Donnerstag, 22. September 2011

...and the weekend starts here!


Da der heutige Feiertag (= regenfrei. Für mindestens 6 Stunden) genutzt werden musste, setzten sofort hektische Waschtätigkeiten ein – zur Feier des Beginns der neuen Trainingswoche hatte ich mir heute ein frisches T-Shirt gegönnt. Wenn ich weiter so haushalte, komme mich mit einmaligen Waschen hin und habe sogar noch ungetragene Sommer-Shirts für die letzten Tage in Shanghai übrig. Wenn das mal nicht klug gewirtschaftet ist!


Aber im Ernst: heute wurden wir Zeuge eines unfassbaren Naturereignisses – Sonnenschein! So richtig mit Wärme und allem drum und dran! Da habe ich mich in der Pause doch gleich aus meinem Shirt geschält und den Anstaltskittel angelegt. Meister Guan ist heute mit seiner Kranich-Jacke angetreten, und wenn er Kranich trägt, ist es nur recht und billig, wenn ich mich in Schulkleidung zeige. Wer weiß, wie oft ich noch Gelegenheit habe, den weißen, sommerleichten Anzug zu tragen. Bei dem Wetter fällt das Training gleich nochmal so leicht; die Kicks werden höher, die Stände tiefer – ich weiß ja, dass es gleich vorbei ist und dann runter in die Stadt geht.


Und so tritt eine fröhliche Deutsch-Schwedisch-Litauische Gruppe um die Mittagszeit die Reise ins Tal an. Unterwegs lassen wir schonmal die Geschmacksknospen warmlaufen – der Speichelfluss läuft am besten bei dem Gedanken an lecker Jaozi. Gebongt. In der Einkaufspassage neben dem Supermarkt, kurz vor unserer Nudel-Familie, die die herrlichen gezogenen Nudeln herstellt, ist ein Jaozi-Lokal. Asa, die Schwedin, bestellt mit großen Augen: Drei! Sie klärt mich auf: in jedem Dämpfeinsatz sind neun Teigtaschen. Sie hat also vor, 27 Jaozi zu verdrücken. Na, das schaff' ich aber auch! Von Dainius ganz zu schweigen. Nur die Mit-Deutsche ist bescheiden und bestellt nur 2 Einsätze. Am Tisch stehen schon die Gewürze bereit – Sojaessig, verschiedene Chili-Saucen und ein paar Knoblauchzehen, malerisch verteilt. Die Jaozi kommen, Dainius halt mir eine Zehe hin – wir wollen schließlich alle die selbe Duftnote von uns geben! Etwas irritiert packe ich die Zehe aus und beiße erstmal rein – nein, ganz falsch: erst die Jaozi ins Gewürz, dann in den Schnabel, dann ein Bissen Knoblauch hinterher, gut durchkauen. So geht das! Die Täschchen sind äußerst delikat und die Menge zu bewältigen bereitet uns überhaupt keine Mühe. Keine Gefangenen.


So gestärkt geht's erstmal zur tapferen Schneiderin. Meine Klamotten sind fertig. Zwar nicht ganz so wie bestellt, aber so ähnlich und auch nicht schlecht. Gefällt mir. Wird genommen. Auch der Trainingsanzug, wegen dem ich überhaupt wieder einmal hier gelandet bin, ist da. Auch hier ein paar Details nicht so, wie ich es beauftragt habe, aber das ist jetzt halt mal so. Die Gummis aus den Hosenbeinen kann man ja notfalls rausmachen. Ich hatte es dreimal erklärt, aber da hier jeder unten vergummite Hosen hat, war sie wohl der Meinung, dass ich das nicht ernst gemeint haben kann. Mittlerweile hat sich Dainius bei den Stoffen umgesehen, na, das wäre doch ein Mitbringsel für seine Frau. Die Maße hat er zwar gerade nicht parat, aber er glaubt, sie hat eine Figur wie ich. Wollen wir hoffen, dass er zu Hause keine böse Überraschung erlebt, wenn er sich doch geirrt hat. Ich lasse mich jedenfalls geduldig für die Hosen vermessen und wasche meine Hände in Unschuld.


Nun hat Dainius eine tolle Idee: er hat sich letzte Woche in der Stadt umgesehen und auch mit dem alten Dr. Wang gesprochen. Es gibt ein sehr kleines, aber feines Massage"institut", das wir uns jetzt eigentlich verdient haben. Die sogenannten „Blind-Man-Massage" ist hier sehr verbreitet, überall sieht man Hinweisschilder und wir laufen an einem großen Center, das kurz vor seiner Vollendung steht, vorbei. Bei den vielen Schulen, die hier mittlerweile aufgemacht haben, gewiss ein blühendes Geschäft. Die Qualität der Behandlung ist von sehr unterschiedlicher Güte und nicht jede Behandlung wirklich hilfreich. Da verlasse ich mich aber ganz auf den Arzt. Vielleicht kriegt man dort meine Knie wieder etwas in die Reihe, ich habe wegen meiner Fehlhaltungen ziemliche Probleme und ein bisschen Rücken ist auch wieder dabei. Nach kurzem Marsch stehen wir vor der Praxis. Eine Glasschiebetür trennt den Behandlungsraum von der Straße. Wir haben Glück, gleich wird etwas frei. Vier Behandlungsbänke stehen nebeneinander und damit alle schön miteinander schwätzen können, sind die in keiner Weise von einander getrennt. Da man sich bei der Chinesischen Massage aber nicht nackig macht, ist das ja auch völlig egal. Der Behandler legt ein Tuch über den Körper und dann geht es los. Ich habe eine junge Dame zugeteilt bekommen, die mit ihren spitzen Fingern wirklich jede malade Stelle ertastet. Ich bin mehrfach kurz davor, ihr einfach in die Hand zu beißen, damit sie mal weiß, wie weh das tut. Aber am Ende muss ich einräumen: toll gemacht! Ich kann mich wieder bewegen und nun gönnen wir uns zum Abschluss noch eine Fußmassage. Eineinhalb Stunden Wellness für 60 RMB. Ich schäme mich fast.



2 Kommentare:

Ranzabuffer hat gesagt…

Mensch habt Ihr's schön. Bei uns liegt der Sommer in den letzten Zügen, das Wasser im See ist müüüde und riecht komisch, ein Kollege ist gestorben (nicht wg dem Wasser) - und es ist direkt angenehm im Büro zu sitzen und 1,75 Referate zu bearbeiten und in den Akten die kleinen, mit Bleistift verfassten Bosheiten zu lesen - und jetzt kommt uns auch noch der Papst besuchen! Es bleibt uns zur Zeit nix erspart.Aber wir lassen uns nicht unterkriegen - oben bleiben!

Oster hat gesagt…

Nur wegen Sonne werden deine Kicks nicht höher und deine Stände nicht tiefer. Dazu verhilft nur richtiges Training und das ... ach wem sag ich das.