Nachtrag: Die Heimreise

wie sehr hatte ich gehofft, das mir dieser Post erspart bleibt. Eine einfache, glatte unkomplizierte Heimreise hatte ich mir gewünscht. Nichts, worüber es zu berichten lohnt. Und dann das.
Angefangen hatte es eigentlich schon vor der Hinfahrt. Ich hatte einen Flug für uns gebucht, abends ab Xiangfan nach Beijing und von dort direkt weiter nach Frankfurt. Wir wären dann am Donnerstag so um 16:00 vom Berg runter und am nächsten Morgen 6:00 In Frankfurt. Für mich bedeutet das, innerhalb von 24 Stunden von Tür zu Tür. Die Flugzeit am Morgen wurde dann zweimal nach weiter vorne, also früher verlegt, bis sie so früh war, dass wir erstens es nicht geschafft hätten, mit dem ersten Bus rechtzeitig anzukommen. Sorry, aber Ortsfremden muss ich das erst genauer erklären. Im Wudanggebiet sind nur Linienbusse und Fahrzeuge mit einer Sondergenehmigung zugelassen. Die Akademie hat zwar einen Station Wagon, aber damit bekommt man keine 10 Leute transportiert. Deshalb mussten wir schon am Mittwoch Spätnachmittag runter in die Stadt, dort in einem Hotel übernachten und früh am nächsten Morgen dann mit einem gemieteten Bus zum Flughafen.
Zweitens war der Flug jetzt so früh, dass uns die Airline einen Weiterflug von Beijing noch am selben Tag um 13:30 anbieten konnte. Das wollten nicht alle Teilnehmer nutzen, weil die Ankunft um 18:00 in Frankfurt ihnen für die Weiterfahrt nicht passte. Verständlich, wenn man dann z.B. noch mit dem Zug nach Berlin muss.
Aber mit mir ud Guan waren es dann doch sechs Leute. Ich wollte einfach einen über 12 stündigen Aufenthalt im Flughafen buw. einem Flughafenhotel, was wir angeboten bekommen haben, vermeiden.
Aber da hatte ich die Rechnung nicht mit Freitag dem 13. gemacht. Nein, meine Lieben, kein Aberglauben, sondern das Einreisedatum auf Guans Visum. Deshalb hat man ihn nicht auf den Flieger gelassen. Achso, soll ich noch die Kamelle mit unserem Gepäck erzählen? Klar, soviel zeit muss sein.
Wir hatten in Xiangfan nachgefragt, ob das Gepäck in Beijing direkt durchgecheckt würde, denn die junge Frau bappte Aufkleber drauf mit dem Endziel FRA.
Nein, durch ginge das nicht, wir müssen erst abholen. Stehen wir am Gepäckband im immer wieder faszinierenden Flughafen Terminal 3 und warten. Einer unserer Koffer kommt. Aha, ein Zeichen, dass wir richtig sind. Aber dann kommen keine weiteren mehr und irgendwann sind wir auch die Einzigen, die da rumstehen und warten. Also doch durch. Wie gut, dass wir wenigstens den einen Irrläufer abfangen konnten. Aber das hatte auch Zeit gebraucht und die junge Frau am Check In drängte dann auch zur Eile. Bis sie Guans Pass in die Hand nahm. Nein, er könne nicht mitfliegen. Eben weil sein Visum erst ab dem nächsten Tag gültig sei. Ich versprach, dann mit ihm im Flughafen zu warten bis 00:01, aber darauf wollte sie sich nicht einlassen. Er müsse dann am Schalter H25 umbuchen lassen auf eine spätere Maschine. Da machte man natürlich Zicken und wollte über 200 Euro Gebühr für's Umbuchen. Ich wäre ja bereit gewesen, auch für mich umzubuchen, damit der arme Kerl nicht allein dort rumsitzen müsste. Aber bei der Summe ...
Für mich wurde nun langsam die Zeit eng. Also überließ ich ihn seiner Fähigkeit, durch die Welt zu kommen und schnell rausgefischten 250 Euro (wie gut, das ich noch so viel dabei hatte) falls er tatsächlich bezahlen müsste. In der Eile u vergass ich noch, ihm die nötigen zusätzlichen Papiere für die Einreise zu geben. Meine lieben Freunde, ihr dürft nicht denken, es sei leicht. als Chinese nach Deutschland zu kommen, wenn man nicht in einer professionellen Reisegruppe reist. Europa in fünf Tagen. Da braucht man fast alles, was man schon zum Erlangen des Visums gebraucht hat, bei der Einreise an der Passkontrolle noch einmal. Nie! Nie würde einer von uns bei dem Umstand jemals das Reich der Mitte betreten. Nie und niemand. Es gibt eine große, dicke aber unsichtbare Mauer rund um Schengenland.
Alles weitere weiß ich nur vom Hörensagen. Jedenfalls hat er es geschafft. Sowohl das Umbuchen ohne zu zahlen als auch die Einreise ohne die Papiere. Bei letzterem konnten ihm die vier Mitreisenden, die ja auch den späteren Flieger genommen hatten, noch behilflich sein, wofür ich ihnen sehr dankbar bin. Hier in Deutschland hatte es bis zu seinem Eintreffen ein paar neue graue Haare gegeben. Aber nun ist der Meister hier, wir sind alle glücklich und freuen uns auf die Seminare mit ihm.

