Die letzten Tage

vergehen wie die ersten. Man möchte denken, jetzt rast die Zeit aber eigentlich war es wie immer, in der Erinnerung dehnen sich diese Tage sogar noch mehr aus. Weil sie nicht mehr so von der Routine geprägt waren? Es gab keine Routine, es gab regelmäßige Trainingszeiten, regelmäßige Essenszeiten, es gab sehr viel Konstantes und dennoch war kein Tag wie der andere. Also haben wir noch die Form bis zu Ende gelernt, wobei da jetzt Korrekturen fehlen. Macht nix, Wudang ist nicht weit und der nächste Aufenthalt ist für spätestens Ende April, Anfang Mai 2008 vorgesehen. Um uns rum waren ständig die Vorbereitungen für das große Fest, welches an unserem Abreisetag begann. Morgenrezitation und gegen Mittag gab es freies Essen für Jedermann und Jederfrau im Tempel. Die meisten kamen aus der ärmeren Landbevölkerung, für die eine mühsame Anreise zum Berg die spirituelle Hilfe und ein ordentliches warmes Essen lohnte.
Es war mir unangenehm zu sehen, wie sich die Menschen um die Tröge drängten. Es hatte was von Winterschlussverkauf bei Karstadt, wo sich Frauen in Kopftüchern um billige Bettwäsche made in China kloppen.



Endlich wurden uns die Zertifikate übergeben, die dazu gehörende Fotosession abgezogen und die Abschiedsstimmung war auch nicht mehr zu verleugnen. Es war vorbei und wir drückten uns noch vom Ziimmer zum Hof zum Dao-Bus zum Bahnhof, wo endlich Abschied war von Lehrer Guan.
Der Rest ist schnell erzählt: Zugfahrt nach Xiangfan (2 Std.) Taxi zum Flughafen (50 Min) Einchecken und Warten (1.5 Std.) Flug nach Beijing (2 Std.) Einchecken und Warten (3.5 Std) Flug nach Frankfurt (10 Std.) Alles in allem von Tür zu Tür in 24 Stunden.

15. Tag

sonne sonne sonne - mitte oktober und t-shirt wetter. jetzt gehts im schweinsgalopp durch die form, was ich nicht so schätze, aber wir sind einfach nicht lang genug hier. ich könnt direkt noch um zwei wochen verlängern, wenn die pflicht nicht rufen würde. fotos gemacht mit meister zhong xueyong fürs buch. wir konnten keine gute umgebung finden. im tempel zu viele menschen, in der nähe kein schöner boden. werd ich wohl etwas zaubern müssen. nach dem essen ein wenig spazieren gegangen, ist ja alles sehr vertraut. gibt ne gruppe deutscher im hotel nebenan. mal kurz kontaktiert, die meisten aus hamburg, rundreise durch china wudangshan drei tage. so hats bei mir auch angefangen. und jetzt krieg ich den hals nicht voll. obwohl mir gerade mal alle muuskeln und sehnen, vor allem in den leisten, höllisch weh tun. nein, wir haben keine neuen kicks gelernt, wir haben am nachmittag zum aufwärmen eine stunde fussball gespielt. nach zwanzig minuten ging meine kondition in die knie und ich durfte im tor stehen. war ein gute tausch, denn huang, der vorher den keeper gemacht hatte, erwies sich als hervorragender sturm. keiner hat gezählt, aber ich würd sagen, wir haben gewonnen. danach wie üblich, dehnen, taiji form laufen und rausfinden, wieso ich immer einen halben meter nach rechts und nach hinten versetzt vom startpunkt entfernt ende.
dann noch in den tempel, ogott mit den beinen wieder die treppen rauf.
guan möchte uns auch mit den daoistischen ritualen vertraut machen. er verpasst keine rezitation und morgen früh um 6 sollen wir mit zur morgenrezitation. es tranced. kann ich so zulassen. werd mich mal darum kümmern, an eine übersetzung der texte zu kommen. wär ja mal interessant.

