Nach ein paar Tagen

Wir sind dann rauf. Nachdem wir dem Schuhhändler, der mich gleich freudig begrüsste, den Laden zumindest an den besten Schuhen meiner Meinung, leergekauft hatten. Die Taxi fahren jetzt alle mit Uhr und da kostet die Strecke von Supermarkt zum Tor 5 Yuan (60 cent). Früher haben sie uns gerne ohne Uhr mitgenommen und freundlich 10 Yuan verlangt.

Oben sind wir nicht in dem Hostel hinter der alten Akademie, sondern im Tian Lu Hotel, dort wo 2005 alles angefangen hat. Kreise, die sich schließen.

Am Nachmittag erstes Training, Einschätzung des Kenntnisstandes. Wir sind ja nur eine kleine Gruppe, mit mir sechs Leute. Drei lernen die Fünf Tiere, Einer TaijiSchwert, einer die 13er Form und ich Fuchen, die Pferdeschwanz-Peitsche.


Wir trainieren vorwiegend im Tempel, dem Purpurwolken Palast, oben neben der Papamama Halle.

Jetzt sind wir schon einige Tage vor Ort. Die Neulinge haben die Anlaufschwierigkeiten überwunden. Nun geht es darum, diesen wundersamen Geist der Wudangberge zu erfassen. Ich denke, der Zauber hat sie schon umfangen.

Hin

Auf dem Flughafen werde ich angerufen. Jemand möchte wissen, wann ich in Mainz wieder Kurse anbiete. „Ich bin auf dem Weg nach China“ sage ich so dahin. Weil es für mich etwas fast alltägliches geworden ist, auf dem Weg nach China zu sein. Oder eben dort. Später, als eine meiner Mitreisenden sagt, dass sie kaum glauben kann, dass es jetzt wahr ist. wird mir klar, für andere ist es bei weitem nicht alltäglich. Wie das wohl geklungen hat für den Anrufer?

Vor mir sitzen ältere Herrschaften, die schon vor dem Start etwas von der Flugbegleiterin wissen wollen, was diese aber nicht versteht. Es sind Spanier, weder des Englischen noch des Chinesischen mächtig. Ich kann helfen. Wann es zu essen gäbe. Ob es denn um halb drei was zu essen gäbe. Sie haben auf ihr Mittagessen verzichtet, weil es doch was im Flugzeug gibt. Nun haben sie Hunger.


Von nun an bin ich ihr Freund. Auch wenn ich kurz nach dem Start meinen Platz wechsle, abgesprochen, weiter vor, am Notausstieg. Mehr Beinfreiheit. Aber auch hier kann ich meinem neugewonnenen spanischen Freund helfen, der nicht versteht, wann eine Toilette frei ist.

Nach langen mehr oder minder schlaflosen Stunden die Landung in Peking. Neu werden jetzt auch Fingerabdrücke genommen bei der Einreise. Werden wohl mit den Abdrücken im biometrischen Pass abgeglichen.

Ansonsten hat alles eine zügige Taktung. Wir kommen raus und der Bus zum Westbahnhof steht schon da. Fahrscheine kaufen und ab geht es. Langsam, Berufsverkehr. Wir können in Ruhe die Rosensträucher genießen, die kilometerlang rechts und links der Straßen stehen. Kurz nach unserer Ankunft kommt auch Stephan dazu, der schon am Vortag aus der Schweiz angereist ist. Auch die Abholung der Zugtickets verläuft relativ stressfrei. Da hatten wir schon schweisstreibendere Erlebnisse. Alles Gut. Rein in den Bahnhof, rauf in den Wartesaal und weiter geht es zum Gleis, in den Zug. Bett. Jetzt ist erst mal Ruhe.

In Shiyan werden wir gleich von Fahrern empfangen:“Wudangshan?“ Ja, richtig. Aber falscher Fahrer. Der richtige kommt wenige Minuten später, bringt uns nach Laoying, wo wir Nudelsuppe essen, mal zum Yuxi Vorhof gehen, wo früher die Leute um Yuan Xiugang trainiert haben, aber der ist umgezogen. Ständige Veränderung überall.

Neues Reisetagebuch

Hiermit beginnt mein neues Tagebuch der aktuellen Reise nach Wudangshan.
Letztes Jahr musste Meister Zhong aus dem Gebäude, welches er angemietet hatte, ausziehen. Er wollte ein Haus am Wulong Gong umbauen lassen und dort seine neue Schule errichten. Aber er bekam keine Baugenehmigung. Nun sind wir weiterhin am Zixiao Gong, dem Purpurwolken Palast, unsere kleine Gruppe in einem Hostel untergebracht. So soll es sein, wie es wird, werden wir sehen.
Noch sitzen wir in Frankfurt am Flughafen und warten auf den Start.
Also, dran bleiben und keine Nachrichten verpassen.
Möge die Übung gelingen.

Altes Holz mit frieschen Trieben