Abschied

Die Sonne scheint wieder. Die Luft schwirrt von einer Million weißer Schmetterlinge.
Im Tempel haben sich die höchsten Gottheiten des Daoismus inkarniert, um uns eine gute Heimreise zu wünschen.
Es ist alles wunderschön.

Tische und Tees

Einer ist vom Hocker gefallen. Nein, ich muss das anders erzählen. Zunächst die Einrichtung unseres Speisesaals, was auf Chinesisch zufällig Can Ting heißt, und so sieht es auch aus. Bei dem schönen Wetter haben natürlich alle draußen gesessen gegessen. Aber bei der Feuchtigkeit gestern und heute. Also das sind helle Tischplatten, fast weiß und orangene Sitzschalen, beides aus Plaste auf zusammengeschweißten Vierkantrohren montiert. Immer vier Sitze zusammen mit einer Tischplatte. Der chinesische Gelehrte Gu Hong Ming (1857 -1928) hat damit seine Vielweiberei begründet, dass auch vier Stühle um einen Tisch ständen. Er hat natürlich nicht die Konstruktion unserer Kantine gemeint. Nun sind die Sitzschalen an ein Blech geschraubt, welches auf ein senkrechtes Rohr geschweißt ist und das ist die Schwachstelle. Gestern brach wieder ein solches Blech ab, dem vormals Sitzenden ist aber nichts passiert außer dem Schreck in den Gliedern. Deshalb hat heute der Hausmeister, der vor allem an seinem extrem langsamen Gang zu erkennen ist, alle Sitze einer Inspektion unterzogen, während wir im Karree standen und die Brokate wiederholten. Das bedrohlich knatternde Schweißgerät brachte wohl Herrn Li etwas aus der Fassung, er hat sich mehrmals bei den Übungen verzählt.

Morgen wird gepackt und am Nachmittag geht's runter vom Berg. Eigentlich wollte ich noch Tees einkaufen, spezielle Heiltees, so hatte sie mir ein Schüler empfohlen und einmal hab ich sie gekauft in Deutschland, im Versand für teuer Geld. Da wurden sie auch hoch gelobt ob ihrer tollen Wirkung. Ich hab hier mal vorsichtig angefragt in einer Apotheke, ob sie das Zeugs führen oder besorgen könnten. Als man mir dann aber erklärte, das hätten sie immer vorrätig, ganz gewöhnliche Hausmittel, gegen Fieber und gegen Erkältung, da hab ich das Projekt abgeblasen. Hab an tibetisches Salz gedacht, was ich mal gekauft habe und an andere Wundermittel, von denen ich gleich die Finger gelassen hab. Hier hätten die Tees nur Pfennige gekostet, aber mein Gepäck ist voll.

Das war's mal wieder, liebe Leserinnen und Leser. Bald steh ich auf dem europäischen Kontinent, mit dem Meister an der Hand. Bis denne.