14. Tag


das wort heisst: sonne, wenigsten etwas ab und zu. aber leider kein training im tempel, wegen des tempelfestes ist da für uns kein platz.
auf jeden fall t-shirt wetter, form ist bald zu ende. kommt noch ein doppelter kick.
danach geht es in den abspann. wir schaffen es gerade so.
huang machte eine kleine form mit 5 tieren, wu xing. wäre was für eine gemischte gruppe, sowohl für anfänger als auch forgeschrittene gut geeignet. vielleicht für die herbstreise. allerdings könnte dazu die zeit zu knapp werden. huang veranschlagt einen monat zum lernen.

allmählich kommt auch das abschiedsgefühl auf, nur noch 3 tage, dann geht es in den flieger und zurück in heimatliche gefilde. gepaart mit der hoffnung, dass dort nicht allzuviel von dem, was wir hier gelernt haben, wieder zurückkehrt zum ursprung. den ablauf der form werde ich wohl behalten, aber was ist mit den wichtigen, wertvollen kleinigkeiten, die taiji ausmachen.

am nachmittag erst kleiner spaziergang zum grab eines grossen meisters, schon lange tot, name weiss ich nicht, vor einem jahr wurde das neue grab für ihn errichtet. die gräber sind hier meist vorne mit einer wand und einem "eingang", dahinter läuft es schräg nach unten und hinten zusammne, ähnlch wie ein einmannzelt. für bedeutende persönlichkeiten werden aber gräber errichtet, die in ihrer form eher einer stupa gleichen.

danach auf einem runden wasserreservoir stehen.
wir machen es öfters aber nicht regelmäßig und ich glaub ich hab es bisher nochg nicht erwähnt. gutes gefühl aber heute bekam ich einen sehr heissen kopf dabei. naja, dagegen braucht man nur beide hände übereinander auf dem baihui legen, eine minute lang, dann langsam mit den händen vor dem körper absinken zum dantian und ruh ist.

zurück zum tempel, überall werden große zelte errichtet, die innen mit gelben tüchern in wolkengehänge ausgeschmückt werden. übermorgen soll das fest beginnen. werd jetzt mal versuchen herauszufinden, welches fest das nun ist.

wir haben dann erst mal wieder gedehnt, dann taijiwalk, mann, wie sollen wir so mit der form fertig werden.
ganz einfach: drei neue figuren direkt hintereinander. davon ist die erste eine wiederholung, dann kommt der doppelte kick und dann wird der bogen gespannt. na dann schaffen wir das schon noch bis zum schluss.

das fest, 9.9. nach dem chinesischen mondkalender, wird zhen wu's immortalität gefeiert. sozusagen himmelfahrt. an diesem tag sollen die familien zusammenkommen. doch wenn man nicht die möglichkeit hat, zu seiner familie zu reisen, aber zum wudangshan kommen kann, soll man auf seine spitze steigen und sich so mit der familie vereinen. so wie es ausssieht, werden wir dann zu unseren familien zurückkehren. alles im lot.

13. Tag

heute morgen fast nur kicks gemacht, das ging mir dann langsam auf den keks. noch ein neuer und noch ein neuer - ich bin hier um taiji zu üben und meine zukunft sehe ich nicht in ausgefeilten wushu techniken. zugegeben, ich finde das sieht sehr gut aus und es gibt mir auch selbst einiges, wenn ich die kicks trainiere. nur blieb heute keine zeit für taiji. zweimal, dreimal die form, dann:"class over" "xiexie - verbeugung und schon war schluss. dafür sollte dann am nachmittag auf die kicks verzichtet werden.

