Lernen

Lernen ist nicht möglich ohne die Vorstellungskraft. Im System der 5 Wirkphasen ist es der Erde-Aspekt des Geistes und wird in der daoistischen Philosophie Yi genannt. Man muss das, was man sieht oder hört sinnvoll speichern und verstehen. Man muss es erinnern können, um es zu wiederholen. Das ist der Vorgang des Lernens.

Lernen kann allerdings auch verhindert werden durch die Vorstellungskraft, nämlich dann, wenn sie sich vor die Erfahrung schaltet, wenn man glaubt schon zu wissen, was man lernen soll. Oder wenn man sich vorstellt, es nicht lernen zu können, ohne es versucht zu
haben.
Der Lehrer zeigt etwas und der Schüler denkst dabei, aha, schon verstanden, aber in wenigen Minuten, weiss er nicht mehr den geringsten Teil davon.
Oder: Der Lehrer zeigt etwas und der Schüler denkt dabei, ojeh, das versteh ich nun überhaupt nicht. Dann ist schon die Türe zu.
Es braucht Offenheit. Die Bereitschaft, etwas aufzunehmen. Wer glaubt, zu verstehen, ist nicht offen, da ist die Türe zu.
"Wir geben nichts, wir kaufen nichts, wir haben schon eine Religion." Ist die Türe zu, gibt es keine Chance.

Vor der Erde kommt das Feuer, die Erde wird von Feuer genährt. Deshalb habe ich gesagt, die Erde frisst das Feuer, bzw. Yi frisst Shen. Genau das aber geschieht, wenn das Erfahrene nicht im Feuer geläutert wird. Das klingt etwas dramatisch, ist aber letztlich sehr zutreffend.
Wahrscheinlich werden wir in der Informationskultur mit dermaßen übermäßig vielen Eindrücken gefüttert, dass wir nicht mehr bereit sind, daraus echte Erfahrungen zu sammeln, die uns bereichern könnten. Die Tasse ist randvoll.

Wir lassen nichts mehr an uns ran und letztlich perlt es von uns ab wie von einem Lotus-Anstrich. Dabei bekomme ich immer wieder zu hören, man könne alles lernen. Das nenne ich eine Pipi-Langstrumpf-Philosophie: Ich mach mir die Welt, widdewiddewie sie mir gefällt.
Na dann lernt doch Levitation, Telekinese und Gedankenübertragung. "Wenn nur genug von uns etwas für wahr halten, dann ist es für alle wahr."
Was übrig bleibt ist Ironie.

Was fehlt, ist das Herz. Lernen setzt voraus, etwas von ganzem Herzen zu wollen, sein Herz dafür zu öffnen. Dann können Informationen zu Eindrücken werden und Eindrücke werden erfahrbar und formen das Wesen.
Mit offenem Herzen ist man durchdrungen und wird eins. Das ist Lernen.

Have a rest

Morphische Felder

Als morphisches Feld, bezeichnete der britische Biologe Rupert Sheldrake ein hypothetisches Feld, das als „formbildende Verursachung“ für die Entwicklung von Strukturen sowohl in der Biologie, Physik, Chemie, aber auch in der Gesellschaft verantwortlich sein soll.
Er stützt seine Hypothese auf verschiedene Erfahrungen aus der Biologie, zum Beispiel Labyrinthversuche mit Ratten, aber auch auf noch ungeklärtes "Lernverhalten" bei der Züchtung von Kristallen. Auch wird gerne der moderne Mythos vom Hundertsten Affen angeführt. Der „Selbstentwicklungs“-Guru Ken Keyes erklärt solche Phänomene folgendermaßen: „Wenn eine kritische Anzahl ein bestimmtes Bewusstsein erreicht, kann dieses neue Bewusstsein von Geist zu Geist kommuniziert werden.“

