Wulonggong

Als es eine große Dürre gab, bat der Herrscher die am Wudangshan lebenden Daoisten, doch einen Regenzauber zu veranstalten. Wenn es denn gelänge, gäbe es auch einen Tempel zu ergattern. Die Jungs hatten Glück oder echt was drauf und als die Ernte eindeutig gerettet war, ließ sich der Herrscher auch nicht lumpen und baute den Daoisten den Wulonggong, was bedeutet, Palast der fünf Drachen.
Zunächst lässt sich daraus lernen, dass Daoisten jener Zeit durchaus auch einem Zauber nicht abgeneigt waren, wenngleich es dem daoistischen Prinzip des Nichteingreifens ja widerspricht, mittels eines Hokuspokus den Lauf der Dinge zu beeinflussen. Schon Laozi, der damals wie heute als der große Vorsitzende galt und gilt und dessen rotes Büchlein Daodejing neben jedes Daoisten Kopfkissen zu liegen hat, war der Wahrsagerei und magischem Tand abgeneigt. Dennoch, als sich die Lehre von der reinen Philosophie auch in ein religiöses Gewand kleidete, womit ja beim einfachen Volk leichter ein Groschen zu machen ist, da nahmen sie alles mit und hinein, was nicht niet- und nagelfest war. Wie man an der Geschichte sieht, hatte es der Wudang-Fraktion schon früh einen schönen Tempel eingebracht.
Warum er den fünf Drachen geweiht wurde hatte seine Bewandtnis darin, dass wohl schon zu jener Zeit der Zhen Wu Kult gepflegt wurde. Dieser Herr, von Geburt her ein Prinz, der Prinzenrolle aber abgeneigt, erlangte nach über 40jähriger  Kasteiung und Selbstkultivierung die Unsterblichkeit. Zur Verleihung dieser Würde trugen ihn fünft Drachen auf den Himmelspfeiler, wie der höchste Berg im Wudanggebirge genannt wird.
Wir waren gestern mal da, im Wulonggong. Man hat in den letzten Jahren dort, wo bei meinem ersten Besuch nur zwei Giebelwände und eine verbindende Rückwand stand, einen nagelneuen Tempel errichtet. Hat wohl mal wieder geregnet.

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