Am nachmittag dann aber im tempel ein mordsauftrieb. kurz vorm 9.9.nach dem chinesischen kalender. zu diesem datum wird Zhen Wus Immortalität gefeiert, sozusagen himmelfahrt. alle schüler waren eingespannt, bühnenteile zu schleppen, fahnenschmuck an allen gebäuden und dazwischen wuselten einige touristen. auf unserem übungsplatz wurde eine zeltbude aufgebaut. zur folge hatte das eine rundwanderung durch den tempel und nebenanlagen auf der suche nach einem platz für uns, letztlich zurück zur akademie. da war dann auch fast eine stunde rum. im kreis laufen, dehnen, taijiwalk - ach das hab ich noch nicht erwähnt. wir machen zum anfang eine oder zwei strecken lou xi ao bu (knie streifen) und jie ma fen zong (dem wilden pferd die mähne teilen). so ungefähr fünfzig mal jede figur.
fünfzig schritte, einer gut.

aber so ist das für uns anfänger. nein! guan hat zugegeben, dass es bei ihm nicht anders ist. und wenn man, wie heute abend, der elitetruppe beim training zusehen kann und meister zhong ständig schimpfen hört, obwohl jeder schlag, jeder tritt, jeder kick immer nur einer ist, auch wenn von 10 oder 20 personen ausgeführt, dann wird man sehr, sehr bescheiden.

12. Tag

fühle mich mehr und mehr einmal auf den kopf gestellt und nun langsam wieder auf die füße. dieser aufenthalt ist noch mal eine ganz andere dimension als die gruppenreisen. deshalb soll die nächste reise auch mit klarer trainingsansage sein. wir haben ja noch nicht mal das programm der "normalen" schüler und studenten der akademie. wir lao wai werden alle extra vom für uns abgestellten meister guan (23) trainiert.
hab ich schon die gang of four erwähnt? die amerikaner?eigentlich ein engländer, eine amerikanerin mit chinesischem einschlag, ein südamerikaner und eine (?)... sind mit uns zusammen, aber nicht gleichzeitig, angekommen. wollten mit Zhong Qigong trainieren und dann weiter hoch in die Berge zu einem Meister, den sie schon in Beijing verpasst haben, bei dem sie Dao studieren wollen. gehen jeden Morgen zur Rezitation in den Tempel, abends ebenso. nehmen aber an sonst keinem programm teil. Ich weiß auch nicht, was die den tag über so machen, halten sich zurück.

zurück zu meinem guten gefühl. heute morgen mal wieder das 18 wege qigong praktiziert, und siehe da, auch hier verändert sich was. nicht dramatisch und meine schüler brauchen nicht fürchten, jetzt würde alles anderes. es ist etwas in der art der ausführung. Ich hoffe, es hält an und fällt in good old germany nicht zurück in den alten Trott.

da wir anfang november den zweiten teil des wudang qigong für eine dvd aufnehmen und werner gerne noch ne zweite machen würde, denk ich an eine "taichi grundlagen" dvd. wenn wir denn dazu kommen.

11.Tag

die ganze nacht regen, den ganzen tag regen. ICH WILL HIMMELBLAU.
obwohl es ein faszinierendes schauspiel ist, zuzusehen, wie die nebel aus den tälern aufsteigen, die Berge langsam verschwinden, wieder auftauchen, sich hintereinanderschichten. seit tagen schaue ich immer wieder nur aus dem fenster und lasse die natur auf mich wirken.
die form wird runder und auch die bewegungen, allerdings steht uns noch einiges bevor und wir sind meiner meinung nach etwas im verzug. zum schluss werden die letzten schritte im dauerlauf gemacht und bleiben nur unscharf im gedächtnis. befürchte ich.
lehrer guan ist sehr genau, hat aber auch viel humor und es wird häufig gelacht. allerdings lässt er keine nachlässigkeit zu. zweie reden miteinander, so zur ablenkung vom ernsthaften üben. steht er auch schon dabei: "problems? no?! practice!"
ansonsten werden meine alten knochen hier noch mal kräftig gelüftet und es tut gut. werde wohl zuhause ein neues trainingsprogramm für mich aufstellen. nicht nur immer rumsitzen und meditieren.
joggen, dehnen, kick, kicks, kicks!
Es ist besser, es tut weh, weil man trainiert, als dass es weh tut, weil man nicht trainiert.

