Xinxinming 31


诸梦自除  心若不异  万法一如

Die zahllosen Träume verschwinden von selbst 
wenn das Herz nicht unterscheidet
sind die zehntausend Wege gleich




1234  心5若不67  万89一如10

1  zhū:  viele, verschiedene; Zhu; alle 
2  mèng:  Traum; Wunschtraum, Illusion; träumen; Meng 
3  zì:  aus, von, von...aus, seit; Radikal Nr. 132 = selbst, selber, selbstverständlich, aus, von, seit; von, selber, selbst, seit; selbst, selber, persönlich, in eigener Person; selbstverständlich, natürlich; Zi 
4  chú:  beseitigen, entfernen; dividieren, teilen 
5  xīn:  Radikal Nr. 61 = Herz
6 若不  ruòbù:  als ob nicht, wenn nicht
7  yì:  Verschiedenheit, Differenz; ungewöhnlich, außergewöhnlich, fremd, fremdartig; ungleich, verschieden, anders; iso, iso-
8  wàn:  sehr viel, zahllos, unzählig; zehntausend (10000); Wan
9  fǎ:  Gesetz, Recht; Methode
10 一如  yīrú:  genauso wie etw. 


Xinxinming 30


得失是非  一时放却  眼若不眠

richtig und falsch werden scheitern
in dem Augenblick zurückgewiesen
wo das Auge selbst wie schlaflos scheint.



12是非3  一时456  眼78不眠9 

1  de:  Suffix zur Beschreibung der Art und Weise, werden, müssen
2  shī:  ausfallen, scheitern; fehlen, fehlschlagen; verlieren 
3 是非  shìfēi:  Gerede, Geschwätz, Gerüchte; recht oder unrecht; richtig oder falsch; wahr oder falsch
4 一时  yīshí:  kurzzeitig, vorübergehend, spontan, momentan, im Augenblick
5  fàng:  freilassen, gehen lassen, platzieren, setzen 
6  què:  aber, jedoch, dennoch; zurückweisen, ablehnen, ausschlagen 
7  yǎn:  Auge 
8  ruò:  als ob...; ob, sofern; scheinen, deuchen; wie 
9 不眠  bùmián:  schlaflos 


Xinxinming 29

妄自斟酌  梦幻空华  何劳把捉

eingebildet zu bedenken
einen Traum, einen flüchtigen Glanz
wozu die Mühe, zu erfassen?

Das Leben ein Traum? Die Gedanken Schäume? Wozu sich mit alle dem abgeben, sich bemühen es zu verstehen, wenn es nicht sogar eingebildet ist,  arrogante Selbsttäuschung. Es leuchtet kurz ein Licht auf, ein Blitz, ein Gedanke und wir wollen gleich alles verstanden haben. Legen die Welt fest, legen sie in die Ketten unseres Glaubens. 


妄自1斟酌2  梦幻345  何67把捉8

妄自  wàngzì:  anmaßen; arrogant; eingebildet 
斟酌  zhēnzhuó:  abwägen; bedenken 
梦幻  mènghuàn:  Illusion, Sinnestäuschung; Traum; Traumbild; Traumland; Träumerei; traumhaft
 kòng:  freie Zeit, Muße, Lücke; Himmel, Luft; leer, leerstehend, hohl, nichtig, haltlos, nichtsagend;        vergebens, vergeblich, erfolglos, umsonst, für nichts 
 huá:  China; Glanz, Ruhm 
 hé:  das, der; das, was; warum, weshalb; übertrags; übertragen; He
 láo:  Arbeit, Mühe; damme ???; arbeiten, sich abmühen; Lao 
把捉  bǎzhuō festhalten, erfassen





























Auf der Facebookseite der Chinese Medicine Database fand ich dieses Bild. Es sprach mich direkt an und ich habe es selbst in Facebook veröffentlicht mit der Frage, ob jemand weiß, was es darstellt.




Nachdem die ersten dummen Bemerkungen verklungen waren, fand sich eine interessante Runde. Ismet Himmet, selbst ein ernsthafter Praktiker der daoistischen Künste, sowohl was die Kampfkünste als auch die Meditation angeht, gab einige Hinweise. Zum Teil hatte ich diese Aspekte schon selbst gefunden. 
Ismet stellt eine Beziehung zum Yi Jing her, die ich allerdings nicht verstehe. Zumindest sind wir uns einig, dass es den Himmel-Kreis mit dem Erde-Quadrat zeigt. Umgeben ist der Kreis mit den 12 Erdzweigen des Tages oder der Jahre. Das, was man gemeinhin die chinesischen Tierzeichen nennt.
Der Kreis wird von einem auseinander gezogenen Taijitu gebildet. Ismet schreibt dazu: „Dass die Erde (oder alle materielle Ebenen)  innerhalb des Himmels (oder alle Astral-Ebenen) abgebildet ist, zeigt uns auch, dass die Materie AUS der Astral-Wirklichkeit entsteht (oder IN der Ebene).“
weiter sagt er: „Auch finden wir die 5 Elemente und die 4 Erscheinungen (si xiang) (volles yin - oben, volles yang - unten, halbes yin - rechts, halbes yang - links).“

Besonders interessant und von mir nicht gesehen ist seine Deutung des inneren Quadrats (der Erde). „Gleichzeitig zeigt es die 3 Wege auf, über die man aus der Welt zum Himmel gelangen kann (lebendig). Der erste Weg (links) ist der Weg der Verjüngung. Der Zweite Weg (mitte) ist der Weg der höheren-Intelligenz. Den dritten Weg (rechts) konnte ich nicht verstehen.“
Erik Pfeifer meint dazu: „Man kann es einfach schlecht entziffern... aber könnte es sein: links XING (Wesen), rechts MING (Leben) - also duale Kultivation über die Mitte Xingzhi, Wesensweisheit (höhere Intelligenz)?“
Nun warten wir auf weitere Deutungen von unseren Lehrern.

Ein Beweis, dass auch Facebook zu wertvoller Arbeit genutzt werden kann.

