Ich gehe

Mein Leben ist zu einem Draußensein geworden, das Drinnen ist nur Station, Übergang zwischen zwei Draußen. 
Draußen sind die Anderen, jene, die ich kenne und jene, die ich noch nicht kenne, denen ich begegnen möchte. Das Draußen enthebt mich der Sorge ums Ich, dort sorgt alles für sich selbst. Ich verliert an Bedeutung angesichts der Weite des Draußens, angesichts der Unendlichkeit des Raums. Dieser Raum ist nicht zu bewältigen, er ist überwältigend. Da er nicht erledigt werden kann, gib es kein Ziel, gibt es kein Ende. Die Weite es Raums erzeugt Ruhe in der Zeit. Keine Hetze, keine Eile, keine Jagd. Es ist gleichgültig, an welchem Punkt ich mich befinde. Jeder ist gut, jeder ist richtig. 
Ich gehe, weiter. Immer bin ich gegangen. Zur Schule, zur Arbeit, zur Akademie und wieder heim. Die schnellen Transporte, zu denen ich mich auch jetzt noch zwinge, waren nie meins, waren und sind mir immer zu schnell, zu überraschend. Man steigt ein, starrt verwundert hinaus auf die vorbei rauschende Landschaft, die einen nicht berührt, deren Luft man nicht atmet, deren Boden man nicht spürt. Da sind Häuser, Menschen, Bäume, Landschaften. Kaum hat man sie erkannt, sind sie schon ausgetauscht gegen neue. Sie verfliegen wie die Zeit, die man verbringt in dem Gehäuse. 
Das Fahrrad habe ich probiert, es sagt mir nicht zu. Es täuscht. Im Gehen hält man inne, schaut sich um, wechselt Worte. Nicht so auf dem Rad. Es treibt weiter, läuft und läuft. Anhalten kostet Kraft beim neuerlichen Anfahren. Auch muss man das Gerät halten, die Balance wird gestört. Das Fahrrad sagt mir nicht zu. 

Wenn ich gehe, bin ich frei.