9. & 10. Tag


ich werde nachlässig. gestern am morgen um sechs aufgemacht zum tianzhu, zur goldenen spitze des himmelspfeilers. zu fuss. über nanyan, treppen runter und rauf und runter, aber natürlich hauptsächlich rauf. zweieinhalb stunden und dabei ca 700 höhenmeter überwunden.
hat ziemlich geschlaucht, aber es hat sich gelohnt. zum ersten mal einen blick weit über die berge und bis in die täler hinein. kein nebel, keine wolken. nur über uns. leider kein blauer himmel. all die tage keinen blauen himmel gesehen, den vermiss ich ich doch schon. oben gefrühstückt und wieder runter. die kurze zeit ohne touristen (wir sind ja keine).

am nachmittag training im tempel, sehr schön, jedoch dauerndes objekt für objektive. wir werden in hunderten von chinesischen homepages, flickr accounts und privaten alben auftauchen. die lao wai machen taijiquan. kam auch ein interessierter chinese fragen, ob der meister ihm korrektur geben könne. machte dann eine form, wie ein blatt papier, ohne jeden raum. guan hat ganz verzweifelt dreingeschaut. er hat ihm dann einige gute ratschläge mit auf den weg gegeben. Als er weg war, musste selbst guan lachen. er meinte, den hätte ich erst mal unterrichten müssen. ohne angeben zu wollen: selbst in der ersten stunde lasse ich so eine haltung nicht entstehen, aber was soll der arme mann machen, wenn er es so gelernt hat. vielleicht hat er ja was begriffen.

abends essen gewesen gleich um die ecke. sehr lecker, kann ich nur empfehlen. und wieder mal ungeheuer preiswert. zu sieben personen umgerechnet 12 euro bezahlt. inclusive getränke. war eine willkommenen abwechslung zum recht eintönigen essen in der akademie. und für das geld kann man es sich öfter leisten.

heute morgen - obwohl heute trainingfreier tag ist - wieder mit dem meister im tempel gewesen. die ersten einheiten, im kreis laufen, dehnen und kicks mussten wir ohne ihn machen. es ist ein besonderer daoistischer feiertag heute und er musste noch durch alle hallen und an allen schreinen kotau machen.

später wegen regen wieder zurück zur akademie, training im dritten stock. san lo.
Neue Schritte, langsam kommt mein speicher an seine grenzen. aber noch gehts.

8. Tag

Ein Tag ausgesetzt. Krank. Magenkrämpfe, was bei dem öligen Essen nicht verwundert. dazu Kälte. Der Herbst ist angekommen und auch die ganz harten tragen beim Training nicht mehr nur ein T-shirt. Also heute wieder fit und statt Training gab es eine lange Busfahrt bis zum Fuß des Tianzhu, dorthin wo die Seilbahn abfährt. Im Tempel Jade Plateau wurde die erste Internationale Ausstellung daoistischer Malerei eröffnet. Dazu waren anwesend:
Die Studenten "unserer" Akademie, eine Truppe Schüler einer anderen Akademie, eine 8 köpfige Gruppe einer weiteren Akademie, Die Organisatoren, Parteifunktionäre, einige Mönche, 8 Nonnen mit einem langen, breiten roten Band, das jeweils zu einer Blüte gebunden von jeder Nonne auf einem Tablett getragen wurde. Diese kamen nun in feierlicher Prozession in den Tempelhof, reihten sich auf, wurden einen Schritt weiter nach vorne geschickt, wieder etwas zurück, alles vor versammeltem Publikum. Es sah aus wie eine Probe. Und es war eine Probe. Dann zurück. Dann Anfang. Rede eins mit viel Applaus. Rede Zwei mit weniger Applaus. Rede Drei die Grussworte des Tempelvorstehers, kurzer Applaus. Dann die Nonnen mit dem roten Band, Auftritt von links, hinter jeder Nonne ein Offizieller, die jetzt zu den Scheren auf den Tabletts greifen und gemeinsam das Band durchschneiden. Damit ist die Ausstellung eröffnet.