Qing Jing Jing 5 & 6


5.
老君曰:
上士無爭,下士好爭。
上德不德,下德執德。
執著之者,不名道德。
眾生所以 , 不得真道者,
為見妄心。
既見妄心,即矜其身。
既矜其身,即著萬物。
既著萬物,即生貪求。
既生貪求,即是煩惱。
煩惱妄想,  憂苦身心。
Lao Jun sagt:
Der Hohe meidet Streit, der Niedere leidet Streit.
Hohe Tugend berührt keine Tugend, niedere Tugend führt zu Tugend. 
Diejenigen die darauf bestehen, verstehen weder Weg noch Wandel.

Darum können nicht alle Wesen 
den wahren Weg erkennen
denn ihre Herzen sind verwirrt.
Ist das Herz verwirrt, 
sind die Gedanken verworren
sind die Gedanken verworren, 
suchen sie äußeren Halt.
Haften sie an äußeren Dingen, 
entstehen Verlangen und Anmaßung.
Haben sich Verlangen und Anmaßung eingenistet, 
breiten sich Ärger und Ängste aus.

6.
便遭濁辱,流浪生死。
常沉苦海,永失真道。
真常之道,悟者自得。
得悟道者,常清靜矣。
Sorgen und Gier vergiften Leib und Seele,
dennoch wälzen sie sich im Schlamm der Schande,
wandern von der Geburt zum Tod,
drohen ständig im Meer der Bitterkeit zu versinken,
auf ewig dem wahren Dao entzweit.

Der wahre und natürliche Weg 
offenbart sich ganz von selbst
denjenigen, die sich ihm widmen.
Wer auf diese Weise begreift, 
bewahrt sich natürlichen Frieden.

Qing Jing Jing 4


4. 如此清靜,漸入真道。 既入真道,名為得道。 雖名得道,實無所得。 為化眾生,名為得道。 能悟之者,可傳聖道。


In Klarheit und Stille, erreiche das wahre Dao
erreichst du das wahre Dao, heißt es vollendetes Bewusstsein
Obwohl vollendetes Bewusstsein genannt, ist nichts zu vollenden.
Das vollendete Bewusstsein ist bestrebt, alle Lebewesen zu befreien.
Nur wer fähig ist dies zu begreifen,  kann den heiligen Weg auch vermitteln.



Fortsetzung

Qing Jing Jing 2 & 3



2.

夫人神好清,而情撓之。 人心好靜,而慾牽之。 常能遣其慾,而心自靜。 澄其心,而神自清。 自然六慾不生,三毒消滅。 所以不能者,為心未澄者, 慾未遣也。 能遣之者﹕ 內觀於心,心無其心; 外觀於形,形無其形; 遠觀於物,物無其物。 三者既悟,唯見於空。

Des Menschen Geist mag Klarheit, aber Gedanken stören sie.
Des Menschen Herz sehnt Ruhe, aber die Wünsche verwirren es.
Wer sein Verlangen bändigt, dessen Herz findet Ruhe.
Wer seine Gedanken klärt, dessen Geist wird rein.
Ganz natürlich entstehen die sechs Begierden nicht mehr und die drei Gifte verschwinden.

Der Grund, warum dies so schwer zu erreichen ist, liegt darin, dass die Herzen nicht klar sind und das Verlangen nicht gebändigt.
Gelingt es das Verlangen zu bändigen:
Betrachte dein Herz, dann findet sich kein Herz,
betrachte deinen Körper, dann gibt es keinen Körper,
betrachte die Dinge, dann existieren keine Dinge.
Hat man diese drei Wahrheiten realisiert, dann sieht man nur Leere.

3.

觀空以空,空無所空。 所空既無,無無亦無。 無無既無,湛然常寂。 寂無所寂,慾豈能生。 慾既不生,即是真靜。 真靜應物,真常得性。 常應常靜﹕常清靜矣。

Selbst das „Sehen der Leere“ wird leer.
die Leere kann nicht geleert werden.
kann sie nicht geleert werden,
existiert auch das Nichts nicht.
existiert das Nichts nicht mehr,
wird der Zustand der Klarheit beständig still.
Kann Stille nicht gestillt werden,
kann kein Verlangen entstehen.
Kann kein Verlangen entstehen,
erreicht man den Zustand wahrer Ruhe.
Wahre Ruhe reagiert auf die Dinge.
Wahre Ruhe eröffnet deine wahre Natur.
Also wenn man reagiert und dabei in Ruhe verweilt,
befindet man sich im Zustand von Klarheit und Ruhe.



 Fortsetzung

Qing Jing Jing 1

von Guan Shifu ein Holzperlenarmband geschenkt bekommen mit kleinen eingravierten Schriftzeichen. Ziemlich zum Ende seines Aufenthalts war er dann bereit, uns die ersten Zeilen zu erklären. Ungeduldig wie ich bin, habe ich im Netz gesucht und die komplette Fassung gefunden. Es handelt sich um das Qing Jing Jing 清靜經, dem Klassiker der Reinheit und Stille, wahrscheinlich um das 2 Jahrhundert geschrieben. Der erste überlieferte Kommentar dazu stammt von Du Guanting ( 850 - 933).

Hier der erste Teil im Original und meiner Übersetzung:

老君曰 ﹕

大道無形,生育天地。
大道無情,運行日月。
大道無名,長養萬物。
吾不知其名,強名曰道。
夫道者 ﹕
有清有濁,有動有靜。
天清地濁,天動地靜。
男清女濁,男動女靜。
降本流末,而生萬物。
清者濁之源,靜者動之基。
人能常清靜,天地悉皆歸。


Laojun sagte:
Das große Dao ohne Form gebärt und nährt Himmel und Erde.
Das große Dao ohne Gefühle bewegt Sonne und Mond.
Das große Dao ohne Namen erstellt die Welt.
Ich kenne seinen Namen nicht, so nenne ich es ‚Dao‘.
Das große Dao zeigt sich
in Klarheit und Trübnis, in Bewegung und Ruhe
Der Himmel ist klar, die Erde ist trüb.
Der Himmel bewegt und die Erde ruht.
Das Männliche klar, das Weibliche trüb.
Das Männliche bewegt, das Weibliche ruhend. 
Aus der Quelle entspringend zum Ende hin strömend 
wird alles geboren.
Klarheit ist Ursprung des Trüben
Ruhe ist Ursprung der Bewegung
Wer ständig in Ruhe und Klarheit verweilt
wird sich im Ursprung mit Himmel und Erde vereinen.



