Und so ist es dann auch: der diesjährige Preisträger ist wieder einmal Liuliping und Judy wartet schon auf mich. Ich genieße den Luxus, mich chauffieren zu lassen, ein junges Mitglied der „Showtruppe" darf heute mal ans Steuer – ich kenne Dalin schon ziemlich lange, habe ihn als Kind in Erinnerung...nun hat er schon Führerschein....Kinder, wie die Zeit vergeht...er hat doch Führerschein?
Nun, die vielen hundert Kurven werden sehr souverän abgearbeitet, manchmal etwas sehr mutig, naja, in dem Alter bin ich auch nicht anders gefahren. Ich verspreche Zhenwu ein Extra-Kerzchen und wie immer ist der örtliche Schutzheilige...nun, natürlich nicht bestechlich aber immerhin sehr entgegenkommend. Wir kommen gerade nach dem Mittagessen an, eine Horde Kinder hechtet die Treppen vom Schulhaus nach oben. Das trifft sich wunderbar, Judy pfeift sie sofort herbei, Sondertraining: meinen schweren Koffer nach unten schleppen. Noch ein Kerzchen für Zhenwu.
Unten angekommen zeigt mir Judy das Räumchen, dass sie für mich vorgesehen hat. Erdgeschoss, eingezwängt zwischen Treppenhaus und Office, die Schimmelsporen ziehen sich kleidsam durch den ganzen Raum. Sie schaut mich nur kurz an, ok, heute nachmittag wird ein Zimmer im ersten Stock frei. Na, das klingt schon viel besser. Und meine hier gebliebene Tasche wird sie auch suchen gehen. Die ersten bekannten Gesichter, herzliche Umarmungen – ja, ich bin wieder zu Hause!
Nachdem alle Formalitäten erledigt sind, der Umzug von der Höhle in das hübsche Zimmer im ersten Stock bewerkstelligt ist, ist für das Training ein bisschen spät. Also nutze ich die Zeit um Hallo bei Frau Qu, dem kleinen Mann und natürlich Zhenwu zu sagen. Bei Frau Qu bleibe ich gleich etwas länger hängen – ein Jahr nicht dagewesen, das Update dauert natürlich schon eine Weile. Der kleine Mann – Xiao Wang – hat auch mitbekommen, dass ich wieder da bin, er drängt mir erstmal eine Zigarette auf, jaja, pssst, nicht dem Meister erzählen (er wird's ihm natürlich brühwarm tratschen, das ist mir schon klar) und so stehen wir mit den Ladeninhabern und erzählen, ich werde nach dem komischen großen Mann gefragt, mit dem ich oft zusammen hier bin. Ich erkläre, dass der nach Spanien umzieht und deshalb weder Geld noch Zeit hat, um diesmal dabei zu sein. Kein Geld, das versteht man hier gut – aber warum so weit wegziehen, bohren sie. Ein Frau? In seinem Alter?? Ich lächle nur, muss weiter zum Tempel, Zhenwu meine Aufwartung machen.
Achja das Wetter: eigentlich nicht schlecht, angenehme Temperaturen, nicht zu heiß, nicht zu kalt – und wenn jetzt noch jemand den Wasserhahn abstellt und die Wolkendecke aufschiebt, ist alles perfekt. Darüber werde ich mit dem alten Wassergott zu reden haben. Zielstrebig laufe ich zum Haupttempel, stoppe, als ich eine Truppe Touris sehe. Lieber warten, vor Europäern einen Kotau im Tempel machen, nee, das mach' ich nicht so gerne. Ich halte mich im Hintergrund und warte, dass die Gruppe weiterzieht. Da spricht mich jemand an „Das glaub' ich jetzt nicht!" Noch weiß ich nicht was und warte. „Mainz! Hier!!" Ja, doch, ich kann's nicht leugnen – ich trage noch mein Reise-Shirt aus dem Hause FSV Mainz 05 – damit bin ich natürlich sofort entlarvt. Es stellt sich heraus, dass die Leutchen aus Deutschland stammen (da war ich angesichts der versammelten einschlägigen Outdoor-Austatter-Stücke schon selbst drauf gekommen) und die Frau gebürtige Mainzerin ist. Das die Welt doch deutlich übersichtlicher ist als allgemein angenommen, habe ich schon früher festgestellt. Aber gerne erkläre ich, wer ich bin und was ich hier mache. Da möchte die Dame noch ein Beweisfoto von mir „das glaubt mir mein Mann nie!" - klar, soll sie haben. Posen bin ich hier im Zixiaogong nun wirklich gewöhnt. Und jetzt endlich der Kotau, ein paar Scheinchen, ein paar Kerzchen, jetzt lass' es knacken, alter Wassergott!
3 Kommentare:
Super! Schön, dass du gleich schreibst, Lilo.
Irgendwie musst Du mal eine bessere Verbindung nach oben aufbauen.... *ggg*
Glückwunsch zum schönen Zimmerchen -
man weiß wohl schon, was man einer Frau mit ganz speziellen Eigen-schaften schuldig ist. Geh' jedenfalls sanft mit ihnen um ! vielleicht klappen meine Versuche auf diplomatischem Wege die Versorgung mit Montagsschokolade sicher zu stellen. Z.Zt. suche ich allerdings nach einer chinesischen
Übersetzung für "Hexenbesänf-tigungsstelle"
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