Der bestirnte Himmel über mir...

Ein wunderschöner Abend nach einem festlichen Dinner. Eine Frau war zu Gast, die sehr selbstbewusst Zhong Xueyong in offener Direktheit und polternder Lautstärke durchaus das Wasser reichen konnte.
Sie war mit ihm zusammen Schülerin bei Zhong Yunlong gewesen, zweite Generation nach der Kulturrevolution. Von ihrer Großmutter Zhao Jianying (1929-2011) hatte sie Taiyi Wuxing gelernt.

Zhao Jianying war Schülerin von Jin Zitao, der Taiyi Wuxing Quan 1910 In Wudangshan gelernt hatte und bei seiner Rückkehr feststellen musste, dass niemand mehr dort lebte, der diese Methode kannte. So fand sie wieder ihren Weg in die Heimat.
Nachdem sie unsere Tafel verlassen hatte erzählte Zhong Shifu noch eine lange Geschichte, deren Sinn ich nur halb erfassen konnte. Deshalb zog es mich auf die Straße, wo ich den langsam anschwellenden Sternenhimmel beobachten konnte.


Die Gestirne waren immer ein wichtiges Gleichnis für das Verständnis des Dao 道 und für viele Sternbilder und Konstellationen gibt es Geschichten, die einerseits im Volksglauben wurzeln, andererseits als Metaphern der Prozesse in der Selbstkultivierung benutzt werden.

Die 5 wichtigsten Planeten sind nach den Wu Xing (Wirkphasen) benannt:
Jupiter - Mu Xing 木星 Holz
Mars - Huo Xing 火星 Feuer
Saturn - Tu Xing 土星 Erde
Venus - Jin Xing 金星 Metall
Merkur - Shui Xing 水星 Wasser

Diese Zuordnungen sind teilweise von den westlichen Attributen weit entfernt. Jedoch kann man durchaus Jupiter als die (aus)treibende Kraft verstehen, Mars, den Kriegsgott, gut dem Feuer unterstellen, oder Merkur, dem im Westen das Quecksilber gehört, als Wasser Element begreifen.
Die anderen Planeten, darunter auch Pluto, sind Könige genannt und entsprechen den westlichen Namen

Uranus - Tian Wang Xing 天王星 Himmelskönig
Neptun - Hai Wang Xing 海王星 Meereskönig
Pluto - Ming Wang Xing 冥王星 König der Unterwelt

Ob man das alles weiss oder nicht. Ein Blick an den Himmel macht uns immer wieder bewusst, wie klein und unwichtig unsere Sorgen und Ängste sind. Das Leben ist ein Geschenk des Himmels und wir haben die Möglichkeit, es zu genießen.

1 Kommentar:

  1. "Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir. Beide darf ich nicht als in Dunkelheit verhüllt oder im Überschwänglichen, außer meinem Gesichtskreise suchen und bloß vermuten; ich sehe sie vor mir und verknüpfe sie unmittelbar mit dem Bewusstsein meiner Existenz.

    Das Erste fängt von dem Platze an, den ich in der äußeren Sinnenwelt einnehme, und erweitert die Verknüpfung, darin ich stehe, ins unabsehlich Große mit Welten über Welten und Systemen von Systemen, überdem noch in grenzenlosen Zeiten ihrer periodischen Bewegung, deren Anfang und Fortdauer."
    Schön, wie ein kompromissloser Denker die Dinge sehen konnte. Mitten in Europa. Vor 250 Jahren. Danke Yürgen und einen schönen Tag Dir. Ich gehe jetzt raus,trainieren: Gruß Rico

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