Geräusche

Diese Nacht hab ich es gehört. Das Rauschen. Lilo hat vor zwei Jahren davon geschrieben. Nicht so ein behagliches, dauerhaftes Plätschern, was jetzt zu hören ist, auch nicht dieses fast fröhliche Plästern eines kurzen, heftigen Regens. Es war ein Rauschen, wie wir es vielleicht von einem Wasserfall erinnern, kontinuierlich, ohne Rhythmus, ohne die kleinen Zwischentöne.
Vor dem Einschlafen war mir noch die absolute Stille aufgefallen, die so absolut nicht war, denn sie ließ zu, ein leises Brummen wahrzunehmen. Wahrscheinlich der Kühlschrank in der Küche. Ganz leise, aber auffällig wider die Natur der Stille. Ich habe mich erinnert an ein Video mit John Cage, worin er berichtet, in einem vollkommen schallisolierten Raum ein Rauschen und Pfeifen gehört zu haben. Man hatte ihm erklärt, das sei sein Blutstrom und sein Nervensystem gewesen.
Die Stille hier ist anders. Ich höre weder Blut noch Nerven, denn die Stille hat Weite. Sie isoliert mich nicht, sie nimmt mich auf. Deshalb glaubte ich auch nicht meinen Blutkreislauf zu hören, als ich von dem Rauschen wach wurde. Es war eindeutig außerhalb und es umgab mich. Nur mein Zimmer trennte mich. Sonst wäre ich Teil geworden.
Inzwischen ist wieder Leben zu hören, Vogelrufe, Stimmen, Klopfen und Scharren, das Klappern von Geschirr. Zeit für's Frühstück. Alles nur zu hören, weil es immer noch die Stille als Hintergrund gibt. Die Geräusche verklingen, die Stille bleibt.

Nix los

Heute war nix los. Das fing schon morgens an. Im Tempel war nur eine Reihe Kniebänkchen aufgestellt und davor standen mal gerade fünf Leute. Mit mir wären's sechs gewesen, aber ich bin gleich wieder raus. Draussen war so schwül warm und von meinen morgendlichen Mitmachern bei den Brokaten war auch keiner da. Kamen dann zwar später, aber da hatte ich da schon mit einem anderen Qigong angefangen. Beim Frühstück war auch nix los, weil fast alle Kids für ne Woche weg sind, auf Performance Tour. Unser Lautsprecher A., der sonst schon dafür sorgt, dass nicht versehentlich Ruhe aufkommt, war auch nicht da.
Beim Training war auch nix los. Ich kam schon fünf Minuten zu spät und war der Neunte. Aber alle anderen kamen dann doch mit der Zeit. A. war inzwischen auch dabei.
Es wurde dann so richtig schwül warm. Es hätte schon gereicht, nur an Draußen zu denken, da wär schon der Schweiß gelaufen. Aber bei den Kicks...
Wohl weil nix los war hat sich Übungsleiter Li lustige Sprünge einfallen lassen. Also das war ne Monty Python Nummer. Ich hab die Kids auch schon mal solche Sprünge machen sehen, das sah richtig gut aus. Aber bei uns? Hat sich der Herr Li auch nicht gedacht, schon so jung als Rentneranimateur zu enden. Dafür hat er sich einen lustigen Kleiderstil kreiert. Den Kittel bindet er sich immer hoch, dann hängen von den Hüften abwärts nur noch ein paar Zipfel und die Ärmel krempelt er sich bis zu den Achseln hoch. Das sieht so aus wie sich Reinald Grebe anhört.
Weil aber sonst nix los war hat wohl eine Annie aus Nanjing angerufen bei Meister Guan auf dem Handy der völlig fassungslos mir dieses Gerät gab und dann sagte mir diese Annie, dass sie Lilo kennt und diese ihr auf Facebook geantwortet hat, was sie, Annie, hier in China aber nicht lesen kann (weil sie den Secure-Tunnel nicht kennt) und sie aber im Juli Ende Juni nach Frankfurt kommt. Ich diktiere ihr meine Emailadresse, damit sie mal in gesammelten Worten mitteilen kann, was sie eigentlich will aber sie will lieber ihre Adresse an Meister Guans Handy schicken, das sei sicherer. Und da geb ich ihr Recht. Inzwischen hab ich Lilo mit dieser Annie verkuppeln können.
Weil die Kids fast alle weg sind, ist heut auch am Abend draußen nix los. Aber morgen soll's regnen. Vielleicht kann ich dann was schreiben.

