langsam zurückkehren


langsam verblassen die Erinnerungen, auch wenn noch immer eine Flamme der Begeisterung in mir brennt.
Am Tag unserer Abreise wurde unsere letzte Übungsstunde von einer Nonne auf der Pipa begleitet. Kaum hatte sie sich gesetzt, tauchte eine Gruppe chinesischer Touristen auf, die das alles ganz spannend fanden, sich unter unsere Gruppe mischten, unsere Bewegungen imitierten und sich dabei fotografieren ließen. "Das wird jetzt eine Herausforderung" war Zhongs Kommentar.
Aber lange ließ die Fremdenführerin sich nicht das Heft aus der Hand nehmen und bald quäkte ihr Megaphon ihre Schäfchen zur nächsten Attraktion und langsam kehrten wir wieder zurück zum Ursprung.
Wir kehrten zurück ins Hotel und unser kleiner Bus war wieder da und unsere fröhliche lokale Reiseleiterin. Das gesamte Hotelpersonal stand am winkend am Fenster, aber wir mussten noch warten, weil Zhong uns noch eine CD mit Bildern und Film brannte, weil sowieso keiner so richtig fort wollte, weil man es sich garnicht vorstellen konnte, bald an einem anderen Ort zu sein, der nicht mehr Wudangshan ist.
Gelegentliche Mails mit Zhong Xueyong und Michaela halten Verbindung. Gerne möchte ich wieder im Herbst dort hin, leider finde ich bisher nur eine Interessentin, die mitwill.
Vielleicht fahr ich auch allein.

Die Übung


die letzten tage habe ich versucht, etwas Verständliches über den religiösen Daoismus heraus zu finden. Wer darüber weitere Informationen sucht, den verweise ich auf die hervorragend strukturierte und umfangreiche Seite des Taoist Culture & Information Centre. Also erzähl ich Euch lieber was über die Übungen, die wir dort gelernt haben. Wie schon früher berichtet, war nicht gleich klar, was wir nun lernen wollen, bzw. was Meister Zhong uns lehren wollte. Die Übung, mit der wir uns dann die sechs Tage beschäftigten, heißt: Xian Tiang Hun Yuan Gong. Michaela übersetzte es mit "Vor dem Himmel - zurückkehren zum Ursprung". Mit "Vor dem Himmel" ist der Zustand der Welt" vor dem in Erscheinung treten" gemeint. Dargestellt wird es durch die 8 Trigramme in symetrischer Anordnung. Das Konzept in Worte fassen, fällt mir schwer. Es ist der Zustand des Jetzt, gerade bevor es zum Jetzt wird, gerade bevor es für uns zum Jetzt wird.
"Hun Yuan" heißt allerdings nicht "Zurückkehren zum Ursprung" sondern "Trüber (unklarer) Ursprung."
Die Übung besteht aus drei Teilen: Himmel und Mensch vereinen sich; Qi absorbieren und ergänzen; Zurückkehren zum Ursprung.
Die Bewegungen sind recht einfach und können von jemand, der schon etwas Erfahrung im Qigong besitzt sehr schnell aufgenommen werden. Meitser Zhong hat sich Zeit gelassen und uns an 6 Tagen je 4 Stunden übven lassen. Das und die inspirierende Umgebung schaffte eine besondere Intensität.

Daoismus

Langsam wird es auch Zeit, etwas über den ganzen Hintergrund zu berichten, sofern wir das überhaupt rausfinden konnten. Der religiöse Daoismus, oder die daoistische Religion, ist schon etwas merkwürdig und für uns schwer nachvollziehbar. Zumindest im ersten Augenblick. Deshalb werde ich versuchen, euch das alles seeeehr schonend beizubringen.
Wahrscheinlich gibt es garkeine Religion in dem Sinne, wie wir es verstehen. Das ist alles so ab dem 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung entstanden und hat sich langsam aus dem philosophischen Daoismus und den regional verschiedenen Volksreligionen und dem, was wir bei uns Aberglauben nennen, entwickelt. Ich forsche noch intensiv daran und hoffe, in einiger Zeit zumindest einen Überblick bieten zu können. Hier erst mal ein link, den ich Gaby verdanke (danke) und von wo es noch einige weiterleitungen gibt. Also viel Spass beim Dao-Surfen.

zi xiao dian


Der Palast der Purpurwolke oder Purpurhimmel, das Zeichen Xiao kann sowohl Wolke wie Himmel bedeuten, wurde zu unserem Zuhause. Auch außerhalb der Übungszeiten strich ich durch die Hallen. Leider durfte man nicht überall fotografieren. Es gibt schon einige Schätze, aber es ist auch vieles in einem fürchterlichen Zustand.

Gelegentlich auftauchende Horden chinesischer Touristen - nur am ersten Tag sind uns prompt einige Deutsche begegnet - konnte man gelassen hinnehmen, auch wenn das quäkende Megaphon, ohne das ein Fremdenführer selbst bei nur wenigen Gästen nicht auskommt, den Gesang der Nonnen empfindlich zerstörte.

Lehrer 3


Aus den letzten Bildern ist schon zu ersehen, dass sich inzwischen das Verhältnis zwischen uns und Zhong Xueyong deutlich entspannt hatte. Ja, es war auch als ein Zeichen der Zuneigung zu uns zu deuten, dass er uns mitgenommen hat zu seinem Lieblingsplatz, eben der Höhle des Einsiedlers und der achteckigen Plattform.
An den Nachmittagen übten wir im Schatten eines kleinen Hains im Purpurwolken Palast. Immer wieder gab es Gelegenheiten, zwischendurch den Meister oder einige seiner Schüler beim Posen zu fotografieren.

