Was trägst du?

Über den Schattenboxer kam ich erneut auf das Thema Kleidung beim Taijiquan und Qigong. Es gibt dort einen Link zum talking Teapotmonk, der sich wohl darüber amüsiert, wenn Menschen zum Taijiquan eine entsprechende Kleidung tragen.
Zu Recht räumt er ein, bei Judo oder Karate weiß man gleich, wo man ist, man erkennt es an der Uniform. Soll man deshalb zum Taijiquan einen seidenen Pyjama tragen?
Geht es nicht auch in Jeans und Flipflops?
Zunächst möchte ich sagen, dass es  einen Kommentar disqualifiziert, wenn man sich darin über Menschen, die eine andere Meinung oder Haltung haben, lustig macht. Ich gestehe, selbst so geredet und geschrieben zu haben, angesteckt von einer Kultur der Comedy-Shows, Lachparaden und Blödel-TV, die jene höher halten, die tiefer unter die Gürtellinie schlagen. Es tut mir leid. Es ist keine Ehre.
Zurück zur Kleidung.
Sie stellt auf keinen Fall ein Kriterium der Qualität dar. Man kann sich besser bewegen in einer weiten Hose, als in Jeans, bessere Kicks, bessere gehockte Peitschen oder kriechende Schlangen praktizieren. Wenn man's kann. Wer nicht locker ist, ist es auch nicht in einem Taijiquan-Anzug.
Die Kleidung ist ein Ausdruck deiner Haltung der Sache gegenüber. Deine Kleidung sagt  etwas über dich. Gehst du zum Training wie anschließend an die Theke? Trägst du den Anzug, den Overall die Uniform, die du bei deiner Arbeit tragen musst? Oder einen Jogging-Anzug, obwohl du nicht joggst. Und wie steht dein Lehrer dazu? Was trägt er beim Training?

Früher habe ich es als ein Plus des Taijiquan gepriesen, nicht auf besondere Kleidung angewiesen zu sein. Andererseits gibt es Menschen die das Besondere brauchen, die mit einer dicken Sporttasche durch die Stadt laufen wollen, damit jeder sehen kann, sie gehen trainieren. Dann muss die Tasche schon zeigen, was du trainierst, dann muss Kwon drauf stehen, damit niemand glaubt, du gingest zum Gewichteheben oder zum Pilates. Was kann man sich das Leben schwer machen.
Wer unbedingt in einem eleganten Seidenanzug Taijiquan machen möchte, der sollte seine Eitelkeit überprüfen. Wer sich vehement gegen eine Uniform stellt, der sollte seinen Stolz prüfen. Deine Kleidung sagt etwas über dich aus. Auch wenn du keine besondere Kleidung trägst.

Wer inzwischen zu mir zum Taijiquan kommt, der soll alles draußen lassen, was nach draussen gehört. Ich will nichts wissen über den Beruf, den jemand ausübt, seine soziale Stellung, seine sexuelle Ausrichtung, seine Religion oder Partei. Einfach da sein als ein Mensch und sich äußerlich wie innerlich der Form, dem Inhalt und der Erscheinung des Dao hingeben. Ohne sich hervor zu tun und ohne sich zurück zu stellen. Aufrecht und gelöst.
Da wir die Richtung der Wudangshan-Kultivierung vertreten, tragen wir traditionelle Kleidung von dort. Einen diagonal geschlossenen Kittel, wie man sie schon in den Gräbern von Mawangdui gefunden hat. Dazu eine weite Hose und wer mag die klassischen Gamaschen der Daoisten.  Das Material ist ein Hanf/Poly-Gewebe, sehr angenehm zu tragen und bei allen Temperaturen. Es sind schlichte, robuste Kittel, die auch einen Kampf aushalten.

DAO SHI - Qigong im Wechsel der Jahreszeiten

Hier kann man einen Blick ins Buch werfen und dann gleich bestellen über publish@wudang-dao.com




21. Daxue - Großer Schnee


ca. 6. Dezember bis 20. Dezember



Sie stehen aufrecht, lassen den Geist zur Ruhe kommen und atmen gleichmäßig.

Heben Sie die Arme und strecken Sie diese weit zu den Seiten.
Heben Sie das linke Bein an und stampfen Sie 3 Mal mit dem linken Fuß auf, dann rechts.

Danach lassen Sie die Arme wieder sinken.

Wiederholen Sie die Übung 5 Mal. Atmen Sie dabei ruhig und gleichmäßig.

Danach schlagen Sie mehrmals die Zähne leicht aufeinander, bis sich reichlich Speichel im Mund gesammelt hat. Diesen schlucken Sie in drei kleinen Portionen.

Richten Sie ihren Blick nach innen, lächeln Sie und atmen ruhig.

Heute machen wir ein Türchen auf ...

SUBSKRIPTION


Der zwölfteilige Brokat
und alles andere

Das neue Buch von Yürgen Oster
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Abendtraining, Anfang November

Über das Knie streifen nach links
                      Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir
Zurückziehen, Gewichtswechsel, Ball
                      dort oben leuchten die Sterne, hier unten da leuheuchten wir
Wildpferd schüttelt die Mähne, rechts
                      mein Licht geht aus,
Wildpferd schüttelt die Mähne, links
                      wir geh'n nach Haus
Jademädchen am Webstuhl, rechts
                      rabimmel, rabammel rabumm
Jademädchen am Webstuhl, links
                      bumm bumm

Während wir die Brokate üben

Als wäre ein Schleier weggezogen liegt der neue Tag vor uns, frisch und sonnig. Gestern war der Himmel voll mit Schäfchen und Riffelung, wie ein ungebügeltes Laken. Heute legt sich nur eine Mütze auf den Teide. Vor uns alles voller Blüten, blau in grün, dahinter Rosen, ein kleiner Zitronenbaum der immer neue Früchte hervorbringt. Ein einsamer Schmetterling, die kleinen Echsen kommen schon aus den Mauerritzen, ein Tausendfüssler räkelt sich. Nicht weit entfernt hämmert einer, vorne auf der Straße kommt der Kehrwagen vorbei. Die Pfarrersfrau spielt mit der Katze, jagd sie in den Baum und wieder heraus.
Langsam kommen auch die großen Echsen, ihr Blut braucht wohl länger, flüssig zu werden. Eine Horde Papageien krächzst über uns hinweg. Zwei oder drei Arten sind wohl dem Loro-Park entwischt und bilden wachsende Populationen. Bisher halten sie sich vorwiegend hier im Orotavatal. Es wird sehr warm unter meinem schwarzen Kittel.
In Gongbu wie auf Wolken durch die neun Himmel schreiten.



Aha

Es gibt die Geschichte von dem Zen-Mönch, der alles nur mit "aha" quittierte.
Als ein Mädchen im Dorf schwanger wird, will sie erst nicht sagen, von wem. Doch nach einer Weile behauptet sie, das Kind sei von dem Mönch im Tempel am Dorfrand. Nach der Geburt bringt man den Säugling zu unserem Mönch:"Hier, das ist dein Kind. Kümmer dich drum."
"Aha."

Nach einigen Jahren wird es der inzwischen jungen Frau doch etwas unbehaglich und sie geht zum Tempel:"Das Kind ist nicht von dir. Gib es mir zurück, ich kümmere mich jetzt selbst darum."
"Aha."

Wir denken vielleicht, der Mann ist ziemlich abgeklärt und cool. Aber vielleicht war er einfach nur blöd.


Nadel vom Meeresboden heben

Die "Nadel vom Meeresboden heben" (海 底针 Hai Di Zhen) hat als Redewendung ungefähr die gleiche Bedeutung wie die berühmte Nadel im Heuhaufen. In der daoistischen Alchemie ist mit dem Meeresboden das untere Abdomen gemeint und die Nadel heben bedeutet, den Punkt Hui Yin auf dem Damm nach oben ziehen.

In der 24er Taijiquan Form entspricht das Bild dem Wind aus den 8 Trigrammen Ba Gua, denen die Basistechniken der Arme nachempfunden werden.

Die acht Richtungen 

Die vier Tore


‣ Qien – der Himmel = Peng – Schützen
‣ Kun – die Erde = Lü – Weichen
‣ Kan – das Wasser = Ji – Pressen
‣ Li – das Feuer= An – Stoßen

und die vier Ecken

‣ Xun – der Wind = Cai – nach unten ziehen
‣ Zhen – der Donner = Lie – spalten, brechen
‣ Dui – der Sumpf = Zhou – Ellbogen
‣ Gen – der Berg= Kao – Schulterstoß

Über Cai heißt es:
Das eigene Gleichgewicht zu wahren, ist die oberste Regel. Das Gleichgewicht des Gegners zu stören, ist das Geheimnis von Cai. In jedem Angriff fällt es schwer, die innere Balance zu halten. Wenn du den rechten Augenblick abpasst, kannst du mit Leichtigkeit den Gegner in Verwirrung bringen. Achte darauf, nur eine Seite zu ziehen, sonst wird die Position des Gegners nur gestärkt. Setz den ganzen Körper ein, lass dein Gewicht sinken und behalte einen festen Stand. Cai hat nichts mit der Kraft deiner Arme zu tun.

