Motten und so

Qigong, so glauben die meisten, die es nicht machen, ist vielleicht langweilig, vielleicht anstrengend. Man weiß es nicht. Außerdem gibt es da sonst nichts außer der Bewegungen und dann machen sie lieber Pilates im Bodyshop, wo sie sowieso die Jahreskarte haben. Deshalb hatte ich mir gedacht, müsse man ein Buch schreiben, in dem so viel Interessantes drin steht, dass es den meisten egal ist, ob es von Qigong oder dem Sand in der Wüste handelt. Hauptsache, interessant. So begann ich mit dem Buch über den zwölfteiligen Brokat und allem anderen*.
Dann hab ich erfahren, ein gewisser Bill Bryson schreibe solche Bücher - und tatsächlich tut er das, wenn auch nicht über Qigong. Zumindest habe ich sehr beunruhigt sein Buch "At Home" gelesen, nach dessen Lektüre ich verwundert war, dass die menschliche Rasse überlebt hat, nach allem, womit wir uns schon vom Mittelalter an oder noch früher vergiftet haben. Denn darauf laufen alle Kapitel seines Streifzugs durch das eigene Haus hinaus. Ein alten Pfarrhaus von 1851, welches er zum Vorwand nimmt, uns mit den einzelnen Räumen bekannt zu machen und mit dem, was er über diese Räume, nicht nur die des Pfarrhauses, sondern generell in der Historie Englands, recherchieren konnte. Ob es der nicht abziehende Rauch oder die bleihaltige Farbe in den Tapeten sind, die Chemikalen zum Färben des "Frischfleischs" oder die Bleichmittel in der Wäscherei, sie haben sich vergiftet, ganz gleich, in welchem Zimmer sie sich aufhielten. Dazwischen erzählt Mr Bryson sehr viel anderes interessantes Zeugs, was man zwar gleich wieder vergisst, aber unterwegs ist es unterhaltsam.
Nachdem ich At Home gelesen hatte, wusste ich, dass der zwölfteilige Brokat nicht so unterhaltsam würde, weil ich nicht nur unterhalten wollte, sondern den interessierten Lesern tatsächlich Informationen liefern wollte, die einen gewissen Nutzen haben könnten. Vielleicht empfinden die Menschen es nicht so unterhaltsam, wenn es um ihre Gesundheit geht, wie wenn es sich um die Erkrankungen, Vergiftungen, Todesfälle dreht.


Nun muss ich erfahren, dass es anscheinend ein Hugh Raffles noch besser über Insekten hinbekommen hat. Für mich sind Insekten zwar bezaubernde Wesen, auch bewundere ich deren Vielfalt, Aber ein Buch über Insekten zu lesen, das wäre doch so wie über den Sand in der Wüste. Aber Herr Raffles hat Preise und Auszeichnungen bekommen für sein Werk. Zum Glück brauch ich es jetzt nicht lesen, um darüber zu schreiben, das hat ein Herr Patzer sehr ausführlich getan.

Ob es mein Buch über den zwölfteiligen Brokat auch schafft zu einer Auszeichnung? Fraglich. Aber sicher findet es  den einen oder anderen geneigten Leser. Demnächst an dieser Stelle ein paar Lesermeinungen darüber.

*Es gibt das Buch Der Zwölfteilige Brokat und alles andere jetzt auch als Paperback.

Kommentare:

  1. Weil zu Beginn des Buches die Rede davon ist, bei uns gäbe es keine Vorstellung von Lebens- oder wie-auch-immer-Energie, mal dies von Max Planck:

    In einem Vortrag "Das Wesen der Materie" im Jahre 1944 sagte Max Planck in Florenz/Toskana/Italien Folgendes.