Vertreibung aus dem Paradies

Manche Tage sind einfach so. Die haben's in sich. Da kannst du machen was du willst.
Unsere Truppe ist beachtlich zusammengeschmolzen. In den letzten Tage sind einige sang und klanglos verschwunden. Es gab Tage, da standen wir uns beim Training regelrecht auf den Füßen. Es erforderte schon einiges an Disziplin, nicht andauernd jemandem im die Form zu laufen. Nun sind wir wenige, da solte es diese Probleme nicht mehr geben. Aber es ist wieder ziemlich heiß und schattige Plätze sind begehrt. Ich hatte einen heute morgen. Einen, der versprach, auch noch eine Stunde lang schattig zu bleiben.
"Brauchst du den ganzen Platz für deine Form oder können wir dahin zu zweit?"
Ja ich brauch nicht so viel, ich komme mit dem aus, den ihr euch teilt. Mach ich nicht Schwert sondern die Dreizehner, die ist kleiner. Rechts neben mir übt nur L. ihren neuen Schritt. Aber dann kommt U. dazu und noch der kleine Chinese mit der Zahnspange und mit mal hab ich nur noch einsfuffzig. Geh ich in den Hof, vielleicht ist da noch Platz, üben nicht so viele. Genau, das da reicht völlig. Ich habe gerade die erste Reihe gelaufen und bin auf dem Weg zurück, stehen da zwei Frauen und üben den vierten Brokat, mit ausgestreckten Armen drehen. Die müssen da gewachsen sein. Waren beide vorher nicht zu sehen. Wo kommen die her? Bisher hab ich drei Anläufe gemacht und nicht einmal die Form zu Ende gelaufen. Äußerlich bin ich noch ganz ruhig. (ansonsten Land des Lächelns von Franz Lehar)
Gut, ich stelle mich mitten in den Hof in die pralle Sonne. Dort ist niemand. Dort kann ich dann auch die Schwertform laufen. Ich fange an, dreh mich nach rechts, schräg hinter mir steht L. Warum? Sie war die ganze Zeit im Schatten. Jetzt bin ich da weg, es gibt noch mehr Platz. Warum steht sie jetzt da wo ich nach wenigen Schritten mit meinem Schwert hin stoßen muss. Ich bin dermaßen erschüttert, dass ich noch mal von vorne anfangen muss.
Ich stelle mich einen Schritt weiter vor, damit ich L. nicht störe und sie mich nicht. Füße zusammen. Ganz ruhig, Schritt nach links. Ehe ich die Arme heben kann, strömen die Kids in den Hof, tollen rum und bauen sich ungerührt eine halben Meter vor mir auf zum Appell.
Bevor ich noch jemandem Schaden zufüge packe ich mein Schwert ein und geh auf mein Zimmer. Ich kann mich gerade noch beherrschen die Türe zu knallen.
Manche Tage sind einfach so. Die haben's in sich. Da kannst du machen was du willst.

Made in

Die Kleider sind angekommen. Ich hatte geglaubt, meine kleine chinesische Schneiderin (kennst du den Film bzw das Buch: Balzac und die kleine...) würde die Brocken in einen Karton packen dem Busfahrer reinreichen und der würd's dann im Vorbeifahren bei Qu Taitai aus dem Wagen kicken. Nachdem ich mich ausgeruht habe vom Bergbesteigen geh ich kurz nach fünf mal hoch, wieder mit meinem Trolli in der Hand. Sitzt sie da, höchstpersönlich und winkt mir schon von weitem zu. Hat über eine Stunde gewartet, will sicher sein, dass alles in Ordnung ist usw. Treue Seele. Wir gehen alles durch und stellen fest, ein Anzug wurde vergessen. Nicht zu nähen, sondern zu Bestellen. Michael, du bekommst nur zwei Anzüge, den dritten beim nächsten Mal.
Skeptisch hatte ich mir schon den dicken Sack angesehen, mit dem sie gekommen war. Nach Prüfung der Ware auf Vollzähligkeit und richtiger Ausführung beginne ich, Teil für Teil in meinen Trolli zu packen. Das wollen nun alle sehen. Stehen in dichtem Kreis um mich rum und kommentieren jeden Handgriff. Das passt nicht alles da rein, niemals, nein nein. Ich packe. Teil für Teil. Mache den Zwischentest, nachdem die Hälfte drin ist und schon alles über den Rand quillt. Ziehe den Reissverschluss zu. Noch viel Platz drin. Die ersten anerkennend vorgeschobenen Unterlippen. Alles kommt rein und der Koffer geht immer noch zu. Alle nicken in die Runde. Stolz weise ich darauf hin, das Teil sei ja auch made in China. Der Schneiderin geb ich noch ne Limo aus und wir verabschieden uns strahlen. Der kleine Mann zieht mir sogar den Trolli bis zur Treppe.
Apropos made in...
A. hat sich in der Stadt ein paar CDs gekauft, chinesische Musik, Bambusflöte, Guzheng und mongolische Pferdekopfgeige. Und was steht unten drauf? Na?
Made in Germany