Musik - Auftritt unserer Truppe. Grandios,Ich werde einen Zusammenschnitt auf Youtube laden.

Mittendrin die 8köpfige Truppe der anderen Schule. Nicht das ich auch nur einen Schritt dessen, was von ihnen gezeigt wurde in dieser Weise nachvollziehen könnte, aber ein deutlicher Qualitätsabfall. Danach wieder wir. (!)
Dann ab in den Bus und zurück.
Achso, die Ausstellung. Naja, lieblos ohne jeden Zusammenhang aneinandergereihte wunderschöne Kaligraphien unterschiedlichster Machart, einige Malereien, von denen ich weniger begeistert war, aber es wurde nicht anders präsentiert, wie in einem Beijinger Laden auf der Touristenmeile. Schade, und kaufen konnte man auch nichts.

6. Tag

Kein Nebel, die Berge alle zu sehen, darüber Wolken, die sich langsam im Laufe des Morgens senkten und jetzt in lieblichem Niesel abregnen.
Zhong ist wieder zurück, herzliche Begrüssung, dann weiter üben. Wang ist mit ihm gekommen, nun fragt sich, wann und wie wir unsere Gaben überreichen. Soll nicht als eine Zeremonie abgehalten werden, so wie heute morgen die Verabschiedung von Henry. Chic im weißen Gewand mit Pose zum Fotografieren und Pose zum Fotografieren bei der Überreichung des Zertifikats und Pose zum Fotografieren mit allen anderen Ausländern und das alles mit 5 Kameras, damit auch jeder eine Erinnerung hat.

Das Training wird nun immer diffizieler, wir werden mehr und mehr mit den Feinheiten vertraut gemacht. Wobei das auch so aussehen kann. Lehrer Zhang spielt mit den Jungs Fußball, während wir auf der Terrasse üben. Ab und an schaut er mal hoch zu uns und lächelt. Und dann macht er von da unten mal kurz eine kleine Korrektur.
Da ist noch ein Block vor dem Hebel. Ein paar Minuten später kommt er rauf, erklärt kurz einige Anwendungen, hebelt mich über sein klatschnasses T-Shirt und springt wieder runter aufs "Spielfeld".

In der Form kommen wir jetzt auch zügig voran. Während im ersten Teil eine lange Bewegungsfolge alles unter Lan Que Wei (Sperlingsschwanz heranziehen) zusammen gefasst wird. erreichen wir jetzt mit kurzen Schritten ein Bild nach dem anderen.
Manchmal steh ich regelrecht auf dem Schlauch. Nichts fließt mehr und die Hand kommt immer verkehrt an. Zehnmal zeigen lassen, zehn mal verstehen und elf mal wieder verkehrt ausführen.

Im Tagesverlauf zunehmend Niederschläge. Ich weiß nicht wie meine Wäsche trocken werden soll. Zum Innen trocknen bräuchte ich Kleiderbügel. Guck jetzt nicht dumm! Obwohl nebenan ein Hotel mit (fast) westlichem Standard steht (in jedem Zimmer Computer mit Internetzugang, aber die Duschen funktionieren nicht immer) erlebt man hier auf dem Berg, dass China immer noch auch ein Entwicklungsland ist. Kleiderbügel sind rar. Werde morgen versuchen, welche bei Frau Zhü zu bekommen.

Dazu fällt mir eine nette Episode ein. Weil es regnet, sind einige von uns davon ausgegangen, dass das Training im Haus stattfindet. Aber der Meister wartet unten. Come down, quick! Also runter und dann joggen Richtung Tempel. Anstrengend bei der dicken feuchten Luft. Dort geht Meister Guan zu Frau Zhü, fragt was, sie verneint, wieder zurückjoggen und Training im Haus.