Fortsetzung

Fest der doppelten Neun


Am 23. Oktober ist dieses Jahr das Fest der doppelten Neun. Der neunte Tag des neunten Monats nach dem Mondkalender. Es heißt auf Chinesisch auch Chongyang Fest. Das bedeutet doppeltes Yang. In der Yin und Yang Theorie werden auch Zahlen den beiden polaren Kräften zugeordnet. Gerade Zahlen sind Yin, ungerade Zahlen sind Yang. Am 9.9. kommen die beiden höchsten Yang- Zahlen zusammen. Daher der Name. Wenn das Yang am größten wird, wechselt es über in Yin.
Chongyang ist ein bedeutendes Fest in China seit alters her. 
Als Fest der goldenen Zeit des Herbstes hat es Ähnlichkeit mit dem Erntedankfest. So gehen die Menschen hinaus und genießen die letzte Farbenfreude der Natur, ehe es in den Winter geht. Schon vor über 2000 Jahren in der westlichen Han Dynastie zogen die Menschen vor die Tore der Hauptstadt Chan'an auf eine Plattform, um die Schönheit der Natur zu betrachten. Daraus hat sich der Brauch entwickelt, zum Chongyang Fest auf einen Anhöhe zu steigen. 
Was aber machen die Menschen, die in der Ebene leben, weitab von allen Bergen und Erhebungen. Sie machen ein Picknick und essen einen besonderen Kuchen. Das chinesische Wort für Kuchen ist Gao, aber gao ist auch ein Homonym mit der Bedeutung  für "hoch". (siehe die Taiji-Figur "Gao Tan Ma -  hochsteigendes Pferd") So wird das Essen eines Kuchens zum Ersatz für das Ersteigen eines Bergs.

In Wudangshan feiern wir an diesem Tag  auch Zhen Wus Erleuchtung. Ein großer Feiertag in den heiligen Bergen.

Was den Himmel in mir ausmacht


"Das, was den Himmel in mir ausmacht ist De, die Kraft, das was die Erde in mir ausmacht ist Qi. 
Wenn die Kraft fließt und sich das Qi sammelt, dann existiert Leben. Deshalb heißt es Jing, Feinststoffe, woraus sich das Leben bildet. 
Wenn sich die beiden Feinststoffe (von Himmel und Erde, Yang und Yin) gegenseitig festhalten, dann nennt man das Geist. 
Das, was dem Kommen und Gehen des Geistes folgt, nennt man Geistseele. 
Das, was ebenfalls feinststofflich ist und (am Körper) ein- und austritt, nennt man die Körper-Seele (Po). 
Das, womit die Substanz (Körper) verwaltet wird ist das Herz. Das Herz verfügt über "Reflexion/ Erinnerung“, diese nennt man Gedanken (Yi). 
Dort wo die Ideen zur Existenz kommen und verweilen, das nennt man den Willen. 
Dem Willen zu folgen und das Verweilen zu verändern, das nennt man Denken. 
Den Gedanken folgen (bis hin zu) weit entfernten Wünschen, das nennt man Nachdenken. 
Dem Nachdenken folgen und daraufhin die Dinge anwenden, das nennt man Wissen.“
Aus dem Huang Di Neijing Lingshu (Fragen und Antworten des Gelben Kaisers zur inneren Kraft)

Wolkenhände



Keiner machte Wolkenhände wie Gia Fu. Manchmal waren seine Wolkenhände wie zarte Federn, hingetupft auf einen klaren, blauen Himmel, grenzenlos und ohne Maß, wie ich mal eine hatte erscheinen lassen, direkt über Pikes Peak, nachdem ich eines dieser New Age Bullshit Bücher gelesen hatte, in denen von absoluter Freiheit und der reinen Kraft des Willens geschwärmt wurde. Also wollte ich es wissen, auf der Straße nach Beula, auf der ich jeden Tag meine zehn Meilen zurücklegte, fünf hin und fünf wieder zurück, auf der manchmal ein freundlicher Autofahrer anhielt und fragte, ob er mich mitnehmen könne, nein ich wolle laufen vielen Dank, was sie meistens nicht verstehen konnten, weil doch weit und breit nichts war, wo man hingehen könnte und selbst ein paar Meilen geht doch keiner freiwillig zu Fuß, nicht in Colorado. Aber es gehörte zu unserem täglichen Programm. 
Wolken erscheinen lassen gehörte nicht zum Programm, ganz entschieden nicht, aber ich wollte es wissen und so konzentrierte ich mich auf einen Punkt am Himmel, der absolut blau war und klar, ohne eine einzige Wolke, nicht einmal eine kleine, wie eine Feder, auf einen Punkt direkt über Pikes Peak, und langsam bildete sich ein leichter Nebel, ein Hauch von weiß, der dichter und deutlicher wurde und als es ungefähr so viel war wie auf John Lennons Albumcover Imagine, da hatte ich genug und wollte nur wissen, ob sie auch wieder verschwinden könne, was sie dann auch tat. 
Genauso bedächtig, fast verstohlen, als wäre sie nur irrtümlich da entstanden und wollte es wieder gut machen, heimlich, ehe es jemand bemerkt außer mir. Als sie tatsächlich wieder verschwunden war hatte ich dann auch die Schnauze voll. Wolken erscheinen und wieder verschwinden lassen gehörte nicht zum Programm und nun hatte ich es getan in meiner absoluten Freiheit mit reiner Willenskraft. Es war also möglich, aber in Stillpoint war alles möglich, mehr wollte ich nicht wissen und nicht riskieren. 

Philosophie und Volksreligion Daoismus in China


Die beiden Hauptformen des Daoismus sind der philosophische und der religiöse Daoismus. Beide sind in der Praxis jedoch eng miteinander verbunden. 


