xinxinming 23

逍遥绝恼  系念乖真  沈惛不好


ein sorgloses Leben ungestört
gedanken gebunden, wahrheit verborgen
alles ist dunkel und unklar


Xiaoyao, das bedeutet unbeschwert seinen Weg gehen, sorgenfrei mit festem Vertrauen in Dao. Die Dinge sind wie sie sind, die Menschen ebenso. Ob du dir darüber Gedanken machst oder nicht. Die Welt ist voller Erscheinungen, von denen du nichts weißt, von den du nichts hörst, die du nie zu Gesicht bekommst.
Über all das wirst du dir auch nie Gedanken machen, wirst nie urteilen oder entscheiden ob sie richtig oder falsch sind, schön oder hässlich. Sie bekümmern dich nicht.
Bindest du aber deine Gedanken an etwas auf deinem Weg, schlingt sich dein Geist wie eine Liane um das Objekt, um es zu analysieren, zu bewerten. Wenn du beginnst abzuwägen und zu beurteilen, dann sind die Erscheinungen und Ereignisse nicht mehr was sie sind, sondern was du aus ihnen machst.
Meine Worte sind meine Worte. Du entscheidest, ob sie wahr sind oder dumm, klar oder trüb. So lange du darüber spekulierst bleibt die Wahrheit verborgen. So lange dein Geist anhaftet, so lange du versuchst Licht in die Angelegenheit zu bringen, so lange du Klarheit gewinnen willst, so lange ist alles trüb.



逍遥1绝2恼3  系念4乖5真6  沈7惛8不好9

1 逍遥  xiāoyáo:  frei sein; verlassen, locker, ungebunden, (u.E.)
2 绝  jué:  vierzeiliges Gedicht; abbrechen, abschneiden, unterbrechen; aufgebracht, verbraucht; auswegslos, hoffnunglos; einzigartig, einmalig, ohnegleichen, unvergleichlich; absolut, unbedingt, bestimmt; äußerst, extrem (u.E.)
3 恼  nǎo:  verärgert, irritiert, hasserfüllt, Ärger, Hass (u.E.)
4 系 念  xiniàn:  sich sorgen, sich ärgern,
5 乖  guāi:  brav; fügsam, folgsam; klug, geschickt (u.E.)
6 真  zhen:  wirklich (u.E.)
7 沈  chén:  leise, ruhig, still (u.E.)
8 惛  hūn:  bestürzt, irritiert (u.E.)
9 不好  bùhǎo:  nicht gut; schlecht; böse; schlechter; ungünstig; unvorteilhaft; kontraproduktiv (u.E.)

Up,up and away

Der letzte Tag vor der Heimreise. Training im Tempel. Dort probt das Palastorchester fröhliche Volksweisen und Lobpreisungen an Zhen Wu. Das geht so hin und her und ist manchmal nicht auseinander zu halten, weil es sich auch gegenseitig beeinflusst hat. Dann läuft die Nachwuchsmannschaft auf, was die touristischen Fotografen noch mehr von uns ablenkt. Über dem ganzen Schauspiel ein strahlend blauer Himmel, nicht eine Wolke.
Zhen Wu gibt sein Bestes.
Liebe Leser,
wenn die Briefe dieser Reise bisher etwas unglücklich geklungen haben, mag sein, dann sei Euch hiermit versichert: Die Wudang Daoist Gongfu Academie lebt, pulsiert, macht wieder Freude und ist eine Reise wert.
Nach neuesten Meldungen steht auch Obermeister Zhong wieder am Spielfeldrand und blickt streng.
Mich hatte er am letzten Tag dann auch noch ausgekuckt, wegen Korrekturen der gelernten Taiji-Form. Gerade da, wo ich war hatte er doch einiges auszusetzen. Nachdem dies mit einigem Ruckeln und Zuckeln an meinen Armen etc. geklärt war, schaute er sich den Rest ohne weiteren Kommentar an, nickte abschließend nur und gab mir zwischen den Nickern zu verstehen, dass er wohl keine Lust darauf hatte, weiterhin jeden Schritt, jede Drehung, jede Armbewegung mir neu zu erklären. Ich hätt's mir ja sowieso nicht merken können.
Die Rückreise dann verlief ohne weitere nennenswerten Ereignisse. Wir verbrachten noch einen schönen Tag in Beijing, besuchten den Dong Yue Miao, einen seit drei Jahren wieder eröffneten daoistischen Tempel. Irgendwo auf dem Weg zwischen dem Flughafen Beijing und Frankfurt hab ich noch meine neue Kamera verloren. Zum Glück waren fast alle Bilder schon auf dem Notebook, die besten bei Picasa gesichert.
Nächste Reise im April 2011. Gehabt Euch wohl.