Ich hätte nun hier noch eine andere Beobachtung anzubieten, welche die Existenz morphischer Felder belegen könnte. Im Jahre 2007 wurden hier auf den Wudangbergen öffentliche Busse eingeführt, um den Verkehr zu beruhigen. Bis dahin fuhren beliebig Reisebusse, Taxis, LKWs und PKWs auf der schmalen Straße, nun außer den Bussen nur noch Fahrzeuge der hier ansässigen Menschen (und jenen, die es sich leisten können, genug für einen "Passierschein" zu zahlen). Jedenfalls hat es den Betrieb beachtlich reduziert. Wir konnten nun erstaunt beobachten, dass dem gemeinen Chinesen anscheinend das Busfahren auf kurviger Strecke nicht besonders bekommt. Schon am Einstieg beim Fahrer hingen Plastikbeutel, die auch reichlich dazu benutzt wurden, die letzte Mahlzeit wieder aufzunehmen. Nun ließ sich von Jahr zu Jahr beobachten, dass die Anzahl der Menschen in diesem bedauernswerten Zustand abnahm. Heute hängen keine Tüten mehr in den Bussen, Übelkeit ist einigen anzusehen, aber meistens beherrschbar.

Es gibt dazu mehrere Erklärungsmöglichkeiten.
1) Die Chinesen sind inzwischen durch häufigere Reisen das Busfahren gewohnt.
2) Die kurvenreiche Strecke in den Wudangbergen hat sich rumgesprochen und schwache Mägen kommen nicht mehr hierher.
3) Morphische Felder

"Wenn nur genug von uns etwas für wahr halten, dann wird es für alle wahr." (Lyall Watson)


Da ich nicht weiß, ob die integrierten Links im Blog übernommen werden, hier noch einmal:
http://de.wikipedia.org/wiki/Morphisches_Feld
http://de.wikipedia.org/wiki/Hundertster_Affe

Beweggründe

Letztes Jahr, als die Straße neu asphaltiert wurde, mussten wir immer ein Stück des Weges, entlang der aktuellen Baustelle, zu Fuß laufen, da die Busse dort nicht vorbei konnten. Sie hielten immer schon vorher und der nächste Bus stand auch nicht immer direkt hinter der Baustelle, denn sie mussten dort halten, wo sie auch drehen konnten. Eines Tages waren
wir schon ein Stück gelaufen, vor uns vier Jungs aus der Akademie, die plötzlich an einer Stelle über die Leitplanke stiegen und einen schmalen Pfad bergab liefen in Richtung Stadt. Wir folgten ihnen und lernten so diese Abkürzung kennen.
Heute wollten wir diesen Pfad zurück gehen, verfehlten ihn, kletterten durch duftende Mandarinenhaine steil bergan, bis wir endlich, kurz vor der Straße, auf den alten Pfad stießen. Oben angekommen, während wir rasteten, machte ich den Vorschlag, wenn es sich nicht als zu weit herausstellen sollte, die Schule von Meister Chen Shiyu am Huilong
Tempel zu besuchen.
Wir machten uns auf den Weg, aber nach wenigen hundert Metern überholte uns ein SUV, ich warf einen kurzen Blick hinein und rief gleich: "Zhong Xueyong!" Mein alter Freund und erster Lehrer hier in den Bergen.
Er hatte mich auch erkannt, hielt an und ließ uns einsteigen. Warum wir denn liefen, statt mit dem Bus zu fahren, wollte er wissen. Noch während ich nach den Worten suchte, ihm unseren Beweggrund zu erklären, ging es mir durch den Kopf:"Um dich zu treffen."
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Aus neu mach alt

Wenn es mal gut geht mit den Erneuerungen, dann entsteht zum Beispiel der neue YuXu Palast unten in der Stadt Laoying . Der Palast ist nicht neu, im Gegenteil. Aber sein Zustand.
YuxuGong wurde 1413 erbaut, mit 2000 (zweitausend) Räumen eine der größten Anlagen in Wudangshan überhaupt, bis zu seiner Zerstörung 1745. Heute stehen in der den Bezirk umgebenden Mauer noch die Reste der Türme und Tore, auch diese bis vor kurzem noch dachlos wie Zahnstummel inmitten verwilderter Plätze. Einige der in Laoying ansässigen Kungfu-Schulen nutzen die Anlage zum Training. Zwischenzeitlich wurden die Dächer wieder hergestellt, die Gebäude gesäubert aber nicht komplett saniert, so dass der Eindruck des Alten erhalten blieb.
Das verdient eine besondere Erwähnung, weil inzwischen viele Tempel und Tore komplett saniert wurden, Tore und Fenster neu eingesetzt, wobei zu betonen ist, bisher immer aus Holz und in sauberer handwerklicher Ausführung. Auch die Bemalungen wurden restauriert, sicher in den früher auch üblichen kräftigen Farben, die an anderen Stellen noch verblasst zu sehen sind. Das lässt romantisch verblendete Besucher oftmals entrüstetet aufwallen ob der Kulturschändung. Ihnen sei zur Beruhigung gesagt, dass bei dem Klima, den starken Temperaturschwankungen und der Feuchtigkeit in ein paar Jahren alles wieder wie alt aussieht.