Philosophischer Daoismus

Der Daoismus ist neben dem Konfuzianismus die bedeutendste Strömung in der chinesischen Philosophie. Er geht im wesentlichen auf die rund 2500 Jahre alten Texte des legendären Laotse (und Dschuangtse) zurück. Ob Laotse als historische Person überhaupt gelebt hat, ist allerdings umstritten. Trotzdem gelten seine Schriften bis heute als Leitfaden für ein richtiges Leben.
Eine der wichtigsten Verhaltensregeln des Daoismus ist nach Laotse das Gebot des "Wu Wei", des "Nicht-Handelns". Der vollkommenste und natürlichste Zustand aller Dinge sei durch Leerheit und Stille gekennzeichnet: kein Karrierestreben, keine Ausbeutung, keine Aggressionen.
Laotse verglich den nach heiligen Prinzipien lebenden Menschen dazu mit dem Wasser. Es nützte allen Wesen, ringe aber mit niemandem. Die Folgerung: Wenn niemand mit dem anderen ringt, können alle ein friedliches Leben führen. Laotse tritt damit ein für eine Verwandlung des individuellen Charakters von innen heraus. Sein Ziel: eine gute und friedliche Gesellschaft. Spontanes Handeln, das sich frei von Absichten der jeweiligen Situation anpasst, ist die Haltung eines daoistischen Heiligen. Für die meisten Chinesen bedeutet Laotses Weisheit heute vor allem eine gelassene Einstellung zum Leben.
Der philosophische Daoismus lehrt, beide Seiten der Dinge, positive wie negative, zu erkennen, um so ihr Gesamtbild und inneres Wesen zu erfassen. Er ist einerseits praktische Lebens- hilfe bei der Bewältigung von Krisen und Krankheiten. Andererseits ist der Daoismus aber auch eine Religion, ein "Weg" zur individuellen Heilsfindung. Kaiser Xiaozong sagte vor ca. 800 Jahren: "Der Buddhismus ist für den Geist, der Konfuzianismus für die Gesellschaft und der Daoismus für den Körper zuständig". Im Volkskörper und in der chinesischen Kultur ist der Daoismus daher fest verwurzelt.



Religiöser Daoismus


Der religiöse Daoismus hat eine lange und wechselvolle Geschichte mit zahlreichen Schulen und Lehren. Im Laufe der Zeit integrierte er viele bestehende und neue Elemente aus dem alten Volksglauben, schamanis- tischen Praktiken, dem Konfuzianismus und dem Buddhismus. Historisch wird die Entstehung des religiösen Daoismus mit der Gründung der "Sekte der Himmelsmeister" gegen Ende der Han-Dynastie (207 v.Chr. - 220 n.Chr.) gleichgesetzt.
Grundlage sind die Weisheiten und Lehren des Laotse. In der auf ihn zurückgehenden Spruchsammlung "Daode jing", den Kanon des Wegs und seiner Kraft, wird der Weg zum kosmischen Leitmotiv erhoben, dem obersten und ewigen Aspekt des Universums, dem alle Schöpfung zu Grunde liegt.

Dao, "der Weg" oder der Ursprung ist das "Urprinzip des Kosmos". Alles beginnt mit ihm und kehrt wieder zu ihm zurück. Qi (Chi) ist die Energie, der Atem, der allen Dingen innewohnt. Qi wird durch fünf Elemente symbolisiert, die jeweils unterschiedlichen Zuständen entsprechen: Wasser, Holz, Feuer, Erde und Metall. Der Gesundheitszustand des Menschen ist abhängig vom harmonischen Fluss des Qi. Durch meditative, geistige und körperliche Übungen zur Lebenspflege suchten schon früh daoistische Einsiedler die vitale Energie des Qi zu bewahren und in ihrem Geist zu verfeinern. Bis heute suchen sie nach dem Weg des Großen Gleichgewichts, um so Unsterblichkeit zu erlangen. Unsterblichkeit ist das ersehnte Ziel und Ideal aller Daoisten.

Das Qi zeigt sich auch in der Veränderung und im Zusammenspiel der beiden Kräfte Yin und Yang. Sie bilden ebenfalls zwei wichtige Prinzipien der daoistischen Lehre. Es sind entgegengesetzte Kräfte, die durch ihr Wechselspiel und durch ihr Zusammenwirken das gesamte Universum am Leben erhalten. Beiden Kräften werden bestimmte Eigenschaften zugeordnet. Yin ist das Weibliche, Passive, Weiche, das u.a. durch den Mond, das Wasser, die Wolken, die Schildkröte und die Farbe Schwarz symbolisiert wird. Yang dagegen entspricht dem Männlichen, Aktiven und Harten und wird u.a. verkörpert durch die Sonne, das Feuer, den Drachen und die Farbe Rot.
Das Symbol für Yin und Yang ist der Kreis. Die beiden Punkte weisen darauf hin, dass jede der beiden Kräfte auch ihr Gegenteil in sich trägt. Nichts ist Absolut, sondern enthält immer ein Stück des Anderen. Yin und Yang verkörpern damit den Dualismus zweier entgegengesetzter und doch einander ergänzender Kräfte.
Auch in der traditionellen chinesischen Medizin sind die beiden Kräfte von zentraler Bedeutung. Nur wenn sich Yin und Yang im Gleichgewicht befinden, ist der Körper gesund.

Das Verhältnis der Chinesen zur Religion und zu ihren Gottheiten lässt sich durchaus als pragmatisch und lebensnah beschreiben. Eine Religion als praktische Lebenshilfe bei Problemen im Alltag. Der Daosimus kennt eine Vielzahl von Göttern und Gottheiten, die jederzeit erweitert werden können. Ähnlich den Heiligen in der katholischen Kirche nehmen die jeweiligen Gottheiten Einfluss auf ganz bestimmte Lebensbereiche (z.B. für Prüfungen, Liebesbeziehungen, Geldsorgen usw.). Mit Wünschen und Bedürfnissen wird sich an Instanzen gewandt, die sich als wirksam erwiesen haben. Werden die Bitten nicht erhört oder haben die Opfer nicht die gewünschte Wirkung, wird die Gottheit gewechselt.

