动6归止7  1 一种  yīzhǒng:  eine Art (u.E.) 2 平  píng:  flach, eben, ruhig,friedlich (u.E.) 3 怀  huái:  schätzen, hegen; schwanger werden, ein Kind empfangen; gedenken; Brust, Busen (u.E.) 4 泯然  mǐnrán: verschwinden, untertauchen, si...

Xinxinming 6

Deshalb ist es besser nicht am Ich zu hängen nicht zu verweilen bei der Suche nach Leere Man glaubt vielleicht, das Ich sei etwas, an dem es nichts zu rütteln gibt. Dabei ist es nur der Glaube an einige Erinnerungen. Der Glaube an deinen Pass. Keine Zelle ist noch da vom siebenjährigen Kind. Alles ändert sich ständig, unaufhörlich. Altes vergeht und Neues kommt. Aber dein Ich soll beständig sein. Da muss man doch drüber lachen. Wer kann das schon ernsthaft glauben. Das Ich als eine Konstante ist genau so eine Illusion, wie der Glaube an die Leere. Wenn es kein Ich gibt, was soll dann in die Leere eingehen. Substanz und Nicht-Substanz, Form und Formloses gehören beide in die Welt der Erscheinungen. Das Dao aber, von dem hier die Rede ist, ist jenseits davon. Das ist nicht leicht zu verstehen, denn wir verweilen noch bei den Begriffen. Deshalb heißt es Verlangen und begreifen wollen, das führt uns nicht weiter. 所以1不如2  莫3逐4有缘5  勿6住7空8忍9 1 所以  suǒyǐ:  deshalb, also, daher (u.E.) 2 不 如  b...

Tagesbeginn

Yürgen, 13. Okt. 2009 Heute um Punkt sechs Uhr stand die Mondsicher direkt mitten über dem Zixiaogong, während den Wolken am Horizont langsam orange einfiel.

engere Kreise

Obwohl natürlich von Anfang an die Zeit des Aufenthaltes immer kürzer wird, jetzt wird es spürbar. Der Abreisetag steht sozusagen schon vor Augen. Da steht er also, klar und deutlich. Hat sich durch die Unfähigkeit des Bürofräuleins um einen Tag nach hinten verschoben. Liegt jetzt genau dort, wo ich ihn haben wollte. Das ist es, was das chinesische Sprichwort vom versteckten Drachen in einem kauernden Tiger meint: Es sah so aus, als kämen wir nicht rechtzeitig oder nur unter erschwerten Bedingungen nach Beijing und nun ist alles viel besser, als bis dahin erhofft. Der Wetterbericht verspricht für die letzten Tage Trockenheit und es müsste auch gelegentlich die Sonne durchkommen. Es ist allerdings etwas abgekühlt, was zartere Pflänzchen schon nach einem Heizöfchen verlangen lässt. Was würden solche wohl im Winter hier machen? Wahrscheinlich garnicht erst herkommen. Wenn nicht noch etwas herausragendes passi...

weite Kreise

Yürgen 10. Okt. 2009 Jetzt muss ich weit ausholen. Es gibt hier so eine Bürokraft, wäre sie nicht Chinesin, dann wäre sie blond (Autor entschuldigt sich mit einer ernsthaften Verbeugung vor allen blonden Frauen, die nicht blond sind). Am Tag meiner Ankunft habe ich ihr mitgeteilt, dass ich für meine Rückreise zwei Zugtickets von Shiyan (nächster Bahnhof für Züge, die in Wudangshan nicht halten) nach Beijing brauche. Ich habe sie auch fast täglich darauf hingewiesen. Ich muss noch weiter ausholen. Es gibt eine prima Verbindung von hier nach Deutschland. man fährt mit dem Bus nach Xiangfan, dauert zwei Stunden, fliegt von dort abends nach Beijing, wo man um 22:30 Uhr ankommt. Dann nimmt man den Flug um 2:00 Uhr nach Frankfurt und auf die Weise bin ich innerhalb von 24 Stunden von Tür zu Tür. Nachdem ich für den Freitagmorgen meinen Rückflug von Beijing gebucht hatte, konnte ich aber keinen Flug donnerstags ab Xiangfan buchen. No flights available. Ich weiß ja, von da gehen nur drei Mal d...

Niederwerfung

Yürgen 9. Okt. 2009 Diesen Begriff gibt es wahrscheinlich in der deutschen Sprache nur im Zusammenhang mit asiatischen Religionen. Es kommt diese Geste der Demut zwar auch in der katholischen und anglikanischen Kirche vor, dort benutzt man allerdings den lateinischen Ausdruck  Prostration. Ich finde diese Übersetzung scheusslich. In China heißt es Koutou (Kotau), wörtlich Kopfanstoßen. Es geht um die zeremonielle Verneigung, Verbeugung. Ist in Tempeln üblich und war es auch am Kaiserhof. Die Daoisten haben sich das wahrscheinlich von den Buddhisten abgeguckt, wie so manches andere auch, zum Beispiel den Aufbau, die Anordnung einer Tempelanlage. Bis zum 3. Jahrhundert gab es keinen religiösen Daoismus, bis dahin spricht man von einer Philosophie, die sich hauptsächlich in den Schriften von Laozi und Zhuangzi offenbart. Um diese Zeit tauchte in China der aus Indien stammende Buddhismus auf. Es kann gut sein, dass die ersten daoistischen Gruppierungen, die religiösen Charakter hatten,...