Was auch sehr alt aussieht sind die Bewegungen des Tai Yi Quan, die mit zeitgenössischen Vorstellungen von Kungfu, wie man es in den zunehmend auch im Westen populär werdenden Martial Arts Filmen sehen kann. Hatte ich mir vorgenommen, diese Technik bei diesem Aufenthalt zu lernen, kamen mir  die Wiederholungen oder immer wieder ähnlich aussehenden knappen Bewegungen doch zu irritierend vor. Statt dessen beschäftige ich mich mit der antiken Version des Wu Xing Qi Gong, auch fünf Tiere genannt. Ich bitte an dieser Stelle jene um Nachsicht, die bei mir letzten Sommer die moderne Version gelernt haben. Aber ehrlich, jetzt fühlt sich die Schildkröte wie eine Schildkröte an. Tiere, die dafür berühmt sind, sehr alt zu werden.


Blütenregen

Wir sind hier angekommen bei 28 Grad und nun ist es seit Tagen unter 10 Grad. Und feucht. Kein Wetter, um die schöne Landschaft zu genießen. Da bleibt man in den Trainingspausen im Haus und ist froh, ein Buch dabei zu haben.
Ich bin kein Freund von Richard Wilhelm. Man mag ihm anrechnen, dass er früh den Deutschen (und in der Folge der Übersetzungen auch anderen Völkern) ein Stück chinesischer Kultur nahe gebracht hat. Überraschend ist, dass nun, fast hundert Jahre später, seine Texte immer noch in vorderster Reihe stehen und neuere Werke offensichtlich an wesentlichen Stellen sich immer noch an ihm orientieren. Dabei wimmelt es bei Wilhelm nur so von Fehlern und Fehlinterpretationen. Nehmen wir nur den Titel seiner Zhuang Zi Übersetzung. Steht noch heute stolz drauf 
"Das wahre Buch vom südlichen Blütenland". 
Der Verlag wäre auch blöde, so etwas blumig phantastisches zu ändern. Im Allgemeinen wird das Buch in Fachkreisen und in China nach seinem Autor Zhuang Zi genannt. im Jahre 742 unter Kaiser Xuanzong den Ehrentitel „南華眞經", Nan Hua Zhen Jing.
Fangen wir hinten an: Jing = Klassiker, Zhen = echt, real, wahr. Nan ist auch noch einfach = Süden, dann müsste Hua Blütenland heißen. Tut es aber nicht. Es ist eine in früheren Zeiten gebräuchliche Bezeichnung für China gewesen. Das wahre Buch aus dem Süden des Landes. Oder einfach aus dem Süden. Klingt nicht so verkaufsträchtig und Herrmann Hesse hätte es womöglich auch nicht in die Hand genommen.
Nun gibt es zwar ein Schriftzeichen hua 花, welches in der Tat 'Blüte' bedeutet, aber das kommt in dem kaiserlichen Titel nicht vor. Da macht uns Herr Wilhelm was vor. Eine Stilblüte sozusagen. So geht es durch all seine Transkriptionen. Wenn ihm nicht genügte, was die Alten schrieben, dann machte er sich seinen eigenen Reim darauf. Einige Freiheiten des protestantischen Missionars hatte ich schon länger entdeckt. 
Hans Georg Möller macht in seinem Buch "In der Mitte des Kreises", das schon vor einigen Jahren erschien, auf die Feinheiten aufmerksam, wo Wilhelm bei seiner Zhuang Zi Bearbeitung knapp am Daoismus vorbei gedacht hat. So haben auch die Regentage ihr Gutes. Morgen soll es vorbei sein mit dem Nass.

