Lilos 18. Tag – Alles im Nebel

Heute ist unser freier Tag. Traditionell d i e Gelegenheit, die Umgebung erkunden, mal andere Tempel zu besichtigen, den Kunst- und Teemarkt abzuklopfen, einfach mal ein wenig Abstand zum Trainingsalltag zu gewinnen. Wobei unsere Lehrer es natürlich viel lieber sähen, wir würden die kostbare Zeit zum „Selftraining“ nutzen.
Ich werfe am Morgen einen Blick aus dem Fenster. Nichts zu sehen. Gar nichts. Wir sitzen mal wieder in einer fetten Wolkendecke, die Sonne ist noch nicht einmal zu erahnen. Ich entschließe mich, heute einfach mal einen Faulenzertag einzulegen. Mal wieder ein bisschen zu lesen und vielleicht sogar einen der 15 Filme, die ich mir mitgebracht habe, weil ich ja zu Hause nicht zum Kucken komme, anzuschauen...

Als ich kurz aus dem Zimmer gehe um meine Wäsche aufzuhängen, begegnet mir der verbliebene Deutsche. Er berichtet mir von einem kurzfristig einberufenen Meeting,, das gestern Abend stattgefunden habe. Da ich selten zu Abend esse, weil ich sonst bei der kurzen Pause einfach nicht mehr trainieren kann, habe ich von alledem nichts mitbekommen. Offensichtlich ging die Initiative für die Krisensitzung von unseren chinesischen Mitschülern aus. Diese haben sich angeblich beklagt, dass die Lehrer sich viel mehr um die Ausländer kümmern. Umgekehrt hat sich genau der gegenteilige Eindruck erhärtet. Höchste Zeit also für ein paar klärende Worte. Tatsache ist einfach: zuviele Schüler – zu wenige Lehrer! Und weil man gerade so nett beisammen gesessen hat, kamen dann auch noch ein paar andere Themen zur Klärung auf den Tisch wie zum Beispiel die für uns doch sehr ungewohnten hygienischen Bedingungen in der Küche. Der Verwaltungschef hörte sich die Klagen wohl zwar überrascht aber auch betroffen und geduldig an und gelobte Besserung. Schade, dass ich nicht dabei war.

Tatsache ist, dass die Erwachsenabteilung vor nicht allzulanger Zeit aus einer handvoll Leuten bestand, die von Guan bestens betreut wurden. Dann wurde sehr viel in Erneuerungen und Werbung investiert und zur allseitigen Überraschung führte dies dazu, dass tatsächlich mehr Schüler kommen und unterrichtet werden wollen. Diese Schüler wurden natürlich alle freudig willkommen geheißen, allerdings hat man wohl nicht bedacht, dass mehr Schüler auch mehr Betreuungsbedarf bedeuten. Auch wenn Li und Pan Shifu sich sehr viel Mühe geben – sie sind beide noch sehr jung und stehen noch ganz am Anfang ihrer Lehrerkarriere. Es ist erstaunlich, wie gut gerade Pan Yi Ming seit meinem letzten Besuch Englisch gelernt hat, trotzdem können die beiden noch lange nicht mit Guan mithalten. Hoffentlich erkennt die Leitung der Akademie die Zeichen der Zeit und investiert in die Ausbildung ihrer Lehrer. Es wäre sehr schade, wenn Schüler enttäuscht abreisen, weil der Lehrstoff nicht in der erwarteten Qualität vermittelt werden kann. Uns wurde gesagt, dass nun noch ein paar „Seniorstudents“ abkommandiert werden sollen, uns zu unterrichten. Ich bin schon sehr gespannt. Es sind ein paar hervorragende junge Leute darunter, die zwar kein Wort Englisch sprechen, aber dennoch sehr gut vermitteln können, was sie meinen. Im Notfall reicht ja auch ein „Yes“ oder „No“. So hat es jedenfalls letztes Jahr mit Zhang Zen funktioniert und wir hatten viel Spaß. Und ich habe viel gelernt.

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