Am Haken

Wir waren heute auf dem Tianzhu. Achim und ich sind die 3000 Stufen zu Fuß (rauf und runter), der Rest hat geschwächelt und die Seilbahn genommen (rauf - zu Fuß runter). War schön. Aber rappelsvoll. Vor Jahren ... ach was jammere ich über die gute alte Zeit. Es ist doch immer noch schön hier.
Wir, die Immerwiederkommenden, lagern gerne einiges an Utensil auf dem Dachboden. Es sammeln sich dort inzwischen einige Taschen und Koffer. Ungewiss, ob wirklich alle Eigentümer auch wieder her finden. Zu den Dingen, die es überflüssig wären, immer hin und her geschleppt zu werden, gehört auch ein Föhn. Zur Zeit brauch ich den nicht, eher mal im Herbst. Er befand sich in meiner Tasche und der Ordnung halber hab ich ihn in dem Hotel am Nanyan, in dem ich zwischengelagert wurde, im Bad an einen Haken gehängt. Und dort hängen gelassen. Da ich ihn derzeit nicht brauche, ist mir sein Fehlen auch nicht bewusst geworden. Gestern kam mir da so was in Erinnerung. Wo ist denn eigentlich der Föhn? Muss ich wohl im Xian He Hotel hängen gelassen haben.
Auf dem Rückweg vom Golden Top (welches sich auf dem Tian Zhu befindet) bin ich kurz eingeschwenkt ins Xian He und hab mal freundlich angefragt. Erst mal, ob man sich überhaupt noch an mich erinnert. Immerhin leiden viele Chinesen an einer ähnlichen Identanämie wie Europäer den Chinesen gegenüber - meint, die sehen alle gleich aus. Aber doch jaja, ich hab doch im Haus gewohnt. Nun, ich hätte da meinen Föhn vergessen. Eine Maid wird herbeigerufen die mich nach oben führt wo sie einer anderen Maid meinen Verlust benennt, die dann umgehend aus einer Kammer meinen Föhn zum Vorschein bringt.
Alles klar? Nette Menschen hier. Und ehrlich.

*Vorschlag an Georg als Facebook Post: Yürgen kriegt nen Föhn

Wandeln und Handeln (Dao De ...)