Affentheater

Wohin es führen kann, wenn Yi Shen ausser Kontrolle gerät, lässt sich hier leider im "Tal des sorglosen Lebens" betrachten. Ich übersetze den Namen des Tales so, im Original Xiao Yao Gu 逍遥谷, was mir Google mit Happy Valley übersetzt. Für die Touristen heißt es Monkey Valley, denn man hat Affen, Makaken, mit regelmäßiger Fütterung aus den Bergen in das Tal gelockt. Derzeit sind keine zu sehen. 
Man hat umfangreiche Renovierungsmaßnahmen eingeleitet. Die Fußwege wurden neu mit Platten ausgelegt. Mit Betonplatten, die mit Halzmaserung verziert nach gesägten Brettern aussehen. Auch alle Stege wurden erneuert. Teilweise führt der Weg so nah an den Felsen entlang, dass man Stege gebaut hatte. Das Holz ist im Laufe der Jahre weggefault und an manchen Stellen war die Strecke nicht mehr oder nur mit Risiko passierbar. Auch hier ist alles neu.
Alles aus Beton. Die Geländer sehen aus wie aus Baumästen gezimmert. Sehr kunstvoll, muss man zugeben. Alles Handarbeit, mit viel Phantasie und Detailverliebtheit. Risse im Holz, abgeplatzte Rinde, angeschimmelte Stellen, Astlöcher, alles überzeugend gearbeitet. Wer nicht genau hinschaut und nichts anfasst, glaubt die Täuschung. Teilweise hat man den Weg auch durch große Felsplatten geebnet. Auch aus Beton. Nicht als wenn es hier kein Holz oder keine Felsen gäbe. Aber Beton, glaubt man, ist haltbarer. Nur wenn es denn an manchen Stellen, wie bereits geschehen, doch abbröckelt, dann sieht es beschämend aus. Es sieht überhaupt beschämend aus und wir haben nach wenigen hundert Metern kehrt gemacht. Bisher war das Tal eines meiner Lieblingsplätze.
Jetzt hat Yi Shen das Herz gefressen.

Yi vs. Yuan

Die Frage an den Meister war, wenn es ein Yuan Qi (Erb- oder Ursprungsqi) gibt, ob es dann auch etwas wie Yuan Shen (Ursrungsgeist) gebe.
Meister Guan antwortete:
Yuan Shen ist jener Aspekt, der im Herzen sitzt - so wie das Ursprungsqi in den Nieren lagert. Ähnlich wie jenes im Laufe des Lebens verbraucht wird, um aus dem Qi der Nahrung und dem der Atmung das Wahre Qi herzustellen, so wird Yuan Shen verbraucht durch Yi Shen.
Nun sollte ich an dieser Stelle besser erst einmal die Begriffe erklären.
Qi ist die Lebenskraft, Shen ist das Geistige.
Yuan meint Urspung.
Yuan Qi entsteht im Augenblick der Zeugung aus dem Yang Aspekt des Vaters und dem Yin der Mutter. Ebenso ist es mit dem Yuan Shen.
Der Ursprüngliche Geist bleibt erhalten bis zum Augenblick der Geburt. In dem Moment beginnt Yi Shen sich zu regen. Die Eindrücke der Welt gelangen nun über die Sinnesorgane in den Geist, der sie verarbeitet. Es entstehen Gedanken.
Yi Shen gehört zu der Wirkphase Erde und wird von Feuer hervor gebracht und genährt. Yuan Shen ist Feuer
Yi Shen ist der akt.ive, denkende, analysierende Geist, ist Imagination.
Da Yi Shen Yuan Shen verbraucht, seine Mutter frisst, soll er ruhig werden, nicht zu aktiv sein. Das ist Sinn der Meditation, den aktiven Geist zu beruhigen, um das Herz zu schonen.
Yuan Shen und Yi Shen gehören zusammen, sind Yin und Yang und nur gemeinsam hilfreich. Die Vorstellungskraft ist ein wertvolles Werkzeug, welches uns zur Verfügung steht. Es soll aber im Zaum gehalten werden, denn unkontrolliert stellt Yi Shen nur Unsinn an. Dann entsteht das Affentheater, der Ochse bricht aus, die Braut landet am Spieß. Es gibt
so viele Geschichten, die den unkontrollierten Geist beschreiben.

