Qing Jing Jing 1

von Guan Shifu ein Holzperlenarmband geschenkt bekommen mit kleinen eingravierten Schriftzeichen. Ziemlich zum Ende seines Aufenthalts war er dann bereit, uns die ersten Zeilen zu erklären. Ungeduldig wie ich bin, habe ich im Netz gesucht und die komplette Fassung gefunden. Es handelt sich um das Qing Jing Jing 清靜經, dem Klassiker der Reinheit und Stille, wahrscheinlich um das 2 Jahrhundert geschrieben. Der erste überlieferte Kommentar dazu stammt von Du Guanting ( 850 - 933).

Hier der erste Teil im Original und meiner Übersetzung:

老君曰 ﹕

大道無形,生育天地。
大道無情,運行日月。
大道無名,長養萬物。
吾不知其名,強名曰道。
夫道者 ﹕
有清有濁,有動有靜。
天清地濁,天動地靜。
男清女濁,男動女靜。
降本流末,而生萬物。
清者濁之源,靜者動之基。
人能常清靜,天地悉皆歸。


Laojun sagte:
Das große Dao ohne Form gebärt und nährt Himmel und Erde.
Das große Dao ohne Gefühle bewegt Sonne und Mond.
Das große Dao ohne Namen erstellt die Welt.
Ich kenne seinen Namen nicht, so nenne ich es ‚Dao‘.
Das große Dao zeigt sich
in Klarheit und Trübnis, in Bewegung und Ruhe
Der Himmel ist klar, die Erde ist trüb.
Der Himmel bewegt und die Erde ruht.
Das Männliche klar, das Weibliche trüb.
Das Männliche bewegt, das Weibliche ruhend. 
Aus der Quelle entspringend zum Ende hin strömend 
wird alles geboren.
Klarheit ist Ursprung des Trüben
Ruhe ist Ursprung der Bewegung
Wer ständig in Ruhe und Klarheit verweilt
wird sich im Ursprung mit Himmel und Erde vereinen.



Fortsetzung

Fest der doppelten Neun


Am 23. Oktober ist dieses Jahr das Fest der doppelten Neun. Der neunte Tag des neunten Monats nach dem Mondkalender. Es heißt auf Chinesisch auch Chongyang Fest. Das bedeutet doppeltes Yang. In der Yin und Yang Theorie werden auch Zahlen den beiden polaren Kräften zugeordnet. Gerade Zahlen sind Yin, ungerade Zahlen sind Yang. Am 9.9. kommen die beiden höchsten Yang- Zahlen zusammen. Daher der Name. Wenn das Yang am größten wird, wechselt es über in Yin.
Chongyang ist ein bedeutendes Fest in China seit alters her. 
Als Fest der goldenen Zeit des Herbstes hat es Ähnlichkeit mit dem Erntedankfest. So gehen die Menschen hinaus und genießen die letzte Farbenfreude der Natur, ehe es in den Winter geht. Schon vor über 2000 Jahren in der westlichen Han Dynastie zogen die Menschen vor die Tore der Hauptstadt Chan'an auf eine Plattform, um die Schönheit der Natur zu betrachten. Daraus hat sich der Brauch entwickelt, zum Chongyang Fest auf einen Anhöhe zu steigen. 
Was aber machen die Menschen, die in der Ebene leben, weitab von allen Bergen und Erhebungen. Sie machen ein Picknick und essen einen besonderen Kuchen. Das chinesische Wort für Kuchen ist Gao, aber gao ist auch ein Homonym mit der Bedeutung  für "hoch". (siehe die Taiji-Figur "Gao Tan Ma -  hochsteigendes Pferd") So wird das Essen eines Kuchens zum Ersatz für das Ersteigen eines Bergs.

In Wudangshan feiern wir an diesem Tag  auch Zhen Wus Erleuchtung. Ein großer Feiertag in den heiligen Bergen.