Tische und Tees

Einer ist vom Hocker gefallen. Nein, ich muss das anders erzählen. Zunächst die Einrichtung unseres Speisesaals, was auf Chinesisch zufällig Can Ting heißt, und so sieht es auch aus. Bei dem schönen Wetter haben natürlich alle draußen gesessen gegessen. Aber bei der Feuchtigkeit gestern und heute. Also das sind helle Tischplatten, fast weiß und orangene Sitzschalen, beides aus Plaste auf zusammengeschweißten Vierkantrohren montiert. Immer vier Sitze zusammen mit einer Tischplatte. Der chinesische Gelehrte Gu Hong Ming (1857 -1928) hat damit seine Vielweiberei begründet, dass auch vier Stühle um einen Tisch ständen. Er hat natürlich nicht die Konstruktion unserer Kantine gemeint. Nun sind die Sitzschalen an ein Blech geschraubt, welches auf ein senkrechtes Rohr geschweißt ist und das ist die Schwachstelle. Gestern brach wieder ein solches Blech ab, dem vormals Sitzenden ist aber nichts passiert außer dem Schreck in den Gliedern. Deshalb hat heute der Hausmeister, der vor allem an seinem extrem langsamen Gang zu erkennen ist, alle Sitze einer Inspektion unterzogen, während wir im Karree standen und die Brokate wiederholten. Das bedrohlich knatternde Schweißgerät brachte wohl Herrn Li etwas aus der Fassung, er hat sich mehrmals bei den Übungen verzählt.

Morgen wird gepackt und am Nachmittag geht's runter vom Berg. Eigentlich wollte ich noch Tees einkaufen, spezielle Heiltees, so hatte sie mir ein Schüler empfohlen und einmal hab ich sie gekauft in Deutschland, im Versand für teuer Geld. Da wurden sie auch hoch gelobt ob ihrer tollen Wirkung. Ich hab hier mal vorsichtig angefragt in einer Apotheke, ob sie das Zeugs führen oder besorgen könnten. Als man mir dann aber erklärte, das hätten sie immer vorrätig, ganz gewöhnliche Hausmittel, gegen Fieber und gegen Erkältung, da hab ich das Projekt abgeblasen. Hab an tibetisches Salz gedacht, was ich mal gekauft habe und an andere Wundermittel, von denen ich gleich die Finger gelassen hab. Hier hätten die Tees nur Pfennige gekostet, aber mein Gepäck ist voll.

Das war's mal wieder, liebe Leserinnen und Leser. Bald steh ich auf dem europäischen Kontinent, mit dem Meister an der Hand. Bis denne.

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