Heimkehrende Tauben

Es gibt hier jenen Meister Yang Qunli, einer der letzten aus der Tai Yi Longmen Tradition, der einige Sachen einbringt, die mir ein besonderes Gefühl verleihen. Als würde sich ein Kreis schließen. (s.a.die Startseite meiner Homepage wudang-dao.com)
Als wäre ich all die Jahre hier hin gereist und hätte all das gelernt, was ich gelernt habe, um die Zeit rumzukriegen, bis er hier auftaucht.
Er macht zum Beispiel diese 5 Tiere und die sehen dann so aus wie die 5 Tiere. Das Hauptstück seines Wissens bildet das traditionelle Tai Yi Wu Xing Quan. Diese lange Zeit unbekannte Technik wurde letztlich von Jin Zitao an ihn und zwei weitere Lehrer weitergegeben. Jin Zitao, ein jüngerer Bruder des letzten Kaisers der Qin Dynastie, der sich früh zurück gezoge hatte, um die Selbstkultivierung zu pflegen. war der einzige Überlebende der 16. Generation des Wudang Tai Yi Quan der Long Men Schule. 1981 akzeptierte er drei Schüler als 17. Generation, einer davon ist Großmeister Yang Qunli.
Er hatte seinen Unterricht von Jinzitao im Zixiaogong, dem Palast der Purpurwolke erhalten und nun unterrichtet er dort abends die Mönche und Nonnen, derzeit im Sanfeng Taijijian, der langen Schwertform.
Heute morgen habe ich ihn gefragt, ob ich bei ihm lernen kann. "Na gut"
hat er gemeint.

2. Etappe

keine erwähnenswerten Vorkommnisse. Mit etwas Verspätung aus Beijing nach Xiangfan, dort wie erwartet wurden wir abgeholt mit einem kleinen Bus und nach Laoying gebracht. Gleich den Baguameister Nico getroffen und Judy, die uns abholte. Erstes gutes chinesische Essen, dann rauf in die Berge und da sind wir nun, trainieren.


Lieber Georg

"Fliegzeug", das wäre ja noch schlimmer. Was wir als Kinder aus Papier gefaltet haben, das nannten wir Flieger. Wir sprachen auch immer von einem Segelflieger, nie von einem Segelflugzeug. Hat nicht schon der blonde Hans vom Flieger über den Wolken gesungen? Oder meinte er damit den Piloten? Es gibt Wörter, die ich hoffentlich auch nie benutze. Aber Flieger finde ich gut. Doch.


*ich sag das jetzt hier so öffentlich, weil ich nicht auf die Kommentarfunktion zugreifen kann. Blogger ist in China gesperrt. Nur bin ich mir inzwischen nicht sicher, ob tatsächlich von der chinesischen Zensur oder von Blogger. Gestern bekam ich nämlich von denen eine Mitteilung, jemand aus Shiyan, China, habe versucht auf mein Blog zuzugreifen (welcher ich war) und dass hätten sie nicht zugelassen. Weil das aber eine no-reply- Adresse ist, kann es natürlich auch sein, das die Chinesen jetzt die Schuld verschieben wollen. Schlechte Welt, so oder so. Ich schicke meine Berichte deshalb als Email auf den Blog. Kann zur Folge haben, dass sie unterschiedlich formatiert werden.