    "Als Physiker, der sein ganzes Leben der nüchternen Wissenschaft, der Erforschung der Materie gewidmet hat, bin ich sicher von dem Verdacht frei, für einen Schwarmgeist gehalten zu werden. Und so sage ich nach meinen Erforschungen des Atoms dieses:

    Es gibt keine Materie an sich! Alle Materie entsteht und besteht nur durch eine Kraft,
    welche die Atomteilchen in Schwingung bringt und sie zum winzigsten Sonnensystem des Alls zusammenhält.
    Da es im ganzen Weltall aber weder eine intelligente Kraft noch eine ewige Kraft gibt - es ist der Menschheit nicht gelungen, das heiß ersehnte Perpetuum mobile zu erfinden -, so müssen wir hinter dieser Kraft
    einen bewussten, intelligenten Geist annehmen.
    Dieser Geist ist der Urgrund aller Materie!

    Nicht die sichtbare, aber vergängliche Materie ist das Reale, Wahre, Wirkliche, sondern der unsichtbare, unsterbliche Geist ist das Wahre!
    Da es aber Geist an sich ebenfalls nicht geben kann, sondern jeder Geist einem Wesen zugehört, müssen wir zwingend Geistwesen annehmen. Da aber auch Geistwesen nicht aus sich selber sein können, sondern geschaffen werden müssen, so scheue ich mich nicht, diesen geheimnisvollen Schöpfer ebenso zu benennen, wie ihn alle Kulturvölker der Erde früherer Jahrtausende genannt haben: Gott!

    Damit kommt der Physiker, der sich mit der Materie zu befassen hat, vom Reiche des Stoffes in das Reich des Geistes. Und damit ist unsere Aufgabe zu Ende, und wir müssen unser Forschen weitergeben in die Hände der Philosophie."


    Weiters hatte Wilhelm Reich von der so genannten "Orgon-Energie" gesprochen, wurde aber, weil man es im Zusammenhang mit Lebenskraft oder -energie auch immer mit erotischer Kraft zu tun hat, im prüden Amerika einfach eingelocht. Seine Forschungen führten zu einem Apparat aus Aluminium und Bergkristall zum Aufladen mit Lebenskraft.
    Bei meinen früheren tagelangen Bergwanderungen hatte ich das Phänomen beobachtet, daß meine Brotzeit in einer Aludose mit Quarzkristallen länger als erwartet frisch blieb.

    Wenn wir auch in unserem Kulturkreis gewissenhaft forschen, können wir auf Interessantes stoßen.
    Aber es wird wohl noch eine gewisse Zeit dauern, bis man erkennt, daß man nicht alles zum Kapitalisieren nutzbar machen muss, um gesund, erfüllt und glücklich leben zu können.

    Ich erlerne gerade die 18 Qigong-Übungen der DVDs. Im Laufe der Zeit kann man Kraft und vor allem Wärme bis hin zur Hitze zwischen den Händen und den Kraftpunkten regelrecht spüren. Und ich entsinne mich eines bestimmten Youtube-Filmes von Wudang-Meistern - in diesem Film war das beinah greifbar. Leider nicht mehr zu sehen.
    Aber es geht ja nicht ums Spektakel für zivilisations- sensationsverwöhnte kraftlose Industriemenschen, welche kaum mehr als ein Nervenkitzel aus den Perlen zu ziehen vermögen, die man ihnen anbietet.

    Der nächste Schritt zur völligen Entkräftung wird der so genannte Transhumanismus sein. Hier geht es darum, Menschen den Maschinen ähnlicher zu machen.

    Manchmal habe ich den Eindruck, daß es westlichen Menschen allzu oft genau um das geht, wenn sie fernöstliches erlernen: Funktionieren zu können wie Maschinen, "kräftig" sein zu können wie Maschinen. Welch eine sinnentleerte Verschwendung an Energie und Kraft!

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  2. Danke übrigens für den sehr ausführlichen, wenn auch etwas zur Seite ausweichenden Kommentar. Aber davon leben wir ja, davon, nicht immer geradeaus zu laufen, sondern nach links und rechts zu schauen, weil es auch dort interessantes zu finden gibt. So kann man herrlich in einem Labyrinth der Worte und Gedanken, der Ereignisse und Erscheinungen seine Lebensjahre verbringen. Oder dem ganzen doch etwas mehr Sinn geben.

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