zwanzig vier elf

Das war eine lange Anreise. Wir waren ja früh genug in Beijing, um
dort direkt mit der Frühmaschine weiter zu fliegen nach Xiangfan. Nur
wusste ich damals, vor 8 Wochen, als ich die Buchungen vorgenommen
hatte, noch nichts von dieser Frühmaschine. Bisher, also früher, da
gba es nur einen Anschluss abends. Aber noch früher gab es selbst
diesen Abendflug nur alle drei Tage. Ich hätte also schlau sein
können und mir das denken. War ich aber nicht. Deshalb sind wir mit
dem Zug weiter, wie gehabt. Aber weil wir so früh waren, früher als
früher, hatten wir sehr viel Zeit, bis der Zug kam und die haben wir
mühsam totgeschlagen, während wir immer müder wurden. Mit lecker
essen gehen und tatsächlich auch einem richtigen Kaffee beim KFC. Ich
hab dann, endlich im Zug, auch nicht lange Gesellschaft geleistet und
mich schmerzfrei auf's Ohr gehauen. Um 23 Uhr Ortszeit war ich wieder
wach, konnte aber nach anderthalb Stunden Irving weiterschlafen. Bis
zum frühen Morgen.

Mit ca. 30 Minuten Verspätung, was gemessen an einer Gesamtfahrzeit
von 15 Stunden und rund 1200 km Strecke angemessen ist, kamen wir in
Shiyan an. Vor der Tür unser Abholengel Judy mit einem kleinen Bus,
in den wir alle gerade so reinpassten. In Laoying, auch Wudang-Stadt
genannt, gab es das obligatorische Ankommerfrühstück, in den
Supermarkt bräuchten wir nicht, meinte Judy weil es nun einen Laden
in der Akademie gäbe. Gibt es in der Tat,ist aber bei weitem nicht so
gut bestückt wie unser Alimentari Qu,erst recht nicht, wie der
Supermarkt. Was zur Folge hat, dass wir heute wieder runter fahren in
die Stadt. Aber der Reihe nach.
Der Eintrittspreis ist wieder ein paar Yuan angezogen, ebenso das
einfache Busticket. Endlich oben auf dem Berg geht es gleich los mit
dem großen Hallo. Natürlich auch artiges Begrüßen der Fremden. Mich
hat das immer irritiert, wenn ich her kam und von Anwesenden, die ich
nicht kannte, quasi ignoriert wurde, wie auch, von Neuankömmlingen
als schon Anwesender nicht begrüßt wurde. Ich finde, dass gehört sich
so, "Aha, der berühmte Yürgen." bemerkt aber einer. Möchte mal
wissen, wofür ich bei ihm berühmt bin. Muss ich mal fragen,
unaufgefordert hat er es nicht gesagt.
Es gibt nicht genug Zimmer. Das Police-Hotel ist bis Anfang Mai voll
mit Militärs, was die auch immer hier wollen. Wir sollten deshalb zu
zweit auf die Zimmer. Nö, geht nicht. Weil Judy sich schon auf der
Fahr in dieser Hinsicht als hartnäckig erwiesen hatte, schnapp ich
mir Sonja, tue so als sei es das selbstverständlichste von der Welt
und beginne mit der Zimmerverteilung. Vier müssen rauf zum Nanyan.
Für die Ortsunkundigen; das ist der nächste Ort, ca drei Kilometer
weiter bergauf. Das bedeutet auch, abends, wenn keine Busse fahren,
die drei Kilometer rauf laufen. Aber die ersten beiden dürfen schon
in drei Tagen umziehen in den Dao Yuan, weil dann Platz wird.
Angeblich. Das ganze muss natürlich auch preislich verhandelt werden,
was einige Zeit in Anspruch nimmt, weswegen ich zu spät zum
Mittagessen komme. Hauptsache, wir zahlen nicht drauf. Ich bin
freiwillig mit rauf, auch wenn ich es bedauere, nicht im Hof zu
leben. Aber es befreit mich auch etwas von der Gruppendynamik, von
der ich tagsüber genug abbekommen werde.

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