Das Lied von Cai:

Entwurzeln gleicht dem Prinzip der Waage.
Ob schwer oder leicht, es kann ausgewogen werden. Der Kraft von tausend Pfund
braucht man nur vier Unzen entgegen zu setzen. Wie geht das?
Es ist das Gesetz der Hebelwirkung.*


* Yürgen Oster, Tai Ji Quan, Das Dao der Bewegung
mehr lesen und bestellen


Die Anwendung sieht ungefähr so aus:




Bagua


Daoistische Unsterblichkeit: Die Unsterblichkeit kann angestrebt und erlernt werden

Das Pantheon der daoistischen Unsterblichen

Der Daoismus ist eine polytheistische Religion, deren Gottheiten ein Pantheon von Unsterblichen (1) bilden, die sich in drei Ebenen aufteilen.

Die erste Ebene besteht aus den Erhabenen Geistern des Ältesten Himmels (2); sie sind die Vollkommenen Geister des Ältesten Himmels (3), die bereits existiert haben bevor Himmel und Erde geteilt wurden. Sie umfassen die Drei Makellosen (4), die Drei Himmlischen Beamten (5,) die Vier Himmlischen Minister (6,) die Sternenfürsten der fünf Planeten und Sieben Sterne (7), die Vier Göttlichen Tiere und 28 Konstellationen (8), etc.

Die zweite Ebene beinhaltet die Vollkommenen Unsterblichen (9,) die das Dao erlangten nachdem Himmel und Erde erschaffen wurden. Genannt werden sie die Gottheiten des Späteren Himmels (10), denn sie waren ursprünglich gewöhnliche Menschen, die zu Unsterblichen wurden, nachdem sie das Dao kultivierten. Sie schließen die Drei Mao Fürstenbrüder (11), die Acht Unsterblichen (12) und andere ein.

Die dritte Ebene besteht aus Gottheiten der Volksreligion, die im Daoismus anerkannt werden, wie zum Beispiel die Türgeister (13), Geister des Wohlstandes (14), Küchengeister (15), Erdgeister (16), die mütterliche Herrscherin (17), Kaiser Guan (18), der Heilige Gründerkönig von Zhang (19), die Flussufer-Lady (20) , etc.

Bei näherer Betrachtung der Funktionen und spirituellen Eigenschaften der drei Götterebenen können wir erkennen, dass sie eine analoge Struktur zum vorherrschenden administrativen System der menschlichen Gesellschaften bildet. Unter ihnen, besetzen die Vollkommenen Weisen des Ältesten Himmels die höchsten Positionen. Sie sind zugleich omnipräsent (allgegenwärtig) und omnipotent (allmächtig). Dagegen können die volkstümlichen Gottheiten nur einen Aspekt des menschlichen Lebens beeinflussen, daher ist ihre Position niedriger.

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Pflicht zu Cultur, Immanuel Kant

Das Vermögen, sich überhaupt irgend einen Zweck zu setzen, ist das Charakteristische der Menschheit (zum Unterschiede von der Tierheit). Mit dem Zwecke der Menschheit in unserer eigenen Person ist also auch der Vernunftwille, mithin die Pflicht verbunden, sich um die Menschheit durch Kultur überhaupt verdient zu machen, sich das Vermögen zu Ausführung allerlei möglichen Zwecke, so fern dieses in dem Menschen selbst anzutreffen ist, zu verschaffen oder es zu fördern, d.i. eine Pflicht zur Kultur der rohen Anlagen seiner Natur, als wodurch das Tier sich allererst zum Menschen erhebt: mithin Pflicht an sich selbst.

Allein diese Pflicht ist bloß ethisch, d.i. von weiter Verbindlichkeit. Wie weit man in Bearbeitung (Erweiterung oder Berichtigung seines Verstandesvermögens, d.i. in Kenntnissen oder in Kunstfähigkeit) gehen solle, schreibt kein Vernunftprinzip bestimmt vor, auch macht die Verschiedenheit der Lagen, worein Menschen kommen können, die Wahl der Art der Beschäftigung, dazu er sein Talent anbauen soll, sehr willkürlich. – Es ist also hier kein Gesetz der Vernunft für die Handlungen, sondern bloß für die Maxime der Handlungen, welche so lautet: »baue deine Gemüts- und Leibeskräfte zur Tauglichkeit für alle Zwecke an, die dir aufstoßen können«, ungewiß, welche davon einmal die deinigen werden könnten.

Finca La Hacienda

Wir waren wieder auf der Finca, in Tierra del Trigo, jenem aussergewöhnlichen Platz in den Bergen oberhalb von Los Silos. Die Lage ist ideal. In einem weiten Halbkreis schützen die Berge vor der Hitze des Südens, öffnen sich zum Meer, welches sich steil unterhalb vor der Daute in den Norden dehnt. Klassisches Fengshui. Das Klima soll besonders gut sein für das Herz, welches sich gerne dort öffnet. Der große runde Platz oberhalb der Gebäude, früher zum Dreschen des Getreides *Trigo* genutzt) eignet sich hervorragend zur Gruppenarbeit. Vielleicht sollte man auf dem, zweiten, kleineren Platz ein großes Zelt errichten, wenn Schatten von Nöten ist.

Es war einfach ein Besuch, der mit einem delikaten Essen gedankt wurde. Carne Fiesta, eine tenerfische Spezialität, Gofio (laut Wikipedia das älteste überlieferte Getreidegericht der Kanarischen Inseln) Kartoffeln, auf die Teneriffa auch stolz ist und Kaninchen. Dazu den kräftigen, vollmundigen Rotwein der Region, von dem mir ein Glas reicht.

Währenddessen zogen Wolken auf und in den Bergen hat es sicher geregnet, den Wasservorrat gesichert. Bei uns kamen nur unmerkliche Tropfen an.
In drei Wochen geht es wieder dort hin, zur einwöchigen Qigong-Meditation.
Zurückkehren zum Ursprung.



Die Finca eignet sich hervorragend für Seminare oder als Ausgangsort für Wanderungen. Mit dem Auto ist man in 15 Minuten am Meer, entweder in Garachico oder Los Silos, in einer Stunde oben in den Cañadas del Teide oder an der Küste von Los Gigantes. 
Wer sich privat oder mit einer Gruppe dort einmieten möchte, kann direkt über das Kontaktformular mit uns Verbindung aufnehmen.

Bücher, Wiederauflage, überarbeitet.

Aus den Aufzeichnungen der zwölf Brokatübungen, wie ich sie in Wudangshan vor einigen Jahren gelernt habe, wurde zunächst eine mehrseitige, als pdf-Datei zu ladende Hilfe für jene, die die Übungen bei mir gelernt hatten. Dann hielt ich es für nötig, einige Kommentare dazu zu schreiben und zu den Kommentaren kamen Erklärungen und so langsam wurde mir klar: Das wird ein neues Buch. Mit den Erfahrungen der letzten Bücher, die zwar in guten Verlagen, aber schlechter Distribution gelandet waren, beschloss ich, es mit Selbstverlag zu versuchen. Dabei stieß ich auf BoD (Books on Demand) und das Konzept gefiel mir von Anfang an. Darein sah ich auch eine Gelegenheit, die alten, nicht mehr im Handel erhältlichen Bücher, selbst neu aufzulegen. Das Ta Ji Quan Buch erhielt eine komplette Überarbeitung, viel neues Material und Bilder. Wäre auch traurig, wenn ich in den Jahren nichts dazu gelernt hätte. Ich bin sehr glücklich mit dieser neuen Ausgabe. Das Buch des Jahreszeiten-Qigong nach Chen Tuan habe ich im Grunde belassen. Es ist ja eine Überlieferung, wenig eigenes Material und konnte so bleiben. Aber wegen der Arbeiten, bin ich im Buch über die Brokate natürlich hinter den Zeitplan gerutscht. Ich befürchte, ich schaffe es nicht mehr dieses Jahr. Aber ich bin dran. Die beiden fertigen Bücher können direkt bei mir bestellt werden, bei jedem Internet-Versender und natürlich auch bei deinem Lieblingsbuchhändler.

