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Es werden Posts vom April, 2011 angezeigt.

Am Abend des 30. April 2011

ich sag mal so:"Ich schreib mal was." Weil, draussen ist viel zu viel los, als zum Beispiel schlafen zu gehen. Heute Nachmittag stellten einige aus der Gruppe anscheinend mit Verwundern fest, dass die Schüler, also die Residents, die dauerhaften, die Jungen, dass die mit Heften unterm Arm in den Meditationsraum gezogen sind. Entschuldigung, liebe Gemeinde, aber wieso sollen junge chinesische Menschen, die an einer Wushu Akademie eingeschrieben sind, nicht auch Lesen und Schreiben lernen. Sollen sie als tumbe Akrobaten in die Welt entlassen werden? Weil also am Nachmittag irgendwas Intellektuelles gemacht wurde, ist heute Abend Training. Waffengeklirre und Kommandos im Hof. Heute war auch zwei Mal unabhängig von einander Sprache und Denkstrukturen Thema. Inwieweit erzieht eine pictographische Schrift wie die chinesische zu einem komplexeren Erfassen von Bewegungen als die lineare lateinische Schrift? Macht euch eure eigenen Gedanken dazu. Das Training der ...

Downtown

Der Plan: Wir fahren runter in die Stadt, suchen die Schule von Großmeister Zhong Yun Long, dem Lehrer unserer Lehrer, erledigen schnell alles, fertige Anzüge abholen bei der Schneiderin, zur Bank Geld wechseln, noch drei Schwerter kaufen und dann hoch und den Taizipo besichtigen, Tee trinken, Tee kaufen, evtl auch Kaligraphien. Das Leben: Um Geld zu wechseln sollte man wissen, wieviel man wechseln will. Dazu bat ich gestern im Büro um die Summe, die nun, nach den wechselnden Umzügen, noch zu zahlen sei. Hatte Judy noch nicht ausgerechnet, will sie aber sofort machen. Sie rechnet, und zwar auf die komplizierteste Methode, letztlich für jeden Einzelnen den genauen Betrag. Das lag dann etwas unter dem, was ich so per Daumen in der Hosentasche kalkuliert hatte. War aber eben ganz genau.  Es ist eine durchaus liebenswerte Eigenart der Chinesen, jemanden, der gerade mit etwas beschäftigt ist darin zu unterbrechen, das eigene Anliegen vorzubringen und so wird in die Rechnerei noch schnel...

Grosses Hallo

abgesehen davon, dass es heute noch heisser war als gestern, war es der Tag des großen Wiedersehens. Nach dem Frühstück haben A. und ich, die wir noch nicht in der Akademie wohnen, das Hotel gewechselt. Viel besser, sauberer, komfortabler und billiger. Auf dem Rückweg runter zum Training, sind wir beim alten Jia vorbei, dem Vorzeigeeinsiedler. Weil A. war gestern nicht dabei und U. auch nicht. Na da hat er sich gefreut, als er mich schon wieder kommen sah. Heute war er auch besser drauf als gestern, wo er über der Erklärung des Lao Lai Nan eingeschlafen ist. A.mit seinem Rauschebarrt hat ihm auch gefallen und gegen ihn sei er ja ein Zwerg. Oder ein Kind. Zumindest was Kleines. Aber altersmäßig sei A. mit seinen 55 Jahren noch jung. Ist ja auch wahr. Also an dieser Stelle erkläre ich mal für Ortsfremde die Lokalität. Du kannst dir das hier auch begleitend auf einer Karte ansehen. Das Wichtigste, das Zentrum unseres Hierse...

Wetterbericht

Lieber Leser, nichts liegt mir näher, als dich neidisch zu machen. Ich habe gesehen, dass es in Deutschland nett warm ist dieses Wochenende, aber der Trend geht Richtung Abkühlung und Regen. Nun, hier ist es sehr sonnig und HEISS. Richtig lecker heiß. Ich weiß, es gibt Leute, denen liegt Hitze nicht, aber mir, ich mag sie. Dennoch hab ich es vorgezogen, im Schatten zu trainieren. Der Trend hier geht zu noch mehr heiß. Heißer. An die 40 Grad. Und wir haben auch hier noch April. Und das alles, ohne bisher Zhen Wu auch nur ein Räucherstäbchen geopfert zu haben. Gut, das reicht. Erzähle ich was von anderen Wunderlichkeiten. Gestern Nachmittag und heute hatten wir Training in der Akademie, nicht im Tempel. Als ich am Abend den Berg hoch musste, wunderte ich mich schon, dass noch Busse fuhren. Oben angekommen wunderte ich mich über die vielen Menschen. Rund um die Busstation hat man einen Wartelaufstall eingerichtet. Es gibt bestim...

