Xinxinming 26

智者無為  愚人自縛  法無異法 

der Weise lässt sein
der Narr beharrt
das Gesetz ist das Gleiche



Der Weise verweilt in Untätigkeit, in Tatenlosigkeit, er vermeidet Aktionismus, blinden Eifer, greift nicht ein, lässt den Dingen, den Ereignissen seinen Lauf. Er mischt sich nicht ein, das ist sein Seinlassen. Weiß ich, was gut ist für die Welt? Kann ich das Universum in die Hand nehmen und es besser machen? Bedeutet das nicht, denen die Geschicke zu überlassen, die handeln, sich einmischen oder einfach die Dinge in die Hand nehmen, anpacken und verändern?
Der Narr kreist um sich selbst, seine Gedanken, seine Überzeugungen, seine Ideen. So muss es sein, so muss es geschehen. Diese will ich tun, jenes soll aus der Welt. Er betrachtet, er urteilt, bejaht und verneint. Nichts ist in seinen Augen, was es ist. Alles ist nur so, wie er es sieht. Was er glaubt, was er denkt, was er für richtig hält, das ist das Maß aller Dinge, allen Seins für ihn. Er ist es, der glaubt, die Geschicke der Welt regeln zu müssen, zu handeln, sich einzumischen, die Dinge in die Hand zu nehmen, anzupacken und zu verändern.
Und? Wollen wir jetzt hingehen und sagen, wer es richtig macht? Wollen wir jetzt klug sein? Das Gesetz ist das gleiche. Es gilt für beide, es macht keinen Unterschied. Das Gesetz, das eine Gesetz, das Höchste, Taiji, steht über den Unterscheidungen.
Warum gilt dann der Weise als Weise und der Narr als Narr? Weil der Weise auf seine Art glücklich ist, der Narr aber leidet.

智者1无为2  愚人3自缚4  法5无异6法 

1智者  zhìzhě:  Weise; Weiser
2 无为  wúwéi:  den Dingen ihren Lauf lassen
3 愚人  yúrén: Narr, Idiot
4 自缚  zìfú:  sich selbst
5 法  fǎ:  Gesetz, Recht; Methode
6 无异  wúyì:  so gut wie

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