nichts gelernt

Yürgen  29. Sept. 2009

Gestern Nachmittag sind wir runter ins Tal des sorglosen Lebens. Guan Shifu hatte angeboten, die Hälfte der Gruppe könne  mit dem Bus fahren, die andere Hälfte laufen. Naja, das sind nur ca. 8 Kilometer bergab, kein Problem, ich laufe. Natürlich sind wir nicht die Straße lang, sondern über die berühmten Ziegenpfade, an einem zerfallenen Tempel vorbei, durch einige Gehöfte und es ging auf diesem Pfad nicht nur bergab. Es ging rauf und runter, immer war der Boden mehr oder weniger glitschig und allmählich nährte sich bei mir der Verdacht, dass einige der Buben, also der festen Schüler, mitgenommen wurden, um die verletzten ausländischen Trampel heim zu schleppen. Oder zumindest aus dem Weg zu räumen. 
Es ging ohne Verletzte ab, wir kamen alle heil im Tal an, wo man diesen wunderschönen Übergang an dem kleinen Wasserfall inzwischen mit einer Eisenkette abgesichert hat. Wir hielten uns nicht lange an diesem schaurigen Anblick auf, zogen fröhlich ins Tal, wo wir uns an einem lauschigen Plätzchen zur Meditation niederließen. Oder so.
Schon als wir losmarschierten, meldeten sich bei mir leichte Kopfschmerzen, die sich im laufe des Laufes verstärkt hatten und auf der Rückfahrt richtig heftig wurden. Deswegen verordnete ich mir sofortige Nachtruhe mit Verzicht aufs Abendessen. Nun, die Nacht war mehr oder minder schlaflos, die Einzelheiten erspare ich dem geneigten Leser. 

Dann erklärte mir Meister Guan noch einmal sehr eindringlich, wie ich meinen Geist einige Millimeter zwischen die Fußsohle und den Boden schieben müsse, damit mir die Beschaffenheit des Untergrunds keine Probleme bereite. I. ch konnte ihm aber nur mit geteilter Aufmerksamkeit zuhören, weil eben jener Geist damit beschäftigt war, herauszufinden, wo wir uns eigentlich befanden und wie ich hier hin gekommen war. Der Meister sagte noch einiges, was ich garnicht hörte, dann lächelte er mich liebevoll an. Ein warmes, tiefes Lächeln, dass ganz aus seinem Inneren kam und ihn von dort her auch weich und gleichmäßig auflöste. Ihn und seinen Hintergrund, der für eine  Moment genau diese Zeilen wiedergab. Dann starrte ich in mein fast vollkommen dunkles Zimmer. Draußen krähten schon die ersten Hähne. Bald wurde es Zeit, endlich zur Morgenrezitation in den Tempel zu gehen.
Beim Frühstück beguckte mich der Meister gleich mit sorgenvollen Augen. Ich fühlte mich schon gar nicht mehr so schlimm, wie er aussah. Ich erhielt die Erlaubnis, jederzeit schlafen zu gehen. Davon wollte ich nichts wissen. Nein, heute wird durchgemacht, damit ich am Abend auch richtig müde bin. Gesagt getan, nach dem Frühstück noch kurz was hingelegt und nach dem Mittagessen von Lilo2 geweckt worden. Der Meister hatte mir ein Menu zusammengestellt, welches sie mir nun aufs Zimmer brachte. 
Das ist nun mein dritter Tag hier, ich hab noch nix Neues gelernt, eigentlich noch nicht mal Altes korrigiert bekommen. Anscheinend bin ich zur Kur hier, wusste nicht, dass ich eine brauche, hab mich bisher zuhause immer sehr wohl gefühlt, bin stets mit einem Lächeln im Gesicht aufgewacht. Aber hier ist ja auch nicht zuhause. Oder umgekehrt.




1 Kommentar:

  1. Mann Oster, komm' in die Puschen - du bist nicht zum Spaß da!!

    Ich lass' mir mal von Lyssa die Verbindung zu Lilo2 herstellen - anscheinend vertritt sie mich nicht würdig (Essen servieren - wo kommen wir denn da hin ?!)

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