Lilos 22. Tag - Endspurt

Dieser Morgen beginnt fürchterlich, an frühmorgendliches Training ist zwar zu denken, ich weigere mich aber, aus dem Nest zu kriechen. Ich hatte an den Tagen zuvor schon mitleidig zu der Gruppe junger, gut trainierter Männer geschaut, die von Guan extrem getriezt wurden, fast so heftig wie die Kleinen. Richtig militärischer Drill. Furchtbar. Ich selbst habe mit der „Light-Gruppe“ meine Kicks geturnt und mich dabei auch ganz wohl gefühlt. Ihr ahnt schon, was nun kommt...kurz mit Nat geschwatzt, nicht aufgepasst als die Gruppen aufgestellt wurden und schwupps, stand ich mitten unter den Stählernen. Guan schaut mich ungläubig an „willst du da wirklich mitmachen“? „Klar!“ behaupte ich frech. Nun gut. Ich habe es so gewollt. Kicks, in schnellstem Tempo, und immer wieder angetrieben „Kuaikuaikuai“ - meine Bewegung stimmt nicht 100%ig, Guan lässt mich eine Reihe völlig allein laufen, schreit mich an, auf dem Rückweg sieht er mein Gesicht nicht, aber die Kumpels wissen nun, wie finstere Entschlossenheit aussieht.
Es kommt noch besser – nun holt sich Guan einen Stock. Fragt jeden einzelnen, ob es o.k. ist, wenn er ihn damit motiviert. Wie perfide! Wenn ich nein sage, bin ich draußen – ein letzter sehnsuchtsvoller Blick zur Soft-Gruppe, meine letzte Chance zu flüchten...vertan. Zur stur um aufzugeben gebe ich mein Einverständnis. Ist ja alles nur ein Spiel, er würde mich bestimmt nicht schlagen. Hoffe ich...

Ich tue Dinge – freiwillig! - für die ich meinen Lehrer früher im Sportunterricht für verrückt erklärt hätte. Dreißig Liegestütz auf den Fäusten, dann aus der Liegestütz aufspringen, zwanzig Mal, weil es so lustig ist, minutenlang aus der tiefen Reiterstellung Mabu Fauststöße – wir sind alle schweißgebadet, als Guan uns endlich eine kurze Pause machen lässt, bevor es an die Einzelformen geht. Ich habe sehr wohl registriert, dass er mir einiges hat durchgehen lassen, was er bei den Männern nicht so hingenommen hat. Aber ich habe auch seinen Respekt gesehen, dass ich tatsächlich im Rahmen meiner Möglichkeiten mitgehalten und nicht abgebrochen habe. Nat bemerkt dazu noch „die, die er mag, die quält er auch“. Das gibt mir Motivation.

Und heute morgen hat Guan mich gleich zu dieser Truppe geholt. Noch zwei Trainingstage. Ich werde es überleben.

Kommentare:

  1. Weio. Da bin ich ja froh um mein Altherrentaiji.

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  2. hoffentlich lassen sie noch was übrig zum hier nach hause kommen! Wer war noch in der Gruppe?

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  3. na die Sache mit dem Stock zeigt doch wieder das faustsche Deutsche Gemüt....

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  4. @Ramona: Nat, Igor, Michael, Tony, der kleine dünne Chinese mit den schlechten Zähnen, und der etwas kräftigere Junge, der gelegentlich eine Brille trägt

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