in einer Welt mit zwei Monden*


Beijing, wir besuchen den alten Hutong , der vor fünf Jahren ein recht beschauliches Viertel war. Inzwischen hat es sich zu einer Art Rüdesheimer Drosselgasse/Fressgasse/Oktoberfest entwickelt, überschwemmt von lustigen Touristen und modernen, albern vor sich hin hupenden Fahrzeugen, die den klassischen Rikschas den Rang ablaufen. Aus dem Gedränge weichend in eine ruhigere Gasse finden wir als erstes eine französische Patisserie, mit alten Möbeln barockgerahmten Gemälden und Kaffee. Wir sind in China, in Beijing und einem alten Stadtviertel in einer französischen Confisserie, mit France Gall Liedchen und einer Nussknackermännersammlung in der Vitrine. Fänden wir das, sagen wir mal in Ungarn vor, würden wir uns weniger wundern. In Tennessee schon eher.

Später, am Flughafen, habe ich vergeblich versucht, eine junge Frau zu fotografieren. Lange, glatte, schwarze Haare und ein T Shirt mit der fetten Schrift BLOND.

Wir so, laufen über den historischen Platz mit den alten Häusern auf dem Weg runter zum Fluss. Rund um uns natürlich Chinesen, nur Chinesen. Aber dann wird mir bewusst, dass wir in Frankfurt sind, am Römer, doch tatsächlich sind wir die einzigen La
ngnasen. Als wolle die Reise überhaupt kein Ende nehmen.

*die Überschrift bezieht sich auf den Roman 1Q84 von Haruki Murakami, den ich während der Reise gelesen habe.

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