Tai Ji Quan - das Dao der Bewegung 14,90€ 
ISBN-13: 978-3732252732 (auch als eBook erhältlich)

Dao Shi - Qigong im Wechsel der Jahreszeiten 15,90€ 
ISBN-13: 978-3732252756 (auch als eBook erhältlich)



Kampfkunst, Esoterik oder gute Laune?

Auf der Suche nach Tajiquan


Als man das Automobil entwickelte, ging es darum, eine Reisegefährt zu schaffen, eine Kutsche ohne Pferde. Man dachte nicht daran, so schnell wie möglich im Kreis fahren zu können, schwere Spezialfahrzeuge oder Reisebusse zu bauen. Aber die Entwicklung ging rasch in die verschiedenen Richtungen. Wir wissen nicht, ob Taijiquan seinen Anfang als Kampfkunst nahm, die dann verfeinert wurde zu einer Methode des Qigong und der inneren Alchemie, oder ob es sich aus Selbstkultivierungspraktiken zu einer Kampfkunst mauserte. Wir wissen es nicht und wir werden es wahrscheinlich auch nie wissen. Was uns heute begegnet, wird in den meisten Fällen einem Reisegefährt gleichen, um morgens zur Arbeit und am Wochenende mit der Familie ins Grüne zu kommen. Nur wenige wollen Rennen fahren, als Show-Wettkampf, als Performance-Meister oder im Zweikampf. Nur wenige wollen ein Spezialfahrzeug, einen Schwertransporter mit mannshoher Bereifung an 12 Achsen, innere Verfeinerung bis zur Unsterblichkeit. Das alles wollen nur wenige. Die meisten wollen den Führerschein und dann endlich mal über die Autobahn. Das ist das höchste der Gefühle. Aber jeder der Auto fahren kann, könnte zur Not auch einen 7,5 Tonner oder ein Fahrzeug mit sehr hoher Geschwindigkeit lenken. Denn für alle gelten die gleichen Regeln, es wird gelenkt, gekuppelt, beschleunigt und gebremst. Das muss man können, wenn man Auto fahren will.


Die Fäuste ballen und mit den Augen funkeln

um die Kraft zu mehren 


Es gibt Menschen, die an dieser Stelle mit den Brokatübungen ein Problem bekommen. Die Fäuste werden geballt, die Augen sollen funkeln, die zu mehrende Kraft hat anscheinend mit Aggression zu tun. Und das wollen sie nicht. Sie wollen etwas für ihre Gesundheit tun, nicht kämpfen. 
Die Vorstellung von Gesundheit hat sich in den letzten 150 Jahren mehrfach gewandelt. Galt bis vor ca. 100 Jahren jemand als gesund der leistungsfähig war, so wurde ungefähr ab dieser Zeit der Begriff Gesundheit eher als die Abwesenheit von Krankheit verstanden. In den letzten 30 Jahren hat sich ein erneuter Wandel des Gesundheitsbegriffs vollzogen, der den Maßstab über das persönliche Befinden definiert. So kann jemand durchaus eine Krankheit haben, sich aber dennoch als gesund bezeichnen, weil er sich so fühlt. Das aktuelle Verständnis von Gesundheit als ein Maß an Wohlbefinden wird nicht mehr nur durch den körperlichen Zustand definiert, sondern bezieht die persönliche Lebenseinstellung, die innere Widerstandsfähigkeit und die Einbindung in eine soziale Gemeinschaft mit ein. 
Um Gesundheit zu erhalten braucht es von Natur aus keine besondere Anstrengung, denn der Organismus besitzt eine selbstregulierende und selbstreproduzierende Fähigkeit, Autopoiesis genannt. Wir sagen für gewöhnlich Selbsterhaltung oder Selbstheilungskräfte dazu. Ein lebender Körper regeneriert und repariert sich ein Leben lang selbst. Schon Voltaire wusste: "Die Kunst der Medizin besteht darin, den Patienten zu unterhalten, während die Natur seine Krankheit heilt." Diese permanenten Vorgänge von Erhaltung und Heilung sind allerdings keine Kuschelstunden sondern ein hochorganisierter Kampf gegen Invasoren und Rebellen. Wir verstehen uns als eine Einheit, die sich von der Umwelt abgrenzt. Doch während wir durch die Welt gehen, geht die Welt auch durch uns. Ihre Spuren prägen sich in Körper, Geist und Seele, so wie wir unsere Spuren in der Welt hinterlassen. Nicht alles, was wir mit der Umwelt austauschen, kommt uns auch zu Gute. Entweder gelingt es dem Organismus, seine Struktur aufrechtzuerhalten, dann lebt er weiter, oder es gelingt ihm nicht, dann ist er tot.

Wir reagieren auf interne Veränderungen oder Interaktionen mit der Umwelt. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob es sich um Bakterien, Schadstoffe oder ein soziales Ereignis handelt. Das soziale Ereignis kann auch die Faust eines Mitmenschen sein, die mir das Nasenbein zertrümmert hat. Obwohl solche sozialen Ereignisse heutzutage nur in bestimmten Gegenden der zivilisierten Welt vorkommen, sollte doch die Fähigkeit und Bereitschaft zu kämpfen trainiert werden. Es geht bei einem solchen Training nicht darum, sich nun frohen Herzens in den Straßenkampf zu begeben. Im Gegenteil. Es geht um das Gefühl, sich seiner Haut wehren zu können und mit dieser inneren Haltung unangreifbar zu werden. 

aus: Yürgen Oster, Der zwölffache Brokat und alles andere.
Erscheint Herbst/Winter 2013

Chen Tuan


oder Chen Xiyi (871 - 989) war ein bekannter Daoist seiner Zeit.

Er entwickelte die Übungen der 24 Qi, um das menschliche Qi, die Lebenskraft, in Einklang zu bringen mit den wechselnden athmosphärischen Einflüssen.

In jungen Jahren schon rühmte man seine Fähigkeiten in Mathematik, Lyrik und der Interpretation des Yi Jing, dem Buch der Wandlungen. Dennoch verfehlte er die staatlichen Examen, die ihm eine Karriere am Hof ermöglicht hätten. So zog er sich zurück in die Wudangberge und lebte dort einige Jahre in der Höhle der neun Kammern. Ein ihm im Traum erschienener Unsterblicher erklärte, er sei am falschen Platz, woraufhin Chen Tuan zum Huashan, einem der fünf heiligen Berge zog.

Obwohl er als Einsiedler lebte, wurde er weit bekannt. Es heißt, er konnte für lange Zeit (Wochen) im Schlaf verweilen, ohne Nahrungsaufnahme, während sein Qi im Körper zirkulierte. Auch war er berühmt für die Kunst der Physiognomik, der Schicksalsdeutung anhand der Gesichts- und Körperbeschaffenheit.

Er wird beschrieben als eine Person mit profundem Wissen, außerordentlichen Fähigkeiten und hoher Intelligenz. Er war bewandert in den Philosophischen Schulen, Prinzipien der Medizin, Astronomie, Geographie und der Dichtkunst.

Seine Ideen der Integration der drei klassischen Lehren von Daoismus, Konfuzianismus und Buddhismus war richtungsweisend für die philosophisch-religiöse Entwicklung der Song-Periode. Seine daoistische Alchemie berücksichtigt sowohl die Kultivierung der Essenzen, die Innere Verfeinerung, Reinigung und Beruhigung des Geistes, Atemkontrolle und das Eintreten in die Stille.

Einer seiner Schüler wurde bekannt unter dem Namen Huo Long Zhen Ren, von dem ein umfangreicher Text über das Kreisen des Lichts überliefert ist und der wiederum Lehrer des Zhang Sanfeng war, jenem legendären Begründer des Taijiquan.




Dao Shi - Die 24 Übungen des Chen Tuan - Qigong im Wechsel der Jahreszeiten

herausgegeben von Yürgen Oster als Print oder eBook
In jeder Buchhandlung und im Internet oder direkt bei mir

Die Existenzform des Meisters


Der Mensch strebt nach Sinn und ohne Sinn verkommt er. Dazu muß er sich die Frage nach den Zwecken stellen und sie selbst beantworten. Der Lebensentwurf des Handwerkers bietet die Perspektive eines Berufes, der sich zum Teil selbst als Zweck genügt. Diese Option ist sicher nicht für jedermann, aber womöglich eine interessante Alternative zum zwecklosen Jobben im Hamsterrad. Und zumindest ein gutes Referenzbeispiel, um heutige Lebensentwürfe kritisch zu vergleichen und zu analysieren. Dazu wollen wir eine Essenz des Handwerkers destillieren: Die Existenzform des Meisters. Die Meisterschaft oder Meisterlichkeit soll als Lebenseinstellung aufgefaßt werden, die am besten durch die von ihr umfaßten Aspekte beschrieben werden kann:

1. Lehre


Der Weg zum Meister beginnt mit dem Lernen – und hört nie damit auf. Lernen hat freilich rein gar nichts mit Schulgebäuden oder Lehrplänen zu tun, sondern bedeutet die Suche nach einem Lehrer, der in der Regel bereits Meister ist und als Mentor und Vorbild dabei helfen kann, selbst Meisterschaft zu erreichen. Dieses Lernverhältnis hat allerdings etwas Hierarchisches und wirkt dadurch besonders anachronistisch.