Üben Üben Üben

Die Übung ist nicht sehr schwierig. Nach Zhong Xueyong wurde sie von Huo Long, genannt Zhen Ren, erarbeitet. Huo Long war der Lehrer von Zhang Sanfeng, dem legendären Begründer der inneren Schulen. Aber das nur nebenbei. Unser Lehrer lässt uns viel Zeit und wir können die Übung nicht nur erlernen, sondern auch ausgiebig erfahren.
Als kleines Bonbon besuchen wir (am 3. Tag? Was ist Zeit?) einen Einsiedler, der oberhalb des Purpurwolkenpalast in einer Höhle lebt.
Er schenkt jedem von uns einen kleinen Anhänger, der auf der einen Seite das Taiji Bagua zeigt, auf der anderen Seite ist Zhen Wu dargestellt. Das rote Bändchen. da besteht er drauf, muss mit einem bestimmten Knoten zusammen gebunden werden.

Etwas unterhalb der Erimitage gibt es eine 8eckige Plattform, früher das Fundament eines Pavillon. Eine neue Erfahrung des Übens.











Am nächsten Tag besuchen wir den Einsiedler noch einmal. Auf meine Frage, was er denn den Tag über so macht, antwortet er:"Ach, die kleinen Dinge."

Der Lehrer - 2


Palast der Purpurwolke
Aufstieg zum Übungsplatz

Wir treffen uns am nächsten Morgen im Hotel und gehen gemeinsam mit dem Lehrer Zhong Xueyong zum Palast der Purpurwolke, der wenige Minuten Fußweg vom Hotel entfernt liegt. Der Tempel wird von Nonnen geführt oder zumindest ist ein Nonnenkloster dem Tempel angeschlossen. Noch ist uns das alles fremd, doch schon bald werden wir uns wie selbstverständlich hier bewegen, es wird zu "unserem" Tempel.
Wir begeben uns auf einen Seitenhof und lernen dort die ersten Bewegungen "Mensch und Himmel sind Eins" der Übungsreihe "Vor dem Himmel - Zurückkehren zum Ursprung".
Ja, ich finde das durchaus interessant, eine einfache Übung und nach all den Jahren mit überraschenden Wirkungen. Meister Zhong ist nett zu uns, aber so richtig spannend findet er das mit uns wohl noch nicht. Verwunderlich, dass er überhaupt mit uns arbeitet, denn inzwischen weiß ich auch, dass er der Leiter der Wudang Daoist Wushu Academy ist. Hat er nichts Wichtigeres zu tun? Anscheinend doch, denn immer wieder dudelt sein Handy und so ganz will er sich davon auch nicht lossagen.

Der Lehrer - erste Begegnung

Meister Zhong Xueyong und unsere Michaela.

Was den Lehrer anging hatte ich zwar einige Wünsche geäußert, konnte aber vor der Abreise nicht erfahren, wer uns denn nun trainieren würde. Am Nachmittagh des zweiten Wudang-Tages sollten wir unseren Lehrer treffen und den weiteren Verlauf besprechen. 16:00 Uhr in der Lobby des Hotels - da sitzt er nun, ein drahtiger junger Mann mit dünnem Bärtchen, ganz in Weiß und mit dem typischen Haarknoten der daoistischen Mönche - und telefoniert auf seinem Handy. Und telefoniert. Und telefoniert. Und als er fertig ist, klingelt das Handy der Reiseleiterin und Dolmetscherin Michaela.
Aber dann ist es soweit, zuende telefoniert, "was wollt ihr denn lernen?" Öööh - Gut dann sollen wir mit rüber gehen in die Akademie. Soviel wissen wir also schon, unser junger Mann ist Trainer in der WUDANGSHAN DAOIST WUSHU ACADEMY, die direkt neben unserem Hotel residiert. Es ist, soweit ich weiß, die einzige Schule direkt am Wudangshan, den Köstern angeschlossen. Es gibt weitere Schulen unten, in Wudangshan Dorf (Laoying), die teilweise von ehemaligen Schülern der Academy oder anderen, dem Wudangstil verpflichteten Meistern, geleitet werden.
Uns wurden von diversen Schülern und Schülerinnen verschieden Kampfstile, kurze und längere Formen, vorgeführt. Der größte Teil unserer Gruppe ist bisher aber vorwiegend "nur" Qigong - erfahren. Wenn ich mir auch das eine oder andere zugetraut hätte, in der einen Woche zu erlernen, es war eindeutig, dass die Mehrheit DAS nicht wollte. Wir gingen dann in einen Raum im Gebäude (dem man dringend mal einen Eimer Farbe spendieren sollte), wo der junge Meister uns noch Qigong zeigen wollte. Er begann mit einer Demonstration der 8 Brokate im Sitzen, tat das ziemlich lustlos und brach auch bald ab. Dann gebe es noch ein Qigong im Stehen, würde auch länger dauern und er werde nur kurz einen Teil zeigen. Und begann und machte weiter und machte weiter und die Stimmung war eindeutig und alle waren sich einig, das wollen wir lernen und das will er uns das lehren.
Die Academy und einige Schüler