Der religiöse Daoismus prägt bis heute die Wertvorstellungen, das Handeln und das Brauchtum des chinesischen Volkes. Im Mittelpunkt stehen die Verfeinerung des menschlichen Körpers und das Streben nach Unsterblichkeit. Dies zeigt sich in der Verehrung der Ahnen und bestimmter Gottheiten, in Wahrsagerei, Traumdeutung und Meditation. Daneben verhelfen die richtige Ernährung, Atemübungen und Gymnastik zu anhaltender Gesundheit. Die Wert- und Zielvorstellungen des Daoismus beruhen auf der Gleichberechtigung aller Menschen und Dinge, auf Friedfertigkeit, Natürlichkeit und Bescheidenheit. Das bedeutet, Rücksicht zu nehmen auf die Interessen der Gegenpartei, sie zu achten und behutsam zu behandeln, außerdem Zugeständnisse zu machen und Toleranz zu zeigen.

Die alte chinesische Volksreligion war lange verboten und erwacht heute wie im Wudang-Gebirge wieder zu neuer Blüte. Trotz der jahrelangen Unterdrückung, v.a. während der Kultur- revolution, blieb der Daoismus sowohl als Philosophie, wie auch als Volksreligion überaus lebendig. Nachdem die Machthaber in Beijing (Peking) den Druck gelockert haben, erlebt der religiöse Daoismus beim chinesischen Volk heute seine Renaissance.



Die Regeln der Taijiquan Praxis


Level 1  
Das große Bild - die äußeren Bewegungen
Die Choreografie der Bewegung verstehen
Aufmerksam wiederholen

Level 2 
dong xing – Kleine Bewegungen
Entwicklung der inneren Basisbewegungen
Verbindungen von Körper -Hand - Fuß
Level 3 
Alles zusammen
Alle kleinen und detaillierten Bewegungen einer Form ergeben ein großes Bild.
Level 4
Innen – Außen
Qi und Körper zusammen
Qi und äußere Bewegungen in Harmonie
Level 5
Qi bewegt den Körper
Wudang 2009

Zigaretten

Die Reise diente vor allem der Beantwortung einer einzigen Frage: "Warum rauchen wichtige Figuren in Haruki Murakamis Romanen häufig Zigaretten der Marke Seven Stars?" Es war eine Reise über den Horizont, an den äußersten Rand des Bewusstseins.

Eine solche Frage sollte man nicht stellen, nicht, wenn man in Ruhe weiter leben will. Die Antwort, so es denn eine gegeben hat, findet sich im nächsten Taijiquan Qigong Journal.

Versprochen ist versprochen

Natürlich habe ich versprochen zu schreiben, regelmäßig, wie ich das
immer getan habe, wenn ich wieder mal in Wudangshan weilte. Aber
diesmal hab ich mich wohl versprochen. Ich habe keine Lust! Diesmal
ist mein Mitteilungsbedürfnis eher gering.
Nicht dass es nichts zu erzählen gäbe. Abenteuer und Änderungen
hatten wir schon genug in der noch nicht mal abgelaufenen ersten
Woche. Aber wenn ihr so etwas erleben wollt, liebe Leser, dann kommt
das nächste Mal mit auf den Berg.
Bis dann.

Sendung April 2012

Liebe Freunde,

vor vielen Jahren hatten wir einen immerwährenden Kalender mit einem Spruch für jeden Tag. An meinem Geburtstag stand folgendes:
Der alte Drachen ist gestorben,
nun können sich die Menschen freuen,
doch etwas fehlt, am nächsten Morgen
haben sie schon einen neuen.

So ist es wohl. Wir brauchen immer einen Feind, einen Gegner, der Schuld hat an unserem Unvermögen, an unseren Niederlagen, an allen Schwierigkeiten des Lebens.
Einen, an dem wir uns die Zähne ausbeissen können, an dem wir uns messen und den wir letztlich überwinden wollen. 
In der Legende erkennt Zhen Wu sich selbst als den größten Gegner und widmet sich der Kampfkunst als Weg der Selbstkultivierung. Letztlich geht er als „Wahrer Krieger“ in den Himmel der Unsterblichen ein. 
Die Unsterblichkeit ist sicher nicht jedermanns Sache, aber sich selbst besiegen, täglich, jeden Morgen, wenn der neue Drachen schon vor der Türe wartet.

Ich wünsche allen dabei viel Erfolg.

Yürgen Oster

In dieser Sendung:
• Wudangshan
• Sommerakademie
• Ausbildungen Kursleiter und Lehrer
• Filmtipps
• Zum Schluss

Wudangshan

Meine nächste Wudang-Reise steht bevor. Wie üblich gibt es ein Reisetagebuch ab ca. 18. April auf 
http://wudang-dao.blogspot.com
Ob ich von dort auch eine Sendung von Radio Dorado schicken kann, ist noch ungewiss.

Vor ca. 3 Wochen fand ich ein Interview von 2000, das Paul Shoju Schwerdt mit zwei Vertretern des Wudang -  Daoismus geführt hat. Darin finden wir eine ziemlich überraschende Antwort auf die Frage, welche Bedeutung im Daoismus der Tod und ggf. ein Leben nach dem Tod hat.


Sommerakademie

Hier die Termine in der Übersicht:

15. - 22 Juli  2012
18 Wege vom Berg Wudang & Zurückkehren zum Ursprung
Elbsandsteingebirge
Info und Kontakt: Peter Peschel  post@feuer-und-wasser-verbinden.de

24. - 28. Juli 2012
Taijiquan - Grundlagen, Schwert und Handformen
Mainz - Rosengarten

30. Juli - 5. August 2012
Wudang Wuxing Gong - Fünf Elemente Qigong
Museum Insel Hombroich




Ausbildungen Kursleiter und Lehrer

Letzten Monat haben wir die dritte dreijährige Ausbildungsreihe zum Kursleiter Qigong erfolgreich abgeschlossen. In zwei Monaten geht auch die zweite Reihe zum Kursleiter Taijiquan ins Finale.
Damit hat die DAO akademie 46 Männer und Frauen ausgebildet. Damit gehen die linearen Ausbildungen zu Ende. Was aber nicht bedeutet, wir würden nicht weiter ausbilden.Du kannst alle Seminare, die du bei Lehrern der DAO akademie besuchst in einem Studienbuch eintragen lassen und sammeln. Wenn eine Ausreichende Stundenzahl und ein ausgewogenes Gleichgewicht unter den belegten Seminaren besteht, kannst du dich für einen Abschluss anmelden. 