1. Etappe


Der Bus fuhr nicht. Der Bus, den ich aus dem Fahrplan von 2012 rausgesucht habe, fährt 2013 nicht mehr. Ich rede von dem Bus, der uns zum Flughafen bringen sollte. Wir mussten zunächst nach Santa Cruz und dort umsteigen. Beides Busse, die an jeder Milchkanne anhalten und Leute mitnehmen, die anscheinend nicht darauf vorbereitet sind, mit einem Bus zu fahren, ganz überrascht umständlich ihr Fahrgeld raussuchen und die Uhr tickt und tickt.....
Natürlich kamen wir spät an am Flughafen und vor den Ryanairschaltern standen endlose Schlangen, die sich nicht voran bewegten. Und natürlich bin ich ganz nach vorne gegangen und Entschuldigung wir müssen noch auf den Flug nach Frankfurt und natürlich wieso drängeln sie sich vor aber wir kamen dran und alle anderen hinter uns, die auch nach Frankfurt wollten kamen auch dran und letztlich saßen wir alle im Flieger. 
(Georg, ich weiß, du magst "Flieger" nicht. Aber mal im Ernst, wie hört sich das denn an "Flugzeug"? Ich setz mich nicht in ein Zeugs um über den Ozean zu fliegen)
Als die erste Runde Kaffee angeboten wurde, gab es plötzlich in den Reihen vor uns einen Bohei. "We have an animal on board." sagte der Flugbegleiter und gemeint war eine Kakerlake. Muss ziemlich groß gewesen sein. Weibliche Passagiere standen, ganz wie es sich gehört, auf den Sitzen. Eine der Frauen vom Personal hat sie erwischt, die Kakerlake, und platt getreten. Ihr Kollege hatte verkündet, er würde nicht für's Töten bezahlt. Konsequent. Ich hoffe, die Frau bekommt keinen Ärger mit der Gewerkschaft.

Ryanair kalkuliert wahrscheinlich immer eine etwas längere Flugzeit als tatsächlich benötigt wird und hat so eine zu  90% pünktliche Ankunft. Auch diesmal. Fast 30 Minuten vor der Zeit. Fanfare.
Weil wir mit als Letzte eingecheckt hatten kam unser Koffer als einer der ersten. Aber frühe Landung und schneller Koffer halfen nichts, wir mussten fast eine Stunde auf den nächsten Bus warten. Zeit genug für ein belegtes Brötchen, dessen Preis statt Salat Blattgold erwarten ließ. 
Ein paar Notizen gemacht, die Zeit verging und ich sag noch so:" In 12 Minuten geht der Bus, nur, damit es keine Hektik gibt. Alles in Ruhe. Wo ist der Koffer?"
Ja wo ist der Koffer, den hatten wir doch eben noch. "Sie sind Herr Oster?" Ein Alarmlimettengrün bewesteter Flughafenmitarbeiter spricht mich an, sagt dass Koffer rumstehen lassen sehr teuer werden kann und das meiner jetzt bei der Information abzuholen sei. Ja wo sie denn sei, die Information. Am anderen Ende der Halle. Ja dann mal los, damit es keine Hektik gibt, zum anderen Ende der Halle, wo ich erfahre, dass der Bus dort abfährt und somit ich wieder zurück zum anderen Ende der Halle, wo Susanna den Bus vermisst, der sonst dort abfährt und wir wieder zurück zum anderen Ende der Halle.
So war die erste Etappe.

Vorbereitungen

Die Insel liegt im Dunkel. Die letzte Nacht vor unserer Reise nach Wudangshan. Gestern habe ich gezählt, es ist meine dreizehnte Reise dort hin. Wie viel Veränderung ich dort schon erlebt habe, wie viel ich mich verändert habe. Es gibt Reisen, die gehen in's Ungewisse und man braucht Mut dazu, wenn man nicht weiß, wohin es einen führt. Wenn man nicht weiß, was am Ende der Reise rauskommt, wenn es denn ein Ende gibt. 
Morgen also geht es wieder los, geht es über Frankfurt, Beijing nach Xiangfan, wo uns ein kleiner Bus erwarten sollte, der uns nach Wudangshan bringt. Genauer nach Laoying, der kleinen, wachsenden Stadt am Fuß der Berge. Sie entstand, als der Yongle Kaiser (1402–1424) in seinem Größenwahn, nachdem er die Hauptstadt nach Beijing verlegt hatte, nun eine zweite verbotene Stadt in den Wudang Bergen errichten ließ. Laoying war das Dorf der zweihunderttausend Handwerker und Soldaten, die hergeschickt worden waren, um Tempel zu errichten, Treppen in die Berge zu schlagen und Brücken zu bauen. Alles zu Ehren des Großen Gottes Zhen Wu, dem Vollkommenen Krieger, um dessen Schutz der Kaiser flehte, denn er hatte den Thron unrechtmäßig bestiegen. 
Ohne ihn, den Ursupator, der um sein Leben fürchtete und sich neben den Klöstern und Tempelanlagen auf dem Tian Zhu eine Fluchtburg bauen ließ, wäre Wudangshan nicht, was es heute ist. So finden wir in jedem lauernden Tiger einen versteckten Drachen.*

*Der lauernde Tiger symbolisiert Gefahr, der Drache bringt Glück.

