Wenn andere singen...


Es gibt solche, die ihre innere Kraft zur Schau stellen und mit ihrem Können protzen, um andere zu beeindrucken. Andere reisen umher um Menschen zu begegnen, Segen zu spenden oder Zeremonien abzuhalten. Dann gibt es noch jene, die sich zurückziehen um das Leben eines Eremiten zu führen, sich aber insgeheim eine Karriere wünschen. Wieder andere laden großzügig zu Essen und Wein in der Hoffnung auf spätere Gunst. Das alles ist nicht im Sinne des DAO und verunglimpft rechtes Verhalten. All das muss man vollkommen unterlassen.
Wenn ich nicht singe, singt auch niemand mit mir. Wenn andere singen, falle ich nicht mit ein. So können alte Verstrickungen gelöst werden und neue vermieden. Ritualisierte Feste und ungesunde Gelage verlieren nach und nach an Interesse. Man kann sich ganz der Dao-Kultivierung widmen.
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Verwirrung und Unwissenheit des Geistes sind bedingt durch den Ort, an dem er sich niedergelassen hat. Will man sein Verhalten ändern, muss man auch den Ort ändern. Das ist eine große Verbesserung. Auch soll man gut wählen, mit wem man sich umgibt. Wie viel wichtiger ist das alles, will man sich aus dem Kreis von Geburt und Tod befreien und den Geist inmitten des DAO seine Heimstatt nehmen lassen? Ohne das Alte aufzugeben kann man das Neue nicht erreichen.

Deshalb soll ein jeder, der damit beginnt DAO zu kultivieren, seinen Geist sammeln in Ruhe, seine Vorstellungen von der Wirklichkeit fahren lassen und sich der Leere hingeben. Hat man sich der Leere hingegeben und haftet auch nichts Seiendem an, tritt man von selbst ein in einen Zustand der Bedingungslosigkeit. So verschmilzt man mit DAO.

Auszug aus: Sitzen in Vergessenheit -  Daoistische Meditation nach dem Zuo Wang Lun von Sima Chengzhen - ISBN 9783734760464

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