Weiterer Qigong-Termin: 7. - 10. Juni 2012 , Münster

Filmtipps
Youtube war uns viele Jahre gut für kurze Filme, Trailer und Musikvideos, sofern sie nicht von GEMA, EMI oder Sony gesperrt wurden.
Jetzt finden wir dort auch Spielfilme in voller Länge. Über einen Hinweis bin ich auf eine ganze Reihe chinesischer Klassiker gestoßen, in deutscher Synchronisation. Hier eine kleine Auswahl.

Während China unter dem Militär in den Jahren nach 1920 leidet, wachsen die Japaner zur mächtigsten ausländischen Volksgruppe heran und kontrollieren mittlerweile weite Strecken von Nord-Shanghai. Dort liegt der Nachtclub Casablanca, ein sicherer Hafen für ein vielschichtiges Klientel, dass jede Nacht feiert bis die Sonne aufgeht. Hier treffen sich chinesische Unternehmer, britische Offizielle, japanische Militärs und Spione, die verzweifelt versuchen den japanischen Einfluss in China zurückzudrängen.

Auch der Unternehmer Ku und die Sängerin Kiki gehören zu den Stammgästen im Casablanca. Ku ist allerdings niemand geringeres als der legendäre Held Chen Zhen inkognito, jener Mann, der einst den Tod seines Mentors rächte, in dem er alleine und mit bloßen Händen zahlreiche Japaner tötete. Er floh danach nach Frankreich, wo er mit anderen Chinesen für die Allierten kämpfte.

Maskiert streift er nun immer wieder durch die Stadt, um möglichst viele Landsleute vor den japanischen Todesschwadronen zu retten.

Der neue Film von "Infernal Affairs"-Regisseur Andrew Lau bringt den legendären Leinwand-Helden Chen Zhen zurück ins Kino. Chen Zhen wurde bereits von Bruce Lee in "Die Todesfaust des Cheng Li" ("Fist Of Fury") und von Jet Li in "Fist of Legend" verkörpert.
(Quelle:Filmstarts.de)


China im 19. Jahrhundert: Die Mandschu-Dynastie knechtet das Volk. Doch es gibt einen Mann, der sich wehrt: Der Naturheiler Dr. Yang heilt tagsüber die Armen und überfällt als "Iron Monkey" nachts die Reichen. Das Beutegut verteilt er unter den Bedürftigen. Bald setzen die Mandsch-Tyrannen ihren besten Kämpfer auf ihn an...


Die Manchu-Dynastie unterdrückt das Volk Chinas. Fong Sai Yuk und seine Verlobte Ting Ting treten der Red-Flower-Bruderschaft bei, die die alte Regierung wieder einsetzen will. Als sie versuchen, ein wichtiges Dokument dafür zu stehlen, wird ihre Truppe von Samurais kräftig dezimiert. Fong wird von Manchu-General Sun zu einem Kung-Fu-Wettkampf eingeladen - dort soll er endgültig unschädlich gemacht werden...
Zum Schluss
Metaanalysen von mehreren Studien mit mehr als hunderttausend Probanden habe die Schutzwirkung von regelmäßigem Schokoladekonsum für Herz und Gefäße bestätigt. Entscheidend sei die antioxidativ wirkenden Polyphenole im Kakao.


Quo vadis Wudang?