Heute

Stehen bedeutet, in ungefähr schulterbreitem Stand die Arme zu heben, Ellbogen nach außen, Fingerspitzen zueinander. So bilden die Arme ungefähr in Höhe der Brustmitte einen horizontalen Kreis. Heute bin ich beim Stehen nach ca 20 Minuten eingeschlafen. Lüftung Durch den Lüftungsschacht auf meiner Toilette kann ich die Musik und das Lachen der Menschen oben im Restaurant hören. Daraus lässt sich schließen, was die Leute im Restaurant riechen können.  Essen Zum Mittagessen war ich beim Meister eingeladen. Der kann auch lecker kochen. Kulisse entgegen der gestrigen Ansage war heute vormittag das Training doch im Tempel. Weil ein Parteifuzzi oder so vorbeigeschaut hat. Die bei uns im Haus lebenden Schüler der zweiten Klasse durften eine Performance machen und wir bildeten im Hintergrund die Kulisse der hart trainierenden Ausländer. Es kann aber kein ranghoher Beamter gewesen sein, denn es gab keinen roten Teppich und keine Stühle. Der Bursche musste sich die Show in der prallen S...

es geht so

wir Ausgesiedelten haben Zimmer in dem Ort am Nanyan Tempel. Der Ort selbst heißt so was wie Krtähennest. Das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass der Legende nach Zhen Wu (googeln) von Krähen hierhin hinauf gelockt wurde, in der Höhle lebte, die jetzt der weltberühmte Bienendaoist bewohnt und sich nahbei, eben an der südlichen Klippe (Nanyan) wegen einer Göttin-als-Zicke beinah in den Tod gestürzt hätte. Würde die Geschichte heute passieren, dann träte die Göttin- als-Zicke bestimmt so auf, wie die jungen chinesischen Dinger, die zur Arbeit sich rausputzen wie deutsche soziale Randgeschöpfe, wenn sie zur Ladysnight in die Disko gehen. In glitzernden Mänteln und Jeans, die enger sitzen als Strumpfhosen, auf Stöckelschuhen, die ihnen nicht nur die Hüftgelenke auf ewig demolieren, aber auf männliche soziale Randgeschöpfe anscheinend ungeheuer erotisch wirken, machen sie in der große...

Liebe chinesische Zensurbehörde,

wenn ihr,   warum auch immer  einige Portale sperrt, wie zum Beispiel Facebook, Youtube oder Blogger, wo ich diesen Text gerade veröffentliche, ich dann mit einem Proxy die Sperre umgehe und ihr in der letzten Zeit den Proxy aufgespürt und ebenfalls gesperrt habt, kann ich  das mit einigem sportlichen Ehrgeiz verstehen und bewundern. Immerhin kann ich per Email dennoch hier bloggen. Bitte lasst mir dieses Hintertürchen, ja, ich berichte doch eigentlich nur darüber, wie gut es mir in eurem Land gefällt. Auch wenn mir die Zunahme der Touristen hier auf dem Berg ehrlich gesagt auf den Senkel geht. Da sollten wir uns mal zusammensetzen und diskutieren, welche Freiheiten sinnvoll sind und welche letztlich jenen Strick herstellen, an dem der Kapitalismus sich angeblich selbst aufhängt. Hier wird gerade durch den Verkauf des Produktes "friedvolle Ruhe und unberührte Natur" eben dieses zerstört. Vor allem dadurch, dass die Massen, die hierher kommen, genau dieses nicht wollen. ...

zwanzig vier elf

Das war eine lange Anreise. Wir waren ja früh genug in Beijing, um dort direkt mit der Frühmaschine weiter zu fliegen nach Xiangfan. Nur wusste ich damals, vor 8 Wochen, als ich die Buchungen vorgenommen hatte, noch nichts von dieser Frühmaschine. Bisher, also früher, da gba es nur einen Anschluss abends. Aber noch früher gab es selbst diesen Abendflug nur alle drei Tage. Ich hätte also schlau sein können und mir das denken. War ich aber nicht. Deshalb sind wir mit dem Zug weiter, wie gehabt. Aber weil wir so früh waren, früher als früher, hatten wir sehr viel Zeit, bis der Zug kam und die haben wir mühsam totgeschlagen, während wir immer müder wurden. Mit lecker essen gehen und tatsächlich auch einem richtigen Kaffee beim KFC. Ich hab dann, endlich im Zug, auch nicht lange Gesellschaft geleistet und mich schmerzfrei auf's Ohr gehauen. Um 23 Uhr Ortszeit war ich wieder wach, konnte aber nach andertha...