Kreise

Yürgen 8. Okt. 2009 Donnerstag, freier Tag und regnerisch. In den letzten Tagen hatte sich zunehmend Dunst in den Tälern gebildet. Gestern hatte er sich endlich soweit verdichtet, dass keine Sonne mehr durchkam und am Nachmittag die Tropfen zur Erde fielen. Heute nieselt es so vor sich hin, aber genug, um nicht den zweieinhalbstündigen Anstieg zum "Golden Top" auf dem Tianzu auf die Tagesordnung zu setzen. Top 1: Ruhe. Gelegenheit, einmal zu erklären, was ich hier eigentlich mache. Bei meinem letzten Aufenthalt im Frühjahr hatte ich angefangen Baguazhang zu lernen, kam in der Zeit mit der Form nicht durch und mache sie nun fertig.  Baguazhang ist das, wo man im Kreis läuft.  Man läuft auf einer Kreisbahn von ungefähr zwei Metern Durchmesser. Dabei schiebt man einen Fuß vor, wenn das Bein gestreckt ist, schiebt man noch ein paar Zentimeter weiter und verlagert dann sein Gewicht auf den Fuß. In der Gewichtsverlagerung wird der andere Fuß gleich mitgenommen und vorgeschoben. So ...

Babel

Yürgen, 6.Okt. 2009 Wir sind inzwischen so um die vierzig Schüler, allerdings sind davon einige nur kurzzeitig hier. So zum Beispiel die Familie aus Deutschland, die gerade nach Shanghai umgezogen ist. Die Frau stammt allerdings aus der Ukraine, wo ihr Mann studiert hat. Beide sprechen neben Deutsch Russsisch, er auch Englisch, ebenso deren beide Söhne. Die werden nun bald auch flüssig Chinesisch reden. Ebenfalls Russisch reden Mutter und Tochter aus Lettland, sowie die gestern angekommene Frau, die inzwischen in Ägyypten lebt. Mit ihr kann man auch Englisch reden. Selbstverständlich sprechen das auch die beiden jungen Männer aus England, einer von ihnen kann auch leidlich Chinesisch. Der junge Mann aus Madrid kann allerdings ausser Spanisch anscheinend keine weiteren Sprachen, zumindest keine, die hier gesprochen wird. Unterhalten kann er sich deshalb nur mit den beiden aus Italien, die bis heute von allen für ein Paar gehalten wurden aber keines sind und der Italienerin aus Deutschla...

Fertig

Yürgen, 5. Okt. 2009 Gestern gab es ordentlich Futter für die Form. Neue Schritte, neue Schritte. Heute Vormittag haben wir im Tempel gefühlte drei Stunden den Taiji- Grundschritt gelaufen, mit verschärften Einsprengseln. Gewicht rechts, linken Fuß raus, linken Fuß wieder ran, linken Fuß raus, linken Fuß wieder ran, linken Fuß raus, linken Fuß wieder ran, linken Fuß raus, linken Fuß wieder ran, linken Fuß raus, linken Fuß wieder ran, linken Fuß raus, linken Fuß wieder ran, linken Fuß raus, linken Fuß wieder ran, linken Fuß raus, linken Fuß wieder ran, linken Fuß raus, linken Fuß wieder ran, oder linkes Knie hoch, Bein strecken, stehen bleiben ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... wieder anwinkeln, absetzen, andere Seite. Als nachmittags wieder die Matten zum gefürchteten Stretching rausgeholt wurden, glaubte ich, Lehrer Li würde scherzen, ...

Glücklich

Yürgen, 5. Okt. 2009 S. erzählt: Sie hatte bis vor kurzem ein Wellness Restaurant in Italien. Alles Natur, Bio-Lebensmittel, angerichtet nach der Fünf Elementen Lehre, picobello. Sitzt jetzt hier in der Canting, diesem frisch renoviert verdrecksten Essraum, auf, na sagen wir mal siebziger Jahre Autobahnrastplatz in der DDR Plastemobiliar und ist glücklich. Heute Morgen gibt es im Police-Hotel kein Wasser. Ich frage mal in deren Spülküche nach: "Mei you shui. Ni zhidao shihou you?" Ein Wortschwall. Was mir zumindest bestätigt, dass man mich verstanden hat. Ich bin glücklich. Gestern kam Viktoria. Letztes Jahr hier kennen gelernt. Lebt seit einem Monat mit ihrer Familie in Shanghai und weil jetzt Ferien sind, haben sie die weite Strecke per Zug auf sich genommen. Sie sind seit einem halben Tag hier und Andy, ihr Mann, ist glücklich.
Die Anreise Dieses Mal habe ich für eine andere Anreise entschieden, damit ich noch möglichst viele Leute, die ich sonst nicht treffen kann (z.B. die beiden Damen, mit denen ich schon seit Jahren versuche, Chinesisch zu lernen), endlich einmal wieder sehe. Da meine Reise genau mit der gefürchteten „Golden Week", in der fast das ganze Land auf den Beinen ist um von A nach B zu reisen, zusammenfällt, ist das natürlich etwas spannend. Meine Flüge von Frankfurt nach Shanghai und von dort weiter nach Wuhan hatte ich schon lange gebucht, allerdings die Weiterfahrt nach Wudang Shan – ausgerechnet am Tag des Mondfests – ist alles andere als geklärt. In einem Anfall jugendlichen Leichtsinns hatte ich auch noch vollmundig angekündigt, die Welt mit einem chinesischen Karaokevortrag zusammen mit Yürgen zu beglücken. Die Zeit läuft. Mein erster Langstreckenflug mit China Eastern verläuft überraschend angenehm, zu meiner Verblüffung ist der Flieger gerade mal zu zwei Dritteln ausgebucht...