2. Übung


Um ein Meister zu werden, braucht es in der Regel ungefähr 10.000 Stunden Übung. Hört sich viel an, aber entspricht ungefähr einem Jahrzehnt mit bloß 3 Stunden Übung pro Tag, etwa so viel wie Sportler trainieren und Musiker auf ihrem Instrument üben. Das Üben selbst ist ein Ritual und will als solches zelebriert werden. Der Lehrling auf dem Weg zur Meisterschaft beginnt die Wiederholung zu lieben und in der Übung einen Zweck an sich zu sehen. Wer darin nur ein Mittel sieht und stets auf die bezweckte Verbesserung der Fertigkeiten schielt, wird kaum die nötige Geduld aufbringen. Denn die Verbesserung verläuft nicht gleichmäßig; über lange Zeiträume scheint kein Fortschritt spürbar, bis man dann plötzlich und unvermutet bemerkt, daß man eine neue Schwelle passiert hat.


3. Hingabe


Der Weg zur Meisterschaft hat eine transzendente Komponente und weist über den einzelnen hinaus. Es ist ein Weg der Sublimierung des Egos zugunsten der ganzen Persönlichkeit. Bequem ist dieser Weg selten, doch je größer der Widerstand, desto bedeutsamer der Schritt. Die größte Gefahr auf dem Weg ist der Stolz – jener Stolz des Lehrlings über das Überwinden einer Schwelle, der ihn darin schwelgen läßt und sich dabei genügen läßt, sodaß er keine weitere mehr zu nehmen vermag. Der wahre Meister setzt das Üben auch nach dem Erreichen der Meisterschaft fort, mit derselben Bescheidenheit und Hingabe wie am ersten Tag. Unbeirrt wandert er dem Gipfel entgegen und am Gipfel angekommen, wandert er weiter. Denn sein Blick gilt nicht dem Ziel an sich, sondern dem Pfad. Diese Pfadorientierung, die Konzentration auf das Wirken im Hier und Jetzt, bringt ihn weiter und läßt ihn größere Ziele erreichen als die verbissenste „Zielorientierung“. Sein Pfad ist ein ewiger, ihn zu Wandern ist des Meisters Lust.


4. Selbstverständnis


Die Meisterschaft liegt also im Weg selbst, nicht im Zeitpunkt deren Erreichens. Man wird nicht zum Meister, sondern ist es – lebt es als Einstellung. Heute tragen wir die Vorstellung in uns, ein Beruf „werden“ zu müssen und zu können, etwa in dem wir viele Jahre in einer Black Box verbringen und dann „geworden“ hinauskommen. Noch niemand ist im Medizinstudium Arzt „geworden“, niemand im Mathematikstudium Mathematiker. Wer angestrengt auf das Werden wartet, wird es nie sein. Wer sich auf das Sein konzentriert hingegen, wird werden – ein immer besserer Arzt oder Mathematiker. In der Motivationsforschung nennt diesen Zugang manchmal „Visualisierung“; man komme dem Erfolg näher, indem man sich vorstelle, wie und wer man nach diesem Erfolg ist und sich fühlt. Tatsächlich gibt es nur einen Weg, etwas oder jemand zu sein, das oder der man noch nicht ist: Es zu sein. Wer nicht sein kann, kann nie werden. Der Weg zum Meister ist nur zu bewältigen in der tiefen, inneren Überzeugung, es schon sein – in jedem Moment, bei jedem Schritt meisterlichkeit zu leben und ihr so ganz unbewußt näher zu kommen. Freilich, auch der größte Meister macht Fehler, und auf dem Weg sind die Fehler stets zahlreicher als die Erfolgserlebnisse. Der Meister jedoch führt auch nach Hunderten Fehler den nächsten Schritt im vollkommenen Selbstverständnis aus, sein Bestes zu geben; irgendwann wird es ausreichen, um das Hindernis zu überwinden. Dieses zuversichtliche Selbstverständnis unterscheidet den wahren Meister von dem, der bloß davon träumt.

Diese Haltung schildert keinen spezifischen Handwerker zu einer spezifischen Zeit oder an einem spezifischen Ort. Es handelt sich um den Versuch, einen Archetypus als Essenz zu destillieren – den Archetypus des mit eigener Hand Werkenden, dessen Arbeit unabhängig von anderen Zwecken sinnstiftend ist. „Mit eigener Hand“ ist nicht rein wörtlich zu nehmen, wenngleich es in der Regel wörtlich sein muß: Eine Tätigkeit, deren spezifisches Muster an Fertigkeiten uns „ins Blut“ übergehen kann und somit Teil von uns selbst wird. Diese Tätigkeit wird in der Regel Werkzeuge erfordern, in deren Einsatz wir Meisterschaft erlangen können. Das Werkzeug unterscheidet sich vom Automaten dadurch, daß es den Menschen nicht ersetzt, sondern ergänzt. An der Maschine ist nichts an sich Schlechtes, viele Maschinen können überaus nützliche Werkzeuge sein, andere sind Automaten. Auch der Automat ist nicht an sich schlecht, nur erlaubt er die Existenzform des Handwerkers nicht, außer dem Automaten-Konstrukteur. Wem die Arbeit Sinn stiftet, der verzichtet auf den Automaten – wie der Maler das Malen seiner Bilder nicht „auslagern“ wird. Welchen Anteil eines Werkes wir – angesichts der deutlichen Vorzüge der Arbeitsteilung – auslagern können, ohne daß es aufhört, unser Werk zu sein, ist eine schwierige Frage. Die Antwort darauf läßt sich wohl bloß spüren.

Auch der Eremit kann Meister sein; doch fehlt dem Eremiten ein ganz wesentlicher Aspekt des Werkes: anderen von Wert und dadurch von Bedeutung zu sein. Das Schöne ist auch schön, wenn es niemand sieht, doch niemals wird es Menschen etwas bedeuten. Das Werk, das nicht unter Menschen wirkt, soll man es überhaupt Werk nennen? Kann es Werken ohne Wirken überhaupt geben? Den tiefsten, am stärksten befriedigenden Sinn erhält das Werk jedenfalls erst dadurch, für andere Menschen wertvoll zu sein – erst dann hat der Handwerker einen Wert geschaffen, und kann zuversichtlich sein, auch ein Werk geschaffen zu haben, nicht bloß einer Täuschung erlegen zu sein.

Auszug aus dem Vortrag "Handwerk - die Seele des Unternehmertums?"von Rahim Taghizadegan am 10.03.2008 im Institut für Wertewirtschaft, Wien ©

Ich danke für seine freundliche Genehmigung zur Weiterverwendung.

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Im Jahre 2000 entschieden die deutschen Krankenkassen, Taijiquan und Qigong in den Katalog der zu fördernden Präventionsmaßnahmen aufzunehmen. Voraussetzung war ein von den Kassen anerkannter Grundberuf des Lehrenden und dessen nachgewiesene Ausbildung in Taijiquan oder Qigong über mindestens 250 Stunden.
Das bedeutete, Teilnehmer an einem Kurs, der von einem kassenanerkannten Kursleiter durchgeführt wurde, konnten sich 80% der Kosten von ihrer Kasse erstatten lassen.
Damit wurde der „Beruf“ des Taijiquan/Qigong Kursleiters geboren.
Ich habe schon damals in einem Leserbrief im Taijiquan und Qigong Journal davor gewarnt, sich auf diesen Deal mit den Kassen einzulassen. 
Trotzdem habe ich selber dann zusammen mit dem Sobi in Münster das Ausbildungskonzept der DAO akademie entwickelt. Ich glaubte, nur auf diesem Wege noch als Lehrer arbeiten zu können, denn natürlich wuchsen aus allen Ecken und Nischen plötzlich die Ausbildungsinstitute. 
Damit machte ich einen entscheidenden Fehler. Ich handelte gegen meine Überzeugung. 
Wir erweckten den Eindruck, die Kassen hätten mit ihrem Konzept recht und man könnte mit 250 Unterrichtsstunden die Qualifikation eines Kursleiters erwerben. Das ist falsch. Man kann es nicht. Man kann es vielleicht mit dem 10fachen. Vielleicht.
Aber in erster Linie sollte man Taijiquan und Qigong für sich selber machen und nicht, um es zu unterrichten.
Nun ist in Deutschland eine Generation von Kursleitern entstanden, die alle glauben, etwas zu können, weil ihnen in den meisten Fällen der Vergleich fehlt. Es ist eine ungeheure Arroganz, wenn wir uns anmaßen, etwas innerhalb kurzer Zeit beherrschen zu können, was tatsächlich eine lange Ausbildung erfordert und nur wenigen überhaupt möglich ist. Es ist ein kolonialistisches Denken. 
Wir haben nicht zur Verbreitung des Taijiquan und Qigong beigetragen, sondern zu seiner Verflachung. Wir haben es fast bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt und laufen herum und reden dummes Zeugs, als wüssten wir tatsächlich etwas. Wir wissen aber nichts. 
Natürlich habe ich mit meinem Angebot jene Menschen angezogen, die mir glaubten. Das darf ich ihnen nicht zum Vorwurf machen und ich darf nicht von ihnen enttäuscht sein. Ich muss mich entschuldigen. 