5.Tag


heute morgen war selbst auf dem Flur Nebel. Am Nachmittag kam sogar kurz die Sonne raus, am abend Regen.
Ebenso dauerhaft und verlässlich wie das Wetter ist das Essen. Immer gleich mit leichten Abwandlungen. Zum beispiel gibt es jetzt nicht nur Rührei mit Tomaten, was sehr lecker ist, sondern als Variation, mit Zwiebeln. Bääääh.
Fürs TQJ, zweiter Teil meines Wudangberichts will die Chefredaktion wissen: Was machen die da?
Ja was machen die hier? Viel Wushu, oder Gongfu, viele Formen und Methoden, die ich nicht alle benennen kann. Daniel macht Baguazhang, dafür gibt er sich einen Monat. In der Zeit kann man natürlich schon viel lernen hier. Weil man hier sonst nicht viel anderes macht. Halb sechs aufstehn, laufen, Qigong, Frühstück, Training, Mittagessen, Freizeit, das bedeutet ein wenig ausruhen, ein wenig sich um die kleinen Dinge kümmern, die gemacht werden müssen, nochmal das neu gelernte wiederholen, Abendessen, Training, schlafen.
Irgendwo dazwischen auch noch ein paar Notizen machen. Wer wie ich um 22:00 Uhr noch am Laptop sitzen kann, der hat wohl nicht genug trainiert. Aber auch mir fallen gleich die Augen zu.
Der Abend hatte was Besonderes. Ruhiger Spaziergang statt Joggen zum Tempel. Dann ein paar Runden um den Bagua-Teich, Kicks und ehe wir richtig mit dem Taiji anfangen konnten, schnell wieder zurück, weil es zu regnen anfing. Also weiter üben im "Ballsaal".

4. tag

die erste traumlose nacht. 6 Uhr aufstehen, runter zum Tempel, Qigong, danach Frühstück. Heute Nebel, aber warm. Bei Frau Zhü die gestern bestellte Jacke, extra lang und aus Baumwolle, abgeholt. Schön, schwarz, trage ich doch lieber als weiß. Ist so.
Wie bei dem Training mein Muskelkater schwinden und mein Selbstwertgefühl sich wieder heben soll, ist mir noch schleierhaft. Vielleicht sind die Kicks heute ja tatsächlich ein bisschen schneller gewesen, ein bisschen höher und das Bein gerader. Gestern abend ist noch eine junge Frau hergekommen, Deutsche, die in Chengdu Chinesisch studiert. Bleibt nur für wenige Tage, um etwas Qigong zu lernen.

3. Tag


hab ich gestern von muskelkater gesprochen? Phhh!
damit nix verlorengeht, hat der Lehrer uns Sonderunterricht verordnet. kein freier Tag für uns.
am nachmittag ausgiebig den nanyan besichtigt. als exoten sind wir für die chinesen auch ein gerne gefragtes fotoobjekt. ob das fräulein freundin sich mal mit uns fotografieren lassen könnte, die beiden süßen kleinen dreckfratzen, der freund mit den schrägstehenden zähnen... wir laufen den alten daoisten mit den langen bärten noch den rang ab.
eingeschlafen und unterrichtsbeginn verpennt. Noch immer nicht geduscht.
während des unterichts kam Daniel, ihn gefragt wie man unter eine dusche kommt. Guan hat alles telefonisch geregelt. Nach dem Unterricht können wir duschen.
Denkste. Schüsselwäsche, ab ins Bett.

2. Tag

Muskelkater ist das Wort. Mein Körper entdeckt mal wieder völlig unbekannte Teile seiner selbst. Graben im muskulären Unterbewussten.
Guan ist der Name des Lehrers, den wir diesmal zugeteilt bekommen haben. Zhang kommt gelegentlich dazu. Zhong ist noch unterwegs in Wuhan.