Wudangshan - die Quelle daoistischer Kampf- und Lebenskunst


 Reisetermin: 7. - 26. Oktober 2013


Zum Fest der doppelten Neun, in den Wudangbergen gefeiert als der Tag, an dem Zhen Wu die Unsterblichkeit erlangte.


Unsere nächste Studienreise nach Wudangshan ist eine einmalige Erfahrung, die Feiern in den Wudangbergen zu erleben und unter idealen Konditionen mit den Mönchen und ihren Schülern zusammen zu leben und zu trainieren.

Bei unserer Ankunft beginnen schon die Vorbereitungen zum größten Fest, dass in Wudangshan gefeiert wird. Der Palast der Purpurwolke wird von den Mönchen mit farbenfrohen Fahnen und Girlanden geschmückt . Zu den Feiern werden Pilger aus aller Welt erwartet. Am 13. Oktober wird mit Zeremonien, Gesang und Musik Zhen Wus Erleuchtung gefeiert.


Beschreibung der Akademie

Die Wushu Academy liegt auf ungefähr 800 m Höhe umgeben von grüner Wildnis. Eine Treppe führt zur nächsten Straße und weiter zum Tempel Zixiaogong, dem Palast der Purpurwolken. Innerhalb der Akademie sind die Zimmer der dort lebenden Schüler sowie die der Besucher. Hier befinden sich unsere Zimmer. Von dort blicken wir auf den großen Innenhof, wo wir auch trainieren. Es gibt täglich drei warme Mahlzeiten.

Beschreibung des Unterrichts

Unterricht findet täglich morgens und nachmittags statt. Wir trainieren in Gruppen zusammen mit den Schülern der Akademie. Gruppenunterricht beinhaltet aufwärmen, dehnen, Krafttraining und Qigong. Danach beginnt der Einzelunterricht bei dem jeder Schüler die zu Anfang gewählte Form unter Aufsicht übt. Unsere Lehrer sind Yang Qun Li, Leiter der Akademie und Meister Guan Yongxin, sowie die von ihnen ausgebildeten Lehrer. Ihre Aufmerksamkeit und ihr Wunsch, bei unserem Fortschritt behilflich zu sein, ist beispiellos.

Wanderungen und weitere Aktivitäten

An freien Tagen erkunden wir die Umgebung durch Wanderungen in den Wudangbergen

und im Tal des sorglosen Lebens. Um das traditionelle chinesische Stadtleben kennenzulernen, besuchen wir die kleine Stadt Laoying und ihre Restaurants am Fuß der Berge. Wir probieren die besonderen Teesorten der Berge in traditionellen Teezeremonien. Die Kunst der Kalligraphie kann in den Museen der Tempel bewundert und auch geübt werden. In naher Umgebung finden sich weitere Heiligtümer und landschaftliche Schönheit.

Reiseverlauf

1.Tag - Flug von Frankfurt nach Beijing
2.Tag - Ankunft in Beijing, Flug Beijing Xiangfan.
Transfer nach Wudangshan, in die Berge zur Akademie, wo wir auch wohnen werden.
Alle weiteren Tage Unterricht an der Wudangshan Taoist Wushu Academy und im Tempel des Purpurnen Wolkenhimmels.
Rückreise: Nachmittags in die Stadt Laoying, dort Übernachtung, am Morgen Transfer nach Xiangfan, Flug nach Beijing
Weiterflug Beijing - Frankfurt
Ankunft in Frankfurt am 26. Oktober 2013


Preis nur 2450,00 € *

* im Doppelzimmer. Einzelzimmeraufpreis 130 €

Der Reisepreis enthät:
Alle Flüge und Zug/Busfahrten
Transfer nach Wudangshan
Unterkunft und Verpflegung in der Akademie
Zertifizierter Unterricht in der Wudang Taoist Wushu Academy
Versicherungen und Kosten für das Visum sind nicht im Preis inbegriffen.
Weitere Information und Anmeldung (bis spätestens 16. Juni 2013):
contact@wudang-dao.com