Nachdem ich die auch für mich schmerzliche Entscheidung getroffen habe, unter meine bisherige Ausbildungstätigkeit einen Schlussstrich zu ziehen (Wandlungsphase Metall), befinde ich mich nun in der Phase der Sammlung (Wasser). Sie dauert länger, als ich erwartet habe. Es ist wohl nötig, und deshalb noch viel zu früh, von mir zu erwarten, dass ich wieder nach außen trete (Holz) und mit Begeisterung (Feuer) ein neues Projekt vorstelle (Erde).

Auf meiner Webseite steht, dass ich gerne weiterhin jeden als Schüler annehme, der ernsthaft den Weg daoistischer Selbstkultivierung gehen möchte. Wie das im Einzelnen aussehen kann, müssen wir rausfinden. 

Das E-Book


Das Buch Tai Ji Quan - Dao der Bewegung ist jetzt auch als E-Book erhältlich
Die Verfügbarkeit in weiteren E-Book-Shops wird sukzessive ausgebaut.

Das E-Book erscheint mit der ISBN 9783848224401 und wird zum Verkaufspreis von 9.99 EUR angeboten.

Mofang 2

Im Juni hatte ich schon das Mofang im Zusammenhang mit Bagua vorgestellt. Nun gibt es hier eine Version für Taijiquan im Yang Stil. 

9 Paläste 5 Elemente - 14 postures form by Master Feng Mei 
Auf diesem Video ist nicht unbedingt hohe Bewegungsqualität zu sehen, aber wir bekommen einen Eindruck davon, was gemeint ist.

Stand Richtung Süden 
Respekt 
Öffnen 
1, Ost, Peng: das Wildpferd schüttelt die Mähne; 
2, Süd, Pi: die Pipa spielen; 
3, Mitte, Lu: Zurückrollen; 
4, West, Ji: Pressen; 
5, Nord, An: Stoßen; 
6, Südwest, Cai: Die Nadel vom Meeresboden heben; 
7, Nordwest, Lie: Spalten; 
8, Nordost, Zhou: Ellbogen; 
9, Südost, Kao: Schulterstoß; 
10, In der Mitte ruhen (Gen): der weiße Kranich spreizt die Flügel; 
11, Vorwärts: Schlange; 
12, Zurück: Den Affen abwehren; 
13, Nach links: hoch auf dem Pferd, Hände kreuzen,kick links und mit beiden Händen auf die Ohren schlagen; 
14, Nach rechts: Wolkenhände, einfache Peitsche, Hände kreuzen und den Tiger in die Berge zurück schicken.; 
Schließen
Respekt


 
Quelle: http://latcmwellnesscenter.com/364.html

Bunte Tiere

Die den Himmelsrichtungen zugeordneten Tiere sind der Drache im Osten, der Vogel im Süden, der Tiger im Westen und die Schildkröte, um die sich eine Schlange windet im Norden.
Für den Tiger des Westens wird die Farbe weiß angegeben und daran wurde bisher auch kein Zweifel angemeldet. Der Vogel des Südens ist rot. Scharlachrot, um genau zu sein. Aber es ist nicht, entgegen anders lautender Meldungen, der Phönix, sondern eben der Scharlachrote Vogel.

Der Phönix stiftet schon genug Verwirrung mit der dämlichen Übersetzung von Feng oder Fenghuang, dem chinesischen Namen des Fabeltieres, welches nichts, absolut nichts mit dem Phönix der hellenistischen Mystik gemein hat. Der chinesische Phönix erneuert sich nicht aus der Asche, weil er auch nicht vorher verbrennt, sondern wurde nur wegen des ähnlich klingenden Namens "Feng" von irgendwelchen Pseudosinologen so bezeichnet. Wahrscheinlich hat auch hier wieder mein Liebling Richard Wilhelm die Finger im Spiel.
Nochmal, der scharlachrote Vogel im Süden ist nicht Fenghuang. Die mit einer Schlange umwickelte Schildkröte heißt Xuan Wu und ist dunkel (Xuan), manchmal schwarz, manchmal auch dunkelblau genannt. Den Drachen im Osten habe ich in meinem neuen, wieder aufgelegten Taijiquan Buch* als blau bezeichnet. In dem von Richard Bertschinger übersetzten Cantong Jing, wird er ständig grün genannt. Das führt aufmerksame Leser natürlich in Verwirrung, sie mögen sogar denken, es handele sich um verschiedene Drachen, zumal er sich im Cantong Jing sogar in einen roten verwandelt. Des Rätsels Lösung liegt in der Originalbezeichnung Qing 青, dem Radikal 174, welches blau, grün, blaugrün, türkis bedeuten kann. 

Alles wieder klar?




* Tai Ji Quan, das Dao der Bewegung ISBN 978-3732252732
Bei allen Internet-Versendern und natürlich auch im Buchhandel deines Vertrauens, gleich um die Ecke.

Die Nachhimmlische Leere - Hou Tian Wu Ji

Anfang und Ende der Dinge haben keine genauen Grenzen. Die Ursprünge könnten zu den Enden werden, und die Enden werden zum Ursprung. Wie könnte man eine genaue Trennungslinie ziehen zwischen diesen Zyklen? Was jenseits aller Dinge liegt und vor allen Ereignissen, können wir nicht wissen.

Die Vorhimmlische Leere - Xian Tian Wu Ji


Die Vorstellung von Unsterblichkeit hat nichts mit einer Sehnsucht nach Leben zu tun. Die Wahrheit ist, dass es tatsächlich keinen Tod gibt. Weil tatsächlich nur eine einzige Energie existiert, eine einzige allumfassende motivierende Kraft, die die Wurzel aller unserer Aktivitäten ist. Die Große Leere, der allem Leben gemeine Urgrund, ... unaufhörlich entsteht Leben in ihm. Wie also könnte es etwas wie Leben und Tod geben?
Weil wir jedoch ein starkes Begehren verspüren, gehen wir in die Irre und trennen Leben und Tod. Wenn wir sie aus diesem Raum der Stille und Ruhe betrachten, können wir erkennen, dass es nie irgendein Leben oder irgendeinen Tod gegeben hat. Alles, was existiert, ist diese eine kreisende, fließende Energie.

Aus dem Vorwort zum Cantong Qi Shu Liu, zitiert nach der Übersetzung von Richard Bertschinger "Das Dao der Unsterblichkeit", Krüger, 1997

Mofang

Eine Schamanin aus Wudangshan, die mir zwar viel erzählt hat, wovon ich aber nicht alles verstanden habe, fand es jedenfalls wichtig, mir im Zusammenhang mit meinen Baguazhang-Studien ein magisches Quadrat, ein Mofang, aufzuzeichnen.


Ausgangspunkt ist die Houtian-Anordnung der acht Trigramme. In die Mitte wird das Taijitu gestellt. Nun durchläuft man das Quadrat in einem Zickzack-Kurs über die Zahlen Eins bis Neun. Dazu werden entsprechend der Trigramme Handpositionen eingenommen.
Es zeigt Wirkung.