die ersten tage


30 Stunden fliegen und zugfahren, eine Übernachtung im Flieger von Frankfurt nach Beijing, eine Übernachtung in Xiangfan. Erst mal ans Gepäck kommen. Der Fieger hält in der Nähe des Gebäudes, Treppe rangefahren, ausgestiegen und dem Schild nach zum Exit. Dort beinah schon draussen gewesen,, aber wo ist das Gepäck. Kein Band hier. Die werkstattähnliche Halle, durch die wir vom Flugfeld her ins Gebäude gekommen sind, ist wieder verschlossen. Aber alle, die erst mal die abholenden Verwandten begrüßt haben, stehen inzwischen gedrängelt vor der verbindenden Tür, versuchen durch das schmale Fenster zu spähen. Die Tür öffnet sich, alles strömt wieder zurück in die werkstattähnliche Halle, wo das Gepäck von einem Lastwagen geladen wird und verstreut auf dem Boden steht.

Abgesehen davon, dass uns der allem Anschein nach illegale Taxifahrer auch noch übers Ohr gehauen hat war die Fahrt in die Stadt in den Abendstunden sehr angenehm. Er wollte uns natürlich auch gerne am nächsten Tag mit seinem Wagen für 400 Yuan (40 Euro) nach Wudangshan fahren. Aber ich hatte doch schon im Internet die Zutickets gebucht und die sollten ja im Hotel liegen. Taten sie aber nicht. War ein mächtiges Gehassel, bis klar war, was wir wollten. Wahrscheinlich sind drei Brüder der jungen Frau an der Rezeption jetzt auf unsere Billets nach Wudangshan gefahren. Immerhin ist gerade goldene Woche, heißt, viele haben die Tage frei und reisen rum. Deswegen wimmelt es auch von Touris auf dem Berg. Wobei wimmeln schon etwas arg ausgedrückt ist. Es ist nun mal mehr los als sonst. Auch mehr, als sonst sonntags.

Nachdem wir dreimal durch die Akademie gelaufen waren, haben wir eine junge Frau gefunden, die dann eine andere junge Frau gerufen hat, die dann wusste, wer wissen müsste, wer wir und ob wir angemeldet sind. Ich weiß, der Satz ist verwirrend, aber er ist auf Deutsch, abgelaufen ist das ganze auf Behelfsenglisch und Behelfschinesisch. Was waren wir froh, später Daniel aus Basel zu treffen, der schon seit über einem Jahr in China rummacht und ganz gut chinesisch spricht.

Also die Akademie, nun, bei uns würde es eher unter frühe Hausbesetzerszene fallen. Sowohl was der Zustand der Räume, vor allem der sanitären Anlagen, aber auch das ungezwungene Miteinander ausmacht. Das erste Abendesen war sehr lecker und gut. Mal gespannt, ob Daniel uns foppen will, weil er immer von dem Essen aus einem Topf redet, und heute sei es was aussergewöhnliches gewesen, oder ob er die Wahrheit sagt, und wie die dann aussieht.

Wir haben den ersten Pflichtbesuch im Cixiaogong hinter uns gebracht (zwischen all den chinesischen Touris) und Chen Wu geopfert. Nach dem Abendessen gabs noch ne kurze Pause und dann das erste Training für uns von 19:00 bis 21:30 Uhr.
Morgen ist nur am Vormittag Training und am Donnerstag ist ganz frei. Fängt ja gut an.

lange danach und wieder kurz davor

tatsächlich war die letzte Reise nicht so umwerfend für mich, sondern sehr realistisch. Das ist ja auch wichtig, um nicht total euphorisch zu werden. Schadet dem Herz-Qi.
Jetzt die Steigerung. Absolut untouristisch fahren wir auf schnellstem Weg hin und auch wieder zurück. Leben direkt in der Akademie in den Bergen. Völlig offen, was wir lernen werden, ein bisschen mit der Hoffnung, etwas schöneren Herbst dort zu haben, als wir hier zurücklassen.

kurz vorher

bald geht es los und ich bin sehr gespannt.
Letztes Jahr war traumhaft. Alles passte und wir glitten nur so in die wunderbare Atmosphäre von Wudangshan. Diesmal tauchen schon in der Vorbereitung kleinere und größere Probleme auf. Da bin ich mal gespannt, wie es weiter geht.