Guck mal, dein Gehirn wie Tetris (Mehr Alpha Zeugs)

Der promovierte Molekularbiologe Matthieu Ricard, seit 1967 Mönch in der Tradition des tibetischen Buddhismus, stellte sich 2001 dem Gehirnforscher Richard Davidson in Madison USA zu Studien über die Veränderungen im Gehirn in verschiedenen Stadien der Meditation zur Verfügung. Hierzu hatte das Team in Absprache mit Ricard ein Programm aufgestellt, bei dem im Wechsel zwischen einer neutralen Einstellung und verschiedenen Meditationen die Hirntätigkeit im fMRT gemessen und mit bildgebenden Verfahren dargestellt werden sollte.
Im weiteren zitiere ich aus Davidsons Buch ‚Warum wir fühlen, wie wir fühlen‘ 2012 Arkana, München.



Wir wussten, dass wir die Gehirntätigkeit während der Meditation aufzeichenen wollten, aller Voraussicht nach im fMRT, aber ganz so einfach war die Sache nicht. Diese bunten Bilder, die Laien so viel Freude machen, haben in etwa so viel Ähnlichkeit mit den tatsächlichen Daten wie ein Rembrandt mit einer verschmierten Palette. Erstens sind die Rohdaten digitalisiert. Wenn also bestimmte Gehirnareale in Rot, Blau oder anderen Schattierungen abgebildet werden, sind diese Farben willkürlich gewählt. Und was noch wichtiger ist, im fMRT lässt sich die Gehirntätigkeit nicht isoliert messen. Was dabei herauskommt, ist lediglich das Ergebnis einer Substaraktion: Die Aktivität, die für das Gehirn im ruhenden Zustand charakteristisch ist, wird von der Aktivität abgezogen, die während der im Experiment gestellten Aufgabe aufgezeichnet wird.
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Es stellte sich also die Frage, welchen Ruhe- bzw Referenzzustand wir vom Meditationszustand subtrahieren sollten.
Eine weitere Frage war, wie lange Matthieu meditieren musste, bevor er den „meditativen Zustand“ erreichte. Es ist ja nicht etwa so als müsse man nur einen Schalter umlegen.

Nach einigem Herumprobieren entschied Matthieu, dass zweieinhalb Minuten die richtige Länge für die Meditationsphasen waren. Als Referenzzustand schlug er das sogenannte Lumaten vor, ein tibetisches Wort für einen geistigen Zustand, in dem man weder schläft noch meditiert, sich aber auch nicht auf etwas Besonderes konzentriert.

Als wir schließlich soweit waren…, schaute ich auf den Zeitplan:“Okay, Matthieu; Lumaten.“ Drei Minuten später:“Matthieu, jetzt bitte Mitgefühlsmeditation.“ Zweieinhalb Minuten später:“Jetzt wieder Lumaten.“ Nach sechs solcher Durchläufe legte Matthieu eine kurze Pause ein, bevor wir mit der Achtsamkeitmeditation begannen.

Anschließend folgetn sechs Zyklen mit offener Vergegenwärtigung… und zum Schluss kamen noch sechs Durchläufe Demutsmeditation.



Diese CT Aufnehmen eines Gehirns dienen nur der Illustration. Die Originalbilder können aus urheberrechtlichen Gründen nicht online gezeigt werden.

Die Daten von Matthieu lieferten tatsächlich einen ersten Beweis dafür, dass das Praktizieren bestimmter Meditationsformen zu dramatischen Veränderungen in den mit unserer technischen Ausrüstung messbaren Gehirnfunktionen führt. (Hervorhebung von mir) Wir saßen vor mehreren Computerbildschirmen und schauten uns die Serie von Strukturdiagrammen an, die das Team für uns aufbereitet hatte. Die Farbkleckse zeigten die unterschiedlichen Aktivitätsgrade an, die überall im Gehirn während der unterschiedlichen meditativen Zustände im Vergleich zum Referenzzustand Lumaten gemessen worden waren. Ich wollte Mitgefühl, fokussierte Aufmerksamkeit, offene Vergegenwärtigung und Hingabe nebeneinader sehen. Mit rasenden Gedanken und klopfendem Herzen schaute ich zum ersten Mal in ein meditierendes Gehirn. Dabei fiel mir auf, wie anders sich die vier Übungen darstellten. Obwohl sich die Zustände ausschließlich auf einer rein menatlen Ebene voneinander unterschieden – Matthieu befasste sich lediglich mit jeweils anderen Gedanken – waren in den Abbildungen des Gehirns klare Unterschiede in den Aktivitätsmustern festzustellen.


Zitat Ende

Davidson fand mit Hilfe des Dalai Lama weitere meditationserfahrende Probanden für seine Untersuchungen und betreibt nun mit geradezu missionarischem Eifer sein Projekt Change your Mind. Change the World im Center for Investigating Healthy Minds at the Waisman Center, UW-Madison.

Vor etwa 4 Jahren hielt der buddhistische Mönch und promovierte Molekularbiologe Matthieu Ricard (http://de.wikipedia.org/wiki/Matthieu_Ricard, siehe auch Abb. 1) am Europäschen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg (http://www.embl.de/) einen Vortrag über wissenschaftliche Untersuchungen an sehr meditationserfahrenen buddhistischen Mönchen. Mehr darüber...

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