Das oberste Prinzip und die zwölf Lehrsätze nach Fu Xi


Der Kosmos entsteht aus dem Zusammenspiel der beiden Kräfte  Yang und Yin und deren Wechselwirkungen.
  1. Der Kosmos ist geschaffen oder gestaltet durch Wu Ji oder Dao (innere Natur, Energie, Nichts).
  2. Wuji schafft aus sich die beiden Pole, Yang - Energie und Yin  - Energie.
  3. Yang - Energie und Yin - Energie sind gegensätzlich.
  4. Alle Wesen und Erscheinungen im Kosmos sind vielfältige und komplexe Verbindungen (Ansammlungen) von Yang - Energie und Yin - Energie in allen Größenordnungen.
  5. Die Wesen und Erscheinungen sind von unterschiedlicher Dynamik und Ausgewogenheit. Nichts im Kosmos ist stabil oder fertig. Alles ist in unaufhörlicher Bewegung, da die Polarisierung, die Quelle des Seins, ohne Anfang und ohne Ende ist.
  6. Yin- Energie und Yang - Energie ziehen sich gegenseitig an. Nichts ist vollständig Yin oder vollständig Yang.
  7. Yin und Yang sind nur relative Bezeichnungen. Alles ist Yin und Yang vereint.
  8. Nichts ist neutral. Die Polarisierung ist endlos und allumfassend.
  9. Die Anziehungskraft zwischen zwei Wesen ergibt sich aus dem Unterschied zwischen ihren Ladungen gegensätzlicher Energien.
  10. Gleiche Kräfte stoßen einander ab. Die gegenseitige Abstoßung zweier Wesen gleicher Ladung ist umso größer, je näher sie sich kommen.
  11. Yin erschafft Yang, Yang erschafft Yin.
  12. Alle Wesen sind geteilt: innen Yin, außen Yang.

Qi


Wir finden für den Begriff Qi zwei verschiedene Schriftzeichen, genau genommen sind es drei. 
Da wäre zunächst das gebräuchliche , welches sich zusammensetzt aus dem oberen Teil Qi, was sich aus der Darstellung geschichteter Wolken entwickelt hat und dem unteren Teil Mi, was für ungekochten Reis steht. Daraus lässt sich ableiten, das Binomen meine Dunst über Reisfeldern oder der Dampf, der aus dem Reiskochtopf aufsteigt. Einfallsreicher finde ich die Deutung, Qi entstehe aus Atem und Nahrung, was tatsächlich der Fall ist. Auch lässt sich verstehen, das Qi sich sowohl als feinsten Hauch oder festes Samenkorn manifestieren kann. Leider wird in der nun gebräuchlichen modernen Kurzschrift nur noch der obere Teil geschrieben. Das ist Atem oder Dunst, die feste Nahrung fällt  weg. 

Wenige gebräuchlich ist eine andere Variante, die auch vorwiegend in philosophischen Texten zu finden ist.  
Dieses Zeichen besteht ebenfalls aus zwei Teilen: ji mit der Bedeutung „Nahrung hinunter zu würgen“ und darunter das Radikal für Feuer , was in Verbindung mit einem anderen Zeichen in vier kurzen Strichen geschrieben wird. Wenn uns das auch ziemlich fremd vorkommen mag, so ist es doch in der Bedeutung nicht viel anders, wenn wir es verstehen als das Feuer, welches entfacht wird von dem, was wir „hinunterschlucken“, sei es nun feste Nahrung oder Atemluft.


Nachtrag: Im Kangxi Zidian, einem der wichtigsten klassischen Wörterbücher der chinesischen Schrift finden wir das Zeichen mit der Deutung 氣宇註 Qi Yu Zhu, was ich als "das sich in den Weltraum oder aus dem Weltraum ergiessende Qi" übersetzen würde.

Loslassen


放之自然  體無去住  任性合道
Sich lösen, Selbst vertrauen
das Wesen weder geht noch bleibt
die eigene Natur dem Dao folgt

Das Wesen mag die Form verändern, kann sich auf die unterschiedlichsten Weisen offenbaren. Heute bist du glücklich, morgen traurig, heute bildest du dich, morgen hängst du rum, was ist dann dein Wesen. Das Wesen hat keine feste Erscheinung. Warum solltest du dann an etwas festhalten, was du für dein Eigen hältst? 

Wer dem Dao folgen will, muss freundlich, aufrecht und ernsthaft  sein in seinem Streben. Ein weißer Kranich (ein Schüler des Dao) muss seine Sinne klären und zur Natur zurückkehren.
Nur mit einem ausdauernden. gewissenhaften und duldsamen Herzen, voller Respekt und tiefem Glauben, kann man die höchsten Fähigkeiten erlernen.
Wer die Ruhe im Herzen erreicht, kann dem Dao folgen.
(Zhang San Feng  ca. 1200)

Das Dao ist niemals weit entfernt, gleichwohl es schwer zu erreichen sein mag. Es ist in jedem von uns, gleichwohl es schwer zu ergreifen sein mag. Wenn wir frei von Wünschen bleiben, wird der Geist sein Heim (das Herz) betreten. Wenn wir alle Unreinheiten weg fegen, wird der Geist bei uns bleiben. Die Menschen sehnen sich alle nach Intelligenz und Weisheit, doch nur selten suchen sie zu verstehen, was die Quelle ihrer Existenz ist. 
(Guanzi, ca. 200 v. Chr.)

Loslassen ist ganz einfach. Man öffnet die Faust. So wie man die Faust öffnet, kann man auch den ganzen Körper öffnen. Den Körper als Ganzes, als Einheit und in seinen Teilen. Alle Gelenke, die Muskeln, die Schwere. 
Eine Faust öffnet sich von Innen, aus ihrer Mitte und so öffnet sich auch der gesamte Körper aus seiner Mitte. Du lässt los, was du in deinem Innersten festhältst. Du lässt es los und in die Welt treten.
Ist der Körper nicht in gelöstem Zustand, dann stagniert das Qi.  Gelöst bedeutet entschlossen. Entschlossenes ist offen, aufnahmebereit und lebendig. Wie eine geöffnete Hand bereit ist, etwas anzunehmen. Wer festhält, nimmt sich selbst gefangen. 



Es ist für viele Menschen schon sehr schwer, ihren Körper zu entspannen, umso schwerer fällt es ihnen, sich von der geistigen Spannung zu lösen. 
Die meisten kommen mit ihren Vorstellungen, die ihnen den Blick auf die Wirklichkeit versperren. Das ist die schwierige Arbeit, diese Vorstellung beiseite zu schieben. Sie wissen zwar nicht, was Dao ist, aber sie glauben, es zu wissen. Mit jeder neuen Information, die sie bekommen, glauben sie, es besser zu wissen. Mit all diesem Glauben und Wissen stehen die Übenden der Erfahrung des Dao im Weg. 

In der richtigen Körperhaltung  kannst du alle Gedanken und Gefühle loslassen. Im natürlichen Gleichgewicht werden Körper und Geist eins, und wir verwirklichen die schlichte Wirklichkeit so wie sie ist - ohne Färbungen und Verzerrungen durch unsere Gedanken, Gefühle, Hoffnungen, Ängste etc. ohne irgendetwas zu erwarten. Es handelt sich dabei nicht um einen speziellen, entrückten, "spirituellen" Geisteszustand. Es ist nicht notwendig, Mantras aufzusagen, Räucherwerk zu verbrennen, Zeremonien auszuführen oder irgendwelche Heiligen zu verehren. 
Es ist der Zustand vor allen Zuständen.
Wir können Dao weder erlangen noch herstellen. Es ist immer und überall vorhanden, reichlich. Wir können es erfahren, spüren, erlauschen, erkennen. Nach und nach entwickelt sich ein Sinn dafür. Der Weg dorthin heißt Üben. Immer und immer wieder. 
Wiederholen, 
Rezitieren. 
Man kann den Prozess nicht beschleunigen, nur verlangsamen, indem man zu wenig tut.

Durch Rezitation dringt die Übung in dich ein. Sie öffnet sich für dich, wenn du offen bist für sie. Wenn du gewartet hast. Loslassen kannst du nicht durch Nachdenken, durch Grübeln erreichen. 
Je mehr du deinen Körper lockerst, löst und entspannst, desto gelöster wird dein Geist, desto mehr befreist du dich von deinen Vorstellungen, deinen Sorgen und Ängsten. Dann gerätst du langsam in den Zustand von Wu Wei, dann wird dein Handeln frei. Du fragst nicht mehr danach, ob dein Qi fließt. Es fließt. Du machst deine Übungen und du kehrst zurück zu deinem ursprünglichen Wesen, deinem Antlitz vor der Geburt. Deinem wahren So-Sein, zu dem, was sich in dir und durch dich verwirklichen will.
Dies ist ein langer und schwieriger Weg. Es braucht eine Menge Geduld. 

Taijiquan nicht als „Taiji-Gymnastik“ üben


Von Wang Yusheng
aus Wuhun Nr. 200, übersetzt von Stefan Gätzner für das Magazin für Chinesische Kampfkunst 2005
Einhergehend mit der Schaffung und Popularisierung der verschiedenen Taijiquan Wettkampfformen mit 24, 42 und 48 Figuren ist das Üben dieses „modernen Taijiquan“ bereits zu einem Fitnessport für die Massen geworden, der überall auf den Straßen häufig zu sehen ist. Jedoch erregen auch einige dadurch entstandene Probleme die Aufmerksamkeit, z.B.:
Manche Leute kucken beim Üben durch die Gegend oder unterhalten sich dabei, sie sind unkonzentriert. Andere legen Wert auf die Übung der Formen und vernachlässigen dabei das Training der Grundlagenübungen; sie mögen zwar seit vielen Jahren üben, aber ihr Fortschritt ist mäßig. Wiederum andere setzen die (Muskel)Kraft und nicht das Verständnis des Herzens beim Üben ein, ihr Taijiquan ist hart und nicht geschmeidig; zwar sieht es von der äußeren Form nach richtig aus, aber der geistige Aspekt entspricht nicht den Anforderungen. In den parkanlagen gibt es auch Gruppen von Leuten die zu Musik Taijiquan üben, mal bewegen sie sich schnell, mal langsam…
Es handelt sich hierbei um eine „Verfremdung“ des Taijiquan.
Was einen aber noch mehr mit Besorgnis erfüllt ist die Tatsache, dass zahlreiche Freunde aus dem Ausland selbst glauben, echtes chinesisches Gongfu erlernt zu haben. Sobald sie jedoch echtes Taijiquan zu Gesicht bekommen, wissen sie erstaunlicherweise nicht einmal, was das ist. 

Mit Pfeil und Bogenschritt*


Als Kinder konnten wir auf Trümmergrundstücken, verwilderten Gärten und dem riesigen Holzlager eines Sägewerks spielen. Wir waren eine Bande kleiner Racker und Horst, der uns um zwei Jahre überragte, war unser natürlicher Anführer. 
Eines Tages, als wir wieder einmal Cowboys waren und gerade anscheinend der Saft raus war aus dem Spiel, da sammelte ich einen geraden Zweig vom Boden auf und erklärte, diesen Pfeil gefunden zu haben, es sei Vorsicht geboten, anscheinend seien Indianer in der Nähe. 
Horst lobte mich für meine Aufmerksamkeit und Umsicht, als Auszeichnung bekam ich das ca. 10 cm lange Stück einer Klokette. 
Das passte nun meinem Freund Werner nicht, der mitten im Spiel die Realität reinholte und den Zweig vom Pfeil wieder zum Zweig degradierte. Das habe ich mir doch nur ausgedacht, es seien keine Indianer in der Nähe und mir gebühre die Ehre nicht.

Wir sehen an dieser Episode, dass alles, was Spiel, was Phantasie war, in einer Ehrung mündete, die dann tatsächlich an mir klebte. Diese Ehrung, symbolisiert durch eine Klokette, war in die Realität eingedrungen. Dort gehörte sie, zumindest für einen, nicht hin. Was ist denn eine Ehrung? Ein ausgesprochenes Wort, ein Stück Papier mit lobsamen Titeln, ein Orden, eine Klokette. Alles letztlich nur Phantasie, ausgedachtes Zeugs, eine Produktion des Affentheaters.  Die ganze Ehrung, die den Einen über die anderen heben soll, sollte auf einer Leistung beruhen. Auf einer tatsächlich erbrachten Leistung. Es sollte eine Anstrengung vorausgegangen sein, ein über sich, über das Allgemeine hinauswachsendes Wirken. Es sollte wirklich sein, nicht nur erfunden, nicht nur anerkannt. 

So stellt uns das Leben oder die Gesellschaft Aufgaben, die gelöst und bewältigt werden sollen. Machen wir es gut, bekommen wir Fleißkärtchen, Schulterklopfen, Händedruck, eine Ehrennadel, eine Gehaltserhöhung oder auch nichts. Wurde leider nicht wahrgenommen, übersehen. 

So dachte sich vor langer Zeit einer was aus, eine Art sich zu bewegen, die sich zum Kämpfen eignete und gleichzeitig eine Meditation sein konnte. Keine leichte Sache, das. Da einige daran Gefallen und Nutzen fanden, erhielt es sich, wurde mehrfach überarbeitet, verfeinert, verändert und gelangte letztlich auch in eine andere Kultur. Dort aber landete es nicht bei jenen, die berufsmäßig kämpften (die hatten nur ein müdes Lächeln für die fremde Methode) oder sich in Meditation auskannten, sondern fasste Fuß in einer Subkultur versponnener Halbintellektueller, die gerade eine Revolution verpasst hatten, auf dem Weg in die Landkommune über sich selbst gestolpert waren und in den slow motion Bewegungen einen passenden Ausdruck ihres dauerbekifften Bewusstseins fanden. 
Überraschender Weise gelangte die neue Bewegungsart aus diesem Millieu hinaus in die Volkshochschulen und sogar in einige Sportvereine, immer noch umhaucht von esoterischem Geschwurbel. Aber die neueren Vertreter beharrten auf dem gesundheitlichen Wert und sogar die Krankenkassen ließen sich davon überzeugen. Damit begann die „Institutionalisierung“ ohne dass irgendjemand prüfte, ob das überhaupt etwas Wirkliches und nicht nur Imitiertes, falsch Nachempfundenes sei. Obwohl alle nur so taten als wären sie Cowboys, wurden sie behandelt, als wären sie wirklich welche. Sie wurden respektiert. Kritiker, die behaupteten, das sei alles nicht wirkungsvoll, womit sie ja recht hatten, fanden sich immer weniger. Sie wurden einfach mit asiatischer Weisheit niedergelächelt.
Die wenigen Praktiker, die wussten, was sie da nicht machten, sahen sich gezwungen, der gesellschaftlichen Entwicklung folgend, lächerliche Standards zu entwickeln, nach denen auch eine übergewichtige Hausfrau, so sie denn beide Arme gleichzeitig heben und senken konnte, ein Kursleiter-Zertifikat ausgestellt bekam.

Womit wir wieder bei der Ehrung angekommen sind. China ist ein sehr großes Land mit sehr vielen Menschen. Aber auch dort gibt es nur sehr wenige wirkliche Meister des Taijiquan oder Qigong. Dann gibt es dort eine Menge ganz guter Praktiker, die vielleicht auch Unterricht geben. Und dann gibt es dort noch eine große Menge (aber bei weitem nicht so viele, wie man hierzulande glaubt), die es als eine Art Volkssport betreibt. Höchstens auf dem Niveau einer Fußball-Thekenmannschaft. Ungefähr auf genau diesem Niveau befinden sich die in Deutschland als Ausbilder aktiven Geisterfahrer. Wer also von so jemandem einen Wisch bekommt, auf dem Zertifikat  oder ähnliches steht, der sollte sich darüber im Klaren sein, dafür einen Zweig aufgehoben und ihn zum Indianerpfeil deklariert zu haben. Mehr nicht.


Nachtrag: Nun hat mich ein Leserbrief darauf aufmerksam gemacht, was hier missverstanden werden könnte. Ich beschimpfe, so ich denn schimpfe, nicht die Opfer eines Systems, ich beschimpfe die Täter. Wozu auch ich gehöre. Es war und ist falsch, zu suggerieren, man könne in 300 Unterrichtsstunden, seien sie nun auf drei Jahre verteilt oder in sechs Wochen absolviert, die Qualifikation eines Kursleiters bekommen. 
Eine Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk mit dem Schwerpunkt Bäckerei verkauft Brot und Backwaren, zum Teil auch kleine Imbisse. Sie bedient und berät Kunden, präsentieren ihre Waren und hält den Verkaufsraum sauber. Dazu braucht sie eine 3jährige Vollzeit-Ausbildung im Geschäft und in der Berufsschule und sie legt eine Abschlussprüfung ab. 
Wer anderen Menschen wirkungsvoll Qigong oder Taijiquan vermitteln will, sollte sich auf eine mindestens ebenso umfangreiche Ausbildung einstellen. Würde man eine entsprechende Anforderung in Deutschland stellen, gäbe es nur wenige, aber dafür wahrscheinlich weitaus bessere Plätze, an denen Qigong und Taijiquan praktiziert werden kann. 
Die chinesischen Künste der Selbstkultivierung mit gesundheitlicher Wirkung sollte man in erster Linie für sich selbst praktizieren, nicht mit missionarischem Eifer.

*Der Bogenschritt, Gong Bu 弓步 ist der wohl häufigste Schritt im Taijiquan, mit dem Gewicht zu ca. 70% auf dem vorderen, gebogenen Bein, das hintere Bein gestreckt.

Kondolenzschreiben

Nachdem ich nun öffentlich meinen Rücktritt von allen Kurs- Seminar- und Ausbildungstätigkeiten bekannt gegeben habe, treffen die Schreiben der Teilnahme und der Überraschungen ein. Interessanterweise vorwiegend von Leuten, die ich nie oder kaum persönlich kennenlernen durfte.


Hier einige Auszüge, zunächst die Empfindungen:


auch wenn ich Deinen Entschluss verstehen kann, bedauere ich ihn sehr.

ich war zwar ziemlich geschockt,

hat mich sehr erschrocken…Alle paar Jahre haben sich unsere Wege gekreuzt.

ich bin total geschockt.

Das ist aber ein Schock!!!

mit Schrecken habe ich Deine Nachricht gelesen

Deine Info´s erschrecken mich

bin noch ein wenig geschockt.

auch wenn ich deine Angebote …, nicht mehr genutzt habe, macht mich es traurig



Die Entschuldigungen und ich wäre so gerne....

Es ist nicht so leicht, an deinen Angeboten, für mich, teilzunehmen.

Die Menschen haben teilweise wirklich Schwierigkeiten das Leben auch wirtschaftlich zu meistern. Sicher gibt es auch andere Gründe ( Prioritäten ).

habe leider überhaupt keine Möglichkeit dort Urlaub zu nehmen.

Jetzt gibt es leider eine Chance weniger dies kennenzulernen und für sich zu entdecken.

und immer wieder auch überlegt, wann wir mal die Sommerakademie wahrnehmen könnten

Ich habe leider nur ein einziges Seminar bei Dir belegt und hätte gerne weitere besucht.

Ich habe fest vorgehabt, bei Dir zu lernen ..

Eigentlich wollte ich noch einige Seminare bei Dir besuchen!

Die Sommerakademie habe ich mir jedes Jahr vorgenommen und dann doch nicht geschafft.

.schade, hatte immer gehofft, dass wir uns doch mal kennen lernen,

Gerne hätte ich bei Dir etwas gelernt, leider waren Deine Seminare zur falschen Zeit am falschen Ort.

schade dass die Seminare so weit weg stattfinden

ich hatte immer noch den Plan, mal zu einem deiner Hombroich Seminare zu kommen.

Ich habe es leider nie zum persönlichen Kontakt geschafft, da ich viel beschäftigt bin,

Seid längerem beziehe ich Deinen Newsletter, habe aber noch nie ein Seminar o.ä. bei Dir besucht.


und die Nur-Leser:

möchte ich rückmelden, dass ich alle Deine Mails gelesen habe

gerne lese ich immer Deine Sendungen bzw. Berichte,

habe ich Deinen Newsletter immer mit großem Interesse gelesen.

habe ich auch immer sehr gerne deine Bilder angeguckt,

mir werden die rundmails fehlen

Ich war immer sehr angetan von Deinen Mails und Nachrichten.

leider konnten wir uns bis dato noch nie kennenlernen.

Ich jedenfalls habe deine Newsletter immer fleissig gelesen,

vielleicht lernen wir uns eines tages doch noch kennen


Das Verständnis anderer Profis:

Das "Problem" hast du nicht alleine.

... hoffe jedoch weiter im kleineren Pensum Seminare anbieten zu können.

oft überlege ich auch, alles Unterrichten aufzugeben.

Ich habe heuer nach 30 Jahren Unterricht alle Indoor Aktivitäten mangels Interesse eingestellt,

Aber auch Kritik:

ist eine Arbeit die Hingabe fordert, nichts für Menschen mit Krösusträume......


Letztlich noch die guten Wünsche:

Genieße du das Leben, wie es dir passt.

alles Gute beim "Verdauen" und bleibe offen für Neues!

viel Glück mit dem, was auch immer du als nächstes machst!

auf deinen neuen Wegen derweil aber schonmal alles Gute!

Auf der Suche nach Taijiquan 2


Du machst also Taijiquan. Woher weißt du das? Ich meine, dass es Taijiquan ist. 
Hat dir dein Lehrer gesagt. Und woher weiß der das? 
Na, hat ihm wohl sein Lehrer gesagt. 
Wer sein Lehrer war, das weißt du nicht? Aber er ist gut, dein Lehrer. 
Woher weißt du das? Ich meine, hast du dir schon viele verschiedene Lehrer angesehen?
Nein, aber wie er sich so bewegt. Aha. Dann weißt du also, wie Taijiquan aussehen sollte.
Weiche, fließende Bewegungen. So eine Art Schleiertanz ohne Schleier vielleicht?
Nein nein, ich bin nicht ironisch, ich möchte nur wissen, woher du weißt, dass es Taijiquan ist, was du da seit drei Jahren im TV Heimersbach machst. 
Es heißt so. 
Na dann muss es ja Taijiquan sein. Wo Taijiquan drauf steht, ist auch Taijiquan drin. 

Jetzt stellen wir uns mal vor, so eine fremde Kultur, hat bis vor kurzem noch nie was von Schach gehört. Aber seit ca 40 Jahren verbreitet sich dieses Spiel. Findet immer mehr Anhänger. Es gibt hübsche Spielbretter zu kaufen mit unterschiedlicher Anzahl der Felder, auch sehr verschiedene Figuren mit voneinander abweichenden Namen. Zwei oder mehr Menschen sitzen um so ein Brett und schieben die Figuren hin und her. Nicht unbedingt nach Regeln oder zumindest selten nach den Schachregeln. Manche legen Wert darauf, dass immer hübsche Muster entstehen. Einige halten sich an die Regeln, zumindest insofern, dass sie wissen, wie welche Figur bewegt werden darf, versuchen aber nie, den Gegner zu schlagen.
„Gegner? Schlagen? Nein, das machen wir nicht. wir spielen Schack für die Gesundheit.“ 
Schöne Namen haben sie auch gefunden für ihre Spielzüge.




Nun kommen in den letzten Jahren immer wieder einige Schach-Lehrer, die das Spiel inzwischen wirklich gelernt haben. Die begriffen haben, um was es dabei geht. Die versuchen, ernsthaft und bedächtig, liebevoll und begeistert den Mitmenschen die ganze großartige Dimension dieses Spiels nahe zu bringen. Aber Regeln lernen, sich merken, wie welche Figur gezogen werden darf, vorausschauend planen und erst recht nicht, auf Sieg spielen. Das wollen sie einfach nicht. 
Aber Zertifikate möchten sie haben und auch Lehrer werden wollen sie gerne und das schöne Spiel verbreiten, diesen Blödsinn den sie da treiben. 
Bald weiß man selbst im Rest der Welt nicht mehr, wie eigentlich wirklich Schach gespielt wurde, damals, bevor es in der fremden Kultur landete.


es geht weiter

Xiaomo berichtet auf ihrem Kleine Welt Blog 
Yürgen hat auch sein altes Blog wiederbelebt
und neu dazu gekommen sind Susannas Berichte auf Spanisch.

Also bleibt uns treu und kommt das nächste Mal einfach selber mit.

Auf der Suche nach Taijiquan 1

Yang Chen Fus berühmte 10 Sätze über die richtige Ausführung des Taijiquan:


1) 
虛領頂勁
Den Kopf leicht und hoch halten, Bai Hui zum Himmel, damit der Geist den Körper durchdringen kann.

2) 
含胸胸背
Den Brustkorb sinken lassen und den Rücken strecken. 

3) 
鬆腰
Die Hüften entspannen. 

4) 
分虛實
Unterscheiden zwischen dem Wesentlichen und dem Unwesentlichen, zwischen Fülle und Leere. 

5) 
沉肩墜肘
Schultern und Ellbogen hängen. 

6) 
用意不用力 
Die Vorstellungskraft (Yi) statt Körperkraft einsetzen. 

7) 
上下相隨
Oben und Unten miteinander koordinieren. 

8) 
內外相合 
Innen mit Außen vereinen. 

9) 
相連不斷
Beständige Bewegung ohne Unterbrechung. 

10) 
動中求靜
Handle aus der Mitte und suche die Ruhe.

Schulmotto


Die Kampfkünste fördern für gemeinsamen Fortschritt


1. Das Dao der Kampfkünste soll Freundschaften fördern.


2. Respektiere die Meister und Kameraden und kümmere dich um sie. 


3. Übe die Kampfkünste und vervollkommne deine Fähigkeiten.

4. Lerne von jedem und miteinander.

5. Verwende den Gruß der Kampfkünste, sei höflich und freundlich, gib dein Bestes.

6. Verbessere deine Selbstkultivierung, sei aufrichtig und bescheiden, bewahre deinen Glauben.

7. Folge den Regeln und halte dich an die Gesetze, bewahre Gerechtigkeit und Ethik.

8. Schütze die Ressourcen und vermeide Müll, verhalte dich verantwortungsvoll.

9. Pflege öffentliches Eigentum, sei sparsam im Gebrauch von Wasser und Elektrizität und achte auf Hygiene.

10. Genieße dein Studium und lebe in Harmonie.