Xinxinming 22

轉急轉遲  執之失度  心入邪路 

wer eilen will, wird anhalten
wer festhalten will, wird maßlos
dessen Herz betritt den heillosen Weg



Wir sprechen hier über Meditation, dass muss noch einmal erinnert werden. In der Stille der Versenkung gibt es keine Hast, dort ist Ruhe. Für den Anfänger ist das aber durchaus anders. Da juckt der Fuß, schmerzt der Rücken, schläft das Bein ein. Da kommen die merkwürdigsten Gedanken in den Kopf, womöglich dringend zu erledigende Angelegenheiten. Nein, da ist nichts von Ruhe. Will man nun diesen Zustand möglichst schnell verlassen, möchte man endlich in die versprochene Ruhe eintreten, dann wird da erst recht nichts draus. Wenn du völlig angespannt da hockst auf deinem Kissen, die Augen zusammengekniffen, dann wird alles mögliche los sein, alle Dämonen werden um dich herum tanzen. Von wegen Meditation.
Wenn der Geist erst einmal an einem haftet, dann findet er auch das nächste. Unermüdlich schaufelt er Bilder und Ideen in dein Herz, bestürmt dich mit den wildesten Spekulationen und Versuchungen.
Wir kennen in der chinesischen Medizin die Krankheit verursachenden Kräfte. Diese sind klimatische Einflüsse oder von außen kommende Gifte, aber das schlimmste sind die Einflüsterungen des Geistes, die Hass und Neid, widerwillen, Gier oder Ängste hervorbringen.
Wenn du dich denen hingibst, dann ist dein Leben verloren, ganz gleich, ob du dabei auf einem Meditationskissen sitzt oder an einer Bar.


转1急2转3迟4  执5之6失7度8  心9入10邪11路12 

1转  zhuǎn:  wenden, sich verwandeln, sich verändern; überbringen, weitergeben
2急 Ji: es eilig haben; dringend; dringlich; geschwind; hastig; gereizt, böse
3转  zhuǎn:  wenden, sich verwandeln, sich verändern; überbringen, weitergeben
4迟  chì:  spät, langsam
5执  zhí:  Bescheinigug, Bestätigung, Quittung; auf etw. bestehen, an etw. festhalten; ausführen, durchführen; etw. halten, etw. greifen, etw. packen; fangen, fassen, festnehmen; in der Hand halten; innehaben, habhaben, ausüben
6之  zhī:  dieser,
7失 shī: verlieren, vermissen, ausfallen, scheitern; fehlen, fehlschlagen;
8度  dù: Maß, Grad (Maßwort für Winkel und Temperatur), vorübergehen, passieren,
9心  xīn:  Radikal Nr. 61 = Herz
10入  rù:  hinein, herein; Radikal Nr. 11 = eintreten, betreten,
11邪  xié: dämonisch, böse, ungesunder, Krankheit verursachender Einfluss (Chin. Medizin)
12 路 lù: Straße, Weg, Pfad

Sport aus Hygiene ist etwas Abscheuliches.

Ich muß zugeben, daß ich die These, Körperkultur sei die Voraussetzung geistigen Schaffens, nicht für sehr glücklich halte. Es gibt wirklich, allen Turnlehrern zum Trotz, eine beachtliche Anzahl von Geistesprodukten, die von kränklichen oder zumindest körperlich stark verwahrlosten Leuten hervorgebracht wurden, von betrüblich anzuschauenden menschlichen Wracks, die gerade aus dem Kampf mit einem widerstrebenden Körper einen ganzen Haufen Gesundheit in Form von Musik, Philosophie oder Literatur gewonnen haben. Freilich wäre der größte Teil der kulturellen Produktion der letzten Jahrzehnte durch einfaches Turnen und zweckmäßige Bewegung im Freien mit großer Leichtigkeit zu verhindern gewesen, zugegeben. Ich halte sehr viel von Sport, aber wenn ein Mann, lediglich um seiner durch geistige Faulheit untergrabene Gesundheit auf die Beine zu helfen, "Sport" treibt, so hat dies ebensowenig mit eigentlichem Sport zu tun, als es mit Kunst zu tun hat, wenn ein junger Mensch, um mit seinem Privatschmerz fertig zu werden, ein Gedicht über treulose Mädchen verfaßt. [. . .] Ich kann Ihnen eine kleine private Erfahrung mitteilen.
Vor einiger Zeit habe ich mir einen Punchingball gekauft. [. . .] Ich habe nun gemerkt, daß ich immer, wenn ich (nach meiner Ansicht) gut gearbeitet habe (übrigens auch nach Lektüre von Kritiken), diesem Punchingball einige launige Stöße versetze, während ich in Zeiten der Faulheit und des körperlichen Verfalls gar nicht daran denke, mich durch anständiges Training zu bessern. Sport aus Hygiene ist etwas Abscheuliches. Ich weiß, daß der Dichter Hannes Küpper, dessen Arbeiten wirklich so anständig sind, daß sie niemand druckt, Rennfahrer ist und daß George Grosz, gegen den ja auch keine Klagen vorliegen, boxt, aber sie tun dies, wie ich genau weiß, weil es ihnen Spaß macht, und sie würden es auch tun, wenn es sie körperlich ruinieren würde. (Etwas anderes ist es natürlich mit ungeistigen Arbeitern, wie etwa Schauspielern, die körperliches Training nötig haben, da ihre falsche Auffassung vom Theaterspielen sie zu ungeheuren Kraftleistungen zwingt.)
Ich selbst hoffe meinen körperlichen Verfall auf mindestens noch 60 Jahre auszudehnen.
Bertolt Brecht, 1926

Yijing, Laozi und die anderen

Richard Wilhelm, der protestantische Geistliche, dachte in Bezug auf das Höchste, nicht das Erhabene.

Loreley

Vor 30 Jahren, im August 1980, fand auf der Loreley im Turner und Jugendheim des Deutschen Sportbundes, ein großes Taijiquan Seminar mit Gia Fu Feng statt. Ich hatte den kleinen Chinesen im Jahr davor bei den Internationalen Tanztagen in Köln kennen gelernt und anschließend ein Seminar mit ihm in Margarethenried bei München auf einem sogenannten Sanyassinhof der Baghwan Anhänger besucht. Um sicher zu gehen, weiter mit ihm arbeiten zu können, hatte ich gleich angeboten, eine Veranstaltung zu organisieren.
Ich war darin völlig unerfahren, aber erfolgreich. Es fanden sich über 60 Teilnehmer ein. Als Rahmenprogramm gab es afrikanisches Trommeln mit Rolf Exler, natürliche Heilverfahren mit Willi Trienen, der soweit ich weiß inzwischen zum tibetischen Lama wurde, und einige Stunden Kalligrafie mit einer Japanerin, deren Namen ich nicht erinnere, und Shiatsu. Nach mühsamen Verhandlungen konnte ich durchsetzen, eine eigene Küchenleiterin mitzubringen, die dem vorhandenen Personal die makrobiotische Küche näher brachte.
Mit diesem Seminar begann eine kurze Tradition von drei weiteren Jahren Seminaraktivitäten mit Gia Fu Feng. 1985 gründete ich meine erste Schule in Köln. Kurz danach verstarb Gia Fu.
Er war als Mensch mein wichtigster Lehrer.