Ein abgeschlossenes Kapitel wird wieder geöffnet

In den ersten Tagen bzw. Nächten hab ich es noch der Zeitumstellung, dem Befinden in einer anderen Zeitzone zugeschrieben, wenn ich um ein Uhr wach wurde und eine Stunde brauchte, bis die Augen die Nase voll hatten und wieder zu fielen. Aber die Wachphase wird von Nacht zu Nacht länger. Im Gegenzug bin ich schon um sieben, also nach dem Abendessen, träge wie ein Folivora. Logisch.
Zweimal trotzdem war ich heute morgen um sechs im Tempel. Trotzdem ich nicht ausgeschlafen war (Wachphase von eins bis vier) und trotzdem es nieselte. Inzwischen nieselt es nicht mehr, es gießt.
Wegen der zunehmenden Luftfeuchtigkeit fand das Training in der alten Akademie statt. Als ich erfuhr, dass die Schüler und das Personal schon ausgesiedelt worden waren, hatte ich damit gerechnet, den alten Bau schon nicht mehr vorzufinden. In meiner Phantasie wurde Schutt abtransportiert oder gar schon frischer Beton gemischt. Aber der Kasten steht noch. Nach neuesten Informationen aus gut unterrichteter Quelle soll sogar die wertlose Bausubstanz erhalten bleiben und nur die Dekoration aufgehübscht werden. Erklär mir einer die Chinesen.
Jedenfalls fühlte ich mich nicht wohl, als es wieder in dieses Gebäude ging. Nicht wegen des zu erwartenden Drecks und den durch die Gänge huschenden Ratten. Diese Ruine hatte ich bei einigen Aufenthalten von wenigen Wochen Dauer schätzen gelernt. Ein Zuhause, welches mir genommen wurde. Gut, damit hatte ich mich abgefunden. Wenn der Daoistenhof einmal fertig renoviert ist und mehr Zimmer zur Verfügung stehen, finde ich den Platz durchaus attraktiver als das alte, ehemalige Hotel, das zu einem neuen werden soll.
Aber jetzt wieder da hinein zu gehen, in ein abgeschlossenes Kapitel. Das schuf Beklemmung. Wie in Tarkovskys Stalker. Ein gekleisterter Himmel und eine Erde wie Schmirgelpapier. Die Luft dazwischen versalzen.
Vor der Wiederholung am Nachmittag habe ich mich dermaßen gefürchtet, dass ich es vorzog, zu verschlafen.

Kommentare:

  1. Mein Gott, das klingt ja nach Endzeit, Jenseits der Donnerkuppel...brrrr
    Na, eine Nacht gut durchgeschlafen, etwas besseres Wetter, dann steigt die Stimmung schon wieder!
    Bin ja bald da, dann können wir bei einem Bierchen auf der Leitplanke gemeinsam heulen

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  2. Die Schlaflosigkeit war offensichtlich ja so schlimm, dass du in deiner Verzweifelung sogar deine Kontakte in Shanghai mit ein paar Zeilen bedacht hast...

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  3. Nutze den Tag und die Nacht! Kannst ja während Deiner Schlaflosigkeit ein paar Übungen machen. Dann hast Du einen Trainingsvorteil :o)

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