Interview mit zwei prominenten Daoisten

Anläßlich der 4. Deutschen Qigong-Tage 2000 waren der Abt des Wudang-Tempels(Tempel des Purpurnen Feuerhimmels) und Präsident der daoistischen Gesellschaft Chinas, Wang Guangde (Mitte) und der ehemalige Leiter der Zhanfeng-Wudangschule Tian Liyang  erstmals zu Gast in Deutschland. Paul Shoju Schwerdt  als Vertreter des Wushan nahm die seltene Gelegenheit wahr mehr über den Wudang und seine Künste zu erfahren und interviewte für die Leser des WUSHAN-Magazins und des Taijiquan- und Qigong-Journals die beiden Wudang-Meister.
Wushan: Hierzulande kennt man - wenn überhaupt - allenfalls den Begriff Daoismus. Vom Buddhismus wissen wir mittlerweile dass es mehrere Schulen/Richtungen gibt. Wie ist es im Daojia?
WGD: Es gibt zwei große Schulen. Die eine besteht seit 800 Jahren und heißt "Die Schule der Vollkommenen Wahrheit". Ihr Ziel ist die gleichzeitige Kultivierung der inneren Wesensnatur und Lebenskraft. Ihre Tradition ist streng. Angehörige gründen keine Familien, heiraten nicht.
Dann gibt es die "Schule des wahren Einen", die dem ursprünglichen Daoismus entspricht. In dieser Schule arbeitet man neben der Kultivierung des Lebens z.B. auch mit Talismanen, welche zum Zwecke der Heilung einer Krankheit aufgemalt werden, verbrannt und in Wasser gelöst als Medizin getrunken werden. Das Schaffen eines solchen Talismanes erfordert eine große Konzentrationstiefe.
Wushan: Zu welcher Linie gehören Sie?
WGD: Wir gehören beide der "Schule des wahren Einen", dem "zheng yi pai" an. Diese Schule ist die älteste daoistische Schule Chinas.
Wushan: "Im Laufe der Zeiten hat die Tradition des Wudang sicherlich viele Entwicklungen durchlaufen. Können Sie uns etwas über diese Entwicklung und den heutigen Stand der daoistischen Tempel auf dem Wudang berichten?"
WGD: "Die daoistische Tradition findet heutzutage großen Zuspruch aufgrund ihres Strebens nach Einheit mit der Natur und aufgrund der Tatsache, dass mit dieser Tradition die Kultivierung und Erhaltung des Lebens im Einklang mit der Natur angestrebt wird. Gesundheitsvorsorge und ebenso die Erhaltung der Umwelt sind gerade auch heutzutage in der ganzen Welt wichtige Themen.
In seiner Blütezeit lebten auf dem Wudang 20.000 daoistische Mönche und Nonnen, es gab 480 Klöster und Tempel. Die Tempel machten viele Wandlungsphasen durch, hervorgerufen durch Kriege, politische und gesellschaftliche Veränderungen, durch natürliche Prozesse wie auch durch den Bau eines großen Stausees (des größten Stausees in Asien). Die Wudang-Berge sind heute der Ort mit den meisten Daoisten in ganz China, ca. 150.
Die Tempel auf dem Wudang haben verschiedene Ziele. Es geht zum einen um die eigene Übung in der daoistischen Praxis, dann steht Wudang auch im Dienst als Pilgerort für zahlreiche Pilger.
Die meisten Mönche dürfen nicht heiraten, sie ernähren sich vorwiegend vegetarisch. Fleisch wird meistens nur während der Übungsphasen gegessen, aber auch dann nur höchstens einmal wöchentlich.
Die daoistischen Mönche und Nonnen leben bescheiden und verfügen kaum über eigenen Besitz. Der Wudang ist der Ursprungsort des Taijiquan und der anderen Inneren Künste, daher ist der Wudang auch Ziel vieler Taiji-Interessierter, die hier lernen wollen. Vielen ist der Zusammenhang zwischen Qigong und Taijiquan noch nicht klar: Vor rd. 600 Jahren entdeckte Zhang Sanfeng, dass das Stille Qigong alleine den Körper schwächte und eine Kombination von Qigong mit Bewegung (Donggong) und Qigong ohne Bewegung von Vorteil sei (Jinggong). So entstand das Taijiquan.
Taijiquan, Baguazhang und Xingyiquan sind drei von rund 100 Wudangstilen. Auf dem Wudang leben derzeit rd. 50 Nonnen. Wir sind gerade bemüht den Bildungsstandard auf dem Wudang zu verbessern und dabei ein entsprechendes daoistisches Institut aufzubauen. Vor allem auch sind uns medizinische Kenntnisse wichtig.
Am 28. Mai besuchte der chinesische Staatspräsident Jiang Zemin den Wudang. Er befand, dass die Praktiken des Wudang gut sind, vor allem das Taiji, deswegen wird es jetzt auch in den Schulen eingeführt. Der Staatspräsident stufte den Daoismus als eines der höchsten Kulturgüter Chinas ein.
Der Kern der Religion ist für jedermann erfahrbar, selbst auch für nichtreligiöse Menschen. Jeder kann diese Übungen praktizieren und hierdurch entsprechende Veränderungen bewirken. Es mag sein dass Körper und Geist als getrennt wahrgenommen werden, doch durch das Praktizieren werden sie als eins erfahren. Hierbei werden Kräfte wirksam, die teils wahrnehmbar sind, teil nicht wahrnehmbar sind.
Das ungeborene Kind weiß nichts von Nahrung und wird doch genährt. Nach der Geburt entdeckt es erst die Nahrungs-aufnahme. Ziel des Daojia ist es, in Einheit mit der Natur zu sein. Qi, Jing und Shen sind die Geheimnisse und Schätze unseres Lebens. Auch der Westen erforscht zunehmend die Erkenntnisse des Daoismus. Selbst auch die Computer-wissenschaften entdecken Paralellen zum Daoismus. Das Binäre System, auf dem alle Computer aufbauen, ist letztendlich das Wissen von yin und yang.
So kann man sagen dass der Daoismus vielen Bereichen des Lebens große Dienste erwiesen hat. Der Daoismus wird heutzutage in China unterstützt und gefördert, solange keine Gesetze übertreten werden.
Wushan: Gibt es eine Verbindung zwischen daoistischen und buddhistischen Tempeln, z.B. zwischen Shaolin und Wudang?
WGD: Der Buddhismus kam von Indien. Zu dieser Zeit gab es in China nur den Daoismus, in dem man die Natur verehrte.
Im Buddhismus tut man in diesem Leben vieles für das nächste Leben, für eine bessere Wiedergeburt. Im Daoismus bemüht man sich um das Hier und Jetzt, um dieses Leben und sorgt dafür, das es recht lange währt.
Ja, es gibt enge Verbindungen, Austausch, man besucht sich wechselseitig. Auch die Verbindung zwischen Shaolin und Wudang hat sich gebessert, z.B. gab es 1998 eine gemeinsame Kampfkunstveranstaltung.
Die Ziele beider Kampfkunstschulen sind gleich - es geht um die Gesundheit des menschlichen Körpers.
Wushan: Welche Bedeutung hat der Tod und ggf. ein Leben nach dem Tod im Daoismus?
WGD: Tod und Leben ist eins. In unseren Methoden gibt es drei Wege:
a) Der Körper kommt in den Himmel
b) Der Körper stirbt, aber der Geist lebt weiter und schwebt im Kosmos umher.
c) Ein möglichst langes Leben erlangen
Wushan: Sie sprachen eben von den über 100 Wudang-Kampfkünsten. Welche genau meinen Sie damit?
WGD: Es gibt Säbel, Schwert, Speer, Stock etc., insgesamt 18 verschiedene Waffen. Zu den Wudangstilen zählen alle Inneren Stile und hierin auch ihre Unterstile, d.h. z.B. im Taijiquan Chen-Stil, Wu-Stil, Yang, Sun etc., das Gleiche gilt für Xingyi und Bagua und ihre Untergruppierungen.
Darüber hinaus gibt es noch innerhalb der Bevölkerung einige Stile, die zu den Wudangstilen zählen.
Wushan: Sie benennen häufig die Inneren Stile. Was ist für Sie der Unterschied zwischen neijia und waijia?
TLY: Es ist ein Riesenunterschied. Waijia arbeitet mit den Muskeln, Knochen und Sehnen, waijia-Anhänger machen hartes Qigong, man bedenke die Demonstrationen mit Stahlstangen u.ä., das ist waijia. Neijia ist das Gegenteil. Betont waijia den yang-Aspekt, so betont neijia den yin-Aspekt, es geht im Kampf darum yin zu werden, nicht primär anzugreifen wie im waijia.
Das Innere qi wird hier betont und der Gesundheitsaspekt steht im Vordergrund. Zhang Sanfeng betonte die Lebenspflege, während die Shaolin-Tradition aktiver ist, mehr yang ist.
Wushan: Sie sprachen in Ihrem Vortrag über die Erhaltung und Verlängerung des Lebens, davon, dass es keinerlei Dokumente über ein Ableben von Zhang Sanfeng gibt. Gibt es denn Dokumente über seine damalige Existenz, Nachweise, dass er überhaupt gelebt hat?
WGD: Ja. Es gibt in den Wudang-Archiven entsprechende Aufzeichnungen, dass er dort gelebt hat. Es gibt einen kaiserlichen Erlass, dass für Zhang Sangfeng ein Tempel gebaut werden sollte mit dem Namen "Yu Xu Gong" (Tempel der Begegnung des Wahren Menschen). Zhang Sanfeng und Zhang Shou Qing begründeten den Daoismus auf dem Wudang.
Der Daoist Zhang Sanfeng entdeckte, dass es verschiedene Kräfte gibt, weich und hart, kommen und gehen, leer und voll etc.. Durch die Prinzipien des Taijiquan fasste er sie in eine Form. Er vereinte beide Kräfte und konzipierte auf dieser Grundlage das Taijiquan.
Leer und voll sind äußerlich nicht zu sehen, der Wechsel der Gegensätze vollzieht sich oft unsichtbar. Es gibt Dinge die man sieht und Dinge, die man nicht sieht, es gibt Formhaftes und Nichtformhaftes und dies wirkt auch im Taijiquan. Der Hauptaspekt des Taijiquan ist die Lebenspflege, doch auch als Kampfkunst ist es sehr effektiv.
Das Formhafte im Formlosen ist die Essenz.
Wushan: Wir möchten es noch genauer wissen: Gab es vor beispielsweise 100 Jahren Bagua, Xingyi und Taijiquan auf dem Wudang und gibt es eine fortlaufende Wudang-Taijiquan Tradition seit Zhang Sanfeng?
WGD: Zhang Sanfeng begründete die erste Form der 13 Bewegungsformen des Taijiquan, danach wurden diese weiter verändert.
Wushan: Auch auf dem Wudang?
WGD: Ja, auch auf dem Wudang. Daraus entwickelte sich später der Chen-Stil, die Stile der Yang, Wu, etc..
Wushan: Gibt es auch eine Zhang Sanfeng-Linie?
WGD: Es sind alles innere Stile, doch auch auf dem Wudang wurde die Tradition Zhang Sanfengs in der Klostertradition fortgesetzt.
Wushan: Es gibt die Legende, dass Zhang Sanfengs Lehre weitergegeben wurde über Personen wie Wang Tsungyue und Jiang Fa. Erkennen Sie diese Linie an?
WGD: Zhang Sanfeng verlies im 23. Jahr der Ming-Dynastie den Wudang und ging nach Henan auf den Wangwu-Berg, der in direkter Nähe von Chenjiagou liegt. Von daher ist es keine Frage wie das Wudang-Taijiquan zum Chen-Taijiquan wurde, wenngleich man sich heute in Chenjiagou dagegen sträubt dass Taijiquan eine Wudangkunst sei.
Wushan: Wie schätzen sie die Gefahr ein dass durch eine Vermarktung der traditionellen chinesischen Künste die eigentliche Kultur verloren geht, sprich - wird man z.B. neben den überall auftretenden Shaolin-Mönchen auch demnächst Wudang-Mönche on tour sehen?
WGD: Es sollte um den Austausch zwischen Ost und West gehen. Wenn man die Kampfkünste aber nur vermarktet ohne die eigentliche Tradition zu vermitteln, d.h. im Grunde nur Geld damit verdienen will ist das eher gefährlich.
Es ist aber gut, die chinesischen Traditionen als solche zu verbreiten. Es geht schließlich um die Erforschung des menschlichen Körpers, des Lebens, damit letztendlich um gute und zu fördernde Sachen.
Wushan: Wir danken Ihnen für dieses Interview und die Zeit, die Sie sich für uns trotz der anstrengenden Seminare für uns genommen haben.
Das Interview wurde geführt von Paul Shoju Schwerdt, dem Vorsitzenden der Wushan International Association. Als Dolmetscherin bewährte sich hervorragend Marianne Herzog, die auch den Kontakt zu beiden Wudang-Meistern herstellte.

Nachtrag
Fakt ist: Wer Taijiquan, Xingyiquan und Baguazhang als traditionelle Wudangkünste darstellt, verwässert und ignoriert die eigentlichen Künste der Wudangregion und wer simples Taiji-Kniestreifen als Wudang-Qigong darstellt, wie anläßlich der Qigongtage Herr Tian, tut den Wudangkünsten keinen Gefallen.
Ich schätze Herrn Tian durchaus als guten Wushu-Könner mit klassischer Ausbildung und gönne ihm, dass er mit seinem Image "Meister vom Wudanggebirge" gutes Geld verdient.
Paul Shoju Schwerdt

Dieses Interview ist nunmehr einige Jahre her und seitdem wird fleissig das Gerücht verbreitet, ich "hätte offenslichtlich etwas gegen" Meister Tian Liyang. Dem ist nicht so. Als Liebhaber der traditionellen chinesischen Künste, vor allem auch der Wudangkünste, liegt mir die Bewahrung der Künste und Traditionen am Herzen. Und es gibt tatsächlich etliche wirkliche Wudang-Stile wie z.B. das Huang Ni Zhang, das Chun Yang Quan, das Wudang Wuqinxi, u.v.a..