Liebe chinesische Zensurbehörde,

wenn ihr, warum auch immer einige Portale sperrt, wie zum Beispiel Facebook, Youtube oder Blogger, wo ich diesen Text gerade veröffentliche, ich dann mit einem Proxy die Sperre umgehe und ihr in der letzten Zeit den Proxy aufgespürt und ebenfalls gesperrt habt, kann ich das mit einigem sportlichen Ehrgeiz verstehen und bewundern. Immerhin kann ich per Email dennoch hier bloggen. Bitte lasst mir dieses Hintertürchen, ja, ich berichte doch eigentlich nur darüber, wie gut es mir in eurem Land gefällt. Auch wenn mir die Zunahme der Touristen hier auf dem Berg ehrlich gesagt auf den Senkel geht. Da sollten wir uns mal zusammensetzen und diskutieren, welche Freiheiten sinnvoll sind und welche letztlich jenen Strick herstellen, an dem der Kapitalismus sich angeblich selbst aufhängt. Hier wird gerade durch den Verkauf des Produktes "friedvolle Ruhe und unberührte Natur" eben dieses zerstört. Vor allem dadurch, dass die Massen, die hierher kommen, genau dieses nicht wollen.  Baut ihnen woanders ein hübsches Disneyland, nennt es auch Wudangshan und hier wäre wieder Ruhe. 
Aber ich schweife ab. Ich möchte doch nur einfach und unkompliziert meinen Freunden davon berichten, dass wir dann heute doch noch mal runter sind in die Stadt, wo sich fast alle kräftig eingekleidet haben in ordentliche Kittel und Hosen, weil sie mit mir einer Meinung sind, zum Taiji oder Qigong gehe man nicht wie Hartz IV Empfänger zur Trinkhalle (Lieber Sturm der berechtigten Empörung, ich weiß, nicht alle Hartz IV Empfänger gehen in Jogginghose und T-Shirt zur Trinkhalle).
Und dann hab ich der netten Schneiderin noch 20 Anzüge für Daheimgebliebene ins Auftragsbuch diktiert. Es war ein schöner Tag für sie. Siehst du, liebe Zensurbehörde, wir kurbeln die freie Marktwirtschaft an. Wenn auch nur in kleinen Schritten. 
In dem Zusammenhang wollte ich auch noch erzählen, dass ich ein paar Schwerter gekauft habe, ziemlich trotzig auf meinem Preis bestanden habe und letztlich, schon 50 Meter vom Laden entfernt wieder zurück gerufen wurde und mein Deal galt. Vielleicht. liebe Zensurbehörde, sollten wir beide auch mal auf dieser Ebene miteinander handeln, damit ich zumindest meine Freundin und meine Familie über Skype anrufen kann. Ich hab hier in eurem schönen Land das Handeln ganz gut gelernt. Es macht Spaß und letztlich sind ja auch alle Beteiligten zufrieden. Da sag ich auch nichts anderes, als was ich über Handy sagen würde, wenn es mir nicht zu teuer wäre. Ehrlich, ich tu nix, ich will nur spielen. Was meinst du, das sagen die Hundebesitzer auch alle und trotzdem gibt es bei uns eine Maulkorbpflicht für Kampfhunde? Na, da denkt aber noch mal drüber nach, ich geh derweil langsam aus dem Laden, bleib aber in Rufweite.
Dennoch werde ich mir von meinem Freund M. morgen zeigen lassen, wie er Euch umgeht. Auch den kleinen J. den ich über Facebook kennen gelernt und jetzt im Supermarkt leibhaftig getroffen habe, würde sich freuen, wieder auf fb berichten zu können. Und wenn noch jemand anderster als die angesprochene Behörde diesen Beitrag gelesen hat und so nett wäre, den Freunden auf Facebook von dem Blog hier zu berichten, dann danke ich schon mal im Voraus.

1 Kommentar:

  1. wird natürlich schon massivst betrieben..hat dann auch den reiz von etwas subversivem, unterminierendem.. das macht spass

    AntwortenLöschen