Die nette Schneiderin, mit der ich mich eigentlich verstehe, guckte ganz groß und erstaunt, als ich heute vormittag mit meinem Schrankkoffer in ihren Laden polterte. Nein, die Anzüge seien noch nicht fertig. Morgen, jaja, morgen seien sie fertig. Ich hätte doch gesagt... Nein nein, ich habe dir extra gesagt am Mittwoch komme ich. Morgen kann ich nicht kommen. Es tut ihr leid und sie telefoniert und es hat was mit einem Fahrrad zu tun, dass auch nicht da ist. Ich hab echt keine Böcke, morgen oder an irgendeinem anderen der verbleibenden Tage noch mal runter zu fahren in die verdammte, laute und dreckige Stadt. Laoying hat seinen Charme, durchaus, aber es nimmt mir gut und gerne drei Stunden Zeit und ein ganzes Gros Nerven, den Weg zu machen. Ausserdem kostet es mich mindestens 35 Kuai, fast 4 Euro Fahrgeld, denn der Local Bus nimmt unsereins nicht mehr mit und den Weg am Fluss entlang, über die Trittsteine und dann zu Fuß 15 Minuten den Berg rauf bis zur Straße, um die Fahrkarte zu sparen, das tu ich mir erst recht nicht an. Das mag was sein für Schweizer Eidgenossen, die den Weg vom Golden Top bis zum Nanyan in 35 Minuten zurücklegen, nur weil sie verrückt genug sind, das mal auszuprobieren.
Zurück in unsere Nähstube. Sie soll mir die Sachen morgen nach oben schaffen, wie ist mir egal und bei der Paketstation Qu abgeben. Nach langen hin und her und den unterschiedlichen Betonungen des Namens Qu Dao Rong ist klar, was bzw. wen ich meine. jajja, sie ist schon etwas älter und so groß, ich zeige noch ein Foto ihrer Tochter (die mit dem Schwerterladen) und langsam lichten sich die dunklen Wolken aller möglichen Missverständnisse und ich bekomme den Eindruck, morgen tatsächlich in den Besitz der schon bezahlten Ware zu gelangen. Jetzt fällt ihr noch etwas ein, sie telefoniert, drückt mir das Handy in die Hand und ich darf mit ihrer Nichte sprechen, die so viel Englisch kann wie ich Chinesisch. Um ja nicht noch mehr Verwirrung aufkommen zu lassen bestätige ich alles, was sie mir sagt mit einem vielsagenden haohao haohao haohao.
Meinen Koffer will ich gleich dort lassen, aber die gute Frau Min ist davon überzeugt, der sei zu klein. Das will ich aber nicht hoffen. Zuversichtlich gehe ich schnurstracks in jenes mir bekannte KofferRucksackTaschenGeschäft (Laden mag man ja nicht aussprechen in diesen Tagen) zum Erwerb eines Rucksacks. So war mein Plan von Anbeginn. Ich bin losgefahren mit dem Trolli, den ich letztes Jahr gekauft habe, ebenda, und in den sollen nun die Anzüge, mein eigen Hab und Gut muss in einen Rucksack, der sich auch für den Fahrradfahrer im Stadtverkehr eignet. Den habe ich auch sofort erspäht. Ich lasse mir also ein anderes Modell zeigen. Aber ehe es dazu kommt, erkennt der Verkäufer meinen Trolli als bei ihm gekauft, freut sich über den treuen Kunden und schweisst erst mal die sich lösenden Fasern am Trolli mit dem Feuerzeug fest. Jetzt bin ich schon in der richtigen Position um gleich auf das Objekt der Begierde zu zeigen. Diesen da ja, den Gelben. Was will er dafür? 180 Kuai (Yuan im Volksmund)? Ich biete hundert, er schüttelt mitleidig lächelnd den Kopf, 130. Na gut, ich könnte jetzt noch 110 sagen und er dann 120 aber ich lass ihm die Freude und schlage ein.
Die Rückreise in die Berge verläuft ziemlich ereignislos. Ich bin nur immer wieder auf's neue überrascht, wie schön es hier ist. Leute, die ihr da zuhause vor euren Monitoren sitzt. HIER IST ES SCHÖN!
Oben angekommen lass ich mir von Frau Qu eine Nudelsuppe aufgiessen und erkläre ihr, wozu ich sie erkoren hab. Jaja, sie kennt Frau Min, jaja, sie wird sie auch anrufen, blabla, Ich bin mir sicher, das wird schon alles gut gehen morgen.
Wir wollen nämlich morgen zum Golden Top, XinDing, Tianzhu ....
Heute Nachmittag waren wir aber erst im Tai Zi Po. Da haben wir auch wunderbar gehandelt beim Kauf von Bildern und Tee. Aber solange mich die junge Frau noch freundlichst begrüßt, ja mir strahlend entgegen kommt, weiß ich, es ist immer noch was drin beim Handeln. Zum Abschied wünscht sie mich jeden Tag wieder zu sehen. Wahrscheinlich bin ich so was wie ein kleiner Wohlstand bringender Buddha für sie.

Stehen

Gestern gab's Regen und Kälte. Das hat mich gefreut. Zum Einen braucht die Natur dringend Wasser, zum Anderen konnte ich wieder meine warme Jacke anziehen. Wär doch ärgerlich, wenn ich sie umsonst mitgenommen hätte.
Heute ist wieder blauer Himmel und es wird wieder warm. Da kann man sich so hübsche Schweißränder in die Wäsche arbeiten. Batik könnte eigentlich mal wieder in Mode kommen. War in den Siebzigern schwer angesagt und seit dem nicht mehr so richtig. Doch ja, kordelgebatilkte T-Shirts. Ich glaub, wer da jetzt mit anfängt, der kann gut in's Geschäft kommen.
Was einem so alles durch den Kopf gehen kann. Wo kommt das eigentlich her? Sind Gedanken nichts weiter als der Verdauungsprozess der durch die Sinne aufgenommenen Eindrücke? Wir sind ja oft mächtig stolz auf auf das, was uns alles so einfällt. Aber womöglich ist das sehr einfältig. 
Beim Stehen fällt mir immer weniger ein. da bin ich inzwischen mächtig stolz drauf. Wir stehen hier so zwischen zwanzig und dreissig Minuten. Was Stehen bedeutet, habe ich schon mal erklärt, scroll runter, wenn du es nicht weißt. Und dann lies dich langsam von unten wieder hoch, bis du hier ankommst. Dann kannst du ja wieder runterscrollen ...

's geht weiter

irgendwie hab ich gestern Abend wohl den Faden verloren. Mit anderen Worten: mich hat die Müdigkeit übermannt und ich hab nicht mehr das geschrieben, was ich eigentlich schreiben wollte. Nun denn, versuchen wir, den Faden wieder aufzunehmen. Heute haben wir einen kleinen Geschmack davon bekommen, wie das Training aussehen könnte, wenn wir nicht so alte Säcke sondern so junge Hüpfer wären wie die Kids hier. Die echten "Karate Kids".
Damit der unbedarfte Leser, der sich aus purer Langeweile oder Neugier hierhin auf diesen Blog verlaufen hat, die nachfolgende Beschreibung in etwa nachvollziehen kann, hier zunächst ein paar Grundbegriffe.
Ma Bu: heißt wörtlich Pferde Schritt, meint aber keinen Galopp oder Trab sondern einen Stand als ob man auf einem Pferd sitzt. Also etwas breitbeinig, die Füße nach vorne ausgerichtet und die Oberschenkel möglichst horizontal.
Gong Bu: Bogenschritt - das Gewicht lastet zu ca. 70% auf dem vorderen Bein, welches gebogen ist, in unserem Fall sollte der Oberschenkel wieder horizontal sein. Das hintere Bein ist gestreckt, die Hüften stehen ordentlich zu den Seiten, nicht etwa schräg.

Nach dieser kurzen Einführung, mein Freund, stell dir vor du stellst dich in Ma Bu. Dann machst du eine Drehung, sagen wir mal, nach rechts, und kommst in Gong Bu. Ein ordentlicher Gong Bu. Nun drehst du dich um das rechte Bein, schwingst das linke rum und kommst wieder in Ma Bu, guckst nur in die andere Richtung. Jetzt dreh dich nach links wieder in Gong Bu, drehst dich ums linke Bein und landest wieder in - richtig - Ma Bu. Das machst du so lange, bis du ungefähr 50 Meter zurückgelegt hast. 
Jetzt darfst du dich etwas ausruhen. Etwas. Jetzt machen wir das gleiche noch mit einem hübschen Fauststoß. Am Besten einfach die 50 Meter wieder zurück. Dann darfst du dich wieder etwas ausruhen. Etwas. 
Dann ist dem freundliche Lehrer Li, der bei der Bundeswehr eine erfolgreiche Karriere hätte machen können, noch was eingefallen, eine Variation, aber zu kompliziert, um sie zu beschreiben. Aus Ma Bu einen Fußfeger, das Knie hochziehen und wieder in Ma Bu. Natürlich auch wieder die 5o Meter.

Soviel an jene, die mir einen schönen Urlaub gewünscht haben. Nein, ich beklage mich nicht. Ich mach das hier freiwillig. Aber ich möcht euch gerne mal so arbeiten sehen, wie ich hier Urlaub mache.