Zhenwu meint es dieser Tage nicht wirklich gut mit mir. Klar, die Sache mit der reibungslosen Hinreise hat er prima hingekriegt und für das tolle Herbstwetter: Danke schön, nochmal. Den verregneten Einstieg wollen wir mal großzügig hinwegsehen. Wer wäre ich, wenn ich nicht wenigstens eine fette Regenwolke mitbrächte. Gehört ja schon zum guten Ton, das. Aber mich für den kurzen Moment der Schwäche, in dem ich mich nicht überwinden konnte, in den eiskalten Pool zu steigen und eine Gebirgsdusche zu nehmen so zu bestrafen, finde ich gemein, alter Wassergott! Was er mir getan hat? Das Warmwasser abgestellt, das hat er. Schon seit Tagen. Kein Tropfen warm. Hin und wieder schaut mal jemand von der Verwaltung vorbei, dreht ratlos die Hähne auf und zu und geht wieder. So weit war ich auch schon gekommen. Also nur Selbsthilfe. Nostalgische Gefühle: Erinnerung an die alte Akademie vor der Renovierung. Da hätte ich über solche Petitessen gelacht! Also Heißwasserkocher angeworfen, mit kühlerem gemischt, in Flaschen abgefüllt und über mich gegossen. Schade nur, dass der Gießkopf für Flaschen, den ich mir extra besorgt hatte, zu Hause liegt. Weil man es ja nicht mehr braucht. Weil hier ja alles funktioniert.
Was tut sich eigentlich hier so um uns herum? Hier im Hause sind die Pilger zwischenzeitlich ausquartiert worden. Die Zimmer, in denen sich früher 5 Doppelbetten befunden haben mit Waschgelegenheit draußen auf dem Gang, wurden komplett renoviert und in nahezu luxuriöse Gästzimmer verwandelt. Das beruhigt die Stimmung im Hause natürlich etwas. Die Lehrer haben nun auch ihren Platz hier in vernünftigen Zimmern und nicht mehr in Matten auf dem Dachboden hausend, gefunden. Das Dach ist wohl nicht mehr ganz so dicht. Das Problem wurde gelöst, indem man kurzerhand eine riesige schwarze Stoffplane darüber geworfen hat. Mal schauen, ob dies wirklich ein Provisorium ist, oder ob wir uns noch in den nächsten Jahren an diesem Anblick erfreuen können. Draußen vor der Tür hat man das, war früher wohl mal ein Garten war, umgestaltet, einen runden Brunnen gebaut, umgeben von schickem steinigen Ackerboden. Das wird aber bestimmt noch hübscher, wenn es mal fertig ist. Gerüchten zufolge nach hat ein Holländer Geld gespendet, um der Akademie eine Sanierung der völlig baufälligen Treppe hoch zur Straße zu ermöglichen. Mit diesem Holländer habe ich Kontakt, weil er Guan, wenn er nächstes Jahr (schon mal vormerken für alle, die den berühmten Meister endlich persönlich kennen lernen wollen und sich vor dem Weg hierher scheuen: 8./9.9.2012 in Mainz, 10.-14.09.2012 in Oberwesel, danach Teneriffa für eine Woche, danach Utrecht – dies die Tournee-Daten, soweit sie schon fest stehen) auch mal zu sich einladen möchte.
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