Neijingtu 1

Den zweiten Teil der Theorie bilden die Dao-Lessons bei Meister Hu. Er hat hervorragende Englischkenntnisse, weswegen auf eine Übersetzung verzuichtet werden kann. Könnte, wenn seine Aussprache ebenso gut wäre.
Ich finde es immer drollig, wenn Vortragende uns etwas fragen, dessen richtige Antwort wir nur vermuten können. Also sein Thema ist die berühmte Grafik Nei Jing Tu. die Darstellung der inneren Welt. Dann fragt er:"Was ist gemeint mit 'innere'?" Dann gibt es ein paar Antworten, die er mit lächelndem Kopfschütteln quittiert. Als nächstes erklärt er uns seine Vorstellung vom'Inneren' und fragt dann, ob wir glauben das sei alles innen. Schüttelt wieder freundlich den Kopf, nein es sei auch außen. Aber kann man sagen, dass es außen ist? Wieder freundliches Kopfschütteln, nein, es ist ja nur eine Metapher, eine Metapher. Metapher. Das schreibt er dann auch auf die Wandtafel: Metapher.
Nur als Beispiel, damit ihr eine Vorstellung davon bekommt, wie die Vorstellung abgelaufen ist. Aber so kann ich das nicht protokollieren. Deshalb will ich versuchen, es sinnvoll zusammen zu fassen. Wenn es nicht (immer) gelingt, dann weil siehe oben.

Neijingtu, das Bild der menschlichen Anatomie nach daoistischen Vorstellungen, soll von dem berühmten daoistischen Einsiedler Chen Zhuan aus der Epoche der fünf Dynastien (907 - 960) stammen.
Wir finden durchaus Literatur über das Neijingtu. Sehr verbreitet ist, trotz der altväterlichen Sprache, die Interpretation von Erwin Rousselle.
Aber unser Meister wollte mit uns keine Kunstbetrachtung durchführen mit Deutung der im Bilde verwendeten Symbole, nein, er wollte uns wirklich und anwendbar etwas beibringen. Die Bildtafel diente nur zur Unterstützung, zur Veranschaulichung.
Nachdem kurz geklärt, war, dass es sich um etwas Ähnliches wie eine menschliche Gestalt handelt, oben der Kopf, rechts die Wirbelsäule, keine Arme , keine Beine, konzentrierte sich sein Vortag auf den Ochsen, der da im Unterbauch einen Pflug zieht.
Der Eisenochse pflügt das Land. Eine Metapher für Kontinuität, für Beständigkeit, unaufhörliche Bemühung. Wir konzentrieren uns auf diesen Bereich, das untere Dantian. Wir versenken den Herzgeist in das untere Dantian.
Wir haben Sheng, den Körper, Xi, das Herz (Sitz des Geistes) und Yi, die Vorstellungskraft (worunter im allgemeinen alles fällt, was wir als Denken bezeichnen).
Mit der Vorstellungskraft Yi steuern wir den ganzen Prozess, versenken den Herzgeist in das untere Dantian, einen Bereich, drei Fingerbreit unterhalb einer gedachten Linie zwischen Nabel und Nieren.
Dazu erfahren wir noch, dass es zwei Formen des Yi gibt: Zhen Yi (真), wahres Yi und Wang Yi (妄), Täuschung. Als ein Beispiel für wahres Yi wird die Erkenntnis angeführt, dass alles aus der Erde kommt und alles zu ihr zurückkehrt.
Oder, was wir in der alltäglichen Wahrnehmung erfahren, sind die Manifestationen. Es sind die Blüten und Blätter eines Baumes. Darunter finden wir die Zahlen und Symbole, wenn man so will, wäre das die wissenschaftliche Erklärung der Welt mit Hilfe der Mathematik. Sie bilden die Äste und Zweige. Darunter verbirgt sich das Prinzip des Ganzen, der Meister nennt es den Stamm und die Wurzeln. Nun gut, diese Baum-Metapher ist nicht so ganz die meine, aber auch wenn das Beispiel hinkt, es geht vorwärts.
So sollen wir auch das Neijingtu als eine Metapher begreifen, die sich uns offenbart, wenn wir eine gewisse Tiefe der Meditation erreicht haben.

Danke für's bis hierhin lesen, ich denk das reicht erst mal. Wie es weitergeht mit der Meditation, erklär ich dann im nächsten Teil.

Kommentare:

  1. Ja, genau, das hatte ich gemeint gehabt!

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  2. ah jetzt ja, d ergibt sich doch n bild.
    *gespannt auf teil 2 wartet*
    *an die fibonaccisequenz erinnert,weil die baummetapher toll ist*

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