Das Innere der inneren Kampfkünste 2


1. Das Äußere des Inneren

Gerne gibt man in China bei den Kampfkünsten eine berühmte historische Persönlichkeit als Gründer der Methode an. Die Entstehungsgeschichten sind umrankt von Mythen, in denen durchaus auch schon mal die Götter oder Unsterbliche ihre Hand im Spiel haben dürfen. In der 1669 veröffentlichten "Grabrede auf Wang Zhengnan", von Huang Zongxi (1610 ­ 1695) wird "der daoistische Unsterbliche Zhang Sanfeng vom Berg Wudang, Begründer der Inneren Schule des Kampfes" genannt. Das muss man vor dem Hintergrund der Zeit sehen. 1641 unternahmen die Mandschu einen großen Einfall in Ming China, bei dem sie 88 Städte eroberten, sechs weitere übernahmen und bis nach Shandong vordrangen. 1644 endete die Ming-Dynastie und wurde von der mandschurischen Qing-Dynastie abgelöst. Die Mandschuren waren von Außen in China eingedrungen und zwangen den Chinesen zunächst ihren Lebensstil auf. Da sich die Mandschuren zum (von Außen eingeführten) lamaistischen Buddhismus bekannten, wurde ihnen die von Innen, aus China, stammende Philosophie des Daoismus in Person des Zhang Sanfeng entgegengesetzt.   

2. Das Innere des Äußeren des Inneren

Die Widerstände gegen die Herrschaft der Mandschu drückte sich nicht nur in Manifesten aus. Es bildeten sich Rebellengruppen, die im Untergrund operierten und die Formen von Geheimgesellschaften annahmen. Das Geheime an ihnen war ihre Nichtöffentlichkeit. Diese Gruppen waren zwar geheim, hüteten jedoch keine Geheimnisse. 
Ob nun aus einem Missverständnis oder den Tatsachen entsprechend, innerhalb der Kampfkunstszene wird immer wieder von Gruppen gesprochen, die geheime Techniken beherrschen und bewahren. Wobei natürlich nicht gesagt werden kann, was das Geheime sei, sonst wäre es ja nicht mehr geheim. 
Es wurden allerdings auch zeitweise Techniken nur aus dem Grund geheim weitergegeben, weil ihre öffentliche Ausübung verboten war. Hier wiederholt sich im